Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Darsteller, Idee, Umsetzung bis zum dritten Drittel . |
| Kontra: |
sehr seltsame finale Entwicklung |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Langsam aber sicher ist mir, als ob die von mir so heißgeliebte „Deadline“ alles andere als objektiv ist, sondern vielmehr sich darauf spezialisiert hat, lediglich eine Hand voll Filme erbarmungslos in den Boden zu stampfen und den Rest über den grünenKlee zu loben.
100 feet
kaufte ich mir dann mal nicht blind, sondern nutzte die Gelegenheit des bei Besuch-umsonst-guckens ~ was sich für mich als Glücksfall herausstellte.
Im Grunde ist die Idee alles andere als schlecht:Marnie Watson (Famke Janssen) verbüßte einen Teil ihrer Haftstrafe im Gefängnis; der Rest wird in den sog. Hausarrest umgewandelt. Standardgemäß wird ihr hierzu eine elektronische Fußfessel angelegt ~ entfernt sich Marnie mehr als 100 Fuß (von was eigentlich?), wird der Alarm ausgelöst und sie wird postwendend zurück eingeknastet. Ohnehin ist es ein wenig verwunderlich, dass sie für den Mord (wenn auch aus Notwehr) an ihren Ehemann und obendrein Cop Mike (Michael Paré) lediglich ein paar Jahre aufgebrummt bekam, aber sei's drum, darum geht’s in dem Film nicht.
Der Handlungsschwerpunkt liegt vielmehr darauf, dass Mike ganz und gar nicht glücklich über seinen Tod zu sein scheint und Marnie das Leben in ihrem Haus zur Hölle macht...
Die Umsetzung
überzeugt vorrangig durch glaubwürdige Darsteller an sich; verstört mich dementgegen jedoch durch manche kleinere Logikfehler.
Gut, selbst ich hab über kurz oder lang eingesehen, dass es vielleicht nicht so ganz koscher rüber kommt, wenn Marnie gesagt hätte „mein verstorbener Mann spukt hier durchs Haus und hat mich verprügelt“ ~ doch mit ihrer Äußerung, sie wäre schlicht und ergreifend die Treppe heruntergefallen, stimmt sie mich alles andere als glücklich. Ein „es war jemand im Haus“ wäre zumindest
meine Antwort gewesen; was auch immer mir diese hätte bringen sollen.
Doch als Lügnerin dazustehen, eben weil die Verletzungen kaum von einem Treppensturz hätten herrühren können, wäre für mich keine verlockende Option gewesen. Desweiteren erstaunt mich die Gratwanderung des Ex-Kollegen Mikes, erst putzt er Marnie (was'n Name überhaupt) bei jeder Gelegenheit runter und wartet quasi vor dem Haus auf die Gelegenheit, sie bei einem Regelverstoß zu beobachten; dann urplötzlich jedoch spielt er sich als Beschützer auf.
Tja, Männer!Wieso warum weshalb Leichengatte-Mike nun überhaupt so böse ist, bleibt offen. Gut, kann man sich denken; schließlich hat Frauchen sich gewagt, aufzubegehren....aber hat man als Geist nichts besseres zu tun, als Jahrelang auf die potentielle Rückkehr seiner Mörderin zu warten, obendrein an einem festen Platz? Wieso war's nicht bereits im Gefängnis soweit? Zu faul zum reisen, der Herr Geist, oder wie?
Ganz und gar nicht nachvollziehen kann ich den Umstand, dass Marnie noch Jahre nach dem Mord ihren Ehering trug. Geht man davon aus, dass sie ihn im Gefängnis abgegeben musste und erst kurz vor ihrem Hausarrest wieder bekam, macht es nur bedingt mehr Sinn. Oder gar noch weniger? Nicht jeder wird so kühn sein, um seinen Ring kurz nach der Trennung zum „An & Verkauf“ zu bringen oder wenigstens aus dem Fenster zu werfen ~ aber wieso steckt man sich den Ring wieder an?
Und wieso kommen die Film-Frauen stetig auf so merkwürdige Ideen, ihren Ring sodann doch loszuwerden?
War's in „Der Feind in meinem Bett“ noch die Toilette, dient in „100 feet“ der Waschbeckenabfallhäcksler als Entsorgungsstelle. Aha.
Weil sich Gold ja auch so leicht pürieren lässt. Guter Plan. Noch besserer Plan, mit der Hand hinterherzugreifen, wenn's im Haus spukt. Hat denn aus Filmen wie „Amityville Horror“ niemand was gelernt?
Tja, Frauen!Von dem allen aber mal abgesehen macht sich in „100 feet“ durchaus eine flockige Gruselatmosphäre breit. Nicht nur die Huhu-Stimmung, sondern ebenso die Brutalität, mit der Mike vor sich geht, nimmt kontinuierlich zu, ohne dabei jedoch übertrieben auf Gewalt zu pochen.
Einen besonderen Reiz bietet die optische (weil quasi unsichtbare und nur durch Blut der Opfer sichtbaren) Geister-Darstellung; die ein wenig an „Hollow man“ erinnern lässt, nur halt eben mit ohne Kevin Bacon.
Regelrecht zusammenzucken ließ mich persönlich keine Szene, was man jedoch auf den Umstand zurückführen kann, dass ich von Kindheit an Eremit war / bin und meine Sommerferien vor meinem täglichen Videofilm verbrachte. Sprich: ich hab schon ne Menge (Mist?) gesehen und ahne oftmals, was da kommt. Was nicht bedeuten soll, dass mich eine Küchenszenerie, in der Marnie von ihrem toten Ehemann mit Tellern regelrecht ange-frisbee-t wird, nicht unterhält. Nicht nur die Teller fliegen, sondern auch die Gesamtspielzeit von rund 105 Minuten vergeht hier im Fluge; Langatmigkeit gibt es keine; vielmehr wurde ein kleines mehr oder minder romantisches Detail in die Story eingeflochten, um die Hauptakteurin nicht den kompletten Film mehr oder minder alleine bestreiten zu lassen....
Aber dennoch... dennoch dennoch weiß ich nicht, was Regisseur Eric Red morgens in seiner Frühstücksflockentüte vorfand, um so einen filmischen Ausgang zu kredenzen.
Nicht nur Bücher schaffen es, durch die letzten Seiten den kompletten vorangegangenen Genuss in Frage zu stellen ~
eine These, die in „100 feet“ aufs bravouröseste untermauert wird. Ne, Kinder, das war ja einfach mal wieder lächerlich. Wer es schafft, nach diesem Finale nicht stetig den Filmtitel „Der Herr der Ringe“ im Kopf zu haben, dem gebührt mein aufrichtiger Respekt.
Summa summarum
fängt „100 feet“ stark an, lässt dann jedoch stark nach. Es wirkt ein wenig so, als hätten die Drehbuchautoren sich zum Ende hin durch eine PMS-Phase gequält und mit einem patzigen „mir doch egal!“ irgendeinen Plumpatsch niedergeschrieben.
Möglich auch, dass sie sich genauso zugesoffen haben, wie damals die Erfinder der „Amityville“-Saga; nur dass sie hier nicht noch behaupten, das ganze wäre wirklich passiert.
Sprich: aufgrund des grottigen Filmausgangs hagelts von mir Punktabzug (können abgezogene Punkte eigentlich hageln?), so dass lediglich 2 Sternchen übrigbleiben. Umsonst gucken ja; alles ab Videothekenleihgebühr zum alleine ansehen schon wieder nein.
Von dem Geld holt man sich besser ne Busfahrkarte und macht sich nen schönen Tag in sonstwo.
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