10 Dinge, die mich an anderen nerven

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10 Dinge, die mich an anderen nerven

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... Der 10. und letzte Punkt, der Nerven kostet ist der, dass man nie drun herum kommen wird, fast täglich genervt und belästigt zu werden. Glücklicherweise bin ich inzwischen gut trainiert und sag mir einfach : Immer lächeln ! ... Bericht lesen





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Immer lächeln !?
Erfahrungsbericht von jenny784 über 10 Dinge, die mich an anderen nerven
06.07.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: trainiert die Geduld  .   .   .
Kontra: aber strapaziert die Nerven  .   .   .

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich stieg in den Bus, der Kopf schwirrte mir noch von Bernfelds "Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung". Mit einem kurzen Blick fand ich schnell eine leere Zweiersitzbank für mich und ließ mich erschöpft darauf nieder.
Ich freute mich schon richtig auf zu Hause. Dort wartete nicht nur die neue Liebeskomödie mit Julia Roberts auf mich, sondern auch noch mein Freund, der das Pizza-Taxi schon vorbestellt hatte.
Ich war noch in Gedanken versunken, als mich etwas plötzlich zur Seite schob und mit dem Gesicht fast ans Fenster drückte, aus dem ich eben noch so verträumt geblickt hatte. Das "Etwas" war ein etwa 16-jähriges Mädchen mit recht ausladender Figur, die sich und ihren ebenso ausladenden Schulrucksack auf den schmalen Sitz neben mir quetschte. Ihre Nähe wurde durch den aufdringlichen Parfum-Geruch, der all ihren Poren zu entströmen schien, noch etwas unangenehmer, sodass ich mich freiwillig auf die Hälfte meines Platzes beschränkte. Dass schien ihr zuviel Distanz zu sein, da sie ihre Hüften unbekümmert auf den frei gewordenen Platz schob . . . Naja, noch eine Viertelstunde, dann würde ich das überstanden haben. Schlimmer konnte es ja nicht mehr werden - - oder?
"Mensch du, heute Abend bin ich eingeladen, bei der Steffi! Da ist der Klaus auch da . . . "
Es dauerte einige Momente, bis ich realisierte, dass meine Platznachbarin mich meinte! Etwas verwirrt nickte ich nur . . .

Als ich aus dem Bus stieg wusste ich alles über Marina, so hieß das Mädel nämlich, und Klaus. Und wenn ich alles sag, dann meine ich auch alles!!! Vom Kennenlernen, über den ersten Kuss und das er sie mit Katrin - oder war es Steffi ? - betrogen hatte und sie, also Marina, ihn jetzt zurück wollte, aber eigentlich doch nicht, denn da war ja noch der Julian, aber der wollte eigentlich was von Sonja . . .
Warum müssen manche Leute einem unbedingt ein Gespräch aufzwingen ? Meine einsilbigen Antworten schienen ihr nicht im geringsten den Verdacht aufzudrängen, dass mich weder Klaus noch Sonja interessierten . . .

Der Weg von der Bushaltestelle bis zu unserer Wohnung dauerte wie gewöhnlich nur 5 Minuten. Bis ich dort angekommen sein sollte, brauchte ich allerdings ganze 20 Minuten. Ich traf nämlich meine Nachbarin, Frau Kroll, zwischen Briefkasten und Altpapiertonne.
"Ach, schön Sie zu treffen . . ."
Frau Krolls Stimme machte mir jedoch augenblicklich klar, dass sie sich ganz bestimmt nicht freute, mich zu treffen . . .
"Na, du alte Hexe, was gibt's denn diesmal?"
Hatte ich das etwa laut gesagt? Anscheinend nicht. Ihr Gesichtsausdruck strahlte weiterhin die übliche falsche Freundlichkeit und dieses Ich-weiss-über-alles-und-jeden-Bescheid aus.
"Bei Ihnen war es ja Montag mächtig laut. Ich hoffe, es ist nicht schlimmes passiert ?!"
Sie gierte förmlich nach Informationen.
"Nein, machen Sie sich bitte keine Sorgen, Frau Kroll, es ist nichts passiert."
Ging es sie etwas an, dass mein armer Freund den Sessel vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer und von da aus wieder zurück schieben musste, weil ich ein paar wohnliche Veränderungen vornehmen wollte und den Plan rasch wieder verworfen hatte? Nein, ich denke nicht.
"Ach, und letzten Freitag - oder war es vorletzten - da haben Sie vergessen die Haustür unten abzuschließen. -Sie sind doch als Letzte nach Hause gekommen ? Ich meine um Viertel nach 2 Schritte im Flur gehört zu haben . . . "
An mir beisst du dir die Zähne aus, dachte ich mit Zornesfalte auf der Stirn und gab ihr weiterhin nichtssagende Antworten . . .

"Was ist denn mit dir los?"
Fragte mein Schatz, als ich kochend in die Wohnung stürmte und krachend die Tür ins Schloss warf.
"Ach, nur die Kroll wieder . . . "
Endlich saßen wir auf der Couch, guckten den Film und teilten uns eine Flasche Dornfelder, während wir auf das Pizza-Taxi warteten.
Um kurz vor acht klingelte es.
"Ich geh schon!"
Ohne an die Sprechanlage zu gehen, drückte ich den Türöffner und öffnete die Wohnungstür. Ich hörte Schritte, allerdings von 2 Menschen. Seit wann lieferten Pizzaboten denn zu zweit aus ?
"Hallo! Na, lange nicht gesehen!"
Mir klappte die Kinnlade runter. Vor mir standen Sabine und Jens, ein befreundetes Pärchen von uns.
Überraschungsbesuch! - Gibt es etwas Schrecklicheres als überfallartig Besuch zu bekommen? Nicht nur, dass es die Planung vollkommen durcheinander bringt, es kann Gast und Gastgeber auch in unangenehme Situationen bringen. Ich bekomme z.B. immer unangemeldeten Besuch, wenn die ungebügelte Wäsche auf dem Sessel liegt, meine Zettelwirtschaft auf dem Schreibtisch verstreut ist oder ich bisher zu faul war, die zuletzt benutzten Teller in die Küche zu bringen . . . Im Zeitalter der Mobiltelefone ist es doch auch von unterwegs kein Problem anzurufen, ob es den Gastgebern passt, wenn man spontan vorbei schauen möchte . . .
"Dornfelder! Mein Lieblingswein!"
Rief Sabine entzückt. Da konnte sie doch gleich sagen "Komm, gieß mir ein!". Und so landete ein Teil meines letzten Geburtstagsgeschenkes, das ich für besondere Anlässe aufgehoben hatte, in Sabines Glas . . . Nicht, dass ich geizig wäre, aber manche Dinge teilt man doch nur ungern mit halbherzigen Bekanntschaften, oder?
"Was guckt ihr denn da?"
Fragte Sabine. Noch bevor ich antworten konnte, fiel sie mir ins Wort.
"Ach den Film! Die kommen nicht zusammen, dafür passiert in der Mitte aber was total Geniales ; und zwar . . . "
Nachdem Sabine mir haarklein alle wichtigen Handlungsdetails sowie das Ende verraten hatte, konnte ich den DVD-Player ausschalten und mich ganz der Unterhaltung widmen.
Natürlich blieben die beiden auch noch, als gegen 21h endlich der Pizzabote eintraf. Unbekümmert luden sie sich selbst zum Essen ein und überließen meinem Freund und mir sogar eine der beiden Pizzen. Nach dem Essen nahmen sie gerne jeweils eine Zigarette an, die wir ihnen gar nicht angeboten hatten.
Selbstbedienung, auch als "Schnorrerei" verschrien, und eine solche Dreistigkeit sind der Gipfel schlechten Benehmens und für den Ausgenutzten ein wahrer Nervfaktor.
Nachdem wir gegen 22.30h an diesem Wochentag verkündeten, dass wir nun so langsam mal ins Bett gehen wollten, da wir ja bekanntlich immer um 6h aufstehen müssen, verbrachte unser Besuch noch eine gemütliche halbe Stunde bei uns, in der nun auch Jens eigenmächtig zum Wein griff und sein Glas bis zum Rand (!) füllte und verkündete "Dann ist die Flasche wenigstens leer", dann machten sie sich langsam auf den Heimweg. ( Dass sie ihre Schlafsäcke nicht aus dem Auto holten, um bei uns zu übernachten, überraschte mich dann doch.)

Am nächsten Morgen hatte sich meine Laune wieder gebessert. Ich hatte erst nachmittags Uni und so wollte ich den Morgen nutzen, um den wöchentlichen Einkauf zu erledigen.
Bei Aldi war es um 11 Uhr schon recht voll.
Zielstrebig klapperte ich die Einkaufsliste ab, während ich seitlich, von vorne und von hinten von sämtlichen Einkaufswagen angerempelt oder gar halb umgefahren wurde. Entschuldigungen der Verkehrsrowdies? Fehlanzeige!
Um das Personal zu entlasten, war nur eine einzige Kasse geöffnet und so fand ich mich in der Gemüseabteilung wieder, um mich zum Bezahlen anzustellen. Hinter mir stand eine ältere Dame mit nur zwei Konserven in der Hand, die ich gerne vorgehen ließ. Als sie ihren Gatten zu sich rief " Achim, hier bin ich!" ahnte ich noch nichts Böses. Als Achim dann jedoch einen randvoll gefüllten Einkaufswagen vor sich her schob, wollte ich "Gitte", wie Achim sie nannte, gerade auf die Schulter tippen, als ich von hinten angesprochen wurde.
"Entschuldigung, ich habe nur drei Teile. Würden Sie mich eventuell auch vor lassen? Ich habe es nämlich eilig . . . "
Ja, wenn Menschen einkaufen setzen sich rücksichtslose Urtriebe üblicherweise wieder durch . . .

Wieder zu Hause räumte ich gerade den Kühlschrank ein, als das Telefon klingelte.
"Ja, hallo?"
"Gott sei Dank, du bist zu Hause! Bitte, komm sofort zu mir!"
"Ich muss aber gleich zur Uni . . . "
"Bitte, ich weiss nicht mehr, was ich tun soll !"
Meine beste Freundin schluchzte am anderen Ende des Telefons.
Ohne großartig Fragen zu stellen, machte ich mich auf den Weg zu ihr. Ganze 30 Minuten war ich unterwegs und machte mir meine Gedanken. Hatte sie mit Dennis Schluss? War ihr Hund gestorben? Hatte sie finanzielle Probleme? Oder war sie vielleicht schwer krank?
Ich klingelte Sturm bei ihr, sofort ertönte der Summer.
"Was ist passiert?"
Fragte ich schon an der Tür. Mir blieb die Frage im Halse stecken. Ihre sonst so schwarz gefärbten Haare schimmerten grün-orange-grau im neonhellen Flurlicht.
"Dafür rufst du mich an? Dafür komm ich vorbei?"
Fassungslos stand ich vor dem heulenden Häuflein Elend.
"Ich wollte mich doch nur blondieren . . . "
Jammerte sie, ohne auf meine Fragen einzugehen.
"Aber da hättest du doch besser in deinem Friseurladen angerufen, als bei mir! Ich studiere Geisteswissenschaften und nicht Chemie!"
Zur Uni habe ich es natürlich nicht mehr geschafft. Stattdessen lief ich mit einer verheulten Freundin, die ihre verkorksten Haare unter einer Mütze verbarg, durch die Stadt, um beim besten Friseur im Ort um Hilfe zu bitten . . .

"Wie konnte denn das geschehen?"
Die Friseuse mit den raspelkurzen schwarz-knallrot gefärbten Haaren blickte meine Freundin entsetzt und mitleidig an.
"Äääh . . . sie wollte mir die Haare aufhellen!"
Fassungslos starrte ich meine Freundin an. Sie schob mir den schwarzen Peter zu ??? Noch bevor ich mich wehren konnte, bekam ich von der Frsieuse mit strafendem Blick einen Vortrag über Laien, die glaubten günstig die Profis ersetzen zu können und von nichts eine Ahnung hätten. Zudem redete sie mir ins Gewissen, wie ich das meiner Freundin antun konnte und ob ich mich nicht schämen würde, diese so verunstaltet zu haben.
Blitzende Blicke trafen mich und obwohl mich keine Schuld traf, errötete ich unter dem strengen Vortrag der aufgebrachten jungen Frau. Meine Freundin blickte beschämt zur Seite und ich plante den perfekten Mord.
Wie konnte sie mir die Schuld zuweisen?

Konnte der Tag noch schlimmer werden?Ja, es hätte schlimmer kommen können. Doch vorsichtshalber legte ich mich zu Hause einfach ins Bett und schaltete Tür und Telefon ab.
Ja, ich kann sagen: Ich war genervt!
Genervt von plappernden Fremden ; neugierigen Nachbarn ; Überraschungsbesuchern ; Schnorrern ; Leuten, die das Filmende verraten ; Besuchern, die nicht daran denkt, zu gehen ; Dreistigkeit und Rücksichtslosigkeit im Supermarkt ; panikverbreitenden Freunden, die aus einer Mücke einen Elefanten machen und letztendlich von Leuten, die andere beschuldigen, um selbst besser dazustehen.
Das sind nur 9 Punkte, die mich Nerven kosten. Der 10. und letzte Punkt, der Nerven kostet ist der, dass man nie drun herum kommen wird, fast täglich genervt und belästigt zu werden.
Glücklicherweise bin ich inzwischen gut trainiert und sag mir einfach : Immer lächeln !
   
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