Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
einfühlsame Dokumentation ohne jeglichen Patriotismus |
| Kontra: |
dass dieser Film überhaupt entstehen konnte |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Millionen von Zeilen wurden über die Ereignisse des 11. September 2001 in New York geschrieben, Tausende von Interviews und Augenzeugenberichten im Fernsehen gezeigt, unzählige Male die unfassbaren Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Center gezeigt.
Es dürfte wohl niemanden geben, den dieses Thema kalt lässt. Fast jeder kann sich daran erinnern, was er in dem Moment gerade getan hat, als er zum ersten Mal hörte oder sah, welche ungeheuren Geschehnisse an diesem Tag die Welt erschütterten. Ich saß mit Mann und Kind (Janek war damals 2 Monate alt) vor dem Fernseher, Janek übte gerade eines seiner faszinierenden Engelslächeln, als bei MTV das laufende Programm unterbrochen wurde...
In den ersten Tagen verschlang ich alle Informationen, die ich über die Anschläge des 11. September kriegen konnte.
Doch irgendwann war ich es leid. Ich konnte und wollte nichts mehr darüber lesen oder sehen. Lange hatte ich versucht zu verstehen, was da genau passiert war. Doch mein Verstand stellte sich quer.
Doch dann, vor ein paar Wochen , saß ich 1 ½ Stunden wie gebannt vor dem Fernseher und schaute mir eine unglaubliche Dokumentation beim MDR an.
Zunächst dachte ich, es handele sich um eine "normale" Reportage über die Arbeit der Feuerwehr in New York. Als eine solche war der Film eigentlich ursprünglich auch geplant.
Die Brüder Naudet
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Die Anfang der 70er Jahre in Paris geboren Brüder Jules und Gedeon Naudet zogen 1989 nach New York, um dort die Filmhochschule zu besuchen. Die beiden Absolventen erhielten mehrere Auszeichnungen, darunter 2 beim New York Festival 1993 und 1995.
Für ihr neuestes Projekt, ein Dokumentarfilm über die New Yorker Feuerwehr, begleiteten sie den jungen Feuerwehrmann Toni Benetatos und seine Kollegen von der New Yorker Feuerwache 7 Monate lang mit der Kamera bei ihren Einsätzen.
Der 11. September 2001 - die letzten Stunden im World Trade Center
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Auch der 11. September begann für die beiden in der Feuerwache, als Alarm wegen Gasgeruchs in der Nähe des World Trade Centers ausgelöst wurde. Jules begleitet den Einsatz mit der Kamera. Bis sich plötzlich alles ändert. Gerade schwenkt Jules die Kamera zu Übungszwecken, als das erste Flugzeug in einen der Türme des World Trade Centers fliegt. Die Einheit der Feuerwache 7 ist als erste an der Unglücksstelle. Joe Pfeifer, der Feuerwehrhauptmann der Truppe, erlaubt Jules, seine Aufnahmen in der Lobby des World Trade Centers fortzusetzen. Noch ist niemanden klar, welche einzigartigen Aufnahmen entstehen werden. Jules ist der einzige Kameramann, der die Ereignisse im Inneren der beiden Türme gefilmt hat.
Als Jules die Lobby betritt, sieht er als erstes zwei brennende Menschen, die rechts von ihm nach draußen laufen. Er hält die Kamera absichtlich nach links und sagt später: "Das musste niemand sehen." Dieser Gedanke wird während der gesamten Dokumentation immer wieder deutlich. Im Gegensatz zu zahlreichen Fernsehberichten, die sensationslüstern extra nah an die Opfer heranzoomen, wird hier sensibel darauf verzichtet, auch nur ein einziges Opfer zu zeigen. Von einem einzigen Foto abgesehen. Dem Foto des Priesters Mychal Judge. Sein Schicksal hat mich besonders berührt. Auch er war als Helfer in der Lobby und wurde von Jules gefilmt, während er still betete. Später wird berichtet, dass Father Mychal das erste offizielle Todesopfer der Anschläge wurde, als er den Helm zum Beten abnahm und von herabstürzenden Trümmerteilen erschlagen wurde. Er wird später als offizielles Todesopfer Nr. 0001 die lange Liste der Opfer anführen.
Ratlosigkeit spiegelt sich in den Gesichtern der Feuerwehrmänner. Sie wissen so gut wie nichts darüber, was über ihren Köpfen passiert. Die Leute auf der Straße, die Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt, sie wissen mehr als die Menschen, die sich in den Türmen befinden, um zu retten, was zu retten ist.
Schlimmer als wohl jedes Foto sein könnte ist der Knall, der von den Menschen verursacht wird, die vor Verzweiflung freiwillig aus den Fenstern springen. Mehrmals ist dieses Geräusch im Film zu hören, unglaublich laut und unvorstellbar berührend. Vor allen Dingen, weil der Zuschauer diesen Lärm des öfteren hört, aber erst nach einiger Zeit erfährt, dass der Lärm nicht etwa von herabfallenden Trümmern verursacht wurde, sondern von Menschen.
Fassungslos und sicher scheinbar immer der bedeutenden Rolle ihrer Kameras bewusst, lassen die Brüder ihre Kameras fast ununterbrochen laufen. So darf der Zuschauer hautnah miterleben, wie die Lampe von Jules Kamera eine lebensrettende Rolle spielt, als der erste Turm über ihm und den Feuerwehrleuten zusammengestürzt ist. Kein Spielfilm könnte eindrucksvoller darstellen, wie furchtbar die Stille nach dem Einsturz sein musste, wie grauenvoll der helle Staub, der sich in Sekunden an allem festkrallte, was es gab. An Menschen, Autos, Gebäudetrümmern - scheinbar auch am Himmel, denn auch die Sonne war nicht mehr zu sehen. Gédéons Aufnahmen zur selben Zeit draußen zeigen dies.
Die Angst um den Bruder lässt Jules und Gédéon nicht los. Beide suchen sich gegenseitig und befürchten das Schlimmste.
Über den Zeitraum von vielen Stunden begleitet der Zuschauer die beiden Brüder. Der Einsturz des zweiten Turmes, die Suche nach Opfern, die gespenstische Ruhe in den menschenleeren Straßen, der zentimeterdicke Staub und der Moment, in dem sich Jules und Gédéon in der Feuerwache endlich in die Arme schließen - all das wird beeindruckender vermittelt, als es der aufwendigste Spielfilm über die Katastrophe (und den wird es sicher irgendwann einmal geben, da bin ich mir sicher) jemals könnte.
Nach und nach kehren alle Feuerwehrmänner der Wache 7 zurück, nur einer fehlt. Toni, der junge Feuerwehrmann, der Mittelpunkt des Films der Brüder Naudet sein sollte. Einerseits glücklich und außerstande, die Geschehnisse zu verstehen, überwiegt die Sorge um Toni bei seinen Kollegen. Je mehr Zeit vergeht, desto sicherer sind alle: Toni ist tot.
Stunden später, bei Einbruch der Abenddämmerung, die Erleichterung. Ein erschöpfter, aber unverletzter Toni kehrt zur Feuerwache zurück. Zitat Toni: "Ich grabe stundenlang mit den bloßen Händen in den Trümmern, weil ich sicher bin, dass ihr darunter liegt... und ihr sitzt derweil hier und esst Orangen!"
Faszinierend ist die sensible Beobachterrolle der Kamera. Abwechselnd werden Aufnahmen von Jules und Gèdèon gezeigt. Sämtliche Personen - seien es die Rettungskräfte, die geschockten Menschen auf der Straße oder die aus den Türmen flüchtenden Menschen - werden respektvoll und unkommentiert gezeigt in ihrer Verzweiflung, ihrer Trauer, ihrer Ratlosigkeit.
Während der Originalaufnahmen gibt es keine nachträglich eingespielten Kommentare, sondern nur die live gesprochenen Bemerkungen. Dies macht den Film noch authentischer. Ohne von einem Sprecher beeinflusst zu werden, sieht man die Ereignisse plötzlich aus einem anderen Winkel. Die Gesichter und Gespräche der Menschen auf der Straße genügen vollkommen, um ein wenig zu spüren, welches Grauen und welche Ungläubigkeit die Augenzeugen vom 11. September 2001 beschäftigte.
Um besser nachvollziehen zu können, welches Ereignis man gerade miterlebt, werden ab und zu die Original-Fernsehbilder eingespielt mit den Kommentaren von damals.
Nachträglich geführte Interviews mit den beteiligten Feuerwehrmännern tragen zusätzlich zum Verständnis bei.
Als sehr wohltuend habe ich den fehlenden Patriotismus während des Films empfunden. Vielleicht liegt es daran, dass die Dokumentation von Nicht-Amerikanern stammt, die nicht ständig betonen, wie schmerzvoll der Anschlag auf das World Trade Center für das amerikanische Volk war und wie wichtig Vergeltung sei. Diese Eigenschaft finde ich bei allen anderen Reportagen, die ich zu diesem Thema kenne, sehr störend.
Der Film wurde erstmals im März 2002 weltweit zur selben Zeit im Fernsehen ausgestrahlt, was ich leider nicht mitbekommen hatte. Ein Großteil der Einnahmen aus der Ausstrahlung, dem Video- und DVD-Verkauf gehen übrigens als Spende an die verwaisten Kinder der verstorbenen Feuerwehrleute, um ihnen trotz allem eine gute Schulbildung ermöglichen zu können, die für die meisten Kinder aus Mangel an finanziellen Mitteln so nicht mehr möglich wäre.
Fazit
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Dieser Film erhält von mir die volle Punktzahl: eine einfühlsame Dokumentation, jenseits jeglicher sensationsgieriger Reportagen, voller Respekt gegenüber allen Opfern und Überlebenden.
| weitere Erfahrungsberichte |
9/11 der 11. September
Bewertung für 11. September - Die letzten Stunden im World Trade Center von
MrNarcotic
Pro: sehr ausführlich
Kontra: nichts für kleine kinder
Die DVD ist sehr ergreifend und sehr ausführlich! Der Sprecher ist sehr gut (die stimme von robert de niro). Mich hat dieser Tag damals sher getroffen, desshalb habe ich mir die DVD sofort gekauft, ich war überrascht sie im laden liegen zu sehen, der Pr ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als weniger hilfreich |
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17.12.2002
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