Miikes Rachefeldzug
17.06.2011
Pro:
siehe Bericht,
Kontra:
siehe Bericht,
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 atrachte
Über sich:
...
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Erfahrungsberichte:813
Vertrauende:113
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 155 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Der Samuraifilm ist so etwas wie das Ur-Genre des japanischen Kinos, dessen Bedeutung ähnlich hoch anzusiedeln ist, wie die des Western für das nordamerikanische Kino. In ihm spiegelt sich die bis heute für viele fremd wirkende Mentalität der Japaner wieder, ihre Tradition, ihr Verständnis von Ehre, Gerechtigkeit und Aufopferung für das eigene Volk. Alles also Motive, die bis heute in der japanischen Gesellschaft zu finden sind und nach wie vor sehr hoch angesehen werden. Und auch wenn die Samurai in den letzten Jahrzehnten kaum noch eine tragende Rolle im japanischen Kino spielten, so sind sie doch nicht ganz von der Bildfläche verschwunden. Ausgerechnet Japans Enfant terrible Takashi Miike („Ichi the Killer“, „Audition“), den meisten nach wie vor durch seine abgedrehten Gewaltexzesse bekannt, könnte aber nun für ein Revival des Genres sorgen. Denn sein „13 Assassins“ war nicht nur in seinem Heimatland ein Publikumsmagnet, sondern konnte auch die internationale Presse und selbiges Publikum begeistern. Und das ist aus vielerlei Hinsicht durchaus auch nachvollziehbar. Zum einen ist „13 Assassins“ ein guter und handwerklich einwandfrei produzierter Unterhaltungsfilm. Zum anderen, und für die vielen euphorischen Stimmen wohl wirklich Ausschlag gebend, hat Miike einen Film vorgelegt, der für ihn vollkommen untypisch ist. Statt sonderbare Figuren und einen überdrehten Plot präsentiert der Japaner einen in jeglicher Form an die großen Klassiker des Genres erinnernden Beitrag, der im Vergleich zur restlichen Filmografie Miikes beinahe schon bieder wirkt. So unterliegt der dramaturgische Aufbau jeglichen Regeln des Genres, die Inszenierung ist ruhig und bedacht auf die Motive und die Charaktergestaltung erinnert mehr an einen Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“, „Ran“), als an einen Miike. Statt epileptisches Kino kontrovers nun also seriöses Historiendrama? Miike, sowieso eine cineastischer Tausendsassa, ist wirklich immer für eine Überraschung gut.
Das soll nun aber nicht heißen, dass „13 Assassins“ ein Kniefall vor dem Mainstream-Kino ist. Zwar gehört Miikes erster Ausflug ins Samurai-Genre (der nächste ist mit „Hara-Kiri: Death of a Samurai“ schon auf dem Weg) unbestreitbar zu den bisher zugänglichsten Werken des Japaners, trotzdem ist die Handschrift des eigenwilligen Regisseurs nach wie vor auszumachen. So liegt der Schwerpunkt der Gewalt - Miikes großes Thema in beinahe jedem Film - diesmal nicht maßgeblich im visuellen, sondern mehr in der Geschichte selbst. Diese ist angesiedelt im feudalen Japan, welches bereits seit mehreren Jahren eine friedliche Periode erlebt und allmählich zur Ruhe gekommen zu sein scheint. Allerdings wird der Frieden von dem sadistischen Lord Naritsugu (Goro Inagaki) gestört, welcher durch das Land zieht und wahllos vergewaltigt, foltert und mordet. Da er der Halbbruder des Shogun ist, droht ihm keine Gefahr. Im Gegenteil, es soll gar nicht mehr lange dauern, bis er selbst zum zweitmächtigsten Mann in Japan aufsteigt. Das, und somit einen möglich aufkommenden Krieg zu verhindern, zu verhindern ist die Bitte von Doi (Mikijiro Hira), einem Berater des Shogun, an den Samurai Shinzaemon Shimada (Koji Yakusho). Dieser soll eine Armee mit seinesgleichen zusammenstellen und Naritsugu zur Strecke bringen, ehe es zu spät ist. Keine so leichte Aufgabe, denn die Kaste der Samurai ist eine aussterbende, und die wenigen verbleibenden stehen sowieso im Dienste des Shogun oder Naritsugu. Mit gerade einmal zwölf Verbündeten macht sich Shinzaemon auf in ein kleines Dorf um Naritsugu in einen Hinterhalt zu locken. Da wissen die Assassinen aber noch nicht, dass ihnen ein Kampf gegen über 200 Männer voraus steht...
Miike erzählt die Geschichte, zumindest in der ersten Hälfte, ohne großen Knall. Allerdings erzählt er nicht einfach nur eine Samurai-Geschichte um Ehre und Pflichtgefühl, sondern er sorgt im gleichen Atemzug auf für die Dekonstruktion der (veralteten) Motive der Samurai. Den ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld zu finden, dass ist für Miike, trotz der edlen Beweggründe seiner Protagonisten, nichts primär wünschenswertes. Der Weg des Samurai besteht darin, den Tod zu finden. Diesen Wunsch erfüllt er beinahe allen „guten“ Figuren. Lediglich zwei Assassinen stehen am Ende noch auf dem Schlachtfeld, dessen vorangegangenes Gefecht fast die ganze zweite Hälfte des Filmes einnimmt und schier atemberaubend gut inszeniert ist. Die beiden letzten wollen das Samurai Leben nicht mehr. Sie brechen mit der Kaste und gehen fort. Dieses Ende, diesen Bruch mit der alten Tradition, darf man bei Miike durchaus auch auf die Gegenwart übertragen. Somit ist „13 Assassins“ klassisches, fast schon zelebrierendes Samurai-Kino und gleichzeitig auch Abgesang auf selbiges. Ein Genre so im Widerspruch zu sich selbst zu setzen, es gleichzeitig zu feiern und zu Grabe zu tragen, das schaffen im gegenwärtigen japanischen Kino wohl wirklich nur Takeshi Kitano („Hana-Bi“, „Sonatine“) und Miike selbst.
Daten zum Film: Originaltitel: Jûsan-nin no shikaku (Japan/UK, 2010) Laufzeit: ca. 120 Minuten FSK: Ab 16 Jahren Regie: Takashi Miike Darsteller: Kôji Yakusho (Shinzaemon Shimada), Takayuki Yamada (Shinrouko), Yûsuke Iseya (Koyata), Gorô Inagaki (Lord Naritsugu), Mikijiro Hira (Sir Doi), Hiroki Matsukata (Kuranaga)... 7/10
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11.09.2011 11:23
nicht mein Ding...Liebe Grüße =)
26.06.2011 20:22
interessant ;-)
25.06.2011 19:43
Mir sind Miikes härtere Filme lieber, was Assassine angeht, fand ich "Azumi" sehr gelungen. ;-)