1913 - Der Sommer des Jahrhunderts / Florian Illies

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1913 - Der Sommer des Jahrhunderts / Florian Illies

Ein Buch so farbig, so schillernd, so vielgestaltig wie der Sommer des Jahrhunderts. "Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen - Illies' Geschichten...

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92% positiv

5 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "1913 - Der Sommer des Jahrhunderts / Florian Illies"

veröffentlicht 09.03.2013 | PeterPan2
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Über sich :
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.....
Sehr gut
Pro Wahnsinnig viele neue Erkenntnisse, unzählige Anekdoten im historischen Kontext.
Kontra Zu feuilletonlastig, manchmal zu vergeistigt. 1913 muss es von Sonderlingen gewimmelt haben.
besonders hilfreich
Informationsgehalt
Vermittlung der Inhalte
Erforderliche Vorkenntnisse:
Anregungen und Tipps
Aufmachung

"WSS: Die "besondere" Wundertüte....."

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts / Florian Illies

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts / Florian Illies

Als ich neulich zum Arzt ging und ahnte, dass dies mit einer gewissen Wartezeit einhergehen könnte, musste schnell ein Buch her. Aus dem Stapel meiner Frau lachte mich „1913“ von Florian Illies an, und da ich bisher nur Gutes über dieses Werk gehört hatte, kam es in die Tüte mit meinen Halspastillen und Arztunterlagen. Dort angekommen stellte ich fest, dass ich wohl noch mehr Zeit brauchen würde, als vermutet. Wie gut, dass ich vorgesorgt hatte.....

In Ermangelung von Sitzplätzen (ca. 35 Patienten waren vor mir) lehnte ich mich an eine Wand und begann zu lesen. Florian Illies (bekannt durch „Generation Golf“) hat sich diesmal in die Geschichte gewagt, was ihm aber als Kunsthistoriker und Journalist nicht weiter schwer gefallen sein dürfte. Er entführt uns ins Jahr 1913, also genau 100 Jahre zurück.
Das Buch…..

…..fußt auf Dutzenden Quellen, ist historisch ziemlich konkret recherchiert und untergliedert sich in 12 Kapitel, die jeweiligen Monate des Jahres. Sicher, einige Anekdoten beruhen auch auf Annahmen, aber das Meiste ist historisch verbrieft. Dazu kommt, dass 1913 das letzte Friedensjahr vor dem ersten großen Weltenbrand des 20.Jahrhunderts sein sollte. Der Blick in diese Epoche versprach daher interessant zu werden, Einblicke in Hintergründe der Zeitgeschichte und einiges mehr zu bieten. So sah das am Anfang auch aus. Hitler und Stalin, aber auch Trotzki und Tito zeitgleich in Wien? Haben sie sich irgendwann einmal zufällig im Schlosspark Schönbrunn getroffen? Eine gewisse Spannung baut sich bei mir auf, ich will mehr wissen. Das Buch liest sich flüssig weg, Episode folgt auf Episode, jeden Monat einige neue Mitwirkende, zumeist auch heute noch bekannte Künstler, aber auch „alte Bekannte“ aus den vorherigen Kapiteln.

Spätestens aber ab etwa März/April vermisse ich etwas. Alle Protagonisten reihen sich weitestgehend in die Kategorie Feuilleton ein. Ich bekomme einen Einblick in die Geistes- und Gedankenwelt führender Eliten der Zeit. Aber es werden kaum politische und weitere (zumindest mich interessierende) Hintergründe geklärt. Vermutlich will das Buch dies auch gar nicht, aber ich bin ab etwa der Mitte des Buches genervt, weitestgehend nur zu lesen, wer mit wem schläft und/oder wessen Muse ist, wer sich Morphium spritzt und welcher Schriftsteller sich grad ausgebrannt (damaliger Fachbegriff: Neurasthenie) und/oder missverstanden fühlt.
Schon etwas unlustig geworden…..

…..habe ich dann aber inzwischen wenigstens einen Stuhl ergattern können, in welchem ich nun ein wenig zusammensacke und weiter Monat um Monat verschlinge, ohne Aussicht auf Besserung. Mein Gott, hoffentlich erbarmt sich Frau Doktor meiner bald. Doch sie lässt mich bis zum November schmoren, fast 7Stunden, Rekord. Aber auch das Buch habe ich in Rekordzeit inhaliert, fühle mich dann aber elendig leer. Ob es am Buch oder meiner ausgesprochen schweren Grippe liegt, vermag ich nicht zu sagen. Vermutlich ist beides Schuld. Anekdoten auf Anekdoten, einige durchaus interessant, andere überflüssig wie ein Kropf. Und immer wieder Protagonisten, von denen man den Eindruck bekommt, dass sie alle irgendwo einen „Schuss weg hatten“.

Ein paar Beispiele? Einer meiner Lieblingspoeten: Rilke. Hält amouröse Briefkontakte zu einem Dutzend Damen, lässt aber schlussendlich doch keine wirklich an sich heran, ergötzt sich am Gefühl was alles möglich wäre, oder schon war, aber niemals ist. Oder unser Liebling aus dem Deutschunterricht: Kafka. Offenbar zumindest zeitweise lebens- und bindungsunfähig, ein vergeistigter und total verunsicherter Kauz. Ohne Frage beide große Schriftsteller, aber menschlich offenbar Wracks. In den folgenden Tagen habe ich mich dann noch häppchenweise durch den „Rest des Jahres“ gequält.
Anspruch und Wirklichkeit

Ja, vermutlich liegt es an einer ausgeprägt falschen Anspruchshaltung meinerseits, dass ich mit diesem Buch nicht so ganz glücklich wurde. Das Buch ist halt eine Aneinanderreihung teils völlig unterschiedlicher Anekdoten, noch dazu teils wirklich schräger Personen der damaligen Zeit. Wenn man sich das nicht ab und an vorhält, könnte man meinen, dass damals (fast) nur Sonderlinge gelebt haben. Dazu kommt, dass Herr Illies zwar akribisch recherchiert hat, aber trotzdem einigen Irrtümern, bzw. Fehlern aufgesessen ist. Da ist Erzherzog Franz Ferdinand mal der Neffe, mal der Vetter des Kaisers, Oberst Alfred Redl wird zu einem der einflussreichsten Generäle erklärt, Kühlungsborn erwähnt, obwohl erst 1938 gegründet, oder Triest als einzige und südlichste Hafenstadt Österreichs bezeichnet. Ich möchte nicht wissen, wie viele Fehler mir nicht aufgefallen sind, weil mir möglicherweise dafür einfach die Kenntnisse fehlen.

Trotzdem ist „1913“ ein gut lesbares, amüsantes und interessantes Buch. Unzählige weitere, hier noch nicht genannte Prominente der damaligen Zeit tauchen auf, eine wahre Wundertüte. Die Information, woher der Beiname „Der Sommer des Jahrhunderts“ herkommt, bleibt der Autor allerdings schuldig. 1913 gab es (zumindest in Mitteleuropa) nämlich gar keinen Sommer.
Empfehlenswert…..

…..ist dieses Buch trotzdem. Aber nicht für jeden, denn dafür sind die Anekdoten zu speziell. Wer sich aber für den Kulturbetrieb und den Zeitgeist Europas vor Ausbruch des 1. Weltkriegs interessiert, erhält in diesem 311 Seiten starken, beim S.Fischer Verlag erschienenen Buch für 19,99€ viele verstörende und faszinierende Eindrücke.

Nachwort

Dieser Bericht war mein Beitrag für das Halbfinale 1 der ciao-Weltschreibschaften 2013 (abgekürzt WSS) gemeinsam mit meiner "Konkurrentin" VFR750. Die Regeln des Wettbewerbs (unter anderem maximal 800 Wörter) und die Abstimmungsergebnisse findest du unter http://www.ciao.de/Ciao_Weltschreibschaften_2013__Test_8892637


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • diecordu veröffentlicht 16.08.2016
    bh
  • Flubber59 veröffentlicht 24.06.2016
    Hier fehlt doch noch ein BH ... LG
  • Ciaochsi veröffentlicht 11.02.2016
    bh wie angekündigt
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Produktbeschreibung des Herstellers

Ein Buch so farbig, so schillernd, so vielgestaltig wie der Sommer des Jahrhunderts. "Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen - Illies' Geschichten sind einfach großartig." Ferdinand von Schirach Die Geschichte eines ungeheuren Jahres, das ein ganzes Jahrhundert prägte: Florian Illies entfaltet virtuos ein historisches Panorama. 1913: Es ist das eine Jahr, in dem unsere Gegenwart begann. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen. Zwischen Paris und Moskau, zwischen London, Berlin und Venedig begegnen wir zahllosen Künstlern, deren Schaffen unsere Welt auf Dauer prägte. Man kokst, trinkt, ätzt, hasst, schreibt, malt, zieht sich gegenseitig an und stößt sich ab, liebt und verflucht sich. Es ist ein Jahr, in dem alles möglich scheint. Und doch wohnt dem gleißenden Anfang das Ahnen des Verfalles inne. Literatur, Kunst und Musik wussten schon 1913, dass die Menschheit ihre Unschuld verloren hatte. Der Erste Weltkrieg führte die Schrecken alles vorher schon Erkannten und Gedachten nur noch aus. Florian Illies lässt dieses eine Jahr, einen Moment höchster Blüte und zugleich ein Hochamt des Unterganges, in einem grandiosen Panorama lebendig werden. Malewitsch malt ein Quadrat, Proust begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Zeit, Benn liebt Lasker-Schüler, Rilke trinkt mit Freud, Strawinsky feiert das Frühlingsopfer, Kirchner gibt der modernen Metropole ein Gesicht, Kafka, Joyce und Musil trinken am selben Tag in Triest einen Cappuccino - und in München verkauft ein österreichischer Postkartenmaler namens Adolf Hitler seine biederen Stadtansichten. "Die Konstruktion des Buches ist fabelhaft, Florian Illies' anekdotischen Gaben sind es nicht minder, die Charakterisierung von Personen und Situationen ist beeindruckend. Auch was ich zu kennen meinte, habe ich hier ganz neu gelesen." Henning Ritter

Haupteigenschaften

Produktform: Einband - fest (Hardcover)

Nummer der Ausgabe: 13

Seitenzahl: 320

Erscheinungsdatum: 2012

ISBN: 3100368010

EAN: 9783100368010

Titel: 1913

Untertitel : Der Sommer des Jahrhunderts

Sprache: Deutsch

Kategorie: Sachbücher / Geschichte / Allgemeines, Nachschlagewerke

Medium: Gebundene Ausgabe

Höhe: 216 mm

Breite: 149 mm

Lieferstatus: lieferbar

Titel der Reihe: Sachbuch (allgemein)

Verlag: S. FISCHER

Autor: Florian Illies

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 09/07/2012