1984 (Film)

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1984 (Film)

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... DIE STORY ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯ Im Jahr 1984 ist das Reich Ozeanien ein gigantischer, totalitärer Überwachungsstaat. Nach außen ständig im Krieg mit einer der beiden anderen Weltmächte, Ostasien und Eurasien, im Inneren zerbombt, verfallen und verarmt, kontrolliert die herrschende Partei das Leben ... Bericht lesen





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1-6 von 15 Erfahrungsberichten    
> Alle 15 1984 (Film) Erfahrungsberichte anzeigen
20 BIG MOVIES (09): 1984
Erfahrungsbericht von Milsch über 1984 (Film)
24.08.2006


Produktbewertung des Autors:   

Humor kein Humor 
Spannung durchschnittlich spannend 
Anspruch sehr anspruchsvoll 
Action: wenig 
Romantik: wenig 

Pro: *  *  *  Ein Meisterwerk  *  *  *
Kontra: -

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

"Freedom is the freedom to say that two plus two equal four." -Winston


1. DIE STORY
¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
Im Jahr 1984 ist das Reich Ozeanien ein gigantischer, totalitärer Überwachungsstaat. Nach außen ständig im Krieg mit einer der beiden anderen Weltmächte, Ostasien und Eurasien, im Inneren zerbombt, verfallen und verarmt, kontrolliert die herrschende Partei das Leben auf allen Ebenen. Mittels Monitoren, die in allen Wohnungen und öffentlichen Räumen angebracht sind - sogenannte Teleschirme - werden die Menschen rund um die Uhr vom "großen Bruder" beobachtet. Nicht nur auf Handlungen, sondern schon auf Gedanken gegen die herrschende Ordnung steht der Tod - diese aufzudecken, ist Aufgabe der gefürchteten Gedankenpolizei. Individualität, Sexualität, persönliche Freiheiten werden generell unterbunden.

Ein weiterer Aspekt ist die ständige Umschreibung und Verfälschung der Geschichte im Sinne der Partei, die im Propagandaministerium vorgenommen wird. Hier arbeitet Winston Smith, der schon lange an dem System zweifelt und es verabscheut. In einem unbeobachteten Winkel seiner Wohnung hat er begonnen, ein Tagebuch zu schreiben, in welchem er alle Regeln und Ordnungen der Partei in Frage stellt. Als er Julia kennenlernt, die wie er gegen das System opponiert, beginnt er mit ihr eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Die beiden mieten sogar ein Zimmer in den Wohnbezirken der niederen Arbeiter, der sogenannten Proles, und treffen sich dort regelmäßig.

Bald kommt Winston auch in Kontakt mit O'Brien, einem höherrangigen Parteimitglied. Der gibt sich ihm als Widerständler zu erkennen und versorgt Winston mit Literatur aus dem Untergrund. Doch schon wenig später werden Winston und Julia verhaftet: sowohl der Vermieter ihres Zimmers als auch O'Brien sind in Wahrheit Mitglieder der Gedankenpolizei. Winston wird fortan von O'Brien unter dem Einsatz von Foltermethoden indoktriniert und umerzogen. Obwohl diese Verhöre an sich schon grausam sind, genügen sie O'Brien nicht, um sein letztes Ziel zu erreichen: den Willen und den Geist von Winston vollständig zu zerstören. Und so muss Winston in den gefürchteten Raum 101...


2. DIE REGIE
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Michael Radford hatte recht wenig Regieerfahrung, als er "1984" drehte: abgesehen von einigen kleineren Arbeiten für das Fernsehen war das erst sein zweiter Spielfilm. Radford führte hier nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch auf der Basis von Orwells Roman.

Radfords bevorzugtes Stilmittel ist Farbe. Mittels Filtertechnik werden die hellen Töne aus den Bildern gezogen, so dass vor allem dunkle, verwaschene Blau- und Braunfärbungen dominieren. In Kombination mit den schmutzigen, verfallenen Kulissen Londons entstehen so deprimierend düstere Aufnahmen. Zusammen mit der Farbe setzt Radford das Licht sehr bewusst ein: die Innenaufnahmen sind betont dunkel und freudlos abgefilmt.

In krassem Gegensatz zu der Trostlosigkeit, die praktisch den gesamten Film durchzieht, stehen die im Kontrast fast schon schmerzhaft hellen Außenaufnahmen mit saftigen grünen Wiesen und einem strahlend blauen Himmel. Radford benutzt sie für die Treffen von Winston und Julia, aber auch für Winstons gedankliche Vor- und Rückblenden, wann immer dieser Hoffnung schöpft oder fröhlich ist.

Wichtig für das Gesamtbild des Films ist auch die beeindruckende Ausstattung und Kulisse, die Radford zur Zeichnung der surrealen Umgebung einsetzt. Akribisch achtet er darauf, auch in kleinsten Details wie Kleidung oder Sauberkeit immer das Bild des Zerfalls und der Verwahrlosung wie einen roten Faden durch den Film zu ziehen.


3. DIE SCHAUSPIELER
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Winston Smith wird vom Briten John Hurt gespielt, einem sehr umtriebigen Akteur, der in seinen mittlerweile 66 Lebensjahren schon in weit über 100 Filmen mitgewirkt hat. Seine bekanntesten Auftritte dürfte er in "Alien" und als der "Elefantenmensch" gehabt haben. Seine Darstellung des Winston finde ich jedoch nur bedingt gelungen. Sein Spiel in der zweiten Hälfte des Films, während der extremen Belastungen der brutalen Verhöre und danach als gebrochener Mann, sind wohl über jeden Zweifel erhaben. Zuvor aber empfinde ich ihn als zu distanziert, sein Auftreten zu lakonisch und fast schon tölpelhaft in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei Winston um einen zutiefst rebellischen Charakter handelt, der plötzlich durch die Kontakte zu Julia und O'Brien regelrecht aufblüht. Zwar ist auch im Roman die Vorahnung Winstons allgegenwärtig, dass sein innerer Widerstand zu nichts führen und er am Ende doch verhaftet werden wird, aber diese Facette ist mir in der Darstellung Hurts zu dominant und vordergründig.

Geradezu perfekt ist hingegen Richard Burton in seiner letzten Rolle als O'Brien. Burton war schon während der Dreharbeiten schwer krank und starb kurze Zeit später. Fast möchte man sagen, dass ihn das für die Rolle des O'Brien prädestiniert, der ebenfalls alt und müde ist (dies wird in einem der Verhöre explizit herausgestellt), aber dennoch mit einer beeindruckenden inneren Kraft seine Funktion innerhalb des Systems wahrnimmt. Bei Burton's O'Brien wird nie ganz klar, ob er ein Mitläufer aus persönlichen Opportunismus oder Überzeugungstäter ist. Gerade diese ständige Unsicherheit hält aber die Verhörszenen auf einem nahezu unerträglich spannenden Niveau, da man als Zuschauer immer unsicher bleibt, zu welcher Eskalationsstufe O'Brien noch bereit sein wird, während Winston ihm hilflos ausgeliefert ist. Wir erfahren das spätestens in der schrecklichen Szene im Raum 101, in der auch John Hurt zur Höchstform aufläuft.


4. DAS BUCH
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George Orwell schrieb seinen berühmten Roman "1984" in der zweiten Hälfte der 40er Jahre unter dem Eindruck totalitärer Ordnungen wie Nationalsozialismus oder Stalinismus. Den Titel fand er, wie wohl weithin bekannt sein dürfte, indem er im Jahr der Fertigstellung 1948 einfach die letzten beiden Ziffern der Jahreszahl vertauschte, was zeitlich eine Ansiedlung der Handlung in nicht allzu ferner Zukunft symbolisiert.

Der Titel des Buches und Elemente wie der "Big Brother" werden noch heute als Synonyme für totalitäre Systeme und Überwachungsstaaten verwendet. Orwells Buch geht allerdings wesentlich weiter, er entwirft diese zukünftige Ordnung bis ins kleinste Detail, von der Parteihierarchie über die genaue Beschreibung der ministerialen Kontrollen bis hin zur Amtssprache "Neusprech".

Radford hat das Original exakt adaptiert, ohne die Handlung abzuwandeln oder etwas hinzuzufügen. Freilich konnte er den Detaillierungsgrad der Romanvorlage nicht in knappen zwei Stunden Film unterbringen, die Priorisierung der wesentlichen Elemente der Staatsordnung und Charakterzüge seiner Figuren ist ihm aber gut gelungen. So komprimiert sein Drehbuch Orwells komplexe Vorlage, ohne dass substantielle Aspekte dabei verloren gingen.


5. DIE MUSIK
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Um die Musik gab es einiges Gerangel. Im Ergebnis ist der Film mit klassischer Orchestermusik unterlegt, die der heute eher in Vergessenheit geratene Komponist Dominic Muldowney beisteuerte. Nach "1984" arbeitete er hauptsächlich an TV-Produktionen mit. Gerade in den Szenen, in denen Propagandafilme der Partei zu sehen sind, wird auch viel mit pathetischen Chorgesängen gearbeitet.

Insofern ist der musikalische Part weitgehend unspektakulär, die Planungen der Produktionsfirma gingen jedoch ursprünglich in eine ganz andere Richtung. So wird berichtet, dass Überlegungen angestrengt wurden, aus dem Plot eine Art Rock-Musical unter der Leitung von David Bowie zu machen. Generell wollte man zur besseren Vermarktung des Filmes mindestens rockige Elemente integrieren. Am Ende scheiterten alle diese Pläne am Widerstand von Radford und der Nachfahren von Orwell, die die Rechte am Roman hielten.

Dennoch griff der Verleih in die Trickkiste und kooperierte mit dem Pop-Duo "Eurhythmics". Diese veröffentlichten ein Konzeptalbum mit dem Titel "1984" und durften Filmszenen in ihren Musikvideos (u.a. "Sex Crime") verwenden. Auf diese Weise sollte der Bekanntheitsgrad des Films gesteigert werden. Das Album der "Eurhythmics" wird bis heute immer wieder fälschlicherweise für den Soundtrack zum Film gehalten. Radford selbst hat sich öffentlich mehrfach von einer Zusammenarbeit mit der Band distanziert. Im fertigen Film ist immerhin im Abspann ein Auszug aus der atmosphärischen Pianoballade "Julia" zu hören, das reißerische "Sex Crime" blieb jedoch außen vor.


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MEINE WERTUNG
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Viele erkennen die Qualitäten dieses Filmes an, würden ihn jedoch niemals besonders herausstellen oder gar in eine Top 20-Liste aufnehmen. Oft wird er als handwerklich ordentliche Buchverfilmung eingeordnet, die jedoch der Romanvorlage keine neuen Aspekte hinzufüge.

Meiner Ansicht nach ist "1984" eine der gelungensten Literaturverfilmungen überhaupt, und das bei einem Buch, welches sich nicht eben leicht filmisch umsetzen lässt. Der Film schafft es, genau die wesentlichen Aspekte der Buchvorlage herauszufiltern und filmisch zu verarbeiten, während naturgemäß viele Details des Romans nicht in den zeitlich begrenzten Film übernommen werden können. Das ist eben genau keine reine Abfilmung, sondern eine Verdichtung des Stoffes auf seine essentiellen Aussagen. Dass allen Versuchungen widerstanden wurde, das Werk zu modernisieren oder mittels unpassender Elemente wie Popmusik aufzupeppen, soll dabei nicht unerwähnt bleiben.

Dann besteht natürlich die Problematik, dass beim Lesen des Buches eine Bildwelt im Kopf des Lesers aufgebaut wurde, der der Film nachher nicht gerecht wird. Nicht hier: zwar decken sich meine Bilder nach der Lektüre nicht mit Radfords Einstellungen, aber das empfinde ich in diesem Fall eher als Bereicherung, und das liegt daran, dass die ganze Ausstattung und das Setting der Szenen so akribisch und genau arrangiert wurde. Die ganze Optik und die Kulissen sind so stimmig, dass der Film eine akzeptierte zweite Sicht auf den Stoff abgibt - und nicht, wie so oft, eine desillusionierende Bebilderung.

Letztlich mag ich nicht verhehlen, dass der Film als letztes Werk Burtons eine gewisse Sentimentalität aufweist. Ich halte Burton für einen außergewöhnlichen Schauspieler, der leider nur in wenigen Rollen seine ganze Klasse ausspielen konnte. Vor allem seit Beginn der 70er Jahre musste er sich zunehmend mit nachrangigen, zweitklassigen Parts über Wasser halten. Die Rolle des O'Brien ist ein würdiger und großer Abschluß seines Werkes und auch seines Lebens. Allein seine Bedeutung in Burtons Vita macht den Film für mich zu einem besonderen Werk.

Radford hatte wohl die gleiche Wahrnehmung: "1984" wurde post mortem Richard Burton gewidmet.

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> Facts And Figures

Originaltitel: 1984
Deutscher Titel: 1984
Länge: 113 min
Veröffentlicht: GB 1984
FSK: 16
Regie: Michael Radford
Buch: Michael Radford, George Orwell
Darsteller: Richard Burton, John Hurt u.a.

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Die Serie 20 BIG MOVIES informiert in kompakter und standardisierter Form über herausragende Werke der Filmgeschichte. Bisher erschienen:

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