6. März 2007In neunzehn Minuten kann man den Rasen vor dem Haus mähen, sich die Haare färben, Brötchen backen, sich vom Zahnarzt eine Füllung machen lassen oder die Wäsche für eine... mehr
Erfahrungsbericht von Mutzematze über 19 Minuten - Roman / Jodi Picoult 25.08.2008
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
sehr hoch
Spannung
sehr spannend
Wie ergreifend ist die Story?
sehr ergreifend
Pro:
lesen lesen lesen
Kontra:
lesen lesen lesen
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
"In neunzehn Minuten kann man das Gras in seinem Vorgarten mähen, sich die Haare färben oder einen Kuchen backen. Man kann die Wäsche für eine fünfköpfige Familie falten. Neunzehn Minuten dauert es von Vermont ins beschauliche Sterling. New Hampshire, zu fahren. Aber in neunzehn Minuten kann man auch die Welt zum Stillstand bringen und einfach aus ihr herausfallen: Neunzehn Minuten kostet es, Rache zu nehmen. - Das hat Peter Houghton getan. Noch weiß niemand in Sterling, wofür, doch mit diesem unaussprechlichen Akt der Gewalt ist die Welt des kleinen Orts für immer aus den Angeln gehoben. Und während der 17-Jährige Peter sich für den Tod von zehn Mitschülern verantworten muss, beginnt jeder in Sterling, über die Hintergründe seiner Tat nachzudenken. Und darüber, was genau in diesen neunzehn Minuten geschehen ist. Josie Cormier, die Tochter der Richterin, hat das Massaker an der Schule aus nächster Nähe erlebt. Sie wäre die beste Zeugin. Aber unerklärlicherweise kann sie sich an nichts mehr erinnern."
(Abgeschrieben vom Buchumschlag…Innenseite vorn…)
++++
Jetzt fragt ihr euch bestimmt - warum ich so einen Bericht einleite??!! Weil dieses Buch eine Reaktion in mir hervorgerufen hat, die ich (leider) nicht beschreiben kann. Ich habe dieses Buch von meiner Chefin zum Lesen empfohlen bekommen und es auch ganz lieb und brav AUSGELIEHEN und mit nach Hause genommen.
Ich habe nicht gleich mit lesen angefangen, sondern erst einmal mit in die Riege der "noch zu lesenden Bücher" in meine Schrankwand gestellt. Aber nun war der Zeitpunkt da gewesen und ich habe mit Lesen angefangen… Von der ersten Seite an war ich gefesselt…
Auch möchte ich sagen…der Bericht wird lang…also wer ihn nicht lesen mag, sollte ihn dann auch nicht einfach abklicken, sondern "weitergehen" . Meiner Meinung aber nach ist das Thema dieses Romanes nicht auf 3 Seiten nieder zu schreiben - denn es ist auch schon in Deutschland passiert: Ich sage nur "ERFURT".
"19 Minuten" - ein Roman von Jodi Picoult
Bisher habe ich in meinen ganzen Lesejahren noch nicht einmal ein Buch von Picoult gelesen…ich hatte schon einige daheim stehen gehabt, habe sie aber wieder zurückgegeben: keine Zeit; doch nicht wirklich so das Interesse; spannendere Bücher noch auf Vorrat.
---Picoult ist dafür bekannt, das sie in ihren Romanen immer brisante Themen aufgreift. Sie recherchiert ordentlich über die von ihr aufgegriffenen Themen ausführlich und schafft es, daraus spannende Romane zu machen.--- Hier muss ich sagen, dass meine Chefin alle erschienenen Romane bereits gelesen hat und von jedem einzelnen begeistert war und immer wieder die oben genannten Sätze wiederholte. Darum habe ich dann doch gesagt: "Ja ich nehme es mit und werde es lesen"
Allgemeines zu lesen über die Verfasserin könnt ihr auf der Seite www.jodipicoult.de!
Weiteres (Abgeschrieben vom Buchumschlag…Innenseite hinten…): "Jodi Picoult, geboren 1967 auf Long Island, lebt nach ihrem Studium in Princeton und Harvard mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Sie gehört zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit und wurde in Großbritannien zur Autorin des Jahres gewählt. "19Minuten" stand wochenlang auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste. Alle Romane von Jodi Picoult erscheinen bei Piper, zuletzt "Beim Leben meiner Schwester" und "Die Wahrheit meines Mannes"."
Das Lesen
Das Buch fängt genauso an, wie ich meinen Bericht gestartet habe. Und dann kommt schon die erste Person dieses Romanes auf die Bildfläche.
Alex Cormier ist Richterin am Kammergericht in Grafton County, New Hampshire. Sie zählt inzwischen das 40te Lebensjahr und war vor der Position Richterin fünf Jahre lang Bezirksrichterin. Schon in den ersten Zeilen bekommt man mit, dass Alex eine leicht chaotische Frau ist, welche in Zeitnot ist oder aber ab und an einige wichtigen Sachen vergisst. Gleichzeitig versucht sie ihrer Mutterrolle gerecht zu werden - was ihr nicht so leicht fällt, weil…
…sie Mutter einer inzwischen 17-Jährigen pubertieren Tochter namens Josephine ist. Josi geht auf die Highschool in Sterling. Josi selber gibt nach außen hin eine Rolle, die sie in Wirklichkeit nicht ist: eine hübsche, beliebte Musterschülerin, die besser als die meisten wusste, welche Folgen es haben konnte, vom Pfad der Tugend abzuweichen. Sie würde es mal weit bringen und eine junge Frau werden - so wie es sich ihre Mutter wünscht. Sie hat alles, aber sie ist nicht wirklich glücklich darüber und leidet doch etwas darunter - denn sie hat ein Problem mit sich selbst und ihrem Körper. Unter ihrem Bett hat sie einen geheimen Vorrat an Schlafmittel - stibitzt von ihrer Mutter!
Sie ist mit Matt, einem Eishockeyspieler vom Highschoolteam zusammen. Sie empfindet sehr viel für Ihn und ist froh ihn als Freund zu haben. In der Schule selbst gehört sie der angesehenen Clique an…
Als nächstes tritt Patrick Ducharme auf die Bildfläche…er ist der einzige Detective bei der Polizei von Sterling. Er hat stets sehr viel Arbeit auf den Tisch liegen…ein Ende ist nicht abzusehen.
Und wieder ein paar Kapitel später taucht die nächste Person auf: Lacy Houghton Hebamme in Sterling und Mutter von 2 Kindern…unter anderem vom Peter Houghton. Lacy ist mit Alex befreundet…kennen gelernt haben sich die beiden Frauen als Alex während Ihrer Schwangerschaft bei Lacy um Rate, Hilfe und Beistand bat…
Es war ca.10Uhr an einem Märztag…als in der Highschool von Sterling die ersten Schüsse fielen…Patrick stand gerade in seinem Zivilwagen an einer roten Ampel, als das Signal 1000 aus dem Funk kam…
Derweilen herrschte in der Schule Chaos…Verletzte lagen am Boden…die panischen Schüler trampelten über sie hinweg…ein geschriebenes Schild mit dem Wort HILFE wurde an einem Fenster hochgehalten…Blut färbte draußen den Schnee langsam rosa…die ersten besorgten Eltern trafen ein…es wurden innerhalb kurzer Zeit immer mehr, welche verzweifelt den Namen ihrer Kinder schrieen…natürlich war die Presse schon vor Ort…zu wenig Rettungswagen für so viele Verletzte…nicht genug Officer und und und…
Patrick nimmt sich seine Schutzweste, entsichert seine Pistole und stürmt mit zwei weiteren Officer in die Schule - gegen die Vorschriften natürlich… Ihm kommen geschockte Schüler entgegen, die völlig kopflos durch die Schule irren…nicht wirklich weis jemand, wo sich der Schütze gerade aufhält…niemand kann sagen, wer der Schütze überhaupt ist…der Fußboden der Schule war bedeckt mit Schreibblättern, mit Blut, mit Patronenhülsen…Deckenplatten waren heruntergeschossen worden…Verletze lagen am Boden…Einschüsse in den Wänden waren zu erkennen…und immer weiter drang Patrick in das Innere der Schule vor und folgte den nachhallenden Schüssen…der Boden wurde rutschiger…in der Sporthalle lagen hingestreckte Körper…aber noch immer war kein Schütze zu finden…
Im Umkleideraum wurde Patrick dann fündig…zwei Körper lagen reglos am Ende…an einer Reihe von Spinden hockte ein schmächtiger Junge, welcher eine Nickelbrille trug und heftig zitterte…er war der Schütze…Patrick überwältigte ihn problemlos und legte ihm Handschellen an…ließ in abführen und gab kurze Entwarnung durch…dann kümmerte er sich um die beiden Personen…der Junge hatte eine Einschusswunde in der Stirn…das Mädchen lag barfuss in einer Blutlache…Sie lebte!!! Stand unter Schock und nannte ihren Namen: Josi…
Ja und dann geht schon die erste Zeitreise in die Vergangenheit los: Lacy blickt 17Jahre zurück, in das Jahr, wo sie Peter geboren hat…sie reflektiert die ersten Tage, Monate und stellt fest, dass Peter genauso schön ist wie Joey, nur anstrengender alsJoey…er schrie lange, schlief nicht immer gleich ein…ihr war ab und an zum Heulen zumute, trotzdem liebte sie ihren Sohn…während dieser Zeitreise weis Lacy aber noch nicht, dass ihr Sohn Peter zu einem Killer wurde…
Auch Alexs Vergangenheit wird in diesem Kapitel mit beleuchtet…ihre Schwangerschaft, ihr Verhältnis mit ihrem Mentor (in der Studienzeit), die Gedanken an eine Weggabe des ungeborenen Kindes und schlussendlich die Entscheidung über ihr weiteres Leben und die Geburt ihrer Tochter…
Danach ist man wieder in der Gegenwart, in der Schule…nunmehr geht es an die Beweisaufnahme…währenddessen sitzt Alex in ihrem Gerichtssaal, und verhandelt gerade einer der vielen Fälle, die sie abarbeiten muss…als ihr ein Zettel zugeschoben wird…in der Zwischenzeit reflektiert man wieder die Tatsachen in der Schule…ein erstes Statement der Generalstaatsanwältin vor der Presse wird gegeben…10 bestätigte Tote Schüler…die Zahl der Verletzten steht noch nicht fest…
Lacy ist inzwischen auch an der Schule angekommen…und sucht verzweifelt ihren Sohn…sie fragt ein Mädchen und nennt den Namen ihres Sohnes…die Reaktion ist: "Er…er ist der, der schießt"…für Lacy bricht die Welt zusammen…die Mutter des Mädchen schaut sie entsetzt an, das Mädchen selbst aber fängt an mit weinen…
Inzwischen ist auch Alex in der Schule angekommen…und findet auf einer Liste den Namen ihrer Tochter und den Verweis, in welches Krankenhaus Josi gekommen ist…sofort macht sie sich auf den Weg…Josi leidet an Gedächtnisverlust und denkt sie hätte mit Matt einen Autounfall gehabt…sie "weis" also nicht, dass Matt tot ist und es eine Schießerei in der Schule gegeben hat…
Lacy informiert in der Zwischenzeit die Polizei darüber, dass sie die Mutter des Todesschützen ist…Patrick befindet sich gerade bei Peter und versucht eine erste Kontaktaufnahme…nur ist Peter nicht wirklich bereit zu kommunizieren…als Patrick die Zelle verlässt kommt ein kurzer Satz über die Lippen von Peter: "Die haben angefangen"…Lacy wird nach Hause geschickt…sie geht in das Zimmer von Peter und findet im Schrank von ihm: leere Flaschen, Isolierband, Stofflappen und anderes…sie will ihrem Sohn helfen und fängt an, das ganze Zeug in Müllsäcke zu schmeißen…da klingelt es an der Haustüre…Polizei: Durchsuchungsbeschluss…denn in der Zwischenzeit hat man im Auto von Peter eine Rohrbombe gefunden…und in seinem Rucksack 2 weitere Schusswaffen…die 3te hatte Patrick ihm bereits bei der Festnahme abgenommen…
Der Vater von Peter hat inzwischen einen Verteidiger arrangiert…die Rohrbombe im Auto von Paul wurde von Patrick entschärft…man hat insgesamt 116 leere Patronenhülsen im Schulgebäude gefunden…und Patrick ist auf dem Weg ins Krankenhaus um Josi zu finden…er muss Josi nun auch schonend beibringen, was wirklich passiert ist…sie bricht zusammen, kann es kaum glauben…
Ja und dann geht schon die zweite Zeitreise in die Vergangenheit los: Peter reflektiert 12 Jahre zuvor seinen ersten Schultag…er freut sich auf die Schule…kann es kaum erwarten, dass er in den Schulbus einsteigen darf…er bekommt von seiner Mutter eine Lunchbox geschenkt, wo Superman drauf ist - in der "Flugposition"…im Bus sitzt bereits Josi und hat für ihn einen Platz freigehalten…auf einmal kommt von hinten ein Junge mit langen Armen und einer nach hinten gedrehten Baseballkappe…schnappt sich die Lunchbox…verhöhnt Peter ganz laut im Bus…und schmeißt die Box zum Fenster raus…Peter will raus rennen und sie holen…aber der Busfahrer befiehlt ihm sich zu setzen…so beginnt Peters erster Schultag…Josi schiebt ihre Hand in seine und flüstert ihm leise zu, dass sie ein Erdnussbuttersandwich mit hat und dies mit ihm gerne teilt…
Abschluss Lesen am 07.08.2008 So habe ich nun schon 72 Seiten gelesen und hatte die ganze Zeit ein sehr beklemmendes Gefühl im Herzen. Und warum? Weil einem jetzt schon klar wird, was die folgenden Seiten beinhalten werden. Man sieht so richtig die einzelnen Schauplätze vor sich und hat immer im Hinterkopf "es ist schon so oft ein Amoklauf vorgekommen - auch in Deutschland" und man kann somit etwas mehr erahnen, was dort abgegangen ist! Es kommen Fragen hoch, die man schnellstmöglich beantwortet haben möchte. Wieso hat er es gemacht? Wie wird der Prozess sein? Was passiert mit den traumatisierten Schülerinnen und Schülern? Wie werden die Eltern von Peter das verkraften? Und so weiter und so weiter…
Freitag, 08.08.2008 bis Dienstag, 12.08.2008
Es geht weiter mit der Beleuchtung der Vergangenheit. Man erfährt, dass Peter ständig gehänselt wird…innerhalb eines Monates "verliert" er seine Lunchbox…zu Hause muss er sich anhören, dass er auf sein Zeug besser aufpassen soll…das er sich ein Beispiel an seinem Bruder Joey nehmen soll…es ist immer so, Peter wird mit seinem Bruder Joey verglichen…und verliert… Gleichzeitig wird auch Alex und Josi reflektiert…Josi prügelt sich mit einem Jungen während der Schulpause, wegen Peter…die Aufsichtslehrerin weis von den Hänseleien, greift aber nicht wirklich durch…Josi aber wird von ihre Mutter verwarnt, dies nicht noch einmal zu machen…
Lary wird in die Schule zitiert…ihr wird mitgeteilt, das Peter dazu prädestiniert ist, geärgert zu werden: er ist lieb, sensibel, tobt nicht mit den anderen Jungs rum, sitzt mit Josi in der Ecke und malt…und und und…Peter bekommt eine Brille…und wird noch mehr gehänselt…
+++
Und so geht es immer weiter in diesem Buch: Abwechselnd wird das "Heute" und das "Gestern" beleuchtet. Man erfährt somit, was so alles passiert ist - ob nun aus Sicht von Peter oder aber von Josie. Auch der "Wertegang" der Eltern wird beleuchtet. Peter war noch eine ganze Weile mit Josie befreundet gewesen - erst im Sektor Privat + Schule - nach einem Zwischenfall in seinem Elternhaus - nur noch im Sektor Schule. Die (ehemaligen) Freundinnen Alex und Lacy hatten sich seit diesem Vorfall auch nicht mehr getroffen und Alex hat Josie den gemeinsamen Umgang untersagt.
Peter hatte aber nicht nur in der Schule mit den Gemeinheiten zu kämpfen, nein auch zu Hause stand er unter Druck. Sein älterer Bruder Joey war der Bessere; er war eben halt "Typisch Junge". Was die Eltern nicht wissen - auch Peters Bruder beteiligt sich mit an den Hänseleien, wenn auch nicht direkt mit der Clique zusammen. Peters Bruder stirbt ein Jahr vor Peters Amoklauf durch einen Unfall. Dabei kommt daheim raus, dass der unbescholtene Bruder doch nicht so unbescholten ist - in seinem Zimmer finden die Eltern Drogen…
Josie entfernt sich auch in der Schule immer mehr von Peter…sie wird so wie die Leute aus ihrer Clique - denn sie hat die Erfahrung gemacht, dass es besser ist wenn man zu so einer Gruppe gehört, als wenn man ein Außenseiter ist und den Hänseleien ausgesetzt ist. Die Beziehung mit Matt hilft ihr dabei, den Außenseiter-Status immer weiter abzulegen und Anerkennung zu finden.
Während des Prozesses wird immer deutlicher, warum Peter diesen Amoklauf geplant und ausgeführt hat. Man kann schon verstehen, was ihn zu dieser Tat getrieben hat - auch wenn man kein Verständnis für die Tat selber aufbringen kann. Er hatte eine ordentlich behütete Kindheit, ihm hat es an Aufmerksamkeit und Liebe eigentlich nicht gemangelt - auch wenn er nicht wirklich die Unterstützung erfahren hat, die er gebraucht hätte um mehr Selbstbewusstsein zu erlangen; um sich den Hänseleien widersetzen zu können.
Am Ende kommt es auch zu einem überraschenden Ende, mit dem der Leser nicht gerechnet hätte. Peter wird natürlich angeklagt und muss sich den Anfeindungen der betroffenen Eltern aussetzen…aber dieser Punkt spielt nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird beleuchtet, wie das Alltagsleben der Hauptakteure weitergeht - wie sich jeder einzelnen damit auseinandersetzt - jeder auf seine Art und Weise; ob nun mit Unterstützung oder auch allein. Neue Beziehungen entstehen, alte Beziehungen leben wieder auf oder aber bestehende Beziehungen werden nur noch gefestigt.
Das Buch
Alles erscheint einem sehr lebendig, da die Autorin es schafft durch ihre Charakterbeschreibung und durch ihren Schreibstil den Personen und der Handlung Leben einzuhauchen. Der Schreibstil ist flüssig, es sind keine Schachtelsätze und die einzelnen Absätze/Kapitel haben die richtige Länge, so dass das Lesen "leicht fällt". Auch schafft Picoult es den ganzen Roman über die Spannung zu halten, der Leser ist somit "gezwungen" weiter zu lesen.
Sie baut gut und verständlich Spezialwissen mit ein, ohne das es den Leser langweilt - nein ich fand es sogar interessant, da ja doch einige Aspekte beleuchtet wurden, welche man sonst nie bedacht hätte.
Es wird erklärt, welche psychologischen Abläufe in Peter vorgegangen sind, was der Auslöser der Tat gewesen ist. Welche Umstände das alles ausgelöst haben, wie viel ein einzelner Mensch an Gemeinheiten vertragen kann - und das es auch hier verschiedene Personencharaktere gibt, die das Geschehene eben anders verarbeiten.
Zeitgleich erfährt man ein paar kleine Details zur Trauerbewältigung - aus verschiedenen Personenschichten.
Auch die Verfahrensweise einer Prozessführung erfährt man beim Lesen…Zeugenvernehmung…Beweisdarlegung…Aussagen...zum Beispiel!
Natürlich wird auch das Thema der Gewaltverherrlichung angeschnitten: Musikrichtungen und deren Vertreiber (Sänger und Gruppen). Mediendarstellung wie Zeitungen, Zeitschriften, TV oder das Internet. Natürlich dürfen in dieser Hinsicht auch nicht die so genannten Ego-Shooter fehlen…
Ich habe das Buch in einer Hardcoverausgabe gehabt. Insgesamt habe ich (inkl. Danksagung) 479 Seiten "verschlungen" - die nicht einmal langweilig wurden!!!!
Was hat mich bewegt?
Nun ja, auch in meinem Haushalt lebt ein Kind - 11 Jahre, Grundschule - welche es nicht immer leicht hat. Man ist lieber mehr Junge als Mädchen, hat nicht wirklich Selbstbewusstsein und leider hat man auch Schwierigkeiten in der Kontaktfindung. Ja und auch bereits in der Grundschule gibt es gewisse Cliquenbildung und es gibt auch "Bestimmer" - meistens sind das aber eher die Jungs als die Mädels.
Zum Glück erfahren wir aber so einige Dinge und somit können wir uns ein kleines Bild von dem machen was so in der Schule abgeht, auch hier sind schon Schulschwänzer auf der Tagesordnung…Prügeleien und Hänseleien…die Kinder sind firm im Umgang mit Internet und Co…man ballert mit nicht vorhandenen Pistolen durch die Gegend…zielt auf fremde Personen und macht "Peng Peng". Aber auch die zwischenmenschliche Beziehung ist nicht immer wirklich gut, wir hatten da mal ein kleines Vorkommnis:
Wir sahsen abends gemeinsam am Abendbrot und die Kleine, welche sonst keine Kostverächterin ist, stocherte lustlos in ihrem Essen rum und meinte "Sie hätte keinen Hunger"…da sie aber an diesem Tag kein Mittag hatte und somit ihre einzige Mahlzeit das war, was sie in ihrer Brotbüchse hatte, drangen wir natürlich darauf, dass sie ihren Teller aufessen sollte (wo schon nicht viel drauf) war…darauf bekamen wir zur Antwort: "Nein, sie würde sonst zu dick werden"… Sofort wurden wir hellhörig, denn die Kleine hat eine gute Figur, wiegt für ihre Größe genau richtig und ernährt sich ausgewogen, ohne das man sagen kann - es wäre zuviel. Ja und in dem Gespräch kam dann raus, dass sie gehört hatte, wie sich ein paar Jungs beim Sportunterricht über sie lustig gemacht hatten: "sie wäre zu fett, sähe hässlich aus und wäre auch so nicht wirklich ein Mädchen".
Tja, was soll man da als Elternteil sagen? Wissen wir Eltern heutzutage wirklich haargenau, was in der Schule so abgeht? Lehrer sind (leider) nicht mehr die Autoritätspersonen, die sie früher einmal waren - viele Kinder bekommen indirekt einen "Freibrief" durch ihre Eltern ausgehändigt. Ich habe mal vor einer geraumen Weile eine Arbeitskollegin gefragt, wem Sie mehr glauben würde: der Lehrerin oder ihrem Sohn? Ja und die Antwort war (natürlich): ihrem Sohn. Ja und da habe ich sie gefragt: "Und wenn er dich aber anlügt?" und da erhielt ich zur Antwort: "Er lügt uns nicht an!"
Und jetzt mal ehrlich - wissen wir Eltern das wirklich zu 100%? Was machen unsere Kinder, wenn sie allein daheim sind - denn immerhin vergehen schon ein paar Stunden zwischen Schulende und dem Heimkommen der Eltern von Arbeit… Dann schaue man sich doch mal den "Druck" an, unter dem heutzutage die Kinder stehen - ob es nun in der Schule um das Lernpensum geht oder aber um die Klamotten, die die Kinder anhaben…so schnell kommen wir als Eltern doch gar nicht hinterher, ob es nun darum geht, den Kindern ein Nintendo DS zu ermöglichen, oder aber ein Handy, oder aber genau die Jeans oder den Pullover der dort im Schaufenster aushängt…ob es nun die Möglichkeit ist, daheim dem Kind den Zugang zum Internet zu gewährleisten oder aber die Tatsache, dass Kind "MUSS" genau diese Sendung schauen (auch wenn wir als Eltern dies nicht gerade als sinnvoll erachten), da der Nachwuchs sonst in der Schule nicht "mitreden" kann…
Wir als Eltern wollen unseren Nachwuchs schützen, sie aber zeitgleich auf das "harte" Leben vorbereiten - damit ihnen nicht so was passiert, wie es Peter passiert ist. Wir können unseren Kindern so gut es geht eine beschützte liebevolle Kindheit geben - aber es nützt am Ende nicht wirklich viel - auch das sieht man an dem was Peter passiert ist. Wir predigen: "Mädchen prügeln sich nicht" oder aber "es wird nicht zurückgeschlagen"…ja aber sollen sich die Kinder nun behaupten und wehren - oder aber einstecken???
Wir versuchen mit unseren Kinder tagtäglich zu klären - was heutzutage ein Menschleben wert ist! Es steht an der Tagesordnung, dass Jugendliche wildfremde Menschen prügeln / das Brüder ihre Schwestern auf offener Straße erstechen oder erschießen / das Familienangehörige auf Grund diverser Lebensumstände ihre gesamte Familie auslöschen…und immer wieder kommt die Frage auf: WARUM???
Meiner Meinung nach ist es inzwischen völlig egal, ob es sich um einen Amoklauf von Schülern oder Erwachsenen handelt - die Welt hält immer kurz den Atem an und fragt nach den Beweggründen - in den meisten Fällen bekommt man aber schon gar keine Antwort mehr, da sich die Täter selbst gerichtet haben oder aber schweigen.
Wir als Erwachsene können nur versuchen, auf Auffälligkeiten zu achten oder aber unsere Kinder darüber unterrichten, welche Gefahren lauern können bzw. mit welchen Konsequenzen sie rechnen müssen, wenn sie ähnliche Taten begehen - nur verhindern können wir es nicht - LEIDER!
Wir können nur hoffen, dass es UNS selber nie betreffen wird - das unsere Kinder ein gesundes Selbstbewusstsein haben werden, sich wehren können, sich aber uns auch anvertrauen wenn mal etwas vorfallen sollte - aber vor allem, dass nicht bei Ihnen die "Sicherungen durchbrennen" und sie Dinge tun, die ihr Leben und das ihrer nahen Umgebung für immer "ruinieren" - manchmal aus Beweggründen, die wir nicht verstehen!
Ende
Den Bericht habe ich jetzt noch einmal gelesen - und werde ihn so lassen! Denn ich habe das niedergeschrieben was mich bewegt, bei mir ausgelöst bzw. mich NACHDENKLICH gestimmt hat!
In meinen Augen ist genügend über das Buch geschrieben - für jeden Interessierten sind verwertbare Informationen um was es in diesem Buch geht. Er fällt vielleicht etwas aus dem "Raster" aber das ist mir ehrlich gesagt egal - das Thema kann man in kein Raster stecken!!
Eine Lese-/Kaufempfehlung spreche ich nicht aus - denn jeder muss selbst entscheiden ob er dieses Buch in die Hände nimmt und liest! Auf alle Fälle vergebe ich aber 5 volle Sterne - voll verdient!
Im Handel bekommt man das Buch bereits für 19,90Euro - aber auch als Hörbuchversion ist es schon auf dem Markt.
Für alle, die durchgehalten haben bis zum Ende - Sorry, das er so lang geworden ist - aber Danke das ihr ihn gelesen habt!!!!
Pro: außergewöhnlicher Aufhänger, beeindruckende Charaktere, ergreifend und erschreckend Kontra: einige Längen im Mittelteil
Da ich in letzter Zeit leider nur wenig zum Lesen komme, sind die meisten Bücher, die ich derzeit lese, geschenkte, an denen kein Mangel herrscht, da viele Menschen in meiner Umgebung wissen, wie gern ich lese. So verhält es sich auch mit dem Buch, das ic ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
...Hallo zusammen!
Und noch eins aus der Bücherei...
Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte heißt 19 Minuten und ist von Jodi Picoult.
***Wieso, weshalb, warum***
Das Buch hat die ISBN Nummer: 978-3-492-05080-7. Es kostet normalerweise im Lad ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Pro: Ein großartiges Buch, das eine brisante Thematik behandelt Kontra: ---
...kann man auf diese Frage keine eindeutige Antwort mehr geben. Natürlich wird durch all die Schikanen, die Peter während seiner Schulzeit erleben musste, seine Tat nicht entschuldigt. Dennoch hilft der Roman dabei, vor allem das Umfeld des Täters näher zu betrachten. Ein Mensch ist auch immer das Produkt seiner Umwelt - wohin das führen kann, zeigt 19 Minuten eindrucksvoll.
Jodi Picoult ist ein hervorragender, einfühlsamer und nachdenklich machender Roman gelungen, der die Frage von Schuld und Unschuld stellt und dabei stets eine gewisse Neutralität bewahrt. Man hat stets das Gefühl, dass das, was hier in Romanform beschrieben wird, so tatsächlich passieren könnte. Zu glaubhaft und authentisch wirken Picoults Beschreibungen einer Schulgemeinschaft, in der tiefe Gräben zwischen "uns" und "denen" bestehen. Wer cool sein will, muss alle...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich