Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Eine phantastische Welt . . . |
| Kontra: |
. . . und ein Hauch von Abenteuer |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Wie wird man Taucher?
Man macht einen Kurs, wie bei der Fahrschule!
Mein erster Versuch, einen Oper Water Diver (OWD) Tauchkurs zu machen war im Jahr 1990. Am gebuchten Urlaubsort in Kuba war ein Tauchkurs angeboten worden, ich hatte den Urlaubsort wegen des Tauchkurses gewählt. Eine Tauchbasis war nicht da, ein Tauchlehrer schon und der hatte keine Lust... Er kam nur zum Frühstück und Abendessen, ansonsten war er in der Anlage nicht anzutreffen.
Zweiter Versuch im Jahr 1994: wegen eines Problems mit dem Druckausgleich habe ich den Kurs "aus medizinischen Gründen " gleich nach dem Schnupperkurs abgebrochen. Im Jahr 1998 habe ich es dann geschafft, hatte der Tauchlehrer mehr Geduld mit mir? Den OWD-Kurs habe ich damals nach mehreren Tagen Theorie-Unterricht und 5 Tauchgängen abgeschlossen. Ein Vergleich mit der Fahrschule ist durchaus berechtigt. Es gibt Theorie- und Praxis-Unterricht, die Beantwortung der Fragen in Schriftform (multiple choice - Kästchen anhaken) ist mit Allgemeinwissen alleine nicht zu schaffen. Die Kursunterlagen sollte man schon mal durchsehen. Ein Durchfallen ist eher unwahrscheinlich, die Tauchlehrer die ich kennen gelernt habe, waren alle recht geduldig. Fragen die nicht beantwortet werden können, werden im Detail durchgegangen - das erklärt die 4 Tage Theorie-Unterricht (für einige Teilnehmer mit "Nachsitzen"). Im Gegensatz zu einer Fahrschule erfolgt die Ausbildung hier "auf Raten", der Basiskurs berechtigt vorerst nur zum Tauchen mit Guide.
Es gab damals weltweit 2 große Vereinigungen, Padi Open Water Diver und SCUBA. Mittlerweile scheinen die beiden sich zusammengeschlossen zu haben, in ein- und derselben Tauchbasis kann nunmehr entweder ein SCUBA-Kurs oder ein OWD-Kurs gemacht werden. An jener Tauchbasis wo ich meinen OWD-Kurs gemacht habe, wurde ein SCUBA Kurs nicht angeboten. Ich musste mich nicht zwischen OWD und SCUBA entscheiden. Aufgrund meiner wenigen Tauchgänge (noch unter 20) bin ich als Gelegenheitstaucher einzustufen.
Hier bei Coraya Divers werden beide Tauchkurse der beiden größten Tauchschulen angeboten.
Tauchkurs SSI Supervised diver
SSI Scuba Schools International sieht sich als Nr. 2 hinter PADI.
SSI bietet einen preisgünstigeren Einstieg in die Welt des Tauchens und erkennt Brevets anderer Tauchausbildungen grundsätzlich an.
Preis: ca. €180,00,
Theorie: 2 Tage
max. Tauchtiefe nach Grundkurs: 12m,
Tauchgänge grundsätzlich mit Guide ("supervised diver ")
Tauchkurs PADI Open Water Diver (OWD) oder Autonomous Diver
PADI Professional Assocation of Diving Instructors ist die Nr.1 unter den Tauchschulen. Die Minimalausbildung dauert hier etwas länger und der Einstieg ist hier daher etwas teurer. Wer von SSI kommt, kann einen Zusatzkurs für den Open Water Diver machen.
Preis: ca. €340,00
Theorie: 4 Tage
max. Tauchtiefe nach Grundkurs: 18m, kann anschließend sofort auf 30m Tauchtiefe erweitert werden.
Ab einer gewissen Anzahl von Tauchgängen ist Tauchen auch ohne Guide erlaubt. Dafür gibt es unterschiedliche, länderspezifische Regelungen. In Ägypten ist Tauchen ohne Guide erst ab 25 Tauchgängen erlaubt. "Ohne Guide" bedeutet nicht, dass man allein tauchen darf, ein Tauchpartner muss immer mit dabei sein. Wie wird das gewährleistet? Man bekommt an der Tauchbasis nur dann die Pressluftflasche, wenn diese Voraussetzung erfüllt ist.
Voraussetzungen
Im Interesse guter Überlebenschancen der etwa 10.000.000 (10 Mio.) Taucher weltweit wird von den Tauchschulen ein Mindestmaß an medizinischen und körperlichen Voraussetzungen gefordert. Das kann ein ärztliches Attest (Tauchtauglichkeit) sein oder eine Erklärung/Beantwortung einer Fragenliste vor Beginn eines jeden Tauchurlaubs. Wichtig sind Lungenfunktion, belastbare Wirbelsäule und psychische Stabilität (Originalzitat eines Tauchers: "Mit 30m Wasser über mir fühle ich mich nicht besonders wohl wenn ich mal nach oben schaue" - das könnte der nächste Tauchpartner sein!)).
Mindestalter: unter 12 Jahren ist die Ausrüstung (die für Erwachsene gemacht wird) kaum "tragbar". Medizinisch möglich müsste Tauchen auch mit weniger als 12 Jahren sein.
Höchstalter: nicht bekannt.
Mittelmäßige Kondition ist ausreichend (außer bei Strömungstauchen, da ist gute Kondition erforderlich). Übergewicht spielt im Wasser keine Rolle.
Behindert? - das ist ein überwindbares Hindernis!
Auch Behinderte können tauchen lernen!
Wer sich dafür interessiert: IAHD International Association for Handicapped Divers. IAHD bietet in vielen Ländern die Dachorganisation/Infrastruktur für behinderte Taucher, das ist speziell für die Ausbildung der Tauchlehrer wichtig. Es muss für Behinderte mit den für sie geltenden Einschränkungen ein noch viel intensiveres (auf alle Fälle ein seltenes!) Gefühl sein als für uns "Normalos", abzutauchen und von unten auf die Wasseroberfläche zu schauen.
Hätte ich bei den Coraya Divers nicht die Bilder gesehen, ich wäre nie darauf gekommen, dass Tauchkurse für Behinderte angeboten werden / Behinderte tauchen können. Die medizinische Fragenliste lässt eher auf hohe körperliche Anforderungen schließen.
Zusätzliche Fertigkeiten
Ab dem OWD-Basiskurs können zusätzliche Fertigkeiten erworben werden durch Absolvierung von Lehr- und Trainingseinheiten für zB Nachttauchen, Unterwasser-Fotografie, Orientierungstauchen (mit Kompass), größere Tauchtiefe usw. Das ist durchaus vergleichbar mit den Abstufungen bei der Fahrschule: Pkw, Lkw, Anhänger, Gefahrengut, usw.
Wer? Wo?
Wer: Der Veranstalter ist Coraya Divers, weitere Angaben sind unter www.coraya-divers.de zu finden.
Wo: Wie im Vorjahr, verbringen wir unseren Urlaub wieder in Ägypten / Marsa Alam am Roten Meer - siehe Bericht Dolphin House aus dem Jahr 2008. Die Bucht heißt Marsa Umm Gerifat, das ist die ursprüngliche arabische Bezeichnung. Das erste große Hotel das an dieser Bucht gebaut wurde, war das CORAYA. Das ist gleichzeitig die unter den Touristen gebräuchliche Bezeichnung für die Bucht. Der Nachttauchgang war am Südriff.
Nachttauchen
Nachttauchen ist eine der Fertigkeiten die man gleich nach dem Basiskurs "buchen" kann. Ein eigener Kurs dafür könnte einzeln oder im Rahmen des Advanced OWD Kurses absolviert werden. Ich habe mich lediglich in die Liste für das Nachttauchen eingetragen, ein Nachttauchgang wird jeden 2. Tag angeboten. Auf die Anforderung einer Lampe (hielt ich für selbstverständlich, ist es aber nicht denn ich könnte ja eine eigene Lampe besitzen) und den Tauchcomputer (den hole ich sonst immer kurz vor dem Tauchgang ab) habe ich einfach vergessen - die Tauchschule hat ab 18:00 geschlossen, für den Nachttauchgang sammeln sich die Teilnehmer um 20:00! Unser Guide treibt aber trotzdem eine Lampe und einen Tauchcomputer für mich auf.Nach einer kurzen Einweisung (Handhabung der Lampe, wie sehen die Handzeichen zur Verständigung aus, wenn die rechte Hand die Lampe halten muss) geht's los: Wir gehen mit unserer Ausrüstung (noch ohne Flasche) zum Riff, bekommen unsere Flaschen, verbinden die Ausrüstungsteile und machen unseren Buddy-Check.
Tauchcomputer
Der sogenannte Tauchcomputer sieht aus wie eine zu groß geratene Armbanduhr. Es ist ein Barometer eingebaut und die max. Tauchtiefe der letzten Tauchgänge bleibt gespeichert - wichtig für das Logbuch nach Beendigung des Tauchgangs. Sicherlich ist der Tauchcomputer auch wichtig im Falle von Tauchzwischenfällen.
Buddy-Check
Um das Tauchen sicher zu machen, wird NIE ALLEIN getaucht! Vor dem Tauchgang wird festgelegt, wer mit welchem Tauchpartner taucht. Diese Zuordnung kann später vom Guide neu getroffen werden. Die 2-er Gruppen (das Buddy-Team) bilden zusammen mit einem oder 2 Guides das Tauchteam. Für das Nachttauchen sind 4-er Gruppen (4 Personen + Guide) sinnvoll; tagsüber sind bis zu 10 Taucher, dann aber mit 2 Guides, in einer Gruppe.
Vor dem ins-Wasser-Springen wird die Funktion der Ausrüstung gegenseitig kontrolliert, das ist der sogenannte Buddy-Check.
Der Merksatz heißt: Taucher Brauchen Saubere Luft:
T steht für Tarierweste
B für Bleigurt (oder in Taschen gesteckte Bleigewichte)
S für Schnallen (ist die Flasche auf dem Rücken sicher befestigt usw.)
L steht für Luft - ist die Flasche voll (>200bar) und das Ventil offen?
Die Tarierweste wird aufgeblasen, Taucherbrille und Atemregler festhalten und es folgt der Sprung ins Wasser - einfach ein großer Schritt nach vor...
Ein Buddy-Team ist schon vorausgegangen. Beide Taucher haben genügend Tauchgänge in ihrem Logbuch und dürfen ohne Guide tauchen.
Abtauchen
Im Wasser geben sich die Buddies - nur wenn alles in Ordnung ist - das OK-Zeichen. Das Abtauchen wird während des Kurses ausreichend oft trainiert: linke Hand an den Inflatorschlauch, diesen in die Höhe halten und so viel Luft aus der Tarierweste ablassen bis uns die Bleigewichte in die Tiefe schweben lassen. Als erste große Überraschung sehe ich im Schein meiner Lampe einen Rotfeuerfisch direkt neben der Tauchplattform in 3 m Tiefe - tagsüber lässt sich der hier nie blicken! Wir sind als 1. Buddy-Team ins Wasser gegangen, warten bei der Plattform auf die restlichen Teilnehmer und starten zum Tauchgang durch das Riff.
Ein kleiner Zwischenfall mit der Tarierweste
Die Lampen haben einen Ein-Ausschalter und einen Helligkeitsregler, sie geben auch auf der min. Stufe ausreichend Licht. Das Riff sieht bei Nacht GANZ ANDERS aus als tagsüber. Von den Fischschwärmen die tagsüber zu sehen sind - keine Spur. Zwischen den Korallenstöcken gibt es Stellen, wo man nebeneinander schlecht durchkommt und hintereinander tauchen muss. Die Gruppe sammelt sich wieder und ist dicht beisammen, da passiert es: ich spüre einen Schlag gegen meine linke Schulter, das war die Flosse oder eher das Knie eines anderen Tauchers. Ich weiche nach rückwärts aus ohne vorher nach hinten zu schauen, berühre mit dem rechten Ellbogen eine Koralle und gehe nun wieder nach vorne. Ich beginne langsam zu sinken, greife nach dem Inflatorschlauch um Luft in die Tarierweste reinzupumpen und finde ihn erst gar nicht. Er ist viel weiter hinten als sonst. Ich drücke auf das Ventil - aber das Geräusch stimmt nicht. Ein kräftiges Blubbern folgt anstelle des vertrauten Aufblasgeräuschs der Tarierweste - ähnlich wie beim Aufpumpen eines Fahrradreifens. Die anderen Taucher sind nun nicht mehr neben, sondern über mir. Ich suche meinen Buddy, finde aber zuerst den Guide und gebe das Signal für Nicht OK mit der Lampe und leuchte auf meinen Inflatorschlauch. Er kommt, hält mich fest, sieht sich das an, zeigt mir das im Wasser baumelnde Ende des Schlauchs, das mit der Tarierweste verbunden sein sollte und fragt mich mit dem OK-Fragezeichen ob ich das verstanden habe. Wir verständigen uns auf die Fortsetzung des Tauchgangs. Das ist deshalb möglich, da ich mit 8 kg Blei relativ gut austariert bin. Ich muss halt etwas mehr strampeln um nicht abzusinken und meine Aufmerksamkeit gilt nun nicht mehr ausschließlich der Unterwasserwelt. Außerdem halte ich die Lunge besser gefüllt - das ist ansonsten die Feinabstimmung beim Tarieren.
Wir beenden den Tauchgang nach der normalen Zeit (53 Minuten). Bei der Wartezeit in 3m Tiefe kann ich mich an der Plattform festhalten - kurze Entspannung!
Im ersten Bild ist die defekte Tarierweste zu sehen. Aus dem Anschlußstück auf der Weste hängt ein dünnes Stahlseil. Mit diesem kann im Notfall schnell Luft abgelassen werden, indem am Inflatorschlauch ruckartig gezogen wird. Das Stahlseil gehört IN den Inflatorschlauch links daneben.
Die Tarierweste wird am nächsten morgen repariert, im zweiten Bild ist der Inflatorschlauch wieder an der richtigen Stelle. Um 08:30 bin ich schon wieder auf dem Weg zum Riff.
Was wäre eine falsche Reaktion gewesen?
Jegliche Panikreaktion wäre falsch - zB die 8kg Blei abwerfen ist nur einen Handgriff entfernt, das wäre in diesem Fall völlig unnötig und falsch. Solange ich genug Luft in der Flasche habe und einige Taucher um mich herum, kann nicht viel passieren. Die "geduldeten" Reaktionszeiten sind hier deutlich länger als beispielsweise im Straßenverkehr. Wenn plötzlich jemand über die Straße rennt, bleiben meist nur wenige Sekunden für die - hoffentlich richtige - Reaktion. Man bewegt sich beim Tauchen in einem dichteren Medium - dem Wasser. Das "in die Tiefe sinken" lässt noch immer ausreichend Zeit für eine Reaktion. Der sogenannte Notaufstieg würde mich sicher nach oben bringen. Nur an der Wasseroberfläche würde mir die Bequemlichkeit einer aufgeblasenen Tarierweste fehlen. Die Tarierweste wird normalerweise mit Luft aus der Flasche aufgeblasen. Im Notfall geht das auch über das Mundstück. Da bei mir nun die Verbindung zwischen Inflatorschlauch und Tarierweste kaputt ist, könnte ich die Weste auch nicht mehr mit der Lunge aufblasen.
FAZIT
Das Tauchen mit Buddy ist eine absolut sinnvolle Vorschrift für die Sicherheit unter Wasser. Ohne Guide hätte ich mich nach dem Zwischenfall wahrscheinlich für einen Abbruch des Tauchgangs entschieden. Mit den Tauchschulen die ich bisher kennengelernt habe (einmal unter österreichischer, 2-mal unter deutscher Leitung), bin ich sehr zufrieden.
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Bei Einhalten der Spielregeln wären auch andere Sportarten weniger gefährlich?
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03.11.2003
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