2000/10: Finden Sie Werbung im Fernsehen nützlich?

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4  06.10.2000

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dahmane

Über sich: Entwicklungshilfe ist der Transfer von Geldern von den armen Menschen in reichen Ländern zu den reic...

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Werbung im Fernsehen bildet für viele Zuschauer längst eine eigene Kategorie der Unterhaltung (nur etwa die Hälfte aller Zuschauer nutzen die Werbeblocks als willkommene Pause zur Verrichtung grundlegender Tätigkeiten - Pinkeln, Biervorrat auffüllen etc.), die eigene Sehgewohnheiten erzeugt hat und eine eigene Ästhetik - ohne das würde uns etwas fehlen. Aber deshalb wissen wir noch nicht, ob Werbung im Fernsehen wirklich nützlich ist.
Dazu gibt es unter anderen die folgenden Argumente.

1. Werbung ist nützlich, weil sie die Programme bezahlt, die wir (gerne) sehen.
Das stimmt. Allerdings habe ich den Eindruck, daß uns wenig fehlen würde, wenn 80 % dieser Programme nicht liefen. (Aber das ist meine höchstpersönliche subjektive Ansicht, die niemand, der sich Talksshows und Soap-Operas und Reality-Shows und irgendwelche Wettspiele anschaut, ins Abseits stellen soll.) Dieser Zusammenhang ist auch den meisten Zuschauern durchaus bewußt. Sonst gäbe es mehr PREMIERE-Abonnenten. (Und wenn wir bestimmte Programme nicht anschauen, müssen wir auch die dazugehörige Werbung nicht sehen. Vereinfacht gesagt: wir sehen die Werbung, die genau unsere Programme finanziert. Das ist zwar betriebswirtschaftlich nicht ganz richtig, aber psychologisch.) - Dieses Argument können wir - aufgrund unserer eigenen Seherfahrungen - akzeptieren.
Es gibt kein Gegenargument. Die wenigsten Zuschauer wollen bezahlen, was sie sehen. Und die (partielle) Werbefreiheit der Öffentlich-Rechtlichen-Anstalten, wobei die entgangenen Werbeantnahmen durch Zwangsbeiträge aller potentiellen Zuschauer ersetzt werden, hat die Zufriedenheit der Zuschauer nicht gerade erhöht: sie fühlen sich abgezockt und im Stich gelassen.

2. Werbung ist überhaupt nützlich, weil sie (wenn auch in Grenzen) aufklärt.
Das stimmt. Wir haben in Deutschland eine ziemlich ausgewogene Struktur der Verbraucherinformation. Die Werbung ist in Maßen reglementiert (d.h. die Regeln eines fair play sind festgelegt), so daß sie wenigstens nicht grob irreführend erscheint. Daß sie subjektiv ist und unehrlich, ist uns als Konsumenten bewußt. Eben darum nutzen wir die Möglichkeiten, unser Urteil zu objektivieren (Stiftung Warentest, Fachzeitschriften), so intensiv. Aber zum persönlichen Glück gehört nun einmal die emotionale Komponente. Wir wollen nicht nur das beste Produkt, sondern wir wollen uns dabei auch wohlfühlen. Die Werbung ist die einfachste Methode, Produkte emotional aufzuladen. Ich bin überzeugt davon: wir brauchen das, um glücklich zu sein.

3. Werbung ist problematisch, weil sie Zusammenhänge stört.
Auch das stimmt. Werbung ist am wirksamsten, wenn sie sich in unsere Wahrnehmung ganz bewußt einmischt. Der Spielfilm wird unterbrochen, die Sportsendung wird unterbrochen, Harald Schmidt wird unterbrochen. Jeder wird gnadenlos unterbrochen, damit uns jemand erzählen kann, wie es mit dem Nachbarn klappt oder warum manche Zahnbüsten Tomaten zerstören und eine ganz bestimmte eben nicht.
Das ist oft genug sehr bedauerlich und schade, weil zerstückelte Filme nun einmal anders wirken als unzerstückelte (bei Harald Schmidt ist es nicht ganz so schlimm) - wir warten nur noch darauf, daß künftige Regisseure den unvermeidlichen Werbe-Schnitt nach einer halben Stunde in ihrer Dramaturgie berücksichtigen wie früher die Autoren von Kolportageromanen den unvermeidlichen Schnitt bei jeder neuen Lieferung an das verehrte Publikum. Talk-Sendungen z.B. bauen diese Unterbrechung längst in den Ablauf ein.
Da wir also die Werbung nicht werden vermeiden können, liegt es an uns, sie zu integrieren (besiegen durch Umarmung).

Warum nur bleibt diese Betrachtung so unbefriedigend? Vielleicht weil wir uns durch die Werbung instrumentalisiert fühlen. Wir wollen doch nur unterhalten werden, aber nicht wirklich angesprochen und zu einer Handlung bewegt. Wir wollen uns nicht damit auseinandersetzen, warum die unheimlich lustige DEA-Tankstelle uns überhaupt interessieren sollte - wenn wir Werbung sehen w o l l e n, dann schauen wir uns "die dicksten Dinger" an oder "die witzigsten Werbespots der Welt".
Bleibt festzuhalten: WErbung im Fernsehen ist nützlich. Manchmal wichtig. Meistens störend. Wie der Stuhlgang.


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roepke

roepke

13.10.2000 12:08

Ganz richtig, das mit der ästhetischen Komponente. Werbeleute wie Schirner behaupteten ja schon vor 30 Jahren, sie hätten die Kunst ersetzt, bzw. wären die wahren Künstler von heute. Das war zwar maßlos übertrieben und zu einem guten Stück Trommelei in eigener Sache, aber ein Stückchen Wahrheit war auch dran. Schön der Verweis auf den Forsetzungsroman. Viele heute anerkannte Werke der Weltliteratur entstanden als Zeitungsromane des 19.Jh. Werbepausen stören mich eigentlich weniger, ich habe nur die Befürchtung, das sich unsere Aufmerksamkeitsspannen den Werbeunterbrechungen anpassen: einen ununterbrochenen 180 min-Film im Kino werden wir dann nur noch schwer ertragen...

roadhawk

roadhawk

06.10.2000 21:55

Nein, ich will kein Werbe-Junky sein ! Und Werbung als Programmfinanzierung lehne ich ab. KAnn auch nicht nachvollziehen das wir Werbung brauchen sollen ? Na, ich hab ja auch eine Meinung dazu. Du hast Deine Meinung zu dem Thema aber sehr gut präsentiert!! gruss roadhawk

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