Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
leichte Säure, erfrischend, fruchtig, gute Aufmachung, Preis |
| Kontra: |
keine |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Hi Zusammen!
hier ist mal ein Bericht für alle Sommermuffel, die sich einfach nicht an das Wetter da draußen gewöhnen können und die Sonne mittlerweile für ein seltenes Schauspiel der Natur halten!
-----------------------------------------------------------
-> Laufener Schwarz - Weiß - Vorgeplänkel <-
----------------------------------------------------------
Egal wie der Sommer ist, es gibt nichts Schöneres, als es sich am Abend auf der Terrasse mit einem schönen Glas Weißwein in den Händen gemütlich zu machen. Und obwohl derzeit nicht gerade Mallorcanische Temperaturen vorherrschen und sich große düstere Wolken über mir zusammenbrauen, habe ich mir vorgenommen, mir meinen weinigen Abend nicht vermiesen zu lassen. So, gesagt getan, mit einem Pullover bewaffnet und in eine Decke eingebettet geht's ans Werk!
Meine neuste Errungenschaft: Ein Württembergischer Weißwein, den ich beim Stöbern im Famila - Markt um die Ecke entdeckt habe. Das Besondere an diesem Wein ist, dass sein Innenleben aus einer Rebsorte namens "Schwarzriesling" besteht, die allerdings eine Rotweinsorte ist! Jepp, richtig gelesen, ein Weißwein, der aus einer Rotweinrebe gebastelt wurde. Unglaublich, oder? Wieso, weshalb und warum das so ist und wie das gehen kann, erfahrt ihr später in diesem Bericht.
--------------------------------------------------------------- -----------
-> Lauffener Winzergenossenschaft - Der Hersteller <-
----------------------------------------------------------------------- ----
Hersteller des "Phänomen - Weines" ist die Lauffener Winzergenossenschaft, die im württembergischen Städtchen Lauffen am Neckar ihren Stammsitz hat.
Nur nebenher: Eine Winzergenossenschaft ist eine Vereinigung von mehreren Winzern eines Gebietes, die ihre Weine aus Kostengründen nicht mehr selbst keltern wollen. Die Winzer bringen ihre geernteten Weintrauben zu einer Anlaufstelle (Großkelterei der Genossenschaft) und diese stellt dann unter einem gemeinsamen Namen oder Label einen Wein her. So einfach ist das.
Lauffen befindet sich zwischen Heilbronn und Ludwigsburg (nur um mal zwei bekannte Städte zu nennen) am Fuße des Neckar und ist ein Städtchen, dass fast ausschließlich vom Weintourismus lebt. Um beim Weinanbau zu bleiben befindet sich dort eine der bekanntesten Lagen des Anbaugebietes Württemberg: Der "Lauffener Katzenbeisser" - Witziger Name, gute Lage! Wieso man ihn so nennt? Keine Ahnung! Jeder Weinberg bekommt seinen eigenen Namen. So kann man zum Beispiel an der Mosel einen "Kröver Nacktarsch" finden oder in der Pfalz einen "Dürkheimer Feuerberg". Tja, wer auch immer auf diesen Namen gekommen ist, sie haben Tradition! Ebenso wie die Genossenschaft, die sogar ihre eigene Philosophie aufgestellt hat: "Ein großartiges Produkt entsteht aus dem Willen, aus dem Know How und aus der Liebe der Menschen, die diese Dinge im richtigen Maß zu vereinigen wissen." Wenn das nicht schon alles sagt. Wer mehr über die WG und Lauffen wissen möchte, schaue doch mal unter www.wg-lauffen.de rein, interessant für Weinliebhaber!
-------------------------------------------------------
-> Schwarzriesling - Die Rebsorte <-
-------------------------------------------------------
Der Schwarzriesling ist in deutschen Landen am häufigsten in Württemberg vorhanden. Hier spielt die Rebsorte neben Lemberger und Trollinger eine sehr wichtige Rolle. Sicherlich bauen ihn auch andere Gebiete an, doch die Württemberger schätzen ihn am meisten: den vollmundigen, säurearmen, ziegelroten und fruchtigen Wein, der daraus entsteht. Und das stimmt, denn Weine aus dieser Rebsorte sind wirklich nicht zu schwer oder zu kräftig.
Wie jede für jede Traube typisch wäre es ziemlich uncool, wenn sie nicht mehrere Namen hätte. So gibt es in Frankreich einen "Pinot Meunier", der hier zum Beispiel für die Champagnerherstellung sehr wichtig ist. In Österreichischen Gefilden nennt man ihn "Blaue Pstitschtraube" und selbst die Australier haben ihren eigenen Nick für den Schwarzriesling: "Millers Burgunder". Apropo Millers. Wenn ihr mal die Chance habt, auf einem Weinberg diese Rebsorte anzuschauen, dann werdet ihr sehen, dass die Blattunterseite der Rebe leicht behaart ist und es teilweise aussieht, als sei sie mit Mehl bestäubt - Das hat dem Schwarzriesling übrigens auch seinen Zweitnamen "Müllerrebe" eingebracht - also, wenn ihr so was mal lest oder hört, wisst ihr was gemeint ist!
-----------------------------------------------------------
-> Laufener Schwarz - Weiß - Vorgeplänkel <-
----------------------------------------------------------
So, nun, langsam aber sicher nähern wir uns der Kostprobe. Doch vorher möchte ich eine kurze Info abgeben, wie es eigentlich dazu kommen kann, dass man aus einer Rotweintraube einen weißen Wein keltern kann. Aber so schwer ist das im Grunde genommen nicht.
Es gibt zwei Herstellungsverfahren von Wein. Zum einen das Weißweinverfahren, in dem die Trauben nach der Ernte zuerst gepresst werden (Maische) und anschließend vom Fruchtfleisch und Stielen befreit werden (keltern) und anschließend vergoren.
Bei der Rotweinherstellung geht es etwas anders zu. Da sich die Farbstoffe der Rotweintrauben direkt unter der Schale befinden, wird der der komplette Wein (Maische) mit vergoren, dann erst wird gekeltert und der Saft vom Trester befreit. So bleiben die Farbstoffe im Wein enthalten.
Nimmt man nun eine Rotweinsorte läßt diese durch das Weißweinverfahren laufen, erhält man einen Weißherbst oder weltweit auch Rosé genannt. Die Farbtiefe des Rosés hängt nun nur noch von der Farbidentität der Traube ab. Und da der Schwarzriesling recht humane Töne in der Schale versteckt hält, läßt sich dieser super leicht "weiß keltern". Trotzdem, den leichten Roséschimmer hat auch der "Schwarz - Weiß" definitiv!
------------------------------------------------------------- --------------------
-> Laufener Schwarz - Weiß - Preis und Äußerlichkeiten
----------------------------------------------------------------- ----------------
Die braune glasige Umhüllung des Weißweines ist mit einem Kunstkorken versehen worden. Die Flasche ist alles andere als auffällig, dafür hat man sich in Lauffen mit dem Etikett etwas einfallen lassen. Denn es ist schwarz - weiß.
Während der Flaschenhals mit einem einfachen silber - weißen Schal - Label beklebt wurde, auf dem die Aufschrift "ERNTE 2006" aufgedruckt ist, macht sich das ziemlich korpulente Hauptetikett etwas bemerkbarer. So ist es silbern umrandet und im Inneren in (wie oben schon erwähnt) in Schwarz und Weiß geteilt. Im weißen Bereich wurde in schwarzen Schreiblettern das Wort "SCHWARZ" gedruckt. Oben drüber nur ganz legere erwähnt: "Württemberg".
Schon etwas Informationsreicher ist der schwarze Part des Etiketts. Hier steht in dicken weißen Buchstaben das Wort "WEISS", womit hiermit der Name des Weines komplettiert wurde. Etwas weiter unten werden die Rebsorte ("SCHWARZRIESLING") sowie ein "WEIßGEKELTERT" angezeigt, dann ein "QUALITÄTSWEIN TROCKEN". Das Logo der Winzergenossenschaft findet sich am Rand des Labels mit dem passenden Schriftzug.
Dann wäre hier noch das Rückenetikett, das hier wohl nichts mit dem Blickfängersyndrom in Verbindung gebracht werden muss. Sämtliche Infos vom Frontetikett, einer Trinktemperaturempfehlung, der Unterschrift eines Kellermeisters namens Gaiser, der Abfülleradresse, dem Alkoholgehalt des Weines (12,5% Vol.) und der Angabe des Flascheninhaltes lassen noch offene Fragen verstummen.
------------------------------------------------------------
-> Laufener Schwarz - Weiß - Der Test
------------------------------------------------------------
N un denn, lassen wir es angehen. Der Kunsthoffkorken lässt sich problemlos öffnen und gibt ein kleines "Plopp" von sich. Ein Zeichen, dass der Wein etwas Säure mitbringen wird (das bestätigt sich auch, als ich den noch halbvollen Wein nach dem Test wieder verkorke und mir der Pfropfen einige Minuten später wieder abspringt).
Wie erwartet ist der Wein kein richtiger Weißwein. Das würde einem Wunder gleichkommen, bekommt man sämtliche Farbelemente aus der Schale heraus. Der Wein ergießt sich in einem Roséton in das Glas. Es ist wirklich nur ganz leicht erkennbar, aber immerhin - er ist rosé!
Kleine Blässchen am Glas lassen auf Säure schließen. Das Schwenken des Weinglases lässt
die berühmten "Kirchenfenster" am Glasrand sichtbar werden, die die Extrakte des Weins erkennen lassen. An ihnen kann man die Geschmeidigkeit des Weines erkennen (Öle), doch viel des guten Öls ist nicht vorhanden, da die "Kirchenfenster" sich schnell wieder mit dem Wein vereinigen. Dass das Glas nun auch noch beschlägt…mjam…liegt wohl an meiner supertollen Kühlung des Weines!!!
Nun mal ab mit meiner Nase in die inneren Gefilde des Glases. Leicht, ziemlich leicht erschnuppere ich die typischen Nuancen des Schwarzrieslings: Himbeeren und Brombeeren, alles etwas abgeflachter, dafür erfasse ich nun noch einen Hauch Stachelbeere und feine Aromen von reifen Pfirsich. Wieder kommt mir die feine Säure in die Quere…das ist der Beweis! Der Wein ist spritzig!
Jetzt aber genug geguckt und gerochen, ich möchte schmecken! Und was stelle ich als erstes fest? Klar, die spritzige Säure, die den Wein ungemein erfrischt. Sehr gut. Jetzt kommen noch die Aromen hinzu, die ich ja bereits schon bei der Geruchsprobe erschnuppert habe: Beeren gepaart mit feinen Pfirsichnuancen. Der "weiße Schwarzriesling" ist trocken. Angenehm trocken, trotzdem nix für die Süßen unter uns…grins… Die Kühle des Weines (habe ihn auf 12°C runtergekühlt) gibt dem Wein seinen Kick. Er erfrischt, ist leicht und schmeckt. Nachteil an den leichten, wohlschmeckenden, erfrischenden Weißweinen: So schnell wie sie gekommen sind, verschwinden sie auch. Kaum runtergeschluckt isser auch schon weg und ward nie mehr gesehen! Das heißt: Nachschenken!
Gesagt getan und auch das zweite Glas ist hervorragend. Muß ich sagen.
--------------------------------------------------------------
- > Laufener Schwarz - Weiß - Das Fazit
--------------------------------------------------------------
"Schwarz - Weiss" ist die Zukunft - nicht für den technologischen Bereich, eher für die Winzer. Der Trend geht zu den Besonderheiten, gerade beim Wein und so ist es nicht verwunderlich, dass man nach und nach immer mehr weiß gekelterte Tropfen findet. Nicht nur aus deutschen Landen!
Dieser weiße Schwarzriesling ist jedenfalls Top! Gerade in seiner Preislage von knappen € 5,00 kann man nichts anderes behaupten. Er ist unkompliziert, fruchtig, erfrischend und für die etwas wärmere Jahreszeit ideal - hier besonders, eben wegen der erfrischenden Säure. Bei 10°C ideal - unbedingt weiter kühl stellen! Wer es mag, ausnahmsweise sind hier auch Eiswürfel im Glas erlaubt!
Auch wenn´s mal etwas verregneter ist und die Sonne sich mal wieder nicht hinter den dunklen Wolken hervortraut ist der Wein hervorragend. Vielleicht sollte man ihn hier nicht allzu doll kühlen, ich denke, dass auch mal 12 bis 14 Grad ausreichen.
Leichte, helle Vorspeisen, Salate und Nudeln dürft ihr dazu genießen. Mehr passt in der warmen Jahreszeit sowieso nicht in den Magen. Bei Steaks und allgemein dunklem Fleisch wäre ich vorsichtig, hier werdet ihr wohl von dem Wein nicht allzu viel haben, denn er geht eiskalt unter! Solls doch was Fleischiges sein, dann rate ich euch zu Schwein oder Pute - dat passt!
Der "2006er Schwarz - Weiss" ist ein idealer Begleiter durch die wärmeren Monate. Er ist sogar flexibel. Wer den Sommer verpasst hat, kann ihn auch bis zu drei Jahre lagern (Angaben des Herstellers). Zu kaufen gibt's ihn wie schon erwähnt bei "Famila" ( € 4,99), im Internet (www.katzenbeisser.de, € 4,05) oder in ausgesuchten Weinläden. In anderen Supermärkten habe ich den "weißen Schwarzriesling" noch nicht entdecken können. Mein Tipp: Falls ihr auch einen anderen weiß gekelterten Wein entdecken solltet, greift zu - eine probe ist er wert!
Fünft süffige Sterne seien dem Wein verliehen und eine Kaufempfehlung! Na dann: Prösterchen!
© knopfi.de´07