2011 – Meine Erwartungen und Hoffnungen an das neue Jahr

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2011 – Meine Erwartungen und Hoffnungen an das neue Jahr

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Wird 2011 ein friedliches und wirtschaftlich stabiles Jahr?





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Ja, wenn wir alle Engel wären
Erfahrungsbericht von ditho1911 über 2011 – Meine Erwartungen und Hoffnungen an das neue Jahr
11.01.2011


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Es kann ein gutes Jahr werden, wenn jeder ein wenig mitwirkt
Kontra: Die Kleinen wollen sicher, die großen auch?

Empfehlenswert?  

Kompletter Erfahrungsbericht

Eigentlich habe ich meine Erwartungen und Hoffnungen an das neue Jahr schon in meinem „Über mich“ zum Ausdruck gebracht, ohne tiefer über ihren Inhalt nachzudenken. Sonst wäre ich wohl schon darüber gestolpert, dass bereits der erste Wunsch missverstanden werden könnte. Daher kommentiere ich mich jetzt selbst ein wenig, damit auch in kurzer Rede ausreichend unmissverständliche Gedanken enthalten sind.
Noch einmal zur Erinnerung:

Meine Erwartungen und Hoffnungen an das neue Jahr:

Weniger Rede, mehr Gedanken,
weniger Interessen, mehr Gemeinsinn,
weniger Wissen, mehr Urteil,
weniger Zwiespalt, mehr Charakter.

Weniger Rede, mehr Gedanken

Da fallen mir doch gleich zwei markante Personen ein: Thilo Sarrazin und Gesine Lötzsch.
Ersterer ist ja hinlänglich als politischer Querulant bekannt, er verfügt über die seltene Eigenschaft, bittere Wahrheiten zu r nicht unbedingt falschen Zeit, aber ohne sachlichen Kommentar auszusprechen. Kein Wunder, dass sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ so rege gekauft wird. Teils aus Sensationsgier, teils vielleicht auch, weil die Leute in diesem Buch die Erläuterungen suchen, die man in seinen Worten nicht findet. Wahrheiten, die man losgelöst vom Umfeld und von anderen Wahrheiten verkauft, lassen sich zu leicht als Unwahrheiten deklarieren. Wenn das Herr Sarrazin selbst nicht begreift, dann muss er sich nicht wundern, dass er eine exponierte Stellung, in der er selbst als Aushängeschild wirkt, verliert. Dass aber seine Partei nur die allerletzte Form der Auseinandersetzung findet, zeigt, dass sie in Bezug auf Integration und noch manch anderes Thema gewaltige Scheuklappen trägt und Angst vor der eigenen Courage hat. Auch Integration hat zwei Seiten, es gibt zahllose gute Beispiele für gelungene Integration und leider auch nicht wenige für das Gegenteil. Solides Handeln wäre gewesen, sich mit den Problemen sachlich auseinanderzusetzen und Herrn Sarrazin klarzumachen, dass er bei seiner Bildung auch global denken muss, nicht nur aus Sicht des Bankers. Dass seine Frau jetzt, nach 30 Jahren unbeanstandeter Lehrtätigkeit, plötzlich nicht mehr tauglich für das Lehramt sein soll, ist einfach nur peinlich.

Runden wir die Liste der Peinlichkeiten weiter ab. Erst neue Pfade zum Kommunismus suchen, dann vor Schreck gewaltig zurückrudern, das ist peinlicher als eine alte Almhütte oder ein in die Jahre gekommener Porsche. Wenn man eine Partei zu einem gemeinsamen Ziel führen will, dann sollte man dieses auch kennen und nicht mangelnde Weiterbildung mit alten Klischees zu kaschieren versuchen. Liebe Frau Lötzsch, haben sie im Osten nicht miterlebt, wohin der real existierende Sozialismus in der damaligen Sowjetunion und der damaligen DDR geführt hat? Oder gehörten sie zu der Schicht, die den real existierenden Kommunismus schon genoss? Dann würde ich die Sehnsucht schon verstehen. Dieser Kommunismus regierte vorwiegend in Wandlitz und ähnlichen gebieten, wo man mit West-Konsumartikeln für wenig Ostgeld gut leben konnte. Worin hat sich der real existierende Sozialismus denn vom Kapitalismus unterschieden? Allein in der Ideologie. Denen, die die Macht haben, ging es immer gut. Ist es nicht deutlich sichtbar, dass in derzeit real existierenden kommunistischen Regimes, wie China und Nordkorea, genau so läuft? Wer dort den Mund außer zum kargen Mahl öffnet, wird bald für lange oder immer schweigen. Wir brauchen keine Kommunismusdebatte mehr. Sie öffnet denen, die die DDR nie erlebt haben und jeden, der einiges aus dieser Zeit gut findet, gleich als Nostalgiker oder Ostalgiker verdammen, alle Schleusen. Warum steht Finnland, das das DDR-Bildungssystem übernommen hat, heute bei Pisa gut da und warum gibt es heute Ärztehäuser nach dem Beispiel der Polikliniken? Ich finde das gut, will aber keines wegs die DDR oder den Sozialisamus zurück. Schon gar nicht den Kommunismus. Wenn so mancher seine Worte bedachter wählen würde und dann danach handelt, dann sähe es wohl etwas besser aus.

Wie sagte doch mein alter Lateinlehrer: „Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben“. So Boethius.und weiter „hättest Du Deine Unwissenheit verborgen.“
Ich halte es da lieber mit Martin Luther King „Unsere Generation wird eines Tages nicht nur die ätzenden Worte und bösen Taten der schlechten Menschen zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der guten.“

Macht den Mund auf, wenn Euch etwas nicht gefällt, aber vergesst nicht die Achtung vor dem, den Ihr kritisiert.

Weniger Interessen, mehr Gemeinsinn

Bei diesem Thema geht mir ein sehr lebendiges Beispiel durch den Kopf. Gerade las ich, dass die Arbeitslosigkeit in unserem kleinen Ort auf unter 8 % gesenkt wurde. Dem ging so manche Diskussion über kommunale oder private Aufgabenteilung voran. Im Bauhof unserer Gemeinde fand so mancher Arbeitslose eine neue Aufgabe, der sonst weiter von Hartz IV gelebt hätte. Interessant dabei, dieser Bauhof realisiert keine Großobjekte, sondern viele kleine Aufgaben im Ort, an der Schule oder anderen kommunalen Einrichtungen in den unterschiedlichsten Gewerken. Natürlich hätten diese Aufgaben auch an kleine Handwerksbetrieb vergeben werden können und sicherlich hätten diese Aufträge nach aller Ausschreibungsbürokratie einen solchen Umfang angenommen, dass es sich für einen Betrieb gelohnt hätte.

Oder unser Sperrmüllhof. Besetzt mit ehemals Arbeitslosen der Gemeinde, die hier stundenweise für ordentliche Entsorgung und Vorsortierung nach Abfallarten sorgen. Sie haben eine Aufgabe, für die sich infolge des geringen Arbeitszeitaufkommens kein Betrieb interessieren würde.

Ich bin keineswegs ein Verfechter der Theorie, dass jede Kommune alles selbst machen sollte, und auch kein Todfeind der Privatisierung oder ggf. Teilprivatisierung. Aber alles in der richtigen Relation auf der Basis eines vernünftigen Kosten-Nutzen-Denkens.

Oder denken wir an die vielen ehrenamtlichen Streiter auf so vielen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens. Sie fragen nicht nach Geld, sie packen einfach zu. Ich war selbst acht Jahre lang ehrenamtlicher Arbeitsrichter und mein einziger, aber für mich sehr bedeutungsvoller, Lohn war das Sammeln von Erfahrung, das Lernen in der Praxis. Als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens konnte ich viele der Fehler vermeiden, die ich in den Verhandlungen ansehen musste. Das war mir Lohn genug, denn auch bei mir hat sich durch diese praktischen Erfahrungen der Standpunkt zu Gemeinsinn weiter entwickelt. Ich habe gelernt, dass Konflikte nicht aus sich heraus entstehen und das man lernen und helfen kann, sie zu bewältigen.

Vor kurzem hatte ich wieder einmal Gelegenheit, meinen Gemeinsinn zu testen. In der Schule meiner Enkelin war eine Zirkuswoche angesagt, bei der die Kinder selbst als Artisten auftraten. Dafür wurden natürlich Helfer gesucht. Erst wurde zaghaft angefragt, ob ich das ganze Geschehen von den ersten Proben bis zur Galavorstellung auf Video dokumentieren könnte und was das denn kosten würde. Ich dachte ein wenig nach und kam zu der Schlussfolgerung: eine ganze Menge Zeit. Es machte riesigen Spaß und ich habe keine Minute bereut. Beim Zeltabbau war dann wegen drohenden Regens jede Hand gefragt und so packten auch die meinen kräftig mit zu. Es tat richtig gut, am Ende zu hören, dass man mir in meinem Alter solche Lasten nicht mehr zugetraut hätte. Mein Kreuz dachte ähnlich, aber die gemeinsame Bratwurst und das Bier danach schmeckten doppelt so gut.

Es müssen nicht immer große Taten sein, aber schon hin und wieder nicht nur an sich selbst zu denken, tut nicht nur denen, an die man denkt, gut.

Weniger Wissen, mehr Urteil

Diesen Spruch von Walter Rathenau interpretiere ich so, dass man seine Entscheidungen nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mal mit dem Herzen fällen soll. Richtiges Beurteilen so mancher Situation im Leben erfordert mehr Menschlichkeit, als wir oftmals glauben. Nicht weil wir etwa unmenschlich denken, nein nur ganz einfach zu oberflächlich. Große Worte, wird jetzt so mancher denken. Ich hätte es gern ein wenig kleiner. Aber diese Gedanken kamen mir in den Kopf, als ich mich heute bei ciao anmeldete und den schon oft gesehenen Aufruf zum Umgang mit neuen Mitgliedern las.

Natürlich geht es auch mir hin und wieder auf die Ketten, wenn ich einen Dreizeiler lese, der zur Belohnung einen ganzen Duden verdienen würde oder wie unlängst geschehen, einer in seinem „Über sich“ schrieb, dass er uns mal zeigen würde, wie man hier richtig schreibt. Sein erster derartiger Versuch bedurfte wohl noch einiger Übung und ich schrieb ihm mit freundlichen Worten ins Stammbuch, dass er doch zum Einstieg vielleicht erst einmal bei Anderen lesen sollte, damit er weiß, was gut und schlecht ist. Kurz darauf war mein Beitrag gelöscht. Da habe ich mich auch ein wenig gefragt, was ciao denn nun wirklich von uns erwartet. Dennoch schreibe ich auch weiter jedem Newcomer, der einen zumindest leidlich guten Start vor meine Augen bringt, einen freundlichen Gruß und den Wunsch, bald mehr von ihm in mindest dieser Qualität lesen zu dürfen, in seine Kommentarspalte. Ich habe nämlich nicht vergessen, wie ich selbst einst als druckerzubehör-Jünger empfangen wurde. Einer machte sich die Mühe, mich nicht zu beschimpfen, sondern mir zu erklären, worum es hier eigentlich ginge und was man von druckerzubehör.de hielte. Einiges davon ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben und ich halte mich daran.

Ich wünschte mir, dass nicht nur hier die Wissbegier über das Besserwissen triumphieren möge und das Beurteilen über das Verurteilen. Auch dies hat eine ganze Menge mit dem oft zitierten Gemeinsinn zu tun.
Weniger Zwiespalt, mehr Charakter

Ich fühle mich arg versucht, bei diesem Thema gleich wieder über unsere Politiker vom Leder zu ziehen. Egal wen ich da aufs Korn nehme, ich treffe bestimmt keinen falschen. Egal, ob ich mich an Schwarz-Gelb oder Rot-Grün versuche. Aber das ist mir heute zu einfach.

Warum nicht einfach mal darüber nachdenken, was uns voranbringt und was uns hemmt. Wie oft stehen wir vor der Frage soll ich oder soll ich nicht ? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wen könnte ich noch mal befragen ...? Wer kennt diese Fragen nicht?
Das Leben scheint zuweilen ein ständiges Abwägen zwischen Überlegen und Handeln zu sein, was aber letzten Endes nichts anderes bedeutet, dass die Zweifler und Zauderer einer Sache eher im Wege stehen, statt sie voran zu bringen.

Wenn wir so im Straßenverkehr handeln würden, wäre das Chaos unabsehbar, Massenkarambolagen vorprogrammiert. Warum kommt es nicht dazu? Weil wir uns als brave Bürger an die Gesetze, in diesem Fall die Straßenverkehrsordnung, halten. Doch wie wäre es einmal mit ein bisschen Eigeninitiative, es muss ja nicht gerade an der roten Ampel sein. Ich meine hier ganz konkret die Frage der Zivilcourage.

Mit Bestürzung haben wir gelesen, dass zu viel (zu viel?) Zivilcourage das Leben kosten kann. Aber warum konnte dies überhaupt geschehen? Weil nur Einer Zivilcourage zeigte und zu Viele einfach wegschauten. Nicht jeder ist zum Held geboren, aber muss man deshalb immer gleich wegsehen? Ein Handy gehört heute zum Alltag, man kann darüber Hilfe anfordern und genau hinsehen, wer hier wie gegen die Regeln verstoßen hat.

Was heißt eigentlich Zivilcourage? Courage bedeutet Mut, Beherztheit, hat also etwas mit dem Herzen oder sogar Herzlichkeit zu tun. Civil kommt aus dem lateinischen civilis und heißt auf Deutsch bürgerlich oder auch gemeinnützig. Welch bekanntes Wort taucht da wieder auf. Zivilcourage gibt es aber nicht nur in Verbindung mit Muskelpaketen. Zivilcourage bedeutet auch, zu einer Meinung, von der man überzeugt ist, offen zu stehen, sogar , wenn man befürchten muss, daraus Nachteile zu erleiden.
Zivilcourage kann auch heißen, etwas zu tun, was nicht populär, von dem man aber überzeugt ist.

Zivilcourage war es auch, als die Menschen in Leipzig 1989 auf die Straße gingen und den Regierenden klar machten, wer das Volk ist, und Zivilcourage ist auch, wenn in Stuttgart die Menschen gegen ein Projekt auf die Straße gehen, das sie so nicht wollen. In Leipzig konnte die Zivilcourage die Gewalt besiegen, in Stuttgart eskalierte die Gewalt. Wie gut, dass es da da noch Polizisten mit Zivilcourage, wie Thomas Mohr, gibt, der sich in einem Interview mit Monitor sehr kritisch über den Polizeieinsatz im Schlosspark äußerte. Er bekam viel Lob von den Bürgern, jedoch die Polizeiführung hat „dienstliche Maßnahmen“ gegen ihn vollstreckt. Schließt Demokratie heute Maulkörbe mit ein? Ich verstehe etwas anderes darunter.
Fazit

Wenn ich meine Wünsche für 2011 etwas zusammenfasse, komme ich auf mehr Nachdenken, mehr Gemeinsinn, mehr Urteilsvermögen und mehr Zivilcourage. Eigentlich Dinge, die eng miteinander verbunden sind. Und das ist gut so. Wenn wir alle in 2011 ein bisschen mehr begreifen, dass wir in vielen Formen von Gemeinschaft leben und uns dadurch letztendlich ein wenig gegenseitig brauchen, dann ist schon viel erreicht. Dann kann es ein gutes Jahr werden.

   
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