Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
wunderschöne Bilder, wunderbare Schauspieler, ein - eigentlich - wunderbarer Regisseur |
| Kontra: |
reicht nicht an seine letzten Filme heran |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Wong Kar Wais letzter Film „In the mood for love“ war für mich „der“ perfekte Film überhaupt. Ich habe wirklich selten einen so schönen und stimmigen Film gesehen, der mir auch so sehr im Gedächtnis geblieben ist. Doch bin ich schon lange vorher auf diesen Regisseur aufmerksam geworden, ich habe ihn auch auf der Berlinale mal „live“ erlebt bei einem Gespräch über seinen Film „Fallen Angels“. Bisher fand ich alle seine Filme richtig toll, neben den bereits erwähnten auch der bekanntere „Chungking Express“ und „Happy together“. Gut, ich kenne noch nicht alle, mir fehlt z.B. noch „Days of being wild“, aber das kommt bestimmt noch.
Als ich hörte, dass es endlich – nach etwa 4-5 Jahren Wartezeit – einen neuen Film von ihm geben soll, der sogar noch eine Art Fortsetzung zu „In the mood for love“ sei, gab es für mich kein Halten mehr: ab ins Kino!
Über den Regisseur
Für diejenigen, die Wong Kar Wai noch nicht kennen, eine kurze Personenbeschreibung:
Zwar ist Herr Wong (Kar Wai ist sein Vorname) 1958 in Shanghai geboren, da er aber bereits mit 5 Jahren nach Hongkong übersiedelte, und viele seiner Filme in Hongkong spielen, gilt er vielen als „der Regisseur aus Hongkong“.
Er studierte Graphik, interessierte sich sehr für Fotografie und verehrte z.B. auch das Werk von Henri Cartier-Bresson (was ihn mir sympathisch macht, da ich ebenfalls ein großer Fan bin). Nach Beendigung seines Studiums begann er als Produktionsassistent beim Fernsehen, arbeitete sich aber bald zum Drehbuchschreiber hoch. Gemeinsam mit Patrick Tam schrieb er „As tears go by“ womit den beiden ein erster von der Kritik hoch gelobter Durchbruch gelang. Auch eine seiner Lieblingsdarstellerinnen, die wunderbare Maggie Cheung war hier schon mit dabei. Nach diesem Erfolg bekam er die Erlaubnis seiner Produktonsfirma, einen eigenen Film zu drehen: „Days of being wild“ (1990). Auch wenn der Film von den Besucherzahlen her gesehen kein Erfolg war, brachte er ihm dennoch so viel Anerkennung, dass von nun an der Name Wong Kar Wai in der internationalen Kino – Szene ein Begriff wurde.
Mit den Filmen Chungking Express (1994) und Fallen Angels (1995), Happy Together (1997) – für den es auch eine Auszeichnung in Cannes gab - gelangen ihm auch größere kommerzielle Erfolge. Der absolute Durchbruch kam aber erst 2000 mit „In the mood for love“.
Da ich gerade letzte Woche ein Interview mit ihm bzw. einen Bericht über ihn gesehen habe, könnte ich jetzt noch viel mehr schreiben, aber dann wird mein Bericht zu lang, bevor ich überhaupt ein Wort über den Film selbst verloren habe; deshalb verweise ich auf folgenden Link: http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/74740/
Handlung:
Aus dem sympathischen, unglücklich verliebten Zeitungsredakteur Chow Wo Man (Tony Leung), den wir aus „In the mood for love“ kennen, ist nun ein Schriftsteller geworden. Er schreibt vornehmlich Science Fiction Romane, aber auch Auftragspornos, lebt in einem etwas anrüchigen Hotel, Zimmer an Zimmer mit schönen Frauen, die einen lockerem Lebenswandel führen. Kurze, leider nur sehr kurze Rückblenden lassen vermuten, dass er über Maggie Cheung (wie sie im Film hieß, hab ich vergessen) nicht hinweggekommen ist, er stürzt sich in kurze oberflächliche Liebesabenteuer, um von seiner enttäuschten Liebe abgelenkt zu werden.
Besonders angetan hat es ihm die schöne Bai Ling (Zhang Ziyi), die das Zimmer nebenan mit der für ihn bedeutsamen Nummer 2046 bewohnt. Bedeutsam deshalb, weil es ihn an seine vergangene Liebe erinnert.
Gleichzeitig ist die Zahl 2046 aber auch der Titel eines Romans, an dem er schreibt – und Wong Kar Wai blendet immer wieder Szenen dieses Romans, der in einer Art Zeitreisezug spielt in die eigentliche Handlung mit ein.
Während Chow Wo Man Herzen bricht, seien es Frauen, die aus seiner Vergangenheit auftauchen (die geheimnisvolle Lulu) oder neue Bekannte (so die großartige Schauspielerin Gong Li als kambodschanische Trickspielerin) ohne sich selbst emotional zu engagieren, spielt sich im Hotel ein anderes Liebesdrama ab: die Tochter des Hotelbesitzers und ein Japaner verlieben sich unsterblich ineinander, aber der Vater verbietet ihr die Beziehung zu einem Mann aus dem verhassten Volk. Chow bietet ihr an, seinen Namen als Deckadresse zu benutzen, um weiterhin mit ihrem Geliebten in Kontakt zu bleiben, doch auch zwischen den beiden bahnt sich eine gewisse Nähe an.
Immer wieder werden Jahreszahlen eingeblendet, die die reale Zeit angeben, so merkt man, dass der Film in den 60er Jahren spielt (tolle Kleider gab es da!) und auch kurze Einblendungen von Zeitgeschichte (Aufstände in Hongkong) sind zu sehen, da sie allerdings nahezu nicht erklärt werden, sind sie für den unbedarften Zuschauer nicht wirklich erhellend.
Das Ende des Films wiederum knüpft an den Anfang an (Gong Li als Su Li Zhen am Anfang und auch Gong Li am Ende) es gibt kein Happy End, wie auch? Die Liebe kommt immer entweder zur falschen Zeit oder am falschen Ort oder zwischen den falschen Menschen (so oder so ähnlich lautet ein Zitat des Films)…
Regie, Schauspieler, Kamera
Zu Recht wird der Film, gerade mal in den Kinos angelaufen, mit Lob überhäuft, zumindest was die wunderbaren Bilder, die Nahaufnahmen und die unglaubliche atmosphärische Dichte betrifft. Auch empfand ich die Filmmusik (wer etwas davon hören möchte, kann sich das mal auf der Seite www.2046.der-film.de anhören) von Shigeru Umebayashi als sehr schön, romantisch und passend.
Wong Kar Wai lässt die Kamera immer sehr nahe an die Personen herangehen, es gibt in diesem Film sehr wenig Außenaufnahmen, wenig Bilder in und über die Stadt, die meist traurigen, manchmal auch kokett flirtenden Gesichter, die langsamen und erotischen Bewegungen der Frauen – ab und an auch Nahansichten der Zimmer oder des Hotelbalkons, auf dem man Profile, die sich neben dem alten Hotelschild wie Schattenrisse gegen den Himmel abheben – das sind die Bilder, die dem Regisseur wichtig sind.
Er weiß, dass er auf seine Schauspieler, mit denen er größtenteils schon lange arbeitet, zählen kann!
Ein romantischer, melancholischer, farbenprächtiger ungemein ästhetischer Film, der in seiner Art durchaus wieder perfekt genannt werden kann. Es gibt unheimlich schöne Momentaufnahmen, Bilder, die sicher im Kopf bleiben und große Bewunderung für Wong Kar Wais Kunst und die seiner Crew und seiner Schauspieler.
Ich habe in all den begeisterten Kritiken eine gelesen die allerdings das schnöde Wort „Kunsthandwerk“ statt „Kunst“ benutzt. Zwar endet der Rezensent mit der Frage, warum es denn immer Kunst sein müsse, wenn das Kunsthandwerk so gelungen daher kommt wie hier, dann sei das schon in Ordnung…
Meine Meinung
Ich finde es leider nicht in Ordnung, denn ich weiß, dass Wong Kar Wai durchaus zu echter Kunst fähig ist!
Diese ist ihm hier aber trotz – oder wegen? – der langen Zeit, an der er den Film immer wieder verändert und bearbeitet hat, nicht wirklich gelungen. Es bleibt trotz aller ästhetischer Bewunderung, die ich empfinde, irgendwie alles hohl, die Schicksale der Menschen rührten mich nicht wirklich an, auch die Geschichte war nicht so, dass sie mich vom Hocker riss. Ehrlich gesagt, gab es sogar echte Momente der Langeweile, in denen ich das immergleiche Spiel um vergebliche Liebeswerbung gar nicht mehr sehen mochte. Wäre der Film ein Buch, so fiele mir der Ausdruck „manierierte Sprache“ dazu ein, es fehlt ein bisschen an Authentizität.
Ich neigte anfangs sogar dazu, ihm nur 3 statt 4 Sternchen zu geben, aber das wäre ungerecht, denn es zeugt nur von meiner enttäuschten Liebe.
Der Film ist einerseits großartig, ungewöhnlich gefilmt, man kann in den Bildern und der Musik schwelgen und er ist mit ausdrucksstarken Schauspielern ausgestattet, andererseits hat er echte Längen und die Story überzeugt nicht voll.
Mit am besten gefielen mir die Zeitreisen im Zug, in denen ein Japaner (Kimura Takuya) nach 2046 fährt, dort perfekte Androiden trifft in Gestalt schöner Frauen – die wir alle aus der „Realität“ kennen und dort aber nicht glücklich wird, da die Liebe mit Androiden nicht beidseitig sein kann (o.k. das ist jetzt sehr verkürzt ausgedrückt;)) , das war wunderschön gefilmt und gab dem Film eine besondere Note, aber die langen Szenen mit Bai Ling, bei denen es keine innere Entwicklung gab, nervten mich ein bisschen.
Fazit
Wer einen filmisch perfekten Film mit schönen Menschen und beeindruckenden Bildern sehen möchte und dazu einen Hang zu traurigen Liebesfilmen hat, dabei etwas Erotik nicht abgeneigt ist, muss eigentlich in diesen Film gehen!
Wer aber Wong Kar Wai kennt und liebt – so wie ich – der ist vielleicht auch etwas enttäuscht. An „ In the mood for love“ kommt er lange nicht heran.
Über – gerne auch kontroverse – Kommentare würde ich mich diesmal besonders freuen, er wurde auch in unserem kleinen Kreis (wir waren zu sechst im Kino) sehr unterschiedlich aufgenommen.
| weitere Erfahrungsberichte |
In the mood for love
Bewertung für 2046 von
BillMaplewood
Pro: wundervolle Bilder, erstklassige Musik, formidable Darsteller, melancholisch, romantisch,....
Kontra: Kar-Wai gewohnt extrem ruhig, teilweise sehr wirr (der Film fügt sich erst nach und nach Zusammen), was ein 2. Ansehen nötig machen kann (bei mir nötig machte)
...Es gibt viele Geschichten hinter Wong Kar-Wais neuestem Film „2046“. Schon vor Jahren als der Titel bekannt wurde, ging in einigen politischen Kreisen die Angst vor einem kritischen Film um. 2046 ist das Jahr, in dem Hongkong, Kar-Wais Heimat, seinen Sond ...
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sehr hilfreich
17.12.2004
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Erinnerungen in der Zukunft | 2046
Bewertung für 2046 von
Cava_2
Pro: Inszenierung, Atmosphäre, Darsteller
Kontra: unausgewogenes Drehbuch, teils etwas wirr
2046
Drama
(Hongkong/China/Frankreich/Deutschland 2004)
Regie: Wong Kar-Wai
Drehbuch: Wong Kar-Wai
Mit: Tony Leung Chiu Wai, Zhang Ziyi, Faye Wong, Gong Li, Takuya Kimura, Carina Lau, Sum Wang
- Story -
In seinem Buch "2046" beschreibt ...
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sehr hilfreich
05.12.2006
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In den Fängen der Vergangenheit
Bewertung für 2046 von
Hofsaturator
Pro: Schauspielerische Leistungen, Soundtrack, Bilderkompositionen
Kontra: Fehlen an Spannung und Struktur im Drehbuch
Inhalt:
Hongkong 1966: Der Schriftsteller Chow schreibt in seinem Hotelzimmer an einem Science-Fiction-Roman. Je weiter er seine fiktive, in der Zukunft spielende Liebesgeschichte vorantreibt, desto tiefer taucht er auch in einen Strudel von Erinnerung ...
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18.08.2005
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