Sind Sie auch schon Q-bist?
09.12.2005
Pro:
nettes Erwachsenen - Spielzeug
Kontra:
kindische Geräuschentwicklung
Empfehlenswert:
Ja
 Gemeinwesen
Über sich:
"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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Man kann den Leuten nur vor den Kopf schauen. Es sei denn natürlich, man ist Leichenbeschauer oder Gedankenleser. 20Q erhebt den Anspruch, letzteres zu sein. Was sich zunächst anhört, als sei es eine neue Faltencreme für die reife Haut ab 20, ist tatsächlich eine kleine Kugel aus durchscheinendem farbigem Kunststoff. Dank seiner bescheidenen Ausmaße passt der Globus bequem in die geöffnete Hand, den geschlossenen Rucksack oder auch in die Jackentasche. Mit 20Q kann man sich also auch im Zugabteil oder im Wartezimmer beschäftigen - gesetzt den Fall, man hat keine Skrupel dabei, seine Umwelt den Geräuschen auszusetzen, die das Gerät gut hörbar von sich gibt und die sich meines Wissens auch leider nicht ohne weiteres unterbinden lassen ("ohne weiteres" soll hier bedeuten: ein lärmloser Betrieb ist nicht vorgesehen; ich nehme aber an, ein richtig platzierter Hieb mit dem Hammer könnte durchaus Abhilfe schaffen).Nach dem Einschalten des Gerätes kommuniziert 20Q mit seiner Außenwelt vermittels einer roten Laufschrift, die im die Frontseite des Bällchens beherrschenden Anzeigefeld erscheint. Die nämliche Außenwelt wiederum teilt sich dem elektronischen Gedankenleser mithilfe von drei Knöpfen mit. Je nach Wahl bedeutet der Tastendruck "Ja", "Nein" oder "Nicht zutreffend". Die Art der Äußerungen deutet bereits darauf hin, welches Spiel 20Q mit dem geneigten Nutzer spielt: Das Frage-Antwort-Spiel, in dessen Verlauf es durch möglichst gezieltes Stellen geschlossener Fragen einen bestimmten Gegenstand, eine Person oder ein Ereignis zu erraten gilt, ist ein Klassiker unter den Gesellschaftsspielen, die nicht einmal Würfel, Papier und Bleistift erfordern. 20Q übernimmt die Rolle des Fragestellers. Die immergleiche erste Frage, mit der 20Q den Reigen eröffnet, ist die nach "Tier", "Pflanze" oder "Mineral". Das, was der Gegenspieler im Sinn hat, lässt sich keiner der genannten Kategorien zuordnen? Macht nichts - optional kann der Spieler auch angeben, es handele sich um "etwas anderes". Tatsächlich errät 20Q auch Begriffe wie "Geist"; die Datenbank, in der laut Angaben des Herstellers nicht weniger als 1115 Begriffe Platz gefunden haben, ist durchaus umfangreich. Angeblich kann 20Q 164 verschiedene Fragen stellen, um ans Ziel zu gelangen - alle davon habe ich nicht kennen gelernt, aber das liegt sicherlich eher daran, dass ich 20Q lediglich einem vergleichsweise kurzen Test unterzogen habe, bevor ich den Spielball weiterverschenkt habe (Nikolaus!)Selbst in dieser kurzen Testphase hat 20Q mich schon verschiedentlich verblüfft und amüsiert: Oft genug haben dem elektronischen Gegenspieler tatsächlich 20 Fragen gereicht, um das zu erraten, was ich mir ausgedacht hatte. Zuweilen benötigt 20Q auch mehr Fragen, manchmal (aber doch erstaunlich selten) habe ich so souverän gewonnen, wie ich mir das gewünscht hatte. Aber - was heißt schon "Gewinnen"? Der Sieg ist in diesem Falle eine zweischneidige Sache: Wer mit 20Q spielt, ertappt sich unwillkürlich immer wieder bei dem Wunsch, 20Q möge die Runde gewinnen. Warum? Ganz einfach: Jede Runde, die 20Q für sich entscheiden kann, ist auch Ausdruck dafür, dass 20Q ein ebenbürtiger, ernst zu nehmender Gegner ist. Man könnte wohl auch sagen: Runden, die 20Q gewinnt, beweisen, "dass 20Q überhaupt funktioniert" (ich glaube, nichts wäre schlimmer, als permanent gegen 20Q zu gewinnen - das machte paradoxerweise überhaupt keinen Spaß).So wie die Dinge liegen, besteht aber wohl kein Anlass zu Befürchtungen, 20Q mache einem den Sieg zu leicht. Die Partien, die ich mit 20Q gespielt habe, waren ausgewogen (ich glaube sogar, 20Q hatte die Überhand). Zwischendurch lässt 20Q immer wieder launige Kommentare übers Anzeigefeld flackern: "Du kannst mich nicht besiegen!", behauptet die Kunststoffkugel trotzig; und nach einem Sieg kann da auch schon mal stehen: "Das war aber leicht." Wer sich einen eigenen Eindruck vom Spielwert des 20Q-Prinzips verschaffen möchte, tut dies am besten, indem er der Adresse 20q.net eine Visite abstattet. Auf dieser Seite, aus der die "Handheld"-Version hervorgegangen ist, finden Interessierte nicht nur weitere Informationen, sondern können "20Q" nach Lust und Laune und in mehreren Sprachen online spielen. Die Variante, die auf der Website angeboten wird, ist sogar noch etwas ausgefeilter, dieweil mehr Antwortmöglichkeiten zur Verfügung stehen und die Datenbank laut Angaben des Betreibers mit der Zahl der Nutzereingaben noch wächst - dementsprechend wird auch die Künstliche Intelligenz hinter 20Q mit der Zeit noch bewanderter.R e s ü m e eUnter dem Namen "20Q" präsentiert sich der Handy-Generation hier ein Spieleklassiker im neuen Gewand. Für den Gegenwert von derzeit etwa fünf Schachteln Zigaretten (die zwei benötigten Batterien des Typs AAA LR03 inklusive) erhält der Käufer einen bunten Plastikglobus, mit dem sich wunderbar die Zeit bis zur Ankunft der nächsten S-Bahn überbrücken lässt. Zu bemängeln habe ich an 20Q eigentlich nur zwei Dinge: die Lesbarkeit der Laufschrift erscheint mir nicht optimal, und auf die elektronischen Pfeiftöne, die das Gerät bei Tastendruck von sich gibt, hätte ich gut verzichten können - es erscheint mir deshalb wünschenswert, zukünftige Generationen des Gerätes mit einer Stummschaltefunktion auszurüsten. Von mir gibt es unterm Strich vier von fünf Keksen - mit anderen Worten heißt das: Nachdem ich bereits ein Exemplar des 20Q verschenkt habe, überlege ich nun, ob ich mir ein eigenes zulege. Nachtrag: Das Dingsbums spielt übrigens keine mp3-Files ab, und SMS lassen sich damit auch nicht versenden.
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10.02.2006 10:00
Scheint schnell langweilig zu werden das Spiel. Aber als Geschenk...warum nicht. ;)
02.01.2006 15:03
*grins, das gibt ein tolles Geschenk ab für nen Kumpel von mir :-) Schöne Grüße, Andi
11.12.2005 20:14
Und ich dachte schon, da geht's um Parapsychologie. ;-) Mario