21 Grams (2003)

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21 Grams (2003)

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Von Liebe, Trauer, Hass, Schuld und Rache

5  01.03.2004

Pro:
grandiose Schauspieler, geniale Story, Gefühle pur, Interpretationsspielraum, Kamera, Schnitt, .  .  .

Kontra:
man könnte meinen die Komplexität der Handlung und die unkonventionelle Erzählstruktur

Empfehlenswert: Ja 

Quines

Über sich: Wieder aktiv! Als ambitionierter Hobby-Filmkritiker unterwegs. Twitter: http:/ /twitter.com/DocQ...

Mitglied seit:05.09.2001

Erfahrungsberichte:68

Vertrauende:10

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 78 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Die Erde dreht sich, damit wir zusammen finden …“
…Auszug aus einem Gedicht, das Paul Rivers (Sean Penn, aktueller Oscar Preisträger für „Mystic River (2003)“) gerade der verwitweten Christine Peck (Naomi Watts, „Mulholland Drive (2001)“, „The Ring (2002)“) beim gemeinsamen Mittagessen vorträgt.
Was sie noch nicht weiß: In der Brust Pauls schlägt das Herz ihres kürzlich bei einem Unfall ums Leben gekommenen Mannes. Zusammen mit seinen zwei Töchtern geriet dieser unter die Räder des „göttlichen“ Pick Up’s von Jack Jordan (Benicio Del Toro, „Die Stunde des Jägers (2002)“).
Pauls Anvertraute Mary (Charlotte Gainsbourg, „Der Zementgarten (1992)“ (<- weltklasse)), enttäuscht von ihrem, von den Toten auferstandenen Mann, ist indes zu Hause und hofft er würde sie nicht verlassen und ihr bei ihrer Unterleib Operation beistehen um dann später ein gemeinsames Baby zu bekommen und groß zu ziehen.

Das Schicksal dreier Menschen (Paul, Christine und Jack) die unmittelbar mit dem Tod in Kontakt stehen ist durch eine Akkumulation unterschiedlichster Ereignisse eng miteinander verknüpft.

Jack, ehemaliger Sträfling, Alkoholiker und drogenabhängiger scheint sein Leben gerade wieder in den Griff bekommen zu haben. Er widmet sich mit all seiner Kraft dem Glauben an Jesus, an die Kirche… er engagiert sich in der Jugendhilfe, hat aufgehört zu trinken, seine Familie ist ihm wichtiger denn je.

Christine, einst noch Party Queen und Besucherin Drogenfördernder Clubs und Nachtbars hat sich mit all ihrer Kraft zu einer reizenden, fürsorglichen Mutter entwickelt. Ihre beste Freundin Claudia (Clea DuVall, „Identität (2003)“) hat sie vom Boden der Gesellschaft wieder nach oben geführt und steht ihr nunmehr zur Seite, nicht nur beim Sport.

Paul, ein Collegeprofessor, ist ein ganz normaler Mensch mit einer wechselnden Beziehungsmotivation. Mary, seine Freundin, hat er schon mal verlassen. Ein Baby, welches diese von ihm dato in ihrem Bauch trug, gab sie aus großer Enttäuschung zur Abtreibung frei. Der unprofessionell erledigte Abortus brachte ihr alsdann eine schlimme Eierstockdeformation welche zu der aktuellen Unfruchtbarkeit führte.
Paul ist allerdings schwerkrank. Er leidet an einer Herzerkrankung, nur ein Spenderherz kann ihn noch vor dem sicheren Tot bewahren.

Alejandro González Iñárritu heißt der Regisseur von „21 Gramm“. Wie schon in „Amores Perros“ (2002) liefert er uns seine Geschichte in vielen aufeinander folgenden Puzzleteilen.
Zu beginn des Dramas sind die Zeitsprünge, die zwischen den, nicht länger als 4, 5 Minuten dauernden Szenen liegen sehr groß. Gen Ende werden sie immer kürzer, zum Schluss verflechten sich die Handlungsstränge ineinander, einige Szenen vom Anfang wiederholen sich und das Puzzle setzt sich zu einem dynamisch agierenden Meisterwerk zusammen.
Die Geschichte zeigt uns wie eng der Tot, die Liebe und auch die Rache miteinander in Verbindung stehen. Man könnte es als Ironie des Schicksals bezeichnen, dass gerade der Mann, der mit der Gesellschaft wieder konform geht, der laut eigener Angabe sein neues Auto durch die Hände Jesus’ in Empfang nahm, er gewann es bei einer Tombola, das Leben dreier unschuldiger Menschen eben mit diesem Auto auslöscht.
Christine wird wieder rückfällig. Sie hat auf einen Schlag ihre ganze Familie verloren. Sie flüchtet sich zurück in den Drogen- und Alkoholmissbrauch. Zum Schluss sehen wir sogar noch ihre beste Freundin wie sie regungslos im Schwimmbecken liegt, ertrunken.

Dieser Film ist nichts für sanfte Gemüter. Es gibt so gut wie keine Lichtblicke, nichts freundliches oder aufmunterndes. Es wird uns eigentlich nur demonstriert wie hart das Schicksal in manchen Fällen zuschlagen kann und wie wenig in manchen Fällen ein Menschenleben nur noch wert ist. 21 Gramm? So interpretiert Paul das Gewicht der Seele am Ende des Films. 21 Gramm, das seien fünf fünf Cent Münzen, ein Schokoriegel … 21 Gramm, das Gewicht das jeder Mensch im Zeitpunkt seines Todes verliert.

Triste Bilder, dazu eine verwaschene 8 mm Kamera bringen die Schicksale dieser Menschen hervorragend auf die Leinwand. Wenig Musik, wenn dann anmutig oder dramatisch, begegnet uns.
Die Schauspieler agieren hervorragend. Naomie Watts übertrifft alle Erwartungen, sie besticht mit überaus feinfühligen Emotionen, schlägt ihre Stimmung von einem Moment auf den anderen in puren Hass um, sie trauert, sie fürchtet sich, sie gewinnt stellenweise neue Hoffnung.
Benicio Del Toro, das sind ein Meter 90 geballte Energie und Dynamik. Der Nachwuchs Marlon Brando fesselt mit seiner rauen und entschlossenen Stimme den Zuschauer von Anfang an. Sein Aufstieg und sein Verfall spiegelt er in seinen tiefdunklen Augen wieder.
Es bedarf der unendlichen Aufmerksamkeit des Zuschauers die 125 minütige Handlung, die wie schon erwähnt in einzelnen Portionen, aus der Sicht eines Genießers in: Häppchen, dem interessierten Beobachter vorgeworfen werden.
Motiviert den Film zu sehen, sollte jeder sein, der ähnliche Erfahrungen wie die drei Hauptakteure gemacht hat, der auf kunstvolle Bilder, auf Komplexität, auf eine verflochtene dynamische Handlung und auf die Thematik der Liebe, des Todes, der Trauer, der Schuld und der Rache steht.
Absurdität von Gottesglauben? Die Tatsache, dass mit jedem Schicksalsschlag neue Hoffnung einhergeht? Der Fakt, Glück zu schätzen, solange man es noch hat?
21 Gramm lässt viel Interpretationsspielraum.

Am besten machen Sie sich ihr eigenes Bild. Einzig die Schwierigkeit und die Komplexität der Handlung lässt mich einen halben Punkt abwerten. Nichts desto trotz kann dieses „Makel“ auch getrost positiv interpretiert werden.

9,5 von 10 Punkten

Filmlänge: 125 Minuten

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
DaveEngland2002X

DaveEngland2002X

22.03.2004 09:29

Ein interessanter Film den auch ich mir noch ansehen werde. Greetz

masterTuX

masterTuX

16.03.2004 19:15

Hab den Film noch nicht gesehen, hoert sich eccht gut an. Ich hoffe er ist wirklich so gut. werd ihn mir mal angucken. lg

BillMaplewood

BillMaplewood

14.03.2004 16:28

Ganz großer Kritikpunkt von mir: Du verrätst gleich zu Beginn ein wichtiges Detail des Films, dass ich nicht verraten würde. Ich denke, dass der Filmgenuss mit der Kenntnis, dass Penns Charakter das Herz des Ehemanns von Watts Charakter bekommt, nicht mehr ganz so hoch ist, da dies gerade eins der verwirrenden Dinge am Anfang ist, dass Penn in der ersten Szene mit Watts im Bett ist und plötzlich mit einer anderen Frau zusammen ist.

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