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Vor gut zweieinhalb Jahren gelang dem deutschen Regisseur Hans-Christian Schmid mit 'Nach Fünf im Urwald' etwas ganz Ungewöhnliches, zumal für den deutschen Film: Er erzählte ohne großes Brimborium eine gute Geschichte mit glaubhaften Charakteren, und das ohne jeden falschen Ton. Auf seinen nächsten Film durfte man also gespannt sein. Der liegt nun vor, und siehe: Auch '23' ist ein unauffälliges, bescheidenes kleines Meisterwerk.
Mitte der 80er Jahre: Karl Koch (August Diehl) ist 19 und ein Computer-Freak. Zusammen mit seinem Kumpel David (Fabian Busch) zapft er internationale Großrechner an und verhökert das Material an die Sowjetunion. Von der Lektüre des Romans 'Illuminatus' von Robert Anton Wilson angeregt, glaubt er zunehmend an eine weltweite Verschwörung von Drahtziehern im Hintergrund. Dreh- und Angelpunkt ist die Zahl 23 und ihre Quersumme, die 5. Überall begegnet Koch Hinweisen. So trat beispielsweise das deutsche Grundgesetz am 23.5.1949 in Kraft (und 1949 hat überdies noch die Quersumme 23). Auch das Datum der deutschen Wiedervereinigung hat in der Quersumme die 23, das amerikanische Pentagon ist ein Fünfeck, und der erste US-Präsident Washington beginnt mit einem 'W', dem 23. Buchstaben des Alphabets. Und so weiter.
Meister-Hacker Karl Koch verliert sich immer mehr in seinen Phantasien, beginnt zu koksen und entwickelt eine waschechte Paranoia. Doch - so wird sich zeigen - nicht grundlos! Denn am 23.5.1989 verschwindet er spurlos. Er ist zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt...
Das Drehbuch von Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann basiert im wesentlichen auf einer wahren Begebenheit. Lediglich einige Details wurden aus dramaturgischen Gründen geändert. Und es ist eine faszinierende Geschichte, die Schmid und Gutmann da ausgegraben und aufgearbeitet haben. Wie schon bei 'Nach fünf im Urwald' mit der damals unbekannten Franka Potente setzt er auch hier in den Hauptrollen auf unverbrauchte Gesichter. August Dahl und Fabian Busch überzeugen als durchgeknalltes Hacker-Team, der schon etablierte Schauspieler Dieter Landuris ('Menschenjagd') hat eine wunderbare größere Nebenrolle als schmieriger Geschäftemacher.
Hauptsache aber ist, daß Schmid immer noch mit sparsamen Mitteln Großes zu leisten vermag. Sein spannender Thriller macht optisch zwar nicht viel her, sieht aus wie besseres Fernsehen, aber er bietet dafür etwas, das viel wichtiger ist als Oberflächenglanz und das heutzutage seltener ist als evangelische Päpste: eine vernünftige Handlung.
21.08.2002 17:47
Mmh, das kannte ich ja noch gar nicht! lg Star16