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24 hours / Greg Iles

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Ein (fast) perfektes Verbrechen

5  19.08.2002

Pro:
trotz einfacher Story ein fesselnder Thriller

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Stil

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


Emty

Über sich: Aktuelles 29.09 : Nach 2 Wochen London-Urlaub wieder zurück; es werden in nächster Zeit einige...

Mitglied seit:07.02.2000

Erfahrungsberichte:240

Vertrauende:55

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wer häufig Thriller aus dem englischen Sprachraum liest, so wie ich, stößt neben den großen etablierten Namen wie Grisham, Baldacci, Crichton, Follett und wie sie alle heißen, recht schnell auch auf andere Namen, die teilweise in den USA schon zu den absoluten Top-Autoren zählen, in Deutschland aber noch eher unbekannt sind.

Greg Iles ist einer dieser Autoren, auf die ich beim Lesen in entsprechenden Foren, auf Webseiten, und nicht zuletzt bei der aus meiner Sicht sehr nützlichen Funktion von amazon.com, bei der man angezeigt bekommt, welche Bücher sich die Käufer eines bestimmten Buches ebenfalls gekauft haben (gibt es auch bei der deutschen Ausgabe von amazon), immer wieder aufmerksam wurde.

Da sich die kurzen Inhaltsangaben seiner Bücher sehr interessant anhörten, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich eines davon lesen musste. Doch ich habe nicht mit einem seiner beiden auch in Deutschland schon veröffentlichten und ein klein wenig bekannten Bücher „@ Eros“ (Originaltitel: Mortal fear) um einen Killer im Umfeld einer elektronischen Erotik-Mailbox oder „Unter Verschluß“ (Original: Quiet game) angefangen, sondern der Zufall brachte mich zu einem Roman, der erst im Herbst auf Deutsch erscheint: In einem Antiquariat entdeckte ich „ 24 Hours“ und konnte natürlich nicht widerstehen.


Inhalt:
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Ein Verbrechertrio hat scheinbar einen Weg gefunden, ein perfektes Verbrechen durchzuführen, in dem sie Familien erpressen. Dazu wird das Kind der Familie entführt, während der Vater auf einem Kongress ist. Der Kopf der Bande postiert sich bei der Mutter, sein etwas zurückgebliebener Cousin bringt das Kind an einen abgelegenen Ort und die Frau des Entführers sucht den Vater am Ort des Kongresses auf. Die Eltern werden aufgefordert innerhalb von 24 Stunden ein große Summe Geld, die aber die wohlhabenden Eltern problemlos aufbringen können, zu beschaffen. Das Trio nimmt jede Stunde Kontakt per Handy miteinander auf, sobald diese Kontaktaufnahme fehlschlägt oder Behörden eingeschaltet werden, soll das Kind sofort getötet werden. Das der Kopf der Band diese Situation auch noch dazu benutzt, die jeweilige Mutter zu entsprechenden „Gefälligkeiten“zu zwingen, erhöht nur noch den Druck.

Fünfmal hat dieser Plan, der dem Trio jeweils das Geld für ein sorgenfreies Jahr beschert, geklappt. Doch beim sechsten Versuch geraten sie an Will Jennings, einen Narkose-Arzt und seine Frau Karen. Und diese beiden, die sich ihren Wohlstand hart erarbeitet haben, sehen überhaupt nicht ein, warum sie sich ohne Gegenwehr auf diese perfide Erpressungsmethode einlassen sollen und versuchen alles, um ihre Tochter Abby zurück zubekommen. Doch auch für die Entführer ist dies kein normaler fall, da ihr Kopf scheinbar aus ganz besonderem Grund gerade die Familie Jennings ausgewählt hat ......


Meinung:
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Wenn man sich die kurze Inhaltsangabe anschaut, denkt man im ersten Moment, das dies eine typischen 08/15-Entführungsgeschichte ohne den besonderen Kick ist. Wenn ich dann auch noch soviel zur Handlung verrate, dass es im Verlauf nicht die großen Aufdeckungen und unerwarteten Wendungen gibt, wie sie z.B. ein Jeffrey Deaver in seine Romane mit Bravour einbaut, in denen niemand das ist, was er auf den ersten Blick scheint, könnte sich dieser Eindruck noch verstärken.

Und doch war „24 Hours“ eines der spannendsten Bücher, das ich in den letzten Monaten gelesen haben. Hauptgrund hierfür ist auf jeden Fall der Stil des Buches.

Zum einen beschränkt sich der Autor, mit Ausnahme des kurzen ersten Kapitels, in dem exemplarisch eines der vorherigen Verbrechen des Trios aufgezeigt wird, wirklich auf die 24 Stunden zwischen der Entführung und dem Termin für die Übergabe des Geldes, wie man aufgrund des Titels eventuell schon erwartet. Dabei gelingt es hervorragend, die Stimmungslage der beiden Elternteil, die ja getrennt von einander die gleichen Gefühlsschwankungen, von Angst, über Zorn und der verzweifelten Suchen nach einem Ausweg durchleben, aufzuzeigen. Man lebt förmlich mit. Parallel dazu wird als eine Art Gegenpol auch immer wieder die Situation des Kindes , das zusätzlich auch noch an Zucker leidet, was den Entführern nicht bewusst war, geschildert.

Zum anderen wurde zum Glück vermieden, eine typischen schwarz-weiß / gut-böse Situation zu kreieren. Auch die Verbrecher haben menschliche Züge, wobei dies beim Kopf der Bande weniger der Fall ist, bei seine beiden Komplizen dafür um so mehr. Somit ergeben sich für die Eltern Möglichkeiten, eventuell doch noch einzugreifen und die Situation zum guten zu wenden.

Auch wenn die Handlung relativ geradlinig verläuft, nimmt das Spannungsmoment im Verlauf des Romanes immer mehr zu. Die zweite Hälfte des Buches (etwas 200 Seiten) habe ich in einer „Nacht-Aktion“ in einem Rutsch gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Und wenn ein Buch mich zu solchen Aktionen „zwingt“ :-), ist dies für mich ein klarer Qualitätsbeweis.


Englische Ausgabe:
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Wie aus der Einleitung schon zu ersehen, habe ich das englische Original gelesen und fand es sehr gut lesbar. Daher hier wieder mein Appell, sich auch einmal an englische originale zu trauen. Ich war in der Schule garantiert nicht die große Leuchte in Englisch. Aber wenn man erst einmal anfängt und sich durch die ersten 2-3 Bücher gekämpft hat (die zugegebenermaßen wirklich etwas Durchhaltevermögen benötigen), hat man sich einen Grundwortschatz aufgebaut, dass man Unterhaltungsliteratur fast komplett ohne Lexikon und mit viel Vergnügen lesen kann und dabei sogar etwas für die Bildung tut.


Zum Autor:
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Wie angedeutet, ist mir der Name Greg Iles zuerst in diversen (Internet)-Infos aus dem Genre Thriller aufgefallen. Gemäß seiner eigenen Homepage ist er während der Militärzeit seines Vaters in Deutschland geboren worden und in Natchez, Missisippi, aufgewachsen. Seit 1992 veröffentlicht er bisher 6 Romane, u.a. auch 2 Thriller im Umfeld des Holocaut, die ebenfalls sehr interessant klingen.

Film:
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Das hier besprochene Buch ist in diesem Jahr mit so bekannten Schauspielern wie Charlize Theron, Kevin Bacon und Courtney Love unter dem Titel „Trapped“ verfilmt worden und soll im Oktober 2002 in die US-Kinos kommen soll. Ich bin ja eigentlich kein Freund von Buchverfilmungen, aber was für diese Verfilmung spricht, ist die Tatsache, das Greg Iles selbst das Drehbuch geschrieben hat.

Fazit:
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Ein absolut spannender Thriller, den man nur schwer zur Seite legen kann. Man sieht also, auch relativ simpel gestrickte Handlung kann mit dem entsprechenden Talent als Thriller-Schriftsteller zu einem hervorragenden Buch führen.



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
J_F_K

J_F_K

06.05.2004 17:06

Fantastisches buch, fantastischer Autor. Ich habe gerade "The Footprints of God" von ihm gelesen und hab mich in seinen Schreibstil, seine Handlungsstrangaufbaue und seine Wortgewandtheit verliebt. Ich lese auch nur im Original und da ist er große Klasse!!! LG aus Wien, Jay

Batti_79

Batti_79

30.09.2003 17:33

Klasse Bericht-bin richtig neugierig geworden! Werde das Buch lesen, im Original sind Bücher doch immernoch am besten!!! Gruß!

BillMaplewood

BillMaplewood

01.10.2002 01:59

Noch eine Frage. Weiß Du ob es das Buch schon in Deutsch gibt. Und wie der deutsche Titel lautet. Danke schonmal. Björn.

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