25 Stunden

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tospes Filmtipps (1) - 25 Stunden

5  04.09.2011

Pro:
Starke Geschichte, toll erzählt; Beeindruckende Schauspieler

Kontra:
stellenweise starkes Pathos

Empfehlenswert: Ja 

tospe

Über sich:

Mitglied seit:02.09.2011

Erfahrungsberichte:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 17 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Liebe Ciao Gemeinde,

ich habe mich entschlossen einmal meine kleine aber feine Filmsammlung durchzugehen und Euch in einer neuen Mini-Serie eine Auswahl meiner Lieblingsfilme vorzustellen. Dabei werde ich unterschiedliche Film-Genres durchkreuzen und Euch ältere und neuere, bekanntere und weniger bekannte Filme vorstellen. Ich hoffe ich erreiche damit nicht nur eingefleischte Filmliebhaber sondern werde gerade die inspirieren können, die weniger schauen aber diese Filme mit bedacht wählen.

Starten möchte ich meine Serie mit Spike Lees 25 Stunden (im Original "25th Hour"). Ich halte den Film insgesamt für unterschätzt und zu wenig beachtet, d.h. ich treffe zu meiner Überraschung immer wieder Leute die diesen Film überhaupt nicht kennen. Um diesem Umstand abzuhelfen, lege ich Euch diesen Film ans Herz und sage Euch gerne warum:

Spike Lee: 25 Stunden

1. Die Handlung

Basierend auf dem Roman von David Benioff (den ich nicht gelesen habe) erzählt Spike Lee die Geschichte von Montgomery "Monty" Brogan (Edward Norton), einem Drogen-Dealer, der, nachdem er von einem Insider verpfiffen wurde, der Drogenfahnung ins Netz geht. Der Film erzählt die letzten 25 Stunden aus "Montys" Leben in Freiheit. 25 Stunden in den Monty Zeit hat, sich zu verabschieden - und einige wichtige Dinge zu regeln...

Der Film wird in Episoden bzw. anhand von Rückblenden erzählt.

Im Zentrum der Erzählung steht Monty, ein cleverer und sympathischer junger Mann, der „alles hätte werden können“ – wie sein Vater im Film sagt. Anstatt Jura oder Medizin zu studieren wählt Monty jedoch den Weg des schnellen Geldes und gerät auf die schiefe Bahn. Schnell wird er zu einem erfolgreichen Dealer der russischen Mafia. In Rückblenden bekommen wir seinen Aufstieg ansatzweise mit, vom kleinen Deal im Park, bis zum Fund Kilogramm schwerer Drogenpakete in Montys schicker New-Yorker Wohnung.

Die Auseinandersetzung Montys mit Reue und die von Schuld ausgelöste Ohnmacht, das stille Eingeständnis der eigenen Fehler und die gleichzeitige Hilflosigkeit im Angesicht der ausweglosen Situation machen einen erheblichen Teil der moralischen Wertigkeit des Films aus. Gleichzeitig ist der Film eine Auseinandersetzung mit dem American Way of Life bzw. Business – zumindest ich deute dies so, aufgrund der Art und Weise wie Spike Lee den Charakter „Frank Slaughtery“ darstellt. Frank ist neben Jacob einer der Jugendfreunde von Monty. Er verdient sein Geld an der Wall Street und liebt das schnelle Leben. Lee zeichnet Franks Charakter weitgehend skrupellos, wenn man ihm zusieht und zuhört wird einem mulmig, denn der Gedanke das Typen wie er die Geschicke an der Wall Street lenken (und mit hohen Millionenbeträgen pokern) wirkt druchaus alarmierent - und vor allem im Hinblick auf die Jahre später eingetretene Finanzkrise hochaktuell. Hier bekommt die Gier ein Gesicht. Gleichzeitig gibt Lee auch diesem Charakter menschliche Züge und zeigt Hoffnung auf, etwa wenn Frank seine Integrität und Zuneigung gegenüber seinen Freunden durchblitzen lässt und seinem Jugendfreund Monty im entscheidenden Moment zur Hilfe eilt...

Der große moralische „Gegenspieler“ Franks ist dessen Freund Jacob Elinsky, der als Lehrer an einer renommierten New Yorker Privatschule arbeitet – und ein Auge auf seine 17 jährige Schülerin Mary (Anna Paquin) geworfen hat. So wie Frank für den gierigen amerikanischen Finanzkapitalismus steht, schämt sich Jacob für seine Herkunft aus besserem Hause. Jacob ist der ebenso treue wie tragische Freund, dessen gute Intentionen im Gegensatz zu seinen Zwängen und Ängsten stehen. Denn auch wenn er sehr wohl weiß, dass seine Zuneigung gegenüber Mary „falsch“ ist so kann er diese dennoch nicht einfach abschütteln. Unweigerlich steuert auch Jacob auf einen Wendepunkt zu...

2. Das Schauspiel

Die Zusammensetzung der drei, die Verschiedenheit in Charakter und Eigenschaften und die wirklich grandiose Darstellung durch Norton, Pepper und Seymour Hoffman machen für mich einen großen Teil der Glaubwürdigkeit des Films aus. Die Einführung der drei Freunde (bei Norton ist es gar eine doppelte) ist Lee und seinen Schauspielern meiner Meinung nach sehr überzeugend gelungen. Sie stellt die Gegensätzlichkeit der Drei wunderbar dar und legt den Grundstein der Erzählung, das vom Dreiergespann getragen wird. Bei allem Lob des Spiels der genannten drei, müssen auch die Leistungen der weiteren Schauspieler hervorgehoben werden. Ebenso nennenswert sind die Darstellungen von Anna Paquin und Brian Cox, die in ihren Nebenrollen glänzen und den Film hervorragend unterstützen. Was das Schauspiel angeht hat mich eigentlich nur die für mich sehr überzogen wirkende Darstellung der russischen Mafia gestört (Sprache und v.a. Mimik) – ansonsten überzeugte mich die Cast eigentlich durchweg.

3. Die Themen

Neben der sehr deutlichen Auseinandersetzung mit „Schuld und Sühne“ ist 25 Stunden für mich vor allem ein Film über Beziehungen: Über Familie und Freundschaft. Über Vertrauen und Misstrauen. Über Reue und Vergebung. Über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit...

Gleichzeitig ist der Film eine Ode an New York City und eine Auseinandersetzung mit dem 11. September, dem Schmerz und der Leere, die dieses Datum in der Seele der Bewohner hinterlassen hat. Auch wenn in diesen Szenen teilweise ein starkes und wie ich finde gewöhnungsbedürftiges „amerikanisches Pathos“ Einzug in den Film gefunden hat, schafft es Lee, auch dieses sensible Thema recht kritisch und untypisch aufzubereiten. So ist die Szene, in der Jacob Elinsky seinen sehr ungleichen Jugendfreund Frank abholt, um zusammen mit Monty dessen letzten Abend in Freiheit zu verbringen, eine der beeindruckendsten im Film....

4. Fazit

Ein moralisch nach wie vor sehr aktueller Film mit phantastischen Schauspielern (v.a. das Dreiergespann Norton, Pepper, Seymour Hoffman) – packend erzählt und spannend bis zur letzten Minute.

(Alternative Wertung: 8.5 von 10 Punkten)

- - -

Hoffe die Besprechnung hat Euch geholfen und neugierig gemacht. Da dies meine erster Erfahrungsbericht ist würde ich mich über Eure Bewertungen, Kommentare und Tipps ganz besonders freuen!

Danke und viele Grüße,

tospe
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
sweety179

sweety179

04.09.2011 21:23

Willkommen bei Ciao. GLG

Queen500

Queen500

04.09.2011 17:39

guter Einstand! LG Michael

mr.matze

mr.matze

04.09.2011 11:59

klingt in der tat interessant. willkommen bei ciao, grüße, matze

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