Wut.
17.12.2010
Pro:
kein typischer "Zombie"Film, legt Wert auf dramaturgische Effekte, Figur der Hannah rundet Film ab
Kontra:
kommt an den zweiten Teil nicht heran; stellenweise zu vorhersehbar und "kalt" inszeniert
 Cosmay
Über sich:
"Man kann nicht für jedermann leben, besonders für die nicht, mit denen man nicht leben möchte....
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Ohne
28 days later zu kennen, sah ich mir seinerzeit im TV den zweiten Teil „28 weeks later“ an und hegte somit an das Erstlingswerk entsprechend hohe Erwartungen. Während ich bei „28 weeks later“ vorsichtshalber meine Tasse aus der Hand nahm, um sich nicht in einem Schreckensmoment gen Decke zu katapultieren, tat dieser Usus am gestrigen DVD-Abend nicht Not. Lediglich die Aussage “Dann war es nicht mehr im Fernsehen ~ dann war es vor deinem Fenster“
wirkt nach, während sich sonstig mehr oder minder alles recht früh auffällig vorhersehbar gestaltet. Natürlich ist es kaum schlimm, sondern fast schon eher Gesetz, dass anfänglich toughe eiskalt wirkende Personen urplötzlich ihre (Zwischen-)menschlichkeit wiederentdecken ~ aber irgendwie... ich weiß nicht. Die Handlung lässt sich rasch auf den Punkt bringen und tut es in der Umsetzung schlussendlich auch: eine kleine Gruppe Tierschützer bricht in ein Labor ein, um zu tun, was immer man als Tierschützer mit unterschiedlich großen Affen dann auch so zu tun gedenkt. Die Warnung eines unverhofft dazu stoßenden Angestellten, dass die Tiere „mit Wut infiziert seien“, stößt auf Unverständnis ~ und hat nach einem entsprechenden Biss katastrophale Auswirkungen: Ähnlich wie der HI-Virus überträgt sich die Infektion durch Körperflüssigkeiten; und nach und nach rottet sich die Menschheit mal wieder selbst aus...
In der Umsetzung wird Wert auf Schockeffekte gelegt. 28 Tage nach dem Vorfall lernt der Zuschauer den Fahrradkurier Jim (Cillian Murphy) kennen, der in einem verlassenen Krankenhaus erwacht. Auch die Straßen in London sind menschenleer ~ von den toten Überresten mal abgesehen. In einer Kirche trifft er auf Infizierte, kann sich dank Selena (Naomie Harris) und deren Weggefährten in letzter Minute retten. Jene beiden klären Jim über die Geschehnisse auf ~ und schon hier habe ich erneut etwas zu meckern: Jim reagiert meines Erachtens nach viel zu schnell viel zu gefasst; wirkt weder wirklich überrascht, geschockt oder gar verzweifelt. Obschon im Jim im weiteren Verlauf auf seine Eltern trifft und dortig entsprechende Gefühle zeigt, agiert er zum Großteil meines Erachtens nach zu gefasst, geplant und (Tötungs-)erfahren.Erfreulich unabstreitbar die großartig-fetzige Filmmusik sowie die wahnsinnig liebevoll inszenierte Bebilderung: während in „28 days later“ zum Großteil eine düstere, beklemmende und bedrohliche Atmosphäre vorherrscht, gibt es mitunter eine Szene, in die die farbgewaltige Untermalung durchaus als metaphorisches Mittel angesehen werden darf. Als Celina und Jim auf Frank (Brendan Gleeson) und dessen Tochter Hannah (Megan Burns) treffen, zeigt jener Jim seine Vorrichtung, um Wasser zu sammeln: die über-bunten Eimer inmitten des überragenden Grau-in-Graus lassen ein Bild entstehen, in welches ich persönlich erst einmal versank. Die entsprechende Aussage liegt auf der Hand, überzeugt nichtsdestoweniger und gibt dem Ganzen einen Aspekt, der die ausweglos erscheinende Lage noch einmal untermauert.
Die einzelnen Entwicklungsstränge innerhalb „28 days later“ kamen für mich persönlich wenig überraschend. Naütrlich kann man von den wenigsten Filmen erwarten, stetig etwas absolut Unverhersehbares zu bieten, während man gleichzeitig auf Glaubwürdigkeit pocht. Und doch ist meines Erachtens viel zu früh überdeutlich zu erkennen, dass die Ankunft in dem vermeintlich abgesicherten Gebiet einiger Militärs keinen so großen Glücksfall darstellen kann, wie die urplötzlich doch arg naiven Reisenden erhoffen. Entschuldigung, aber jeder sollte spätestens seit dem Sexualkundeunterricht im Bilde sein, wie das mit der „dann müssen wir die Welt eben neu aufbauen und bevölkern“ Umsetzung funktioniert.
Die FSK 18 Freigabe sorgt vermutlich bei manch einem für falsche Erwartungen oder gar Enttäuschungen: wer hier ultrabrutale Sequenzen erhofft, wird enttäuscht werden. Unabstreitbar gibt es Momente, an denen der Zartbeseitete zu knabbern hat ~ doch viel Wert auf viel Blut wird zu meiner persönlichen Freude nicht gelegt. Wobei es durchaus etwas heftiger hätte sein dürfen.... denn wie bereits erwähnt: absolute Schreckmomente, wie ich sie innerhalb „28 weeks later“ verspürte, fanden hier nur sehr minimalistisch statt. Und ja, ich bin enttäuscht.
Fans der diversen DVD-Extras hingegen kommen vermutlich auf ihre Kosten: neben dem a-typischen Audio-Kommentar von Regisseur Danny Boyle und Alex Garland ist ein making of, ein Musikvideo (Jacknife Lee), 2 Bildergalerien, 2 Kinotrailer, ein paar unveröffentlichte Szenen sowie ein alternatives Ende anguckbar. Lediglich letzteres habe ich mir angeguckt; da ich mit dem Film an sich nur wenig anfangen kann, haben mich hier nichteinmal mehr die entfernten Szenen interessiert.
Summa summarum handelt es sich bei „28 days later“ zwar eindeutig um ein Werk, welches sich von dem sonstigen Zombie-Gedöns positiv abhebt, aber Begeisterung sieht tatsächlich anders aus.
Action, Spannung und diverse Wendungen, die man in jenen Momenten wahrlich nicht hat kommen sehen sorgen zwar durchaus für einen gelungenen Filmgenuss; doch da ich an dieser Stelle kaum in der Lage bin, nicht stetig mit „28 weeks later“ zu vergleichen, hat diese Veröffentlichung es von Grund auf arg schwer bei mir. Abraten würde ich vom bloßen angucken nicht unbedingt, aber als Kauf-DVD sollten sich wirklich nur jene aufraffen, die den Film tatsächlich absolut hurra finden. Ich persönlich bin froh, dass ich mir die DVD ausleihen konnte und schaue mir das Ganze beizeiten vielleicht noch einmal im TV an, um die eindeutig intensivste Sympathiefigur Hannah zurück in mein Herz plöppen zu lassen. Sollte mich mein Weg allerdings noch mal in dem Media-Markt führen, wo die Edition, die beide Teile beinhaltet, für nichtmal 10€ zu haben ist.... dann garantiere ich für nichts mehr.
Ergo des Ergos: ich war, bin und bleibe verwirrt. 3 Sterne und „ich weiß es doch echt nicht!“ Empfehlung.
Bilder von 28 Days Later (DVD)
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23.02.2011 23:04
Und nochmal :)
13.02.2011 02:30
Bewertung kommt auf die Warteliste. Ich persönlich fand den ersten Teil besser. Der hatte noch diesen "Aha-Effekt" und so etwas ganz typisch Britisches an sich. Der zweite war mir dann zu amerikanisiert. :D
24.01.2011 12:35
Ich finde den großartig! Vom zweiten Teil habe ich allerdings soviel Schlechtes gehört, dass ich mir den noch gar nicht angesehen habe... Liebe Grüße, Rike