28 Days Later

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Absturz nach gutem Aufstieg

3 11. Jun 2003

Pro:
Gut begonnen  .  .  .

Kontra:
.  .  dann zerronnen

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Humor:

Spannung:

Anspruch:

Action:

Romantik:

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Posdole

Über sich: Boooah ! Äh !

Mitglied seit:26.09.2000

Erfahrungsberichte:1259

Vertrauende:320

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 91 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


ACHTUNG ! UNTEN FOLGT SPOILER !


Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so gleichgültig bin – und dass obwohl einem der Protagonisten des neuen Films von Danny Boyle die Augen eingedrückt werden? Vielleicht gerade deshalb. Oder auch deshalb, weil Endzeitszenarien zwar eine nette Sache sind und spannend inszeniert werden können, andererseits Boyles Horror die richtige Spannung, der letzte Schliff, das entscheidende I-Tüpfelchen fehlt – mal abgesehen davon, dass die Grundidee des Films bereits George A. Romero 1973 in „The Crazies“ auf die Leinwand gebracht hatte.

Sicher, die apokalyptische Stimmung wird in „28 Days Later“ durch mit DV von Dogma-Spezialist Mantle aufgenommene Landschaften, menschenleere Autobahnen, Städte und eine dementsprechende leicht düstere, erschreckende Färbung zu einem gewissen Teil, vor allem in der ersten Hälfte des Streifens erzeugt. Auch die Anfangsszenen versprechen zumindest einen nicht ganz inhaltsleeren Unsinn. Einige durchaus erschreckende Szenen ergänzen den ersten guten Eindruck.

Der durch ahnungslose Tierschützer ausgelöste Virusbefall so gut wie der gesamten englischen Bevölkerung durch beißende Versuchsaffen führt bei den durch Blut infizierten Menschen zu deren Verwandlung in wütende, reißende Bestien, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Der Fahrradkurier Jim (Cillian Murphy) bekommt von all dem nichts mit. Er erwacht 28 Tage nach dem Beginn der „Rage“-Katastrophe aus dem Koma und sieht ratlos in ein verwüstetes London ohne Leben – bis er (nach einer ersten Begegnung mit einem Pfarrer, der von dem Virus befallen ist) – auf zwei gesunde Menschen trifft: Mark (Noah Huntley) und Selena (Naomie Harris) die ihn über die vergangenen vier Wochen Horror aufklären. Sie hausen in irgendeinem Versteck, haben nur Süßes zu essen und gehen nachts nicht aus dem Haus.

Zusammen begeben sie sich unter großen Risiken in das Haus von Jims Eltern, die sich das Leben genommen haben, um nicht von den Zombie-Menschen gebissen zu werden. Auf ihrem weiteren Weg treffen sie in einem Hochhaus auf den Taxifahrer Frank (Brendan Gleeson) und dessen Tochter Hannah (Megan Burns).

Bis hierher kann der Film durchaus überzeugen. Das erschreckende Szenario muss alle Beteiligten glauben machen, der schreckliche Virus „Rage“ habe inzwischen die gesamte Erdkugel heimgesucht und es könne nur noch ganz wenige versprengte uninfizierte Menschen geben. Die Bilder einer ausgestorbenen und von einzelnen oder in kleinen Horden auftretenden Killer-Menschen mit glühenden Augen und aufgerissenen Mäulern bewohnten Großstadt wie London, in der sich die vier letzten Gesunden – Mark wurde inzwischen infiziert und (da die Infektion in Sekunden zum Wesenswandel führt) von Selena erschlagen – versprechen zumindest eine Geschichte, in der die vier auf der Suche nach anderen gesunden Menschen beginnen, ihr Leben langsam aber sicher und in Abwehr der Zombies unter den schwierigen Bedingungen neu zu ordnen.

Weit gefehlt. Der Absturz des Filmes in einen mittelmäßigen blutreichen Showdown lässt jede Hoffnung auf eine doch etwas inhaltsvollere Erzählung endgültig dahinsinken. Frank hatte vor Tagen im Radio gehört, in der Nähe von Manchester befinde sich eine Armeeeinheit, die sich erfolgreich gegen die Infizierten wehre. Als die vier dort eintreffen, sieht es auch zunächst nach Schutz und relativer Sicherheit aus.


• ACHTUNG SPOILER •


Vorher jedoch muss Hannahs Vater noch dran glauben. Er infiziert sich und wird von Jim vor den Augen von Hannah getötet. Major Henry West (Christopher Eccleston), der ein Häufchen von Soldaten anführt, nimmt die drei Neuankömmlinge auf. Bald allerdings stellt sich heraus, dass die Soldaten anderes im Schilde führen. Sie sind innerhalb von gerade mal vier Wochen zu einem verrohten Haufen geworden, der es in eindeutiger Absicht auf Selena und Hannah abgesehen hat. Jim hingegen soll mit einem Soldaten, der sich gegen den psychopathischen West zur Wehr setzt, im Wald exekutiert werden. Natürlich entkommt er, und was nun noch folgt, ist einfach billiger Splatter. Der ganze Film verpufft in einer hirnlosen Verfolgungsjagd und im Blutrausch.

Die Verhaltensweise der Soldaten ist aus dem Gesamtzusammenhang der Situation, in der sie sich befinden, mehr als unverständlich. Dass sie in ihrem Bunker, einem Schloss, in einer solchen apokalyptischen Situation nur an Frauen denken und wie die letzten Idioten handeln, kann einem nur die Sprache verschlagen. Dass es in langwierigen Kriegen zu Verrohung kommt, ist bekannt. Dass eine bewaffnete kleine Truppe jedoch nach vier Wochen sich verhält, als wenn sie gerade aus dem Kessel von Stalingrad gekrochen ist, muss zu der Schlussfolgerung verleiten, dass es sich eher um bewaffnete ehemalige Insassen einer Nervenheilanstalt handelt.

Man kann das natürlich damit abtun, dass es sich – ad 1 – um Männer handelt und dass – ad 2 – Männer, die keine Frauen mehr sehen, weil die alle tot oder Zombies sind, durchdrehen. Für mich sind solche Geschichtchen jedoch – PULP!


• SPOILER ENDE •


All das wäre ja für sich noch nicht einmal tragisch. Hinzu kommt, dass so blutreich der Film ist, so blutleer die Dialoge, die Personen und die Erzählung sind. Der Film rutscht ab, als ob den Machern die Ideen ausgegangen wären. Last but not least enthält der „Horror-Road-Movie“ von London nach Manchester auch etliche Mängel, was die Plausibilität des Handelns der Personen anbetrifft. Zwar fährt man mit dem Taxi zu einem Supermarkt, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen; niemand scheint jedoch auf die Idee zu kommen, ein Polizeirevier zu besuchen, um sich geeignete Waffen zur Verteidigung zu verschaffen – ein Gedanke, er mir gleich zu Anfang des Films sofort in den Sinn kam (und wahrscheinlich darüber hinaus jedem, der in eine solche Lage geraten würde). In der Schlussphase des Films spurtet wiederum Jim zunächst mit Waffe gegen Major West und seine Soldaten, um dann alles, was an Waffen so herumliegt, schlichtweg liegen zu lassen und mit bloßen Händen zu operieren.

Summa summarum: trotz eines guten Starts in der ersten Hälfte folgt nichts weiter als Gedankenlosigkeit, Mangel an Ideen und Blut. Zu wenig, um zu überzeugen.

Wertung: 5 von 10 Punkten.

28 Days Later
(28 Days Later)
Großbritannien, USA, Niederlande 2002, 112 Minuten
Regie: Danny Boyle

Drehbuch: Alex Garland
Musik: John Murphy
Director of Photography: Anthony Dodd Mantle
Schnitt: Chris Gill
Produktionsdesign: Mark Tildesley, Mark Digby, Patrick Rolfe
Hauptdarsteller: Cillian Murphy (Jim), Naomie Harris (Selena), Christopher Eccleston (Major Henry West), Megan Burns (Hannah), Brendan Gleeson (Frank), Noah Huntley (Mark), Luke Mably (Private Clifton), Stuart McQuarrie (Sergeant Farrell), Ricci Harnett (Corporal Mitchell)

Offizielle Homepage: http://www.28dayslater.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0289043

Weitere Filmkritik(en):
„Jigsaw Lounge“ (Neil Young):
http://www.jigsawlounge.co.uk/film/twentyeight.html

© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
yesup

yesup

07.11.2008 23:54

man darf auch geteilter meinung sein. der läuft gerade auf rtl2 und ich guck mir den jetzt zum vierten mal an. die entwicklung der geschichte finde ich glaubwürdig und gut gespielt. das auch aus dem survival trip der alptraum bei den soldaten wird, ist ein harter schnitt, den man kritisieren darf, mE so übertrieben gar nicht mal ist. der mensch -insbesondere der mann- ist ein tier und was sich dann dort abspielt ist die konsequente fortsetzung der geschichte. für mich der stirb langsam der zombie filme

Minniemi

Minniemi

13.09.2004 09:08

Hannahs Vater wird nicht von Jim getötet, soweit ich mich erinnern kann...

CVogel

CVogel

21.07.2003 13:01

Ja, so in etwa sehe ich das auch. Nix neues eigentlich (Zombie), mit logischen Fehlern (wer wacht schon fit aus vier Wochen Koma auf? Eigentlich hätt er eher verhungert sein müssen. Warum greifen sich die Infizierten nicht gegenseitig an?) ... ... aber irgendwie war's "MEGAGRUSELIG"

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