28 Days Later

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Hallo zur Gesellschaftskritik!

4  14.07.2003

Pro:
Botschaft, Score, Schnitt, größtenteils Inszenierung

Kontra:
manchmal etwas zu viel Dogma - Optik, kleiner Längen in der Mitte des Films

Empfehlenswert: Ja 

BillMaplewood

Über sich: Filmkritiken: www.filmbesprechungen.de ---- Filmforum: www.kinopla.net

Mitglied seit:26.09.2001

Erfahrungsberichte:513

Vertrauende:80

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 74 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Hallo, Hallo, Hallo?!“, ruft der Protagonist des Films “28 Days later” Jim (Cilian Murphy), als er nach achtundzwanzig Tagen im Koma in einem verlassenen Krankenhaus wieder aufwacht. In den achtundzwanzig Tagen hat sich viel verändert: Militante Tierschützer haben aggressive Versuchsaffen befreit, ohne zu wissen, dass diese mit einem Virus infiziert sind. Nun hat dieses Virus England befallen und die Bevölkerung in Zombies verwandelt, die nun unterwegs sind, um die wenigen restlichen Menschen, die noch leben, zu töten oder ebenfalls zu infizieren.

Auf seinem Streifzug durch das verlassene London stößt Jim auf zwei weitere Überlebende, Selena (Naomie Harris) und Mark (Noah Huntley). Die beiden helfen ihm seine Eltern zu finden, doch auch diese sind - wie die meisten Bewohner Englands - tot. In Jims Elternhaus werden die drei von Zombies angegriffen, Mark wird dabei infiziert, Selena muss ihn töten.

So machen sich die beiden zu zweit auf den weiteren Weg und treffen schließlich auf Frank (Brendan Gleeson) und dessen Tochter Hannah (Megan Burns). Als die vier über Radio einen Funkspruch aufgreifen, dass sich mehre Soldaten mit einem Gegenmittel in der Nähe von Manchester verschanzt haben, machen sie sich auf den riskanten Weg.

Doch dort erwartet sie ein Horror, der noch weit größer ist als das, was sie bisher in London erlebt haben.

M E I N U N G
°°°°°°°°°°°°°
“Back to the roots” heißt es für Regisseur Danny Boyle mit diesem Film. Denn nach seinen kleinen Meisterwerken „Shallow Grave - Morde unter Freunden“, „Trainspotting“ und „Lebe lieber ungewöhnlich“, war sein erster Ausflug ins High-Budget-Kino Hollywoods mit „The Beach“ wohl eher ein Misserfolg. Doch zurück im Low-Budget-Kino Englands beweist Danny Boyle seine Stärken.

Und diese liegen sicher nicht im Splatter-Bereich und so ist „28 Days later“ trotz des Inhaltes und der FSK-Freigabe kein Splatter-Film im gewöhnlichen Sinne. Hinter der Story versteckt sich harte und zynische Gesellschaftskritik und das vor allem im zweiten Teil des Films.

Doch am Anfang sieht man erst einmal Kameraaufnahmen des verlassenen London. Die von Dogma-Spezialist Anthony Dog Mantle („Das Fest“, „Mifune“) an Originalschauplätzen gedrehten Bilder erzeugen allein mit ihrer Leere, unterstützt vom fulminanten Score von John Murphy („Snatch“, „Bube, Dame, König, grAs“) beeindruckenden Horror.

Doch der Horror, der von der Verlassenheit und Leere in London sowie von den Zombies ausgeht, steigert sich in der zweiten Hälfte durch den Horror, der von den Soldaten ausgeht. Diese locken die Gruppe um Jim nur zu sich, um an die Frauen heranzukommen, und somit die Fortbestehung der Spezies Mensch zu sichern. Jim ist ihnen schnell ein Ballast und soll entsorgt, sprich: exekutiert, werden. Doch um den zu entgehen - und hier fängt die Kritik von Boyle an - muss Jim sich selbst in ein blutrünstiges „Monster“ verwandeln.

Ein Seitenhieb auf die moderne, egoistische Ellenbogengesellschaft, dass gerade der einzige nicht-Egoist des Films, Jim, nun zu einem mordenden Monster werden muss. Fast eine Parabel darauf, was unsere Gesellschaft, in der sich immer mehr wieder das Recht des Stärkeren durchsetzt, mit den wenigen macht, die sich nicht dieser Gesellschaft anpassen wollen. „28 Days later“ weist somit subtil mit dem Horror auf Missstände in unserer Gesellschaft hin.

Danny Boyle versteht dies selbst als „böse Ironie“, dass der „gute“ Jim es als letzte Hoffnung ansieht, seine „böse“ Seite heraus zu kehren, um die beiden Frauen zu retten. Er muss nun alle Soldaten, die ursprünglich ihre einzige Hoffnung waren, töten. Wirklich bittere Ironie.

Dazu kommt noch die wichtige Rolle, welche die Kommunikation in Boyles Film einnimmt. Jim schreit zu Beginn im verlassenen Krankenhaus immer wieder „Hallo“ und auch am Ende, weitere achtundzwanzig Tage nach seiner Flucht aus dem Army-Lager, legen er, Selena und Hannah, das Wort „Hello“ in großen Lettern auf eine Wiese und nicht das Wort „Help“. Das „Hallo“ von Jim ist ein weitaus größerer Hilfeschrei als es ein „Hilfe“ gewesen wäre, das „Hallo“ schreit mehr nach einer Antwort, nach einer Unterhaltung, nach einer Kommunikation, nach genau dem was Danny Boyle als die Lösung für den Niedergang unserer Gesellschaft bezeichnet.

Passend zum ganzen hat Danny Boyle noch einen weiteren kleinen Seitenhieb eingebaut: Die einzige Nahrung besteht aus Dosenfutter, Schokoriegeln, Cola aus der Dose und gentechnisch verändertem Obst.

Störend wirkt einzig und allein, dass es Boyle etwas mit der Digitalkamera übertreibt. Manchmal rutscht der Film zu stark in den, nicht immer passenden, Dogma-Look ab. Wett gemacht wird diese kleine Schwäche, aber durch die hervorragend gesetzten Schnitte, die auch dafür sorgen, dass die Zombie-Angriffe trotz des hohen Splatter-Anteils nicht zu blutig und abstoßend ausfallen.

F A Z I T
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Danny Boyle ist wieder da wo er einmal war. „28 Days later“ erzählt nicht nur eine Geschichte, nein, diese ist vielmehr ein Mittel zum Zweck. Und der Zweck des Films ist eine Botschaft rüber zu bringen, Kritik an der Ellenbogen- und der Konsumgesellschaft zu üben. Die Zombies sind dabei nur Synonyme für die zahlreichen Egoisten in der Gesellschaft, die ohne Rücksicht auf die anderen, voranschreiten und dabei den Virus „Egoismus“ weiter übertragen. Das zeigt sich auch in der Aussage des Anführers der Soldaten: „Menschen töten Menschen“, sagt er und spricht dabei ausdrücklich von Menschen und nicht von Zombies. Sehenswert!

Acht von zehn Punkten!

D A T E N
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Titel Deutschland: 28 Days later
Originaltitel: 28 Days later
Genre: Horror
Großbritannien/USA/Niederlande 2002, FSK 18, Laufzeit: 113 Minuten

Darsteller: Cillian Murphy (Jim), Megan Burns (Hannah), Brendan Gleeson (Frank), Naomie Harris (Selena), Christopher Eccleston (Major Henry West), Noah Huntley (Mark), Luke Mably (Private Clifton), Stuart McQuarrie (Sergeant Farrell), Ricci Harnett (Corporal Mitchell)

Regie: Danny Boyle
Produzent: Andrew Macdonald
Drehbuch: Alex Garland
Musik: John Murphy
Kamera: Anthony Dodd Mantle
Schnitt: Chris Gill

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Offizielle Homepage: http://www.28dayslater.de

Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0289043

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=22678

© Björn Becher 2003
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
steve1008

steve1008

11.09.2003 15:24

Ich fand den Film echt spitze! Er war sehr stimmungsvoll, besonders die musikalische Untermalung fand ich immer sehr passend!

annonymus

annonymus

01.08.2003 12:24

Ich fand diesen Film allenfalls platt und billig - die Absicht mag gut gewesen sein, rüber kam sie aber nicht wirklich. Und was andere vielleicht als 'Ironie' ansehen mögen, kam für mich zu plakativ - nein danke, wirklich kein gelungener Film. Was ich aber eigentlichs schreiben wollte: Kleine Morde unter Freunden heißt der Film :o). Grüße, anno

der_dominator

der_dominator

25.07.2003 16:50

frisch aus dem urlaub zurück bleibt mir nuicht mehr als ein "sag ich doch ..." - liebe grüße, dominik

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