Der Sensationserfolg!Dieser Skandalroman aus Frankreich kostete Frédéric Beigbeder den Job in einer bekannten Werbeagentur und katapultierte ihn auf Platz eins der Bestsellerlisten... mehr
Erfahrungsbericht von Doofmatz über Neununddreißigneunzig. 39.90 - Rowohlts Rotations Romane / Frédéric Beigbeder 19.04.2005
Produktbewertung des Autors:
Niveau
trivial
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
Schnell, leicht und lustig zu lesen . Gewährt Einblick in die Werbeindustrie
Kontra:
Stil, Niveau, "Fakten"
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Oft wird man der Werbung überdrüssig, fühlt sich geradezu verfolgt und möchte sich am Liebsten in eine kleine Berghütte ohne Fernsehen oder Radio verziehen – wem geht es ähnlich? All jene sollten vielleicht – oder vielleicht auch besser nicht – in Beigbeders 39,90 hineinlesen, der einem gute Gründe liefert, dieses Gefühl verstärkt wahrzunehmen. Aber beginnen wir beim Anfang.
Der Autor, Frédéric Beigbeder, arbeitete als Werbetexter, diesen Job bekam er durch die Veröffentlichung seines ersten Romans – ungefähr zehn Jahre später legte er keinen Wert mehr darauf, noch weiter in der Branche zu bleiben, wollte aber nicht auf seine Abfindung verzichten - ein Plan mußte her: Ein Buch sollte ihm die gewünschte Kündigung einbringen. Und schlußendlich tat es das auch. In meinem Bericht geht es also um den Kündigungsgrund mit dem wohlklingenden Namen "39,90", der, noch zu DM-Zeiten, den Kaufpreis des Buches verriet.
Als „Pamphlet gegen den Totalitarismus von Medien und Werbung und gegen die neoliberale Pervertierung der Demokratie“ wird dieser Roman im Kurztext auf der Buchinnenseite bezeichnet, dem würde ich nicht uneingeschränkt zustimmen. Dieses Buch ist eines der wenigen, das ich mehr als einmal gelesen habe, die Zeitpunkte sind vielleicht nicht unerheblich: einmal mit 18 – ich war hellauf begeistert, geradezu hysterisch verliebt – und einmal jetzt: ich war ernüchtert, enttäuscht. Letzteres erklärt sich unter Umständen dadurch, daß ich diesmal auf den Inhalt achtete, da ich die eingestreuten „Wahrheiten“ erstens bereits kannte, zweitens viele davon inzwischen als Urban Legend anerkannt wurden. Beispiele gefällig? Zu gern: In den Monologen des Protagonisten Octave werden Dinge aufgezählt wie: Der Weihnachtsmann wäre lediglich eine Marketingkampagne einer großen Getränkefirma (angespielt wird auf das alte Coca-Cola-Märchen – siehe dazu auch http://www.zeit.de/stimmts/1999/199952_stimmts_cola_wei ) – Zahnputzcreme wäre ein Marketinggag, da die Bürste alleine schon ausreichend pflegen würde (dazu konnte ich nun keinen Zahnarzt befragen, halte diese Aussage aber für bedenklich. Vor allem, wo die Paradontitisfälle mehr und mehr ansteigen), Geschirrspülmittel wären nicht notwendig, die Arbeit erledigt die Maschine alleine (ich habe es getestet - einfach nicht wahr.) Wie unerschütterliche konspirative Fakten also werden Dinge erzählt, von denen ich mittlerweile mehrals gelesen oder auf andere Weise erfahren habe, daß sie nicht stimmen; diese Tatsache ließ mich natürlich den Rest der Details eher skeptisch aufnehmen.
Die Handlung kurz umrissen: Octave ist ein unzufriedener, einsamer Werbetexter, sein Job zieht ihn tiefer und tiefer in die Marketingwelt, bis er nicht mehr in der Lage ist, die „normale“ Realität wahrzunehmen. Als seine Freundin ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt, macht er Schluß, nur um daraufhin zu erkennen, wie verloren er ohne sie ist. Natürlich will sie ihn aber nicht mehr. Er greift mehr und mehr zum Kokain, randaliert, versucht alles mögliche, um von seinen Kollegen oder Vorgesetzten einen Dämpfer zu bekommen, gefeuert zu werden. Denn eigentlich kotzt ihn nichts mehr an als das System, das er mitkreiert. Die Situation spitzt sich zu, wird von seinem kurzen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt vorübergehend entladen, danach allerdings wird es ziemlich bizarr und auch gewalttätig – ich möchte aber nicht zuviel verraten.
Der Stil ist meines Erachtens sehr pubertär, übertrieben chauvinistisch und sexistisch; was allerdings, so gebe ich zu, auch als Mittel gedacht sein kann, um die emotionale Verrohung des Protagonisten sowie der gesamten Werbeszene zu verdeutlichen. Jedenfalls hat das zur Folge, daß ich dieses Buch reinen Gewissens niemandem unter 18 in die Hand drücken würde. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung, daß mir die Sätze viel zu kurz und abgehackt erscheinen – was man vielleicht noch als eine Art künstlerischen Minimalismus erklären könnte, geschähe es mit einer gewissen Konsequenz; das ist allerdings leider nicht der Fall. Leicht gewöhnungsbedürftig ist anfangs vor allem die Sprache: man wird nicht nur mit Marken- und Produktnamen beworfen, auch durchzieht die Dialoge eine Reihe wohl branchenüblicher Abkürzungen, die aber brav erklärt werden.
Die Anordnung der 6 Kapitel wiederum ist nicht uninteressant: ICH – DU – ER – WIR – IHR – SIE sind nicht nur die Überschriften, sie leiten auch die jeweiligen Perspektivenwechsel ein. Getrennt werden die Kapitel durch einseitige „Werbeeinblendungen“, die nicht wirklich lustig sind, sondern eigentlich nur seltsam. Bezug zur Geschichte haben sie insofern, daß sie auch von Drogen handeln. Einleitend zu den Kapiteln werden jeweils kurze Zitate angeführt, deren Niveau weitaus höher ist als das des eigentlichen Romans.
Natürlich ist es auch interessant, die Werbung einmal von der anderen Seite des Fernsehers mitzubekommen, Einblick in den kreativen Prozeß zu haben, von der Skizzierung eines Spots bishin zur schlußendlichen Umsetzung. Man kann nur hoffen, daß nicht alle Werbegestalter derart wahnsinnig, abgestumpft und realitätsfremd sind, wie Beigbeder ihnen – und sich selbst – unterstellt.
Alles in allem kann ich für dieses Buch schon eine Empfehlung aussprechen, wenn auch eingeschränkt. Es ist kein anspruchsvoller Roman, und einiges sollte man mit Vorsicht genießen. Nichtsdestotrotz erfährt man nicht unwichtige Dinge über die Seifenblasenfabrik Werbung, es liest sich anhand der einfachen Sprache schnell und ist sehr kurzweilig. Ergo 3 von 5 möglichen Sternen.
Die Taschenbuchausgabe ist ab 10 Euro zu finden, Gebrauchtangebote natürlich billiger. Neugierige erfahren mehr unter: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/349923324X/qid=1113907103/ sr=1-2/ref=sr_1_11_2/028-1012968-6217343 (Link bitte zusammenfügen) Meine Meinung bezieht sich auf die 2002 bei Rowohlt erschienene Ausgabe.
Pro: Unterhaltsam und stilistisch sehr gut (gilt noch stärker im Original) Kontra: Leicht Chaotisch, jede Menge Eitelkeiten
Warnhinweis: Dieser Beitrag wurde unverändert aus den Tiefen meines Mitgliederprofils nach vorne befördert. Manche Aktualität ist dabei natürlich geschwunden. Aber alle Prognosen haben sich bewahrheitet :-)
Skandal! Was im letztem Jahr die Öffentlichke ...
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Pro: aktueller, sehr interessanter Inhalt, toller, fesselnder Schreibstil. Kontra: nichts!
Hallo und herzlich Willkommen zu einem neuen bescheidenen Bericht meinerseits, lieber Leser oder liebe Leserin ;-). Heute möchte ich über ein Buch berichten (vorerst auch die letzte Buchbesprechung von mir, da ich denke ich habe in letzter zeit genug ...
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03.09.2001
Leben wir im vierten Reich? Bewertung für Neununddreißigneunzig. 39.90 - Rowohlts Rotations Romane / Frédéric Beigbedervon
Marco.Mattheis
Pro: Ein erfischend neuer Stil mit guten Ideen, eine ganz neue Form ein Buch zu schreiben und eine Kritik, die sich sehen lassen kann! Kontra: Ich konnte nicht wirklich in die Figuren mit einfühlen, weil die Geschichte zu oft unterbrochen wurde und auch sonst nicht viel Tiefgang hatte.
Adolf Hitler nutzte den gerade entwickelten „Volksempfänger“ –gemeinhin auch als Radio bekannt- um seine Ideologie zu verbreiten und ein ganzes Volk zu beeinflussen. Noch heute beziehen wir unsere Informationen zu 90 % (meine eigene Ein ...
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Pro: interessante Einblicke in die Werbeszene, sehr ironischer Stil, liest sich sehr flott Kontra: etwas zu sehr auf Provokation angelegt, manchmal spürt man das Kalkül
Beigbeder, Frederic, 39,90 ist im Rowohlt Verlag erschienen und kostet - wer hätte das gedacht - 39,90DM.
Der Titel des französischen Originals lautet "99 Francs".
Ein Buch, dessen Titel zugleich auch der Preis ist? Alleine das fällt ja schon mal au ...
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sehr hilfreich
05.07.2001
(06.07.2001)
Werbung ist sch.... Bewertung für Neununddreißigneunzig. 39.90 - Rowohlts Rotations Romane / Frédéric Beigbedervon
tresckow
Pro: gut zu lesen, einige nette Sprüche und Ideen Kontra: nicht viel neues
Das Buch ist in Frankreich unter dem Titel „99 Francs" erschienen, woraus ich zunächst mal schließe, dass Bücher in Deutschland 20% teurer sind. Beigbeder reiht sich mit seinem Buch in die Phalanx der lautstarken und wortmächtigen französischen ...
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