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Mitten in einer Variety-Vorstellung in London von Dr. Memory (Wylie Watson), der sich alles merken kann, was er je gelesen hat, und sein Wissen allabendlich zur Schau stellt, kommt es zu einem Tumult. Schüsse fallen, die Menge stürmt aus dem Saal: Unter ihnen der Kanadier Richard Hannay (Robert Donat), dem sich eine Frau anvertraut. Anabella Smith (Lucie Mannheim) bittet Hannay sie mit in seine Wohnung zu nehmen. Dort erzählt sie ihm, dass sie die Schüsse abgegeben habe. Sie werden von zwei Männern verfolgt, die sie umbringen wollen. Sie erzählt Hannay eine auf den ersten Blick unglaubwürdige Agentenstory. Sie wolle die Interessen Englands schützen, doch etwas, was die „39 Stufen“ heißt, solle außer Landes geschafft werden, was England sehr schaden würde. Um das zu verhindern, müsse sie am nächsten Tag nach Schottland reisen, um einen Professor Jordan (Godfrey Tearle) zu suchen. Aus diesem Grund seien feindliche Agenten hinter ihnen her, deren Boss man an einem fehlenden Stück des kleinen Fingers der rechten Hand erkennen kann.
Hannay glaubt die abstruse Geschichte natürlich zuerst nicht, doch als er merkt, dass zwei Männer sein Haus beobachten, kommen ihm Zweifel. Endgültig glaubt er die Geschichte als Miss Smith in der Nacht in seiner Wohnung ermordet wird. Sie kann ihm gerade noch eine Karte mit ihrem Ziel in Schottland geben. Hannay beschließt die Aufgabe der Agentin zu übernehmen. Er reist nach Schottland. Doch er wird mittlerweile von der Polizei gejagt, die ihn für einen Mörder hält. Seine Wege kreuzen sich zum ersten Mal mit denen der bezaubernden, aber naiven Pamela (Madeleine Carroll), die ihm allerdings nicht glaubt, sondern an die Polizei verrät. Doch Hannay kann erwischen und sich zu Professor Jordan durchschlagen, wo er allerdings eine böse Überraschung erlebt....
In „The 39 Steps“ geht es Schlag auf Schlag. Hitchcock lässt seinem Zuschauer in den knapp neunzig Minuten Film kaum Zeit zur Erholung und zum Durchschnaufen. Sein Hauptdarsteller Richard Hannay wird von einem Zufall nach dem anderen heimgesucht und stolpert dadurch von einem Unglück ins andere, aus welchen er sich aber immer wieder befreien kann. Auf Glaubwürdigkeit legte Hitchcock dabei selbst überhaupt keinen Wert, und das ist auch das einzige, was man diesem Film vielleicht ankreiden kann. Wie Hannay seine Verfolger immer wieder austrickst, ist selten richtig glaubwürdig und nachvollziehbar. Es folgt darauf aber fast immer sofort die nächste spannende Szene, so dass man sich darum eigentlich gar keine Gedanken machen kann.
So hält Hitchcock die Spannung durchweg hoch. Die Frage was die 39 Stufen denn nun genau sind, bleibt bis zum Schluss genauso offen, wie die Pläne der gegnerischen Agenten und die Frage, wie es Hannay schaffen wird, diese zu vereiteln und dabei seine Unschuld zu beweisen. Hitchocks Film lebt aber gar nicht so sehr von der trotz des unglaubwürdigen Storyverlaufs hohen Spannung, sondern von den zahlreichen aberwitzigen Situationen. Da wird am Rande so viele absurdes und komisches in den Film eingeführt, dass man immer wieder lachen muss. Seien es zum Beispiel die zwei Vertreter für Damenunterwäsche, die sich in einem Zug über ihre neue Kollektion unterhalten, was einem anderen eher biederen Mitreisenden nicht ganz so gefällt oder sei es das alte Ehepaar, welches ein kleines Hotel betreibt und denkt, dass es mit Hannay und Pamela ein junges, frischvermähltes Liebespaar auf der Flucht vor dem Brautvater versteckt. Dabei hassen sich Hannay und Pamela zu diesem Zeitpunkt noch und sind nur unfreiwillig beisammen, da mit Handschellen aneinandergekettet.
Daraus ergeben sich zahlreiche witzige Szenen. Die Dialoge zwischen den beiden sind großartig. Wenn sie sich gegenseitig andauernd beschimpfen, beweist Hitchock sein gutes Gespür für solche Dialoge und Robert Donat und Madeleine Carroll schaffen es hervorragend diese umzusetzen. Im Zusammenspiel der beiden gibt es eine der ganz wenigen ruhigen Szenen. Pamela schafft es sich aus den Handschellen zu befreien. Als sie vor dem schlafenden Hannay fliehen will, hört sie dann aber ein Gespräch mit, welches ihr zeigt, dass Hannay kein Mörder ist und sie nicht belogen hat. Daraufhin kehrt sie zu Hannay zurück, sieht diesen frierend im Bett liegen, deckt ihn liebevoll zu, um dann zu merken, dass sie so selbst friert. Daraufhin nimmt sie sich die Decke zurück und deckt sich damit zu. Eine wunderschöne und zugleich amüsante Szene.
So ist Hitchocks Klassiker sicher keines der ganz großen Meisterwerke des Regisseurs. Dafür ist die Geschichte teilweise viel zu unglaubwürdig, das Verhalten der Personen zu wenig nachvollziehbar und knifflige Situationen lösen sich oftmals viel zu einfach auf. Aber trotzdem ist „The 39 Steps“ ein sehenswerter Film, der prächtig unterhält, spannend ist und zwei großartige Hauptdarsteller hat, die sich fast so wunderschön zoffen, wie es die Hauptdarsteller einiger Screwball-Komödien tun.
D A T E N °°°°°°°°°°°° Titel Deutschland: Die 39 Stufen Originaltitel: The 39 Steps Genre: Thriller / Komödie Großbritannien 1935, FSK 16, Laufzeit: 86 Minuten
Regie: Alfred Hitchcock Produktion: Michael Balcon Drehbuch: Charles Bennett, Alma Reville nach dem Roman "The Thirty-Nine Steps” von John Buchan Kamera: Bernard Knowles Musik: Louis Levy Schnitt: Derek Twist
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N °°°°°°°°°°°° Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0026029/
Den Anfang fand ich zu behäbig und unlogisch - erst nach ein paar Minuten kommt der Film wirklich in Fahrt.... Aber Hitchcock ist gesamtgesehen immer sehenswert - so dass man über so was hinwegsehen kann... carpe diem - JENS PS: Wie viele Filme fehlen denn noch? Schon die 50er-Grenze unterschritten?
18.05.2004 13:43
Ich muß gestehen, einer der wenigen, die ich noch nicht gesehen habe - oder zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern. gruß, carmen
18.05.2004 13:13
Der einzige Hitch, den ich noch nie gesehen habe. Danke der Erinnerung.
18.05.2004 11:32
Den Anfang fand ich zu behäbig und unlogisch - erst nach ein paar Minuten kommt der Film wirklich in Fahrt.... Aber Hitchcock ist gesamtgesehen immer sehenswert - so dass man über so was hinwegsehen kann... carpe diem - JENS PS: Wie viele Filme fehlen denn noch? Schon die 50er-Grenze unterschritten?