50/50 - Freunde für's (Über)Leben

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Weder tumorig noch humorig

2  09.05.2012

Pro:
Ein paar gelungene Szenen

Kontra:
Uninspiriert, langatmig und  - weilig

Empfehlenswert: Nein 

MissVega

Über sich: Endlich wieder Hamburg-Stammi! Am 20. Juli 2013! ;-) Im Juli London, im August Las Vegas - Hawaii - ...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 74 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der Grat, auf dem Dramödien wandeln, ist ja generell recht schmal. Allein die Überlegung, zwei so unterschiedliche Genres in einem Film zu vereinen, scheint wagemutig, denn wie soll man über etwas schrecklich Dramatisches lachen können oder über etwas Lustiges weinen? Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Dramödien (man möge mir dieses unsägliche Wort verzeihen) erstaunlich oft sehr gut funktionieren und beim Zuschauer genau die richtigen Saiten zum Klingen bringen, um ihn emotional berührt, aber dennoch gut unterhalten wieder aus dem Kino zu entlassen. So hat sich also auch Drehbuchschreiber Will Reiser, der hier als Autor debütiert, gedacht, er verschreibselt einfach mal seine eigene (Krebs)Geschichte und setzt dabei sowohl auf komische als auch dramatische Momente. Ob es nun an Neuling Reiser oder am Regisseur Jonathan Levine („All the Boys love Mandy Lane“) liegt, dass aus „50/50“ weder ein Drama noch eine Komödie geworden ist, weiß ich nicht, Fakt ist, dass „50/50“ einen weder groß zum Lachen bringt noch über die emotionale Kraft verfügt, den Zuschauer mit seinem krebskranken Protagonisten mitfühlen zu lassen. Der Film langweilt bedauerlicherweise über weite Strecken und die Geschichte, die er erzählt, ist letztendlich so unspektakulär und beliebig, dass man kaum Interesse für sie aufbringen kann.

Als Adams (Joseph Gordon-Levitt, „Inception“, „(550) Days of Summer”) Rückenschmerzen ihn zum Arzt führen, teilt dieser ihm emotionslos mit, dass er einen Tumor an der Wirbelsäule hat. Sollte die Chemotherapie nicht anschlagen, müsse man operieren, und dann ständen Adams Überlebenschancen bei 50%. Adams Umfeld reagiert unterschiedlich auf diese Diagnose. Sein Freund Kyle (Seth Rogen, „The Green Hornet“) will den ruhigen, zurückhaltenden Adam auf die Partyschiene schubsen, damit er wieder etwas mehr Lebensfreude entwickelt. Seine Mutter Diane (Anjelica Huston, „Die Addams Family“) würde am liebsten gleich bei ihm einziehen und ihn rund um die Uhr betreuen. Seine Freundin Rachael (Bryce Dallas Howard, „The Help“) ist mit der Diagnose total überfordert und tritt den Rückzug an. Und seine Therapeutin Katherine (Anna Kendrick, „Up in the Air“) ist auch keine große Hilfe, da Adam erst ihr dritter Patient überhaupt ist. Und Adam selbst? Der scheint sein Schicksal gottergeben hinzunehmen. Das einzig Radikale, was er tut, ist, sich den Kopf kahl zu scheren, bevor ihm von der Chemo die Haare ausfallen. Fortan versuchen Adam und sein sehr überschaubares soziales Netz, mit der Krebsdiagnose und den Nebenwirkungen der Chemotherapie irgendwie klar zu kommen, was nur von bedingtem Erfolg gekrönt ist.

„50/50“ ist leider ein denkbar unspektakulärer Film. Die Figuren sind entweder enervierend normal oder haben nervtötende Macken, so dass man für keinen der Charaktere großartige Sympathien aufzubringen vermag. Adam ist ein ruhiger, zurückhaltender junger Mann, der außer Joggen keine Hobbys zu haben scheint und offenbar nur über einen einzigen Freund, Kyle, verfügt. Seine Beziehung zu Rachael liegt schon länger im Argen, doch auch die emotionale Kälte und den Sexentzug erträgt er stillschweigend. Kyle ist ein latent überdrehter, auf Beischlaf fixierter Twen, der einfach nicht erwachsen werden will. Auch wenn seine Bemühungen, Adam in dieser schweren Zeit beizustehen, sichtbar werden, kann man diesem oberflächlichen Kindskopf nicht allzu viel abgewinnen. Rachael ist eine egomanische Zicke, die leider gar keine Sympathien für sich verbuchen kann. Und Katherine ist eine stammelnde, unsichere Berufsanfängerin, die mit Adams Therapie total überfordert ist.

Neben den Charakteren bleiben auch andere Aspekte des Films ziemlich blass. Der Drehort Seattle wird von seiner unspektakulärsten Seite gezeigt, der Soundtrack geht weder ins Ohr noch sonst wohin und das Entscheidende, die Story, die ja sogar auf wahren Ereignissen beruht, ist so lahm und lieblos umgesetzt, dass einem die 100 Minuten Filmdauer wesentlich länger vorkommen.

Die drei bis fünf humorvollen Momente des Films kann man alle schon im Trailer bewundern, und ob der lethargischen Erzählweise will hier auch keinerlei emotionale Dramatik aufkommen. Adam fügt sich in sein Schicksal, tut, was medizinisch getan werden muss, dackelt seinem Freund bei dessen Balz- und Verkupplungsversuchen hinterher und guckt ansonsten trübe in der Gegend rum. Schmerz, Trauer, Verzweiflung oder unbedingten Lebenswillen und Kampfgeist, all dies sucht man hier fast vergebens. Adams Leben wirkt so fremdbestimmt, dass man kaum Verständnis oder emotionale Nähe zu ihm aufbauen kann. Joseph Gordon-Levitt, der an sich ein großartiger Schauspieler ist und von Film zu Film besser wird, agiert hier wie auf Ritalin und mit der Ausdrucksstärke einer Schaufensterpuppe. Nervsack Seth Rogen, der übrigens Autor Will Reiser ermutigt hat, seine Erfahrungen in ein Drehbuch zu packen, hat immer noch keine vernünftige Frisur und den emotionalen Tiefgang von Hühnersuppe. Und Anna Kendrick nervt mit pferdegebissigem Gestammel und Gestotter, das man fast schon dummdreist nennen könnte.

Somit kann „50/50“ leider kaum etwas für sich verbuchen. Der Film ist weder dramatisch noch lustig, er ist einfach überwiegend langweilig, unspektakulär und enervierend. Mitgefühl und Sympathie fallen bei diesen blassen bis nervtötenden Charakteren mehr als schwer und die dünne Story, die kaum Höhen und schon gar keine Tiefen zu bieten hat, ist austauschbar und belanglos. Ein paar gelungene Momente gibt es in „50/50“, aber das ist bei Weitem zu wenig, um dafür ins Kino zu gehen oder später Geld in die digitale Zweitverwertung zu investieren. Ganz knappe zwei von fünf Chemotherapien, die hoffentlich erfolgreicher verlaufen als dieser Film.
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Fliegmaus32

Fliegmaus32

05.08.2012 17:31

Ich fand ihn eigentlich ganz gut, obwohl ich nicht auf Filme mit irgendwelchen Krankheiten stehe.

Realjackass

Realjackass

05.07.2012 17:08

Schade drum.. Story und vor allem Schauspieler hätten mich ja sehr angesprochen, aber wenn das so fad umgesetzt wurde, gibt es sicherlich unterhaltsamere Methoden, seine Zeit zu investieren.

reggie1

reggie1

10.06.2012 22:44

du bist manchmal echt markaber! "zwei von fünf Chemotherapien" - also wirklich!

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  1. Realjackass
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