5150 Elm's Way (DVD)

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5150 Elm's Way (DVD)

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"Die gerechte Sache erfordert es."

3  10.03.2011

Pro:
Thematik zwischen den Zeilen, überzeugende Darsteller

Kontra:
einige Längen und Lächerlichkeiten

Cosmay

Über sich: Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist ni...

Mitglied seit:08.07.2000

Erfahrungsberichte:2184

Vertrauende:312

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 105 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dass, was auf der rückseitigen Ansicht der Störkanal-DVD

5150 Elm's Way
zu lesen steht, kann man getrost lediglich halb-ernst nehmen. Zwar findet sich hier tatsächlich ausschließlich ein einziger Sachfehler, nichtsdestoweniger klingt die Handlung nach einer völlig anderen, als innerhalb des 106Minütigen Psychohorror dargeboten wird. Jene mag ich nur kurz anreißen; der Film zieht sich schon lange genug, um jedes Detail vorweg nehmen zu dürfen:

Yannick Bérubé (Marc-André Grondin) bringt sich Dank seiner nicht gerade vorbildlichen Manieren ~ er latscht einfach in ein ihm fremdes Haus, obschon der Eigentümer ihm höflich aber bestimmt bat, draußen zu warten ~ in eine nicht gerade wünschenswerte Situationen. Aus einem Zimmer des Hauses tönen Hilfeschreie; als Yannick diesen nachgeht, wird er vom Hausbesitzer und zweifachen Familienvater Jaques Beaulieu (Normand D'Amour) natürlich ertappt und selbst in dieses Zimmer gesperrt. Als Yannick dessen Frau Maude (Sonia Vachon) intensiv beten hört, ahnt dieser noch nicht, wie „religiös“ sein Peiniger tatsächlich ist....
Die Umsetzung
beginnt ein wenig wie ein typischer Teenie-Horrorfilm. Yannick freut sich mitsamt seiner Freundin über seine Aufnahme an der Schauspielschule; während sein Vater (Normand Chouinard) diesbezüglich lediglich die Äußerung zustande bringt, dass man hoffentlich nicht binnen dreier Monate die gesamten Möbel wieder in die alte Wohnung schleppen müsste.
Dieser Teenie-touch verliert sich jedoch schnell; interessant vor allem der Aspekt, dass „schwierige Vater-Kind Beziehungen“ ein unauffälliges dreh- und angelpunktlastiges Nebenthema darzustellen scheinen. Auch Michelle Beaulieu (Mylène St-Sauveur) kämpft um die Anerkennung ihres Vaters, versucht, ihm stetig alles recht zu machen, während sie gleichzeitig innerlich gegen ihn und seine Überzeugungen rebelliert.

Wie wenig Yannicks Vater von diesem hält, zeigt sich insbesondere durch die die mannigfaltigen Wahnvorstellungen, die der (tagelang? wochenlang?) Eingesperrte nach und nach entwickelt. Jene mögen die psychische Belastung der Situation unterstreichen wollen, wirken in der Fülle ihrer Einsätze jedoch eher misslungen. Man fühlt sich als Zuschauer rasch unterschätzt, wenn der Macher wieder und wieder die gleichen Bilder zum Einsatz bringt, um die damit verbundene Metaphorik mehr als deutlich unterstreicht. Die eigentliche potentielle Wirkung dieser Filmbilder schafft es lediglich im Ansatz zu überzeugen, verdeutlichen den inneren Zerfall Yannick's; nutzen sich in ihrer wiederholten Wiederholung derartig ab, dass mir persönlich der gesamte Film länger erschien, als er tatsächlich ist.

Darüber hinaus wirkt es ein wenig grotesk, dass Yannick es nicht schaffen soll, die Tür, die augenscheinlich Sperrholzqualität zu sein scheint, schlicht und ergreifend aufzubrechen. Hier mag es sich um einen (bühnentechnischen) Fehler hinter der Kamera handeln; doch wenn man eben jene Szenerie beobachtet, fühlt man sich auf der heimischen Couch glatt wie He-man, respektive Sheera.
Über solcherlei muss der Zuschauer genauso hinwegsehen, wie er sich nicht die Frage stellen darf, warum Yannick stetig in den ungünstigsten Momenten versucht, den Hausherrn zu überwältigen, sodann wie blöd nach einem Schlüssel sucht, statt schlicht und ergreifend die gläserne Haustür einzuschlagen. Der Moment, als Yannick im weiteren Verlauf tatsächlich einmal bis auf die Straße gelangt, könnte absolut überraschend-genial sein ~ nur leider hat man eben jene Szenerie schon zigfach gesehen, so dass sie eher gen „vorhersehbar und grotesk“ tendiert.

Nicht nur an dieser Stelle macht sich ein gewisses „Zeitproblem“ innerhalb des filmischen Geschehens bemerkbar; je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Fragezeichen tun sich diesbezüglich auf. Mag sein, dass jemand wirklich so lange braucht, um vom ersten Stock in den Keller und sodann nach draußen zu gehen, wie andere dafür benötigen, um einkaufen zu gehen ~ doch wie gesagt.... ernsthaft nachprüfen darf man innerhalb „5150 Elm's Way“ so einiges nicht. Schön und gut, dass Yannick anfänglich noch aus purem Trotz an die Türschwelle uriniert ~ da er jedoch alsdann nie wieder auf Toilette zu gehen müssen scheint, hätte man sich jene Aufnahme vielleicht doch besser sparen können. Wobei mich eher noch die Frage beschäftigt, warum dieser irgendwann urplötzlich eine andere Boxershort trägt.

Doch sei's drum.

Erfreulich vor allem, dass „5150 Elm's Way“ gekonnt skurrile Situationen darzustellen weiß, die auf völlig andere Art und Weise zuschauerliche Spannung hervorzwingt. Tochter Michelle hätte in dem Werk keinesfalls fehlen dürfen; zum einen, weil jene Darstellerin zweifellos am intensivsten zu überzeugen weiß, zum anderen, weil ihre Figur Garant für einen gewissen Pep in der Geschichte ist.

~ Insgesamt involviert „5150 Elm's Way“ durchaus ein paar spannende wie auch unvorhergesehene Szenen, die den Knackpunkt der Geschichte erst langsam ans Tageslicht befördern. Wie der Klappentext zusammenfasst, geht es hier in der Tat nicht minderer Natur um die Besessenheit eines Schachspiels; allerdings nicht in der Art und Weise, wie es suggeriert wird. Die Idee, was es mit dem Ganzen auf sich hat, erinnert im Film selbst dann nur sehr bedingt an das Buch „Remis für Sekunden“ und darf sich durchaus als raffiniert bezeichnen ~ doch je länger „5150 Elm's Way“ versucht, auf ein horrendes Finale hinauszulaufen, desto dümmlich-dämlicher wird manches.

Kaum wurde meinerseitig die Äußerung

“So langsam wird’s aber echt lächerlich“

in den Raum geblöckt, musste ich keine 10 Sekunden später ein „Und unnötig“ hinterherbugsieren. Zugegeben, jene Szene hat es wahrlich in sich und schockiert buchstäblich ~ alles andere plätschert jedoch eher dahin, als dass es sich mit dem Begriff „Hochspannung“ titulieren lassen dürfte.

Wer gerne versucht, (nicht nur filmische) Handlungen auf dem psychologischen Aspekt zu betrachten, der wird an „5150 Elm's Way“ sicherlich die ein oder andere Freude haben. In diesem Zusammenhang darf man womöglich auch die unterschiedlichsten Genre-Zuordnungen des Ganzen verstehen: während auf der DVD selbst die Kategorie „Horror“ vermerkt wurde, spricht die imdb.com von einem „starken psychologischen Drama“. Auf der Amazon-Seite hingegen liest der Interessierte die Bezeichnung „Terror-Schocker“ ~ man sieht also, dass man auch diesen Film kaum in eine Schublade stecken kann; was an für sich genau das ist, was ich gerne sehe.

Dementgegen steht eine – wenn auch erst spät einsetzende - Langatmigkeit sondergleichen, in der der potentielle Zuschauer mit sich stetig wiederholenden Sachverhalten konfrontiert wird, während eigentlich andere Perspektiven durchaus faszinierender gewesen sein dürften. Die jüngste Tochter Anne (Élodie Larivière) sorgt für einen besonderen Schliff, fesselt den Zuschauer auf eigene Art und Weise, gibt überdies unterschiedliche Rätsel auf... wirkt allerdings gleichzeitig ein wenig „unpassig“ zum Gesamtkonzept.

Auch Mutter Maude stellt für sich einen Charakter dar, von dem man eigentlich gerne mehr gesehen hätte ~ das Problem, dass jene Umsetzung in der Tat nur schwer bewerkstelligt hätte werden können, tröstet nur bedingt.

Ebenso leidlich, dass selbst der filmische gewitzte Ausgang des Ganzen es schaffte, sich selbst kaputtzudröseln. Dadurch, dass jene Szenerie einerseits viel zu lange auf sich warten ließ um sodann viel zu überstürzt abgehandelt zu werden, macht jenes schlussendlich einfach keinen Spaß mehr. Die gesamte wuha-Wirkung, die „5150 Elm's Way“ hätte haben können, ist somit beinahe völlig futsch.

Summa summarum
vergebe ich für Eric Tessier's Werk trotz aller vorgenannten Mankos solide 3 Sterne, eben weil es mich durchaus reizt, mir den Film (irgendwann) noch einmal anzusehen. Die Hintergründe für das Verhalten der einzelnen Familienmitglieder sind sicherlich nicht ohne; liefern darüber hinaus eine an für sich fesselndere Thematik als die eigentliche Haupthandlung.

„5150 Elm's Way“ erschien nicht umsonst in der „Störkanal“-Reihe, handelt es sich hierbei ausnahmslos um Filme, die zwischen den Zeilen mehr erzählen, als der „einfach mal so Gucker“ wahrnehmen (wollen?) wird. Wer sich somit bewusst ist, dass man über vielerlei noch so kleiner Szenen sinnieren und nicht zuletzt durchaus diskutieren darf bzw. sollte, der macht mit jener Veröffentlichung sicherlich keinen Fehler.

Ob sich ein Kauf lohnt, eben weil die DVD selbst außer dem Hauptfilm lediglich diverse Trailer aus der Störkanal-Reihe beinhaltet, muss mal wieder jeder für sich selbst entscheiden.

3 Sternchen sowie eine „kann man, muss man aber nicht“ Empfehlung.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
LoloMay

LoloMay

27.04.2011 09:43

Mal wieder top umschrieben. Bin immer wieder beeindruckt, wie tief Du bei Deinen Filmberichten gehen kannst. :) Der Film ist allerdings noch nie an mir vorbeigelaufen. Scheine nichts verpasst zu haben.

blueberry-dream

blueberry-dream

12.03.2011 14:42

Kann man gucken, muss man aber nicht,.

sirikit06

sirikit06

11.03.2011 18:37

bh! LG

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