So kommet zuhauf! Sehet und staunet!
08.06.2003
Pro:
750 Jahre Geschichte
Kontra:
ziemlich hohe Preise für's Mahl
Empfehlenswert:
Ja
 Jedde
Über sich:
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________________________________________________________ Veranstaltung: 750 Jahre Festival Datum: 30.Mai - 1.Juni 2003 Ort: Beeskow in Brandenburg _________________________________________________________
= Introduktion =Den Bericht wollt ich längst geschrieben haben, hatte aber nie so recht die Zeit dazu. Nun also hier zu guter letzt und viel Spaß beim Lesen.Verganges Wochenende ging es für mich für 3 Tage nach Beeskow, immerhin musste ich 4 freie Tage sinnvoll ausnutzen. Mein Anliegen war das oft umschriebene 750 Jahr Festival, das allein für die kleine Stadt Beeskow veranstaltet wurde. Für alle, denen Beeskow nichts sagt: Eine kleine Stadt in Brandenburg (die übrigens sogar die kinderfreundlichste in ganz Deutschland sein soll), die noch einiges aus vergangener Zeit preisgibt. Ich mag das Städtchen sehr, man kann wirklich viel aus Mittelalter und Stauferzeit sehen, was immer wieder beeindruckt. Das besagte Festival sollte über 3 Tage gehen und war, wie man deutlich erkennen konnte, aufwendig vorbereitet, immerhin wird eine Stadt nicht alle Tage 750 Jahre alt. Im Programm standen an erster Reihe Mittelaltermärkte, Konzerte, Open Air‘s, historische Schlachten, ein Festumzug, sowie Auftritte unterschiedlicher Künstler, Gaukler, Akrobaten etc.= Anreise =Der Weg dorthin war leicht zu finden, da sich die Kleinstadt nur etwa eine dreiviertel Zugstunde von mir entfernt befindet. Bereits im Zug war eine Schar von Menschen, so dass sich die gewaltigen Menschenassen schon längst hätten erahnen können. Da zur Zeit ja viele mittelalterliche Städte Jubiläum feiern (meine Heimatstadt nächsten Monat und umliegende auch gerade), handelt es sich bei diesem Festival eigentlich um nichts besonderes, obwohl man Beeskow schon als best erhaltende Mittelalterstadt hier in der Gegend überhaupt bezeichnen könnte.Die 750 Jahrfeier war in der ganzen Stadt geplant, so dass die gesamte Innenstadt für Autofahrer abgesperrt werden musste. Das Spectaculum und der Mittelaltermarkt befanden sich etwas außerhalb, auf der Spreewiese und auf der bekannten Burg. (meine Lieblingsburg im Land Brandenburg) Der Weg vom Bahnhof bis zur Innenstadt war leicht zu finden, man brauchte nur den Schildern und der Musik folgen. Das gesamte Gelände war wirklich schön und passend gestaltet. Obwohl Beeskow an sich schon sehr mittelalterlich ist, wurden hier Elemente wie die uralte Stadtmauer oder Türme ringsum verstärkt und kleine Gassen wurden von Autos frei gefahren, als bekäme man den Eindruck, man sei im Jahre 1253. = Eintritt =Jede Veranstaltung kostet nun einmal Geld, oder besser gesagt Taler. Das Zauberwort bei dem Festival war „Wegezoll“, den wir uns bereits im Vorverkauf zugelegt hatten. Der Wegezoll in diesem Falle war eine echt geprägte Münze an einem Band. Die Idee fand ich schon nicht schlecht und besser noch fand ich die Einteilungen der Münzen in Gold, Silber und Bronze. Je nach Dauer, wie lange man das Festival besucht. (1-3 Tage) Mit diesem Wegezoll durfte wir also zu jedem Ereignis, was uns diese schöne Stadt bat. Kinder bis 5 Jahren wurde freier Eintritt gewährt. Erwachsen war man ab 17 und hatte ab dort für einen Tag 5 Euro, für zwei Tage 6 Euro oder für 3 Tage 7 Euro zu zahlen. Die Preise fand ich im Vergleich zu dem Angebot wirklich super. Auch, dass Studenten und Arbeitslose ermäßigt bekamen, auch wenn nun ich gerade nicht davon profitierte.= Gelände =Wie bereits erwähnt, zog sich die 750 Jahr Feier über die gesamte Stadt hinfort. In der Innenstadt gab es auf dem Marktplatz einen großen Jahrmarkt, so wie er früher gewesen sein könnte. Hier fand man viele Buden, wo es noch richtig was „für Speis und Trank“ gab. Der Markt der Stadt wurde somit ganz passend ausgefüllt, auch wenn ich manchmal die Mischung einiger Stände unpassend fand. Beispielsweise Dampfkarussels und Schießbuden aus de 19. Jahrhundert neben Fladenständen und ganz herum wieder neben Ständen von Versicherungen. Aber mich sollt’s nicht stören, das war ja nur der Marktplatz, wo Verbraucher noch reichlich hätten Geld ernten können.Unsere Geländeerkundung ging weiter zum Kirchplatz. Durch eine sehr dünne Gasse, trifft man nebst Töpferwerkstätten auf Spinner- und Weber/innen und gelangt letztendlich zum eigentlich Platz der St. Marienkirche, eine alte im norddeutschen Backsteinstil erbaute Kirche, die während der 3-tägigen Veranstaltung Tag und Nacht offen stand. Vorbei am engen Kirchplatz gelangt man durch hintere Gassen auf die Hauptstaße, die uns (durch Wegezoll versteht sich) aus der Stadt heraus zur Spreewiese und Burg führte. Die Spree fließt durch Beeskow, was die Stadt natürlich um so schöner macht. Eine kleine Promenade entlang der Stadtmauer macht ein klassiches Flair für ein solches Festival. Hier standen die Zelte der Besucher, die über längere Zeit blieben. Das machte das typische Bild eines (Musik-) Festivals aus. Wir hatten allerdings das Glück, kostenlos in der Stadt zu übernachten, war zwar ein kleiner Weg bis dahin, so blieb uns allerdings Zeltauf- und bbauen erspart. Gleich hinter dem Zeltplatz befand sich eine große freie Wiese für die mittelalterlichen Zelte der Ritter, denn hier sollten auch die historischen Schlachten stattfinden. Das letzte wichtigste Element im Gesamtgelände war die Burg mit Festwiese an der Stadtmauer. Hier wurde der große Mittelaltermarkt vorbereitet und auf der freien Festwiese und auf der Burgbühne sollten Konzerte und Auftritte unterschiedlichster Künstler stattfinden.= Marktplatz =Der Marktplatz war der Schauplatz, wo sich im wesentlichen die meisten Menschen aufhielten. Hier konnte man vorrangig Familien mit Kinderscharen sehen, die ihre Kinder Runden um Runden in Karussells steckten. Das Angebot war klein, aber fein. Wie ein klassischer Marktplatz zur Kaiserzeit, war dieser aufgebaut mit Dampfantrieben. Hier konnte man allerdings sein Geld lassen. Vergleichsweise die Stände der Esswaren; da gab es im Angebot Süßwarenhändler mit beispielsweise vielen verschiedenen Süßwaren von früher und Lebkuchen, Zuckerwatte und sonstigem Süßkrams. Außerdem konnte man sich hier im Dosenwerfen oder Schießen versuchen. Die Preise sprachen für sich, was allerdings wenig störte. Eine „große Attraktion“ war ein Hochseilartist, der meinte einen Weltrekord aufstellen zu müssen. Er versuchte mit einem 300 m langem Seil über der Luft bis zum Turm auf 92 km/h zu kommen. Ob er’s nun schaffte oder nicht, interessierte mich nicht sonderlich. Ich glaube aber, er hat den Rekord aufgestellt. = Kirchplatz =Nebst St. Marien befand sich der enge, aber sehr gut gelegene Kirchplatz, der komplett im Mittelalterstil aufgebaut war. Hier fand man hauptsächlich Töpfer-, Kunst-, und Anitkhändler. Mittendrin befand sich – eine allerdings schwer erreichbare - , kleine Bühne. Auf ihr traten kleinere Künstler, wie Comiker, Minnesänger oder Schauspieler auf. Allerdings zu eher ungenehmen Zeiten (Vormittags meist) Abends gab’s hier leider wenig. Gleich nebenan konnte man das älteste Haus besichtigen, ein kleines bürgerliches Haus, bei dem sich der Besuch sehr gelohnt hat. Ansonsten konnte man auf dem Kirchplatz natürlich auf weitere Händler wie Warhammer treffen. Rollenspieler trafen sich hier und tauschten aus. Die relativ kleine, aber sehr altertümliche Kirche habe ich bis dato noch nie von innen besichtigt. Die Möglichkeit stand also jedem Besucher. Ma konnte die ganze Zeit hineingehen, sich im Kühlen aufhalten und dem Programm von Choren, Gesängen und Instrumenten lauschen. Ein wenig, wie Weihnachten in der Kirche. Auch die lange Nacht am Samstag fand ich nicht schlecht, es wurden hauptsächlich alte Volkslieder vom 12. Jahrhundert an bis in die Gegenwart gesungen.= historische Schlacht =Wir wechselten – je nach Veranstaltung laut unseres Programms – von Ort zu Ort. So konnten wir uns besonders für die historische Schlacht auf der Spreewiese begeistern, bei der sich eine kleine mittelalterliche Stadt (nur als Beispiel) gegen die Willkür des Adels. Dazu wurde großräumig eine Fläche Rasen abgesperrt, um die sich die Besucher entlang der Spree verteilen konnten. Die Umgebung passte sich relativ gut an, wirkte sehr natürlich. Besonders genial fand ich die ritterlichen Kostüme und die Sprache der Männer. Hier fehlte es wirklich an nichts, da die Aufgabe der Spiele perfekt gelöst wurde. So bekam man zwecks den Gruppen „Freyfaehnlein zu Frankenforde“ und den „Bernauer Brigaden“ den Eindruck, als sei man zurück in’s Mittelalter versetzt worden.Hier ging es dementsprechend zu, es wurde geschlagen, mit Schwertern gekämpft (was sehr echt aussah), gefoltert und geschossen. Allerdings oftmals zu Schreck der Zuschauer, die über Vorwarnung erleichtert waren. Die historischen Schlachten (um so die Geschehnisse der damaligen Zeit besser nachvollziehen zu können) wurden täglich einmal durchgeführt, waren aber allemal (ich habe alle drei gesehen) i unterschiedlicher Form dargestellt. = Burg mit Festumzug =Die Burg war wohl der wichtigste Teil des ganzen Spectaculums, denn hier kam das mittelalterliche Leben wahrlich erst richtig in den Gang. Hier rannen Hühner und anderes Geflügel zwischen Menschenmassen umher, kleine Kinder tanzten, es schlichen Narren und andere Halunken umher, woanders bettelten Kinder und ganz woanders zeigten Akrobaten, Musiker, Feuerspucker oder Ritter in Vollrüstungen ihre Künste. Auf der Burg hielten wir uns bestimmt am meisten auf, da sie wirklich viel bat. Hier konnte man sich schöne Kleider, Stoffe, oder schönen Schmuck anschauen. Es gab Kleidung in allen Formen und Farben und Schmiede verkauften Kettenhemden und Rüstungen. Von der Burg aus ging auch der Festumzug, der leider schon um 8:00 Uhr früh anfing, so dass wir die ersten Stationen des Mittelalters leider verpassten. Ansonsten hatte sich der Umzug dennoch gelohnt, es wurden Menschen in Kostümen von Handwerkerzunft, über Ereignisse im 30 Jährigen Krieg und Friedrich II. bis zum Eisenbahnbau und Krankenhaus und Gesundheitswesen gezeigt. Wenn auch sehr menschenüberfüllt; aber das was man sah, wurde in der Zeitreise wirklich gut dargestellt.= Konzerte =Die Musik spielte bei der 750 Jahr Feier wohl mit die größte Rolle und die Auftritte der Gruppen, und Künstler war ein Hochgenuss. Für das Festival wurden viele bekannte mittelalterliche Künstler organisiert, so dass das Programm rundum gut mit Musik gefüllt worden war. Die ersten Konzerte begannen meist erst abends, da es noch hell war, fanden einige auf dem Kirchplatz statt. Hier traten mehrmals bekannte Dudelsack-Spieler aus der Gegend auf, die meist auf Festen wie diesen zu finden sind.Im Vordergrund der Veranstaltung stand das Konzert der Kelly Family am ersten Tag, zu dem ich aber nur kurz erschien. Die Muse war Standard für die Riesenfamilie und nichts besonderes, einige Fans waren aus ganz Deutschland angereist (Dafür sind die Kelly’s nunmal bekannt) An sich gefiel’s mir nicht sonderlich schlecht, aber auch nicht sonderlich gut, da ich der Musik noch nie allzu viel abgewinnen konnte. Gut fand ich allerdings, dass das relativ lange Konzert im Preis enthalten war. Die restlichen Konzerte waren allerdings die besten. Die Beeskower Burg war auch Zentrum für Veranstaltungen im größeren Rahmen; hier traf man auf die besten Künstler. Die Festival-Tage gingen meist bis spät in die Nacht, so dass man auf der Burg gänzlich auf künstliches Licht verzichtete, was die Stimmung mit Fackeln und Flammen einfach noch besser machte. Dann traten „Drei Liter Landwein“ auf – eine meiner Lieblingsgruppen in Sachen Mittelaltermusik. Sie spielten was das Zeug hielt und sorgten für die dementsprechende Stimmung. Die Konzerte von DLW und einiger Mitglieder von In Extremo waren genial, um es nicht noch besser ausdrücken zu können.= zum Schluss =Ganz am Ende wie immer eine abschließende Bemerkung. Ein Festival in einer Stadt zu veranstalten, die 750jähriges Bestehen feiert, fand ich schon einmal nicht schlecht. Dass es dann aber noch so gut wird, hätte ich nicht gedacht. Für mich waren es zwei (naja, fast drei Tage) pures Erlebnis in einer sonst so lahmen Stadt. Die Feier wurde viele Monate, wenn nicht sogar Jahre vorher schon vorbereitet, was sich auch zeigte. Vieles war mit viel Aufwand gemacht worden, was dem Gesamteindruck allerdings alles zum Besten gibt. Eine Stadt für 3 Tage in mittelalterliches Leben zu gestalten, ist den Veranstaltern ordentlich gelungen. Auch wenn ich ohen Zelt dabei war (denn ich wohn ja quasi in der Nähe), hat es mir dennoch sehr gefallen. Da haben sich 7 Euro bezahlt gemacht. Mit freundlichem Gruß, Jette – 08.06.2003 – endlich.
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02.08.2011 13:55
Schön, den Bericht hier zu finden. Konnte so wieder ein wenig in Erinnerungen schwelgen. Vor allem, da ich als Schülerin damals im Catering der Künstler teilgenommen habe und mich noch gut an die Kelly Family erinnere. War ein tolles Fest!
07.05.2005 16:55
Ich habe in Beeskow meine Kindheit verbracht und liebe es nach wie vor. Aber leider hatte ich nicht die Zeit, am großen Fest teilzunehmen und musste mich dann mit Fotos und Erzählungen zufrieden geben. Dein Bericht gefällt mir sehr gut.
04.11.2003 01:03
Beeskow ist übrigens die Partnerstadt von Kamen, meiner kleinen Stadt!! Gruß Dominik