9.November 1989 Mauerfall

Erfahrungsbericht über

9.November 1989 Mauerfall

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Meine Erfahrungen zum 9. November 1989 in Leipzig

4  10.11.2004

Pro:
Vieles ist anders geworden u .  a .  auch besser

Kontra:
schlechte Einstellung der Menschen

Empfehlenswert: Ja 

Sunny-2000

Über sich: Sorry, aber im Moment bin ich eher selten hier anzutreffen. Ich bin mit meiner Facharbeit gut ausgel...

Mitglied seit:04.11.2000

Erfahrungsberichte:49

Vertrauende:10

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vor einiger Zeit hatte einer unserer Radiosender eine Aktion zum 9. November gestartet. Man sollte seine eigene Wendegeschichte erzählen. Ich hab meine ins Forum gestellt und einige Tage später erhielt ich eine Mail von der Redakteurin.

...ob ich nicht Lust hätte, meine Geschichte aufnehmen zu lassen... man würde diese dann im Verlauf des 9. November (also heute) ausstrahlen.

Ich wollte schon, aber meine Hand-OP kam leider dazwischen. Und deshalb dachte ich mir... warum nicht einfach schreiben... und zwar hier bei CIAO.

Ich bin in Leipzig aufgewachsen. Viele werden sagen... was ist schon Leipzig gegen Berlin? Aber in Leipzig war ja dann schließlich die Hochburg des Aufstandes. Die Leute gingen Montags erst zur Messe und später auf die Straße, weil die Nikolaikirche nicht mehr so viel Menschen fassen konnte und daraus entwickelte sich ein Strom, der bis zuletzt nicht mehr abriss.

Meine Mutter stellte Kerzen ins Fenster und hoffte, dass nichts Schlimmes passieren würde. Die Einsatzkräfte der Polizei standen Spalier und von Grünau (bestimmt auch von anderen Stadtteilen) konnte man keine Verbindung mit dem Telefon herstellen. Alles war tot, bis auf die Hoffnung.

Wie sagt man so schön... Die Hoffnung stirbt zuletzt.

"Wir sind ein Volk... Wir sind DAS Volk" so wurde auf den Straßen gerufen und jederzeit musste man damit rechnen, abgeführt zu werden. Meiner Mutter wurde das Pflaster zu heiß. Ich war schließlich erst 9 Jahre alt.

Ein Spielkamerad ist mit seiner Mutter noch im Mai 1989 abgehaun. Wahrscheinlich leben sie seither im Westen... kann man zumindest nur hoffen.

Die russischen Panzer standen auf einmal vor den Kaseren und jetzt bekamen immer mehr Leute Angst. Vielleicht wurde deshalb der Stolz angestochert und man ging erst recht auf die Straßen.

Von Halle kamen ganze Lkw-Kolonnen, aber dadurch ließen wir uns auch nicht mehr klein machen.

Am Bahnhof (genauer gesagt am Leipziger Kopfbahnhof) drängten sich die Menschen an die Züge. Man hätte sicher keinen Schritt gehen können, wenn man dort gewesen wäre. Ein kleines Kind, noch im Buggy sitzend, musste zusehen, wie man seine Mutter auf die Schienen drückte/schubste. Es gab für sie keinen Ausweg aus dem Osten... sie hatte in diesem Moment alles hinter sich... schlimme Sache und das alles nur wegen der Angst vor Unruhen und Gewalt. Außerdem wollten sie alle nur noch weg von hier, weg aus dem Osten unserer Bundesrepublik.

Einige Wochen nach dem Mauerfall hatte meine Mutter mit ihrem Gehörlosenverband einen Brigadeausflug gemacht. Angehörige durften mitfahren. Sie hatten einen Bus gechartert und so fuhren wir nach Berlin-West. Irgendwann gingen wir über die Glinicker Brücke und standen auf dem Kurfürstendamm.

Dort bekamen wir unsere 100 DM Begrüßungsgeld pro Kopf und so gingen wir erstmal in einigen Geschäften stöbern. Ich hatte mir einen roten Walkman gekauft... mein erster.

Da wir unser Geld sehr sparsam ausgegeben hatten, konnten wir 1990 mit dem Restgeld und dem allerletzem FDGB-Bahnscheck nach Augsburg zu Freunden fahren. Von denen haben wir nochmals 100 DM pro Kopf bekommen.

Dann sind wir zusammen in ein Warenhaus gefahren, keine Ahnung welchen Namen es trug, ich weiß nur noch, dass sämtliche Regale vom Fußboden bis zur Decke reichten. Und wahrscheinlich habe ich meinen Kindermund nicht mehr zubekommen. Ich hatte mir dort eine Puppe ausgesucht... was richtig WESTLICHES mit richtigen Augen.

Heute erinnere ich mich nur noch an den Song, den sie 1989 im Radio brachten... "Die Mauer hat ein Loch, die Mauer hat ein Loch. Das hat der Egon gut gemacht, doch was passiert jetzt noch?"

Tja... nun sind wir mittendrin und doch nicht ganz dabei.

Die Menthalität der Menschen läßt uns immer noch in Ost und West leben. Warum geht das nicht anders? Wieso sind wir immer noch der letzte Abschaum... Sorry, aber anders kann ich es weiß Gott nicht ausdrücken.

Nich alles war schlecht an dem DDR-System, wieso muss man erst alles kaputt machen, um dann festzustellen, dass man doch noch etwas mit anfangen hätte können.

Denkt doch mal nach... BITTE (besonders ihr Politiker dort oben... kommt doch mal von euren Diäten runter, dann versteht ihr das Volk vielleicht ein wenig besser!!!)

In diesem Sinne... auf ein Neues... auf das Deutschland wirklich bald eins ist.


Bilder von 9.November 1989 Mauerfall
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Die "Runde Ecke" in Leipzig


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Scigy

Scigy

26.11.2004 12:56

LOL ... den Song kannte ich gar nicht. LG - Scigy

Raimok

Raimok

25.11.2004 19:49

Ich war zur Zeit der Montagsdemos in Halle bei der Armee. In der Nacht mußte ein Einsatzpäckchen mit Kampfuniform etc. neben unserem Bett stehen und wir waren in erhöhter Bereitschaft - jeder rechnete damit, daß wir nach Leipzig müssten, um gegen die Demonstranten vorzugehen. Ich wurde dann aber abgezogen und mußte, da ich Funker war, in ein Waffenlager. Man hatte Angst, daß dies gestürmt würde. LG Taimo

Sunny-2000

Sunny-2000

20.11.2004 11:34

Zu dem letzten Kommentar kann ich nur sagen... Du redest Müll! Ich war 9 Jahre alt und hatte sehrwohl die Ereignisse wahr genommen. Klar das man das noch nicht versteht, was da passiert, aber wozu bin ich jetzt 24... und JETZT habe ich den Bericht geschrieben!!! Außerdem kann mein Bericht kein Müll sein, denn wenn es Müll wäre, dann ist der Müll damals abgezogen worden. Ich habe genau das geschrieben, was passiert ist und mir tut "nimm2" einfach nur leid.

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