Cobra übernehmen sie !
13.03.2004 (14.03.2004)
Pro:
Einzigartig
Kontra:
Reines Funmobil, teuer
Empfehlenswert:
Ja
 hpbue
Über sich:
Mitglied seit:18.11.2003
Erfahrungsberichte:3
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 87 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe Leser und Leserinnen. Cobra übernehmen Sie – Im Zeichen der Klapperschlange.
Nachdem ich letzten Samstag meinen ersten Bericht verfasst hatte, war ich mir sicher, meiner Pflicht genügt zu haben. Zumindest gegenüber meinem Sohn, dem ich schon vor Weihnachten versprochen hatte, mich bei Ciao zu betätigen. Aber über die Anmeldung am 28.11.2003 kam nichts hinaus. Am 06.03.2004 war ich endlich soweit, mein Sohn-phoenix8o- war begeistert von seinem Paps.
Nun habe ich meinen ersten Bericht geschrieben, und ich muss schon sagen, mit so vielen Lesungen und tollen Beurteilungen hätte ich nicht gerechnet. Somit sitze ich jetzt bei Nummer 2, natürlich auch über ein Auto, aber was für eines. Hier wird eine härtere Gangart eingeschlagen als bei meinem Fiat 500, es handelt sich um eine Cobra.
Doch der Reihe nach. Vorab würde ich gerne meine Leser über das Phänomen Cobra informieren, und so bemühe ich mich, einen kleinen Geschichtsüberblick zu verfassen Carroll Shelby, 1923 in Texas geboren, ist der Vater dieses Monsters. Als Langstreckenpilot, aber auch in der Formel 1, hatte er schon ein paar respektable Plätze erreicht. Er war sehr mit der Firma Aston Martin verbunden und dadurch enstand auch sein Kontakt zu AC-Cars in England. Diese baute seit 1953 kleine Sportwagen, vergleichbar mit den Ferraris dieser Zeit.
Für Shelby war das alles zu brav. Als Basis ein AC, das Herz dieses neuen Wagens musste aber ein V-8 Motor aus den USA sein. Die Cobra war geboren. Schon nach kurzer Zeit, dann auch mit Unterstützung der Ford Company, waren die für die FIA erforderlichen 100 Stück gebaut. Die Rechnung ging auch für Ford auf. Die bisherige Nr. 1 auf Americas Rennstrecken, die Corvette, wurde geschlagen. Auch international holte das kleine Team tolle Preise, sogar Ferrari mit seinem legendären 250 GTO kam ins Schleudern. Zum Fahrzeug selbst. Es handelt sich um einen kompromisslosen Zweisitzer, ewig lange Motorhaube, zwei kleinere Sitze getrennt durch einen riesigen Mitteltunnel, im Heck ein kleiner Kofferraum. Verwendet wurden V-8 Motoren von Ford, bis zu 7 Liter Hubraum. Am Ende meines Berichts habe ich Bilder angefügt. Die original Cobras waren bedingungslos auf Volldampf ausgelegt, mehr Renngerät als Straßenfahrzeug.
Gebaut wurden die Originale aus Alu, die „Nachfolger“ aus GFK außer der Autocraft 4, die als legitimer Nachfolger des Originals gilt, mit den ehemaligen Originalwerkzeugen aus Alu gebaut, Kostenpunkt 1986 130.000.—DM bei Auto-Becker Düsseldorf. In meinen Jugendjahren war natürlich die Cobra schon die Nummer 1 für mich, doch die Preise waren immens, heute kostet eine echte Cobra mindesten 200.000.- Euro. So etablierten sich, von der USA ausgehend über England auch in Deutschland sogenannte Kit-Car-Hersteller, bei denen man eine Cobra im Baukastensystem erwerben konnte. Praktisch in unsere Nachbarschaft, in Straubenhardt, hatte sich die Firma Mohr niedergelassen, die mit den kleinen Lotus Super Seven als Baukasten begann, sich aber dann schnell auf die Cobra besann.
So ein Fahrzeug musste ich 1990 in Zahlung nehmen, wollte ich meinen Daimler Double Six verkaufen. Als bekennender Cobra Fan war ich über diese „selbstgebauten Fahrzeuge“ doch sehr skeptisch. Von der Optik her war der Wagen toll, es war auch ein Ford V-8 eingebaut, aber die Verarbeitung war doch sehr mangelhaft. Nach anfänglich sehr viel Spass, vor allem am Sound, war nach einem Jahr doch klar, dass ich das Fahrzeug nicht behalten würde. In dieser Zeit beschäftigte sich ein Freund von mir mit einer Cobra, die zwar auch aus dem Baukasten stammte, aber doch professionell gefertigt war. Der junge Mann, der sie baute, war Ingenieur bei der Firma Porsche, keine 30 km von uns weg. Er hatte sich von RAM in England für 25.000.—DM einen Bausatz besorgt, mit dem er genauso gestrandet wäre, wie viele andere. Aber er hatte Unterstützung von seinen Porsche Mannen. So entstand in Weissach in fast 2 Jahren eine Cobra, die ihresgleichen sucht. Nach Fertigstellung des Fahrzeugs wurde ein ausgiebiger Test vollzogen, von keinem anderen als von Norbert Haug, damals Chefredakteur bei Sport-Auto, heutiger Mercedes Rennleiter, auch in der Formel 1.
Mein Freund hat sich diese Cobra gekauft, und er fährt sie heute noch. Da ich sie in den Jahren sehr oft bewegen durfte, hatte ich die Möglichkeit, gleich zwei Bausätze zu vergleichen. Die Motorisierung übernimmt ein 289cu in V-8 Motor von Ford, also 5,7 ltr. Hubraum bei 271 PS. Verbrauch entsprechend über 16 ltr. Durch die starre Hinterachse bedingt, sind Kurven doch sehr gewöhnungsbedürftig, man muß es lernen. Gerade aus ist der Wagen in seinen Element. Das Fahrgefühlt entspricht ein wenig dem Motorradfehling, durch die kleine Windschutzscheibe sitzt man, bei über 1.80 Grösse, ein wenig im Freien.
Das Hauptproblem sind einfach die Leute, die so einen Wagen zusammenbauen, Es werden heute schon fertige Fahrzeuge ab 20.000.—Euro angeboten, teilweise mit eingebautem Ford 6 Zylinder aus dem Granada, teils mit Gebrauchtteilen wie zb. die Hinterachse vom Jaguar.
Obwohl die Wagen von der Form her ziemlich ähnlich sind, fehlt dann doch das typische Cobra Merkmal, nämlich die unbändige Kraft. Man kann sich auch einen Lamborghini Countach aus GFK mit einem Golfmotor bestellen, da hört es sich doch natürlich auf.
Mit großer Freude lese ich heute ab und zu Ergebnisse von internationalen Auktionen, AC-Cobra 427 Fahrgest. Nr. 6381 für US 253.000 verkauft. Original bleibt Original.
Viel Spaß beim Lesen, wer sich für den Bericht von Norbert Haug über die Cobra in Sport-Auto interessiert, dem faxe ich ihm gerne zu.
Euer hpbue für Ciao, 13.03.2004
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14.05.2004 00:45
Schick sieht das Auto ja aus, aber hätte ich das Geld, würde ich mir ein moderneres, schnelles holen. Von solchen Baukastensysteme habe ich schon oft gelesen, dachte aber immer, man würde die Teile bekommen und nicht den fertigen Wagen?! Wie auch immer, meine 160 PS sind mir zwar auch zu wenig, aber es hat ja nicht jeder einen Goldesel zu Hause und kann sich so ein Biest leisten. :) Gruß, Robert.
21.04.2004 01:10
ich lese zwar viel Allgemeines über den Oldtimer, aber Deine eigene Erfahrung kommt bis auf die schlechte Federung bei hügeligen Strecken leider zu kurz. Hast Du so nebenbei ein Oldtimer-Museum? *g*. LG von Joachim
13.04.2004 00:56
So ein Teil mal über längere Zeit zu fahren - auch wenn es nur ein Replica ist - ist schon Neid wert. Und ehrlich gesagt: bei so einem Auto, das einfach völlig sinnlos und unpraktisch ist, kommt es nur auf den Spass an. Da ist es mir auch völlig egal, wie das Kurvenfahrverhalten auf nassem Kopfsteinplfaster unter 10 Grad Aussentemperatur ist oder wieviele Kisten Mineralwasser ich im Kofferraum (*grins*) verstauen könnte :) Gruß - Peter