Chinesische Technik unter deutschem Markenamen
Die Freiarm-Nähmaschine AEG NM1800 ist ein Gerät im unteren Preissegment und bietet eine reichhaltige Zubehörausstattung
und viele unterschiedliche Nähprogramme. Sie eignet sich für normale Näharbeiten im Haushalt.
Technische Daten:
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21 Nähprogramme, u. a.:
Dreifach-Geradstich
Dreifach-Zickzackstich
Mit Flachbett Anschiebetisch
Stichlänge verstellbar von 0-4 mm
Automatisch geregelter Nähfußdruck
Gleichmäßige Oberfadenspannung
Rückwärtstransport
Spulautomatik
Stichplatte mit Abstandsgravur und Cm- Angabe
Blendfreies Nählicht
Umfangreiches Zubehör
85 Watt (Motor 70 Watt/Lampe 15 Watt), 230 Volt.
Maße ca. 45x23x35 cm
Gewicht ca. 7 kg
Unsere Erfahrungen mit dem Gerät:
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Nutzung:
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Die Maschine wurde in den ca. 1,5 Jahren etwa 20 mal für normale Näharbeiten (Baumwolle, Seide, Polyester-Stoffe) mit unterschiedlichen Stoffdicken eingesetzt, wobei zu keinem Zeitpunkt eine Näharbeit durchgeführt wurde, die zu einer Überlastung der Maschine hätte führen dürfen.
Positiv:
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Diese Nähmaschine ist günstig in der Anschaffung und bietet eine reichhaltige Auswahl an Nähprogrammen und umfangreiches Zubehör.
Der Preis im Versandhandel liegt derzeit bei etwa 89 Euro.
Das Handling ist gut und die Resultate (Nähergebnisse) waren bis zum Totalausfall gut.
Da ich selbst "Näh-Legasteniker" bin, zitiere ich hier die Aussage meiner lieben Frau, die von den Funktionen des Gerätes angetan war und die Handhabung als einfach und problemlos bezeichnet.
Negativ:
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Anfangs brachen die ersten 2 Nadeln ab, weil die Maschine werksseitig nicht sauber justiert war. Dank der freundlichen Unterstützung einer professionellen Näherin, lief die Maschine nach einer Fein-Justierung ohne "Schlagen" rund und leise und das Thema "abgebrochene Nadeln" gehörte der Vergangenheit an.
Nach ca. 1,5-jähriger, unregelmäßiger, problemloser Nutzung wurde die Maschine während des Nähens immer langsamer.
Die Maschine lief während normaler Näharbeiten motorseitig heiß und ist mittlerweile Schrott.
Operation gelungen... Patient tot:
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Da die Garantiefrist abgelaufen war und der Kaufbeleg leider nicht mehr auffindbar war, wurde die Maschine von mir zwecks Ursachenrecherche und Reparatur zerlegt.
Alle mechanischen Teile wurden sorgfältig auf Ihre Gängigkeit untersucht und vorsorglich geschmiert. Das Regelfußpedal wurde elektrisch überprüft. Das Problem bestand nach wie vor.
Der Motor lief trotz abgenommenen Zahnriemen (also ohne Last) heiß.
Ich entschloß mich (auf Drängen einer höheren Gewalt...;o) ) den Motor auszubauen, um den Fehler zu lokalisieren.
Hier zeigte sich, dass die Maschine nach der "Wegwerf-Mentalität" aufgebaut ist. Das Lösen des Motoranschlußkabels ist mit normalem Werkzeug absolut unmöglich (Spezielle versenkte Stiftverschraubung).
Positiv ist anzumerken, dass die Kabelenden mit Schrumpfschlauch gesichert sind, was für die Betriebssicherheit der Maschine spricht.
Um den Motor zu entfernen, muß der gesamte Kabelstrang samt Netzsteckeranschluß und Lampenanschluß ausgebaut werden, was fast eine Totalzerlegung nach sich zog.
Jetzt folgte die nächste Überraschung: Motor mit Aufdruck "Made in China" in deutschem Markengerät von AEG ????
(Hier wird es zu politisch... Thema Globalisierung, Billiglohnland-Produktion, Fake oder Original...ist doch egal)
Nach erfolgreichem Ausbau war eine Zerlegung des Motorgehäuses noch immer nicht möglich, da ein Spezialwerkzeug nötig war, um die Spezialschrauben des Gehäuses lösen zu können.
Dank der Kreativität meines Schwiegervaters wurde von ihm so ein passendes Werkzeug angefertigt.
Nachdem das Motorgehäuse endlich entfernt war, wurde der Antriebs-Anker freigelegt und durchgemessen.
Der Fehler entpuppte sich als ein Kurzschluß in einer der Wicklungen. Die Kohlen verursachten einen richtigen Funkenflug am Kollektor.
Die Spulen der Ankerwicklungen waren so mieserabel und unfachmännisch sprich kreuz u. quer u. vor allem zu locker gewickelt, dass sie bei der Drehzahl solange gegeneinander rieben, bis die Isolierung durch war. :o(
Gut gebaute Elektromotoren weisen parallel verlaufende, fest gewickelte Ankerwicklungen auf. Dieser Motor ist Billigschrott!
Die Suche nach einem Ersatzmotor läuft noch.
Die Internetseiten des Herstellers sind aus meiner Sicht sehr schlecht gestaltet.
Ich habe bis jetzt keinen Link zum Produkt und auch keine Serviceseite gefunden, über die ich einen Ersatzmotor bestellen könnte.
Mein Fazit:
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Vielleicht haben wir nur ein "Montagsmodell" erwischt, aber die Analyse zeigt mir, dass hier "billig produzierte" Technik unter dem Marken-Label eines ursprünglich deutschen Herstellers verkauft wird.
Ich selbst würde das Gerät nicht mehr kaufen und kann es auch nicht weiterempfehlen. Wegen des vorzeitigen Exitus binnen der heute üblichen Gewährleistungsfrist von 2 Jahren, erhält das Produkt nur 2 Sterne.
Der Hersteller bzw. die Vertriebsunternehmen scheinen laut Internetrecherche innerhalb der Garantiezeiten kulant mit Austausch zu reagieren.
Links:
Hersteller-Link: www.aeg.de
Die Seite taugt nicht zur Suche nach Produkten, die unter dem Namen AEG vertrieben werden.Weitere Links zu verschiedenen Versandhäusern, die dieses Gerät vertreiben, finden sich über die bekannten Internet-Suchmaschinen mit der Suchzeichenfolge "Nähmaschine AEG NM 1800". Eine Herstellerseite wird hierbei nicht "ausgespuckt".
10.02.2010 14:39
Sehr interessanter Bericht. Mit reparieren ist da heute nichts mehr. LG K.-H.
01.12.2009 10:16
Im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo Nähmaschinen noch richtig Geld kosteten ( man dafür aber auch wirklich gute Qualität erhielt ), wird auch offenbar in diesem Sektor Tribut an den momentanen Zeitgeist gezollt: Hauptsache günstig. LG
16.04.2008 16:14
Von AEG-Nähmaschinen wurde mir auch schon abgeraten. Soll man nur Ärger mit haben. Dein sehr gut geschriebener Bericht bestätigt das. Gruß Beavi