Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Speed ohne Grenzen |
| Kontra: |
leider ohne Nachfolger |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Hallo liebe ciao Gemeinde,
wie ihr bereits in meinem knappen Profil lesen könnt, bin ich hier immer wieder als Berichterstatter zum Thema Windsurfen aktiv.
Lange Zeit konnte ich Euch über meinen AHD free 275 nicht berichten, da schlicht die
Rubrik fehlte. Aber wie ihr seht...jetzt steht hier der erste Bericht der Rubrik...
Eigentlich ist es ja ein Jammer, daß Ihr nicht schon früher von diesem Surfboard erfahren habt...denn es handelt sich hierbei um ein Brett, daß bereits 1997 im Handel war.
Sicher lacht jetzt der ein oder andere von Euch, da das Brett, wenn überhaupt nur noch gebraucht oder als Restposten in einem Surfshop zu finden sein wird.
Trotzdem muß ich Euch davon berichten, denn trotz vieler Tests und neuer Modelle bin ich vom 275iger immer noch derart begeistert, daß es für mich nach wie vor kein besseres Board auf dem Markt gibt, zumal es auch keinen direktes Nachfolgemodell gab.
Bevor Ihr weiterlest und ich Euch mit technischen Details langweile, möchte ich gleich hier noch anmerken der 275 free steht nicht zu unrecht in der Rubrik "speed", wer also ein freestyle Brett oder was fürs Brandungssurfen sucht kann sich getrost jede weitere Zeile sparen.
Hier gehts um eine absolute Speed-Waffe....
Das Board:
Es ist 275 lang, hat 97 Liter Volumen, 5 variable Schlaufen Positionen für vier Schlaufen inkl. schwarzer Progrip Footpads, US-Box Mastspur, Powerbox-Finnensystem, Rumpffarbe ist ein sehr helles Blaugrau mit leichtem Metallic-Effekt.
Zwischen dem vorderen Fußschlaufenpaar befindet sich die für Flugreisen oder Temperaturschwankungen erforderliche Entlüftungsschraube für die Sandwichkostruktion. Das Brett ist komplett in GFK-Carbon Sandwich Bauweise produziert worden und insgesamt (nur Brett) nur knapp 8 Kilo schwer. Die Standfläche ist mit einem sehr dauerhaften Standlack versehen, der im Neuzustand fast zu rauh wirkt. Der Rest des Decks ist hochglänzend. Die Gleitfläche ist hingegen matt geschliffen um einen günstigeren Strömungswiederstand zu erreichen. Es läßt sich aufgrund des super Gewichts leicht tragen und paßt in fast jeden Kombi-Innenraum.
Der Shape:
Abweichend vom derzeitigen Trend zu sehr breiten und voluminösen Boards ist der 275er extrem schmal.
Er ist ein Vertreter der klassischen "No-Nose" Generation, d.h. hohes, schlankes Heck und ab dem vorderen Fußschlaufenpaar extrem schmal und dünn zur Brettspitze verlaufend. Abweichend davon kennzeichnen jedoch Tucked under edges bis weit hinter die Mastschiene die Rails, trotzdem sind die Brettkanten sehr präzise und von vorn bis hinten messerscharf durchgezogen. Die vordere Fußschlaufenposition liegt extrem in Richtung der Boardkante. Das Unterwasserschiff ist im nose Bereich stark nach oben gebogen um das Eintauchen der schmalen Nase zu verhindern und verläuft dann mit einer sehr harmonischen Biegeline zum Heck. One foot off ist die Gleitfläche schließlich völlig plan und läuft zu einem Pintail mit hard-down rails aus.
Charakteristisch für Boards dieser Bauform ist das Maximalvolumen im hinteren Boarddrittel.
Das Board wurde in dieser Form bereits 1995 gebaut, kam aber für die Saison und alle Tests zu spät. Es war damals ein sehr teurer und kaum erhältlicher Bolide, der als Geheimwaffe gehandelt wurde. Die erste Version war übrigens Weiß mit gelber Schrift. In den beiden Folgejahren wurden Nachfolgemodelle wiederum nicht zum Saisonbeginn fertig und der 275 free wurde noch zwei Jahre gebaut, allerdings in hellem Blaugrau mit blauer Schrift. Erst 1998 kam der lang erwartet Nachfolger als 277 free raus, der aber mangels Stabilität der neu verbauten Technik und entschärften Fahreigenschaften nie den Bekanntheitsgrad erreichte...nach nur einer Saison kam das Aus.
Das Einsatzgebiet:
Der 275 free fühlt sich im Flachwasser eindeutig am wohlsten. Als unterste Windstärke würde ich 4 Bft. empfehlen.
Bei weniger wären größere Segel erforderlich, als 7,5 m²....womit auch schon die sinnvolle Grenze für dieses Brett überschritten werden müßte. Ich finde am besten fährt es sich zwischen 5,0 und 7,4 m² Segelfläche. Die Windobergrenze ist für mich bei rund 7 Bft., darüber macht der 275er aufgrund seines Shapes wenig Spaß.
Er läuft auch recht gut in Dünungswellen (Rhodos, Kapverden). Eindeutig nicht empfehlenswert ist das gute Stück für extremes Kabbelwasser mit kurzen steilen Windwellen, es sei denn, man hat schon künstliche Kniegelenke...;-)...zur Finnenbestückung möchte ich hier kurz anmerken ab 35 cm wirds sinnvoll und ab 42 cm hört der Sinn wieder auf, da das Heck für derartige Säbel einfach zu schmal ist. Als Idealgewicht für den Piloten würde ich 75-85 Kilo empfehlen, wer leichter ist verliert schnell die Kontrolle und schwerere, haben aufgrund des gringeren Boardvolumens erst bei Starkwind Spaß.
Die Fahreigenschaften:
Angleiten ist trotz des geringen Volumens ein leichtes für den AHD. Ein bis zwei Pumpschläge mit einem guten Slalomsegel reichen völlig aus, dazu bevorzuge ich eine 36er Köster Carbon Finne. So ausgestattet erreicht das Brett legendäre Beschleunigungswerte und auf nahezu allen Kursen einen Speed, der bei den ersten Fahrten garantiert Gänsehaut erzeugt. Aber vorsicht, laßt Euch nicht von der Leichtigkeit mit der das alles von statten geht blenden!....am besten Ihr tastet Euch erstmal langsam an den Topspeed ran. Sonst landet Ihr schneller im Bach als Ihr reagieren könnt. Ein Tipp von mir am Rande, wenns Euch zu flott wird nehmt etwas mehr dicht und lauft leicht Höhe....was übrigens nicht heißt, daß Ihr auf diesem Kurs langsam unterwegs seid.... mit der richtigen Technik werdet Ihr so manchem Formula-Racer das Fürchten lehren, zumal Dank deren extremer Breite irgendwann Kontrollprobleme auftauchen. Der 275er läßt Dich auch wenns wirklich ans Limit geht nie den Überblick verlieren.
Er läßt sich selbst aus höchsten Geschwindkeiten sauber in die Halse legen, allerdings bedenkt dabei, daß Ihr ein reinrassiges Slalomboard unterm Hintern habt, also sauber auf der Kante bleiben und mit genug Dampf um die Ecke gehen. Überlegt Euch immer vorher was Ihr tut! Sogar kleinere Wellen lassen sich mit Ihm zum Spaß abreiten....aber das wirklich nur zum Spaß.
Für mich ists immer wieder erstaunlich wie leicht das Brett auf geringste Steuerimpulse reagiert, jede Bewegung wird sofort in Richtungswechsel oder Kurswechsel umgesetzt. Das steife Board vermittelt immer den Eindruck absolut "loose" zu laufen, d.h. Du hast nie das Gefühl Du bist an der Grenze, mehr geht einfach nicht, Du gibst einen kurzen Druck auf die Lee-Kante und Du wirst feststellen es geht durchaus noch schneller....Schluß ist eigentlich erst bei der eigenen Angstschwelle.
Stellt Euch drauf ein, daß Ihr mit diesem Brett aufgrund des nicht mehr aktuellen shapes zunächst belächelt werdet....klauen wirds Euch auch keiner mehr, aber nach wenigen Minuten auf dem Wasser wollen alle wissen, was zum Teufel Du da fährst. Ich konnte es bei meinem Erstkontakt auch nicht glauben, hatte das Gefühl alle in den Himmel gelobten Xantos, Screamer, wie sie auch immer hießen hätten einen Treibanker im Schlepptau.
Richte Dich darauf ein, daß bei Surfpausen Menschentrauben um Dein babyblaues Teil stehen. Und hüte Dich vor Leuten, die alles gleich ausprobieren wollen, wenn Dir dein Brett lieb ist, denn sie werden mit nur einer Testfahrt völlig überfordert sein....oder es nicht bei einer Fahrt belassen wollen, noch schlimmer sie wollen es nicht mehr hergeben.
Ich kenne derzeit kein anderes Brett mit vernünftigen Fahreigenschaften, daß all dies in sich vereint.
Nichts von mir getestetes erreicht auch nur annähernd diesen Speed. Der 275 free ist mir nach fast 6 Jahren immer noch nicht langweilig geworden.
Der Preis:
Damals war das gute Stück unerschwinglich, mit Preisen an der 3000,-- DM Schallmauer.
Zwischenzeitlich gab es dann ordentliche Preisnachlässe, zumal die Bauform "no-nose" inzwischen völlig out war.
Ich hatte meinen 275er 1998 für knapp 1200,-- DM, also rund 600,-- € erstanden. Nach wie vor suche ich nach dem Board bei Ebay oder in Presseanzeigen. Tja, und was soll ich Euch sagen inzwischen gehen die Dinger für max. 100,-- Euro übern Tresen. Natürlich meist nur von privat, da kaum ein Surfshop, es sein denn gebraucht, noch einen auf Lager haben wird.
Zur Stabilität:
Mit kleineren Einschränkungen kann ich auch hier eine top Note vergeben. Bislang kam es nur zu Schäden durch den Transport im Flugzeug oder Pickup/Taxi...als etwas empfindlich erwiesen sich die Rails, die gerne mal eine kleine Druckstelle inkl. Microriß bekommen, Wasser drang jedoch nie ein. Das gesamte Deck bleib jedoch fest...keine weichen Stellen.
Und trotz sehr schlanker Nase gibts auch hier keine Brüche oder Defekte. Die Inserts für Schlaufen, sowie Finnenkästen sind nach wie vor makellos. Ein Kritikpunkt bleibt bei den "Anti-Twist-Plugs" für die Fußschlaufenschrauben: Sie bieten fast keinen Schutz vor dem Verdrehen der Fußschlaufen und zerbrechen nach kurzer Zeit. Dazu gleich noch eine Warnung, nehmt die defekten Plugs aus dem Board, da es sonst zu Beschädigungen kommen könnte.
Zur Reparatur:
Ein Nachteil ist und bleibt die ungewöhnliche Farbe des Boards. Jede herkömmliche Spachtelmasse ist weiß und hinterläßt auf dem Board häßliche deutlich erkennbare Flecken. Es gibt allerdings eine Lösung: AHD bietet eine exakt eingefärbte Spachtelmasse als Reparaturkit an. Reparaturen damit sind nahezu unsichtbar!
Nichts Schlechtes ohne positiven Effekt, dieses Reparaturkit kaufen die wenigsten, daher lassen sich bei Gebrauchtboards schnell Reparaturstellen aufdecken. Bei weißen Board ist das oft so leicht nicht möglich, eine professionelle Reparatur vorausgesetzt.
FAZIT:
Wenn ich nur könnte....ich würde mir gleich noch einen nagelneuen AHD 275 free kaufen, einfach nur auf Halde....damit ich jederzeit Ersatz hätte....und ich werde das Board in wenigen Tagen wieder übers Wasser jagen und hoffen, daß ich noch lange keinen Ersatz benötige. Denn von diesem Board wird der Umstieg sehr schwer....Es wird mit Sicherheit ein Rückschritt....und der würde mir sehr schwer fallen....
greetings, jj....
UPDATE:
...mein letzter Ausritt mit dem AHD hat mir zwar wieder riesigen Spaß bereitet.....trotzdem muß ich Euch mitteilen, dass ich mir nach dem letzten Ägypten-Urlaub ein weiteres board gekauft habe. Es gibt eben leider doch Grenzen bei diesem Brett und diese mußte ich in Safaga bei rund 7 Bft. und Kabbelwelle am eigenen Leib deutlich spüren. Bei diesen Bedingungen erfordert das board einfach sehr hohe Konzentration und man surft ständig am limit.....trotz meiner inzwischen gut 95 Kilo Gewicht war es kaum mehr möglich ein 5er Segel, loose getrimmt normal zu fahren. Die Geschwindigkeit wurde gerade in Böen einfach zu hoch. Bei den typischen redsea-Windwellen war es kaum mehr möglich das board auf dem Wasser zu halten und es macht auch keinen Spaß bei jeder Welle einen Speedjump raus zu schießen....mehrmals bin ich das Brett in diesen Tagen nur noch auf der Finne gefahren und kaum hatte man mal einen klaren Speedheat, die nächste kleine Welle ließ alles zum Ritt auf der Rasierklinge werden....klar, ein kleineres Segel wäre angebracht gewesen, aber mit 4,5 m² ist einfach kein vernünftiger Trimm mehr möglich auf dem 275er, außerdem wird das Board dann noch leichter und man ist nur noch in der Luft. Also nehmt meine og. Windstärken wirklich als Grenzwerte! Es sei denn Ihr wiegt deutlich über hundert Kilo und heißt mit Nachnamen zufällig Dunkerbeck. Hab mir speziell für dieses Revier ein etwas kürzeres Board mit cut-outs im Heck besorgt....mal sehen ob ich heuer überhaupt Wind habe! Wenn ja werdet Ihr den neuen Bericht unter der Boardmarke Seatrend² und hier speziell beim Seatrend² All Star 58 AVS lesen können, aber noch müßt Ihr Euch etwas gedulden. jj.....