Aiptek, bekannt für seine PenCam, hat eine Kombination aus Taschenrechner, Digitalkamera und Ablagefach für Visitenkarten auf den Markt gebracht. Die BizCam ist so groß wie eine... mehr
Erfahrungsbericht von scoopexx über Aiptek BizCam Digitalkamera 07.05.2003
Produktbewertung des Autors:
Verarbeitung
schlecht
Ausstattung
mittelmäßig
Bildqualität
sehr schlecht
Akkulaufzeit
ok
Bedienung
schlecht
Pro:
Taschenrechner wird durch eigene Solarzelle betrieben, die mit einer Batterie verbunden ist
Kontra:
Schlechte Bildqualität, kein Blitz, kein Zoom, mittelmäßige Verarbeitung, schlechtes Design, . . .
Empfehlenswert?
nein
Kompletter Erfahrungsbericht
Für lediglich 17 Euro plus 6,90 Versand habe ich vor einem Monat bei Ebay die Aiptek BizCam ersteigert. Dass ich sie für diesen Preis bekommen würde, hätte ich eigentlich nicht gedacht und viel höher lag mein Maximalgebot auch nicht, weil ich in der Vergangenheit schon einmal miese Erfahrungen mit einer Aiptek Kamera gemacht hatte (Siehe hierzu meinen anderen Bericht zur Aiptek 5 in 1). Aber was ist eigentlich das Konzept, dass hinter diesen Stück Technik steht?
Wie so oft bei Aiptek wird die Eigenschaft angepriesen, dass mehre Funktionen in einer Kamera stecken. Wie der Name der Kamera schon sagt, hat sich Aiptek mehr oder weniger angestrengt, das ganze buisnessorientiert auszulegen. Im Großen und Ganzen sind die Funktionen: - Digitalkamera die sich auch noch als Webcam und Digital Camcorder nutzen lässt. - Taschenrechner (Solarbetrieben) - Visitenkartenhalter (!)
Wenn man sich die Funktionen mal anschaut und mit dem Preis vergleicht, wird einem sicherlich schnell klar, dass dieses Produkt nicht für Leute geeignet ist, die mehr Geld bekommen, als der durchschnittliche Arbeitslose. Warum? Jemand, der im Beruf auf Taschenrechner Digitalkamera und Visitenkarten angewiesen ist, verdient genug, um nicht auf die Spitzenqualität von Aiptek angewiesen zu sein.
Aber wir können uns die Kamera ja trotzdem mal genauer ansehen.
Design Das Gehäuse ist aus Plastik und in Metallic-Silber gehalten und wirkt nicht unbedingt in jedem Fall stabil. Das geringe Gewicht könnte jedoch bedeuten, dass die Kamera auch einen Sturz überstehen könnte. Hmm, verlockend. Könnte man ja mal ausprobieren. Stuhlhöhe aufs Parkett. Sekunde.. .. ... Jo, klappt immer noch. Wollen wir das Schicksal aber nicht noch mal mit einer höheren Fallgeschwindigkeit / -Höhe herausfordern. Die Maße sind: 5x3x0,62 Zoll – sie liegen mir leider nicht in cm vor, aber zum Vergleich: die Diagonale auf einer Diskette misst 3,5 Zoll. Für die, die in Mathe seit der Grundschule nicht mehr aufgepasst haben: sie ist groß, aber mehr oder weniger flach. Hält man die Kamera so, dass man die Vorderseite sieht, befindet sich auf der linken Seite die eigentliche Kamera und auf der rechten Seite der Deckel des Taschenrechners. Klappt man den Deckel auf, findet man außerdem noch an der Unterseite des Deckels einen Platz für die Visitenkarten. An der linken Seite findet man den Port, über den man das Gerät mit dem USB Port am PC verbinden kann (der Seriellport wird nicht mehr unterstützt). Oben auf der Kamera befindet sich der recht klein geratene Auslöser. Auf der Rückseite finden wir den Sucher – natürlich optisch – und ein monochromes LCD Display - also keins zum Anzeigen der Bilder, sondern nur eins, dass Aufschluss darüber geben soll, ob der Speicher noch weitere Bilder fassen kann. Außerdem kann man über den Bildschirm und den daneben befindlichen Knopf das Menü ansteuern. So, und was machen wir jetzt? Schrauben wir die Kamera mal auf. Wenn man erfolgreich die vier Minischrauben, die den Deckel auf der Rückseite festhalten, bekämpft hat, bietet sich einem folgendes Bild: Die recht kleine Kamera ist an der Rückseite befestigt, während der Taschenrechner an der Vorderseite klebt. Die beiden kleinen 1,5V AAA Batterien findet man hintereinandergeschaltet an der oberen rechten Seite wieder. Die Kamera macht letztendlich gerade mal ca. ein Fünftel des Platzes aus. Außerdem hätten die Designer gut Platz einsparen können, indem sie die Batterien nebeneinander platziert hätten. Ich vermute mal, dass die höheren Materialkosten sie davon abgehalten haben. Die Solarzelle, die mit dem Taschenrechner verbunden ist, ist mit einer Batterie gekoppelt. So wird verhindert, dass der Taschenrechner den Geist aufgibt, wenn man die Batterien herausnimmt. Das ist auch nötig, da man die Batterien schnell entfernen sollte, wenn man die Kamera nicht nutzt – sie zieht weiterhin Strom, auch wenn sie nicht eingeschaltet ist.
Funktionen Wie gesagt: Mal abgesehen davon, dass man seine Visitenkarten unterbringen kann (desto öfter man’s hört, desto lustiger wird’s, oder?), kann man ja auch noch andere Sachen machen. Der Solarbetriebene und von den Batterien unabhängig funktionierende Taschenrechner kann alle Zahlen von –99.999.999 bis 99.999.999 anzeigen. Jede Zahl, die unter, bzw. über dieser Grenze liegt, führt unweigerlich zum Fehler. Dezimalzahlen beherrscht das Gerät genauso wie die vier Grundrechenarten und Wurzeln. Sogar Prozentrechnen stellt kein Problem dar. Nur quadrieren kann er nicht, aber wie die Wirtschaft im Moment steht, braucht man numal eher die Wurzeltaste, nicht wahr, liebe Aiptek-Entwickler? Die Kamera lässt sich auch am PC als Webcam nutzen. Dazu sollte allerdings das Zimmer hell genug ausgeleuchtet sein, sonst erkennt man wenig bis gar nichts. Sinnvoll dabei ist, dass die Kamera Strom vom PC bezieht, wenn sie angeschlossen ist – Batterien werden für diese Funktion also glücklicherweise nicht benötigt. Wenn grad mal kein PC in der Nähe ist, muss man gezwungenermaßen auf die Batterien zurückgreifen und sie nicht eher wieder entfernen, bis die Bilder auf dem PC sind, denn wenn die Stromzufuhr unterbrochen wird, wird auch der 16Mbit Speicher gelöscht. Folgendes für die, die sich jetzt Fragen, ob ich mich beim „Mbit“ verschrieben habe: Es handelt sich hierbei um einen 2MByte Speicher. Auf die Zahl 16 kommen die Entwickler, indem sie nicht die Bytezahl, sondern die Bitzahl angeben. Es gilt: 1Byte = 8Bit. Also die 2 Mbyte mal 8 nehmen und schon denken sich einige potentielle Käufer: „Man hat die Kamera ’nen Riesenspeicher“. Kein seriöser Anbieter würde die Bitzahl angeben, weil es nur Verwirrung stiftet und dass Aiptek es nötig hat, die Kunden derart in die Irre zu führen, sagt schon einiges über das Unternehmen aus. Man kann sogar so etwas wie Videos aufnehmen. In maximaler Auflösung ungefähr 2 Sekunden lang und in minimaler Auflösung unwesentlich länger. Von Videos kann man also eigentlich nicht sprechen. Clips trifft es schon eher, aber ansonsten fallen mir für diese Funktion nur fiese Begriffe ein, die hier nicht hergehören. Ach, und Visitenkarten hält die Kamera übrigens prima.
Software Neben den Treibern werden noch folgende Programme mitgeliefert: - MS Netmeeting - Videomail - Ulead 360 - Ulead Photoexplorer - Ulead Photoexpress - Ulead Videostudio (optional)
Der “Bizcam Manager” kommt mit einer halbwegs ansehnlichen Oberfläche daher. Neben den Funktionen „Kamera entladen“ und „Avi-Video erstellen“, hat man noch die Möglichkeit die Kamera vom PC aus anzusteuern und so Videos in unbegrenzter Länge aufzunehmen. Erwähnenswert sei noch das integrierte Album, in dem die entladenen Bilder als Thumbnails angezeigt und bei Doppelklick mit dem zugewiesenen Bildbearbeitungs- / Bildbetrachtungsprogramm angezeigt werden. Abstürze hatte ich bisher nicht zu verzeichnen. Da Programm läuft bei mir unter Windows 98 stabil. Negativ aufgefallen ist mir, dass man das Ausgabeformat der Bilder nicht umstellen kann. Sie werden zwangsweise im als BMP Files auf die Festplatte kopiert. Somit sind die maximal 100.000 Pixel großen Bilder letztendlich über 300 kb groß. Absolut übertrieben, da sie in der Kamera noch in einem Format gespeichert werden, das mehr komprimiert und die hohe Wiedergabequalität, der einzige Vorteil von BMP, zunichte gemacht wird. Wäre JPEG genutzt worden, hätten bei ähnlicher Qualität ungefähr 5x so vieler Bilder auf die Kamera gepasst. Netmeeting ist ein Programm zum (Video)chatten. Ulead Cool 3D ist dazu da, 360 Grad Ansichten zu erzeugen. Diese können dann mit einem speziellen Viewer angezeigt oder mit dem entsprechenden Plugin in die eigene Homepage implementiert und dort betrachtet werden. Ulead Videostudio ist ein Programm zur Bearbeitung von Videos. Hier können verschiedene Ein- und Ausblendeffekte und Musik eingefügt werden. Außerdem können die Videos zurechtgeschnitten werden. Meiner Meinung nach das nützlichste Programm im Bundle. Da es optional ist (bei mir war es nicht dabei, ich kenne es nur von meiner letzten Aiptek Kamera), sollte man beim Verkäufer vorher nachfragen, ob es beiliegt.
Bildqualität Die Fotos werden wahlweise in einer Auflösung von 352 x 288 (CIF) oder 176 x 144 (QCIF) Pixel dargestellt. Videos werden auch in diesen beiden Auflösungen mit 9, bzw. 20 fps. (fps. = Bilder je Sekunde) aufgenommen. Die Speicherkapazität beträgt 20 Bilder im CIF-Format oder 80 Bilder im QCIF Format. Dass das seit dem guten alten Amiga 500 oder wohl eher seit dem C64 nicht mehr zeitgemäß ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Auch die Miniauflösung von 176 x 144 einzubauen war eher lustig als sinnvoll, schließlich erkennt man auf einem solchen Foto effektiv nix mehr. Noch viel lustiger allerdings ist das Objektiv mit eingebautem Fisheye Effekt, denn nur die Mitte des Fotos wird mehr oder weniger klar dargestellt. Die Ränder werden nach außen hin immer verschwommener und gerade Linien werden plötzlich zu Kurven. Wer schon einmal durch ein Weitwinkelobjektiv geschaut hat, weiß was ich meine – nur eben dass der weitaus erfreulichere Effekt des weiten Aufnahmewinkels fehlt. Der ist bei der BizCam nämlich besonders stark eingeschränkt. Außerdem gilt: Desto dunkler die Umgebung, desto weniger ist zu erkennen und desto mehr ist das Bild von einem Rauschen durchzogen. Ab einem bestimmten Punkt an Dunkelheit piept die Kamera nur noch anstatt Fotos zu machen. Ein Signal, dass anzeigen soll, dass es sinnlos wäre ein Foto zu schießen, weil man nachher ohnehin nichts mehr erkennen könnte. Einen Blitz besitzt die Kamera nicht. Die Fotos sind chronisch kontrast- und farbarm. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm kann man hier noch einiges bewirken, aber natürlich keine Welten bewegen. Eine weitere Sache, die bei Aiptek wohl öfters mal nicht hinhaut ist die richtige Ausrichtung des Suchers. Schon bei meiner letzten Kamera von ihnen gab es das Problem, dass nicht alles auf dem Bild zu erkennen war, was man durch den Sucher gesehen hat. Vielmehr verschiebt sich der Mittelpunkt, also meistens das Objekt oder die Person, die man aufnehmen möchte, nach oben rechts. Dadurch werden Teile des Bildes herausgeschnitten, die eigentlich wichtig gewesen wären. Dafür hat man dann unten links Objekte, die man eigentlich gar nicht auf dem Bild haben wollte.
Fazit Etwas Sinnloseres, als die Aiptek Bizcam Trio ist mir lange nicht mehr untergekommen. Die total bescheuerte Kombination aus Taschenrechner, veralteter Digitalkamera und Visitenkartenhalter ist kaum noch zu toppen und nicht zu gebrauchen – es sei denn, man möchte Fotos schießen und sich dann mit dem Taschenrechner ausrechnen, wie scchhhade sie geworden sind. Aber es soll ja auch Leute geben, denen ein guter Lacher 17 Euro wert ist. Mir jedenfalls nicht und daher werde ich mir einen Kauf eines Aiptek-Produktes in Zukunft auch doppelt überlegen.
Wer es sich dennoch überlegt, die Kamera zuzulegen, der kann unter Scoopexxx@compuserve.de gerne Testbilder bei mir anfordern.