Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
nützlich, behandelt alle Aspekte der englischen Sprache, international anerkannt, notwendig für Studium an amerikanischen Unis, unbeschränkte Gültigkeit |
| Kontra: |
teuer |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
-= UPDATE =-
Ich hatte in diesem Bericht ursprünglich angemerkt und kritisiert, dass das APIEL-Zertifikat nur ein Jahr lang gültig ist. Ich habe aber noch einmal recherchiert und dabei folgendes gefunden (Zitat):
"Das Ergebnis der bestandenen Prüfung, für die z. Z. Gebühren in Höhe von DM 150 von den Teilnehmer(inne)n zu entrichten sind, hat unbeschränkte Gültigkeit, im Gegensatz zu dem verbreiteten (und teureren!) TOEFL-Test, dessen Ergebnis nur für zwei Jahre gilt. Auch in den Bezeichnungen (APIEL-Prüfung; TOEFL-Test) wird die Höherwertigkeit von APIEL deutlich."
(http://www.mathematik.uni-hildesheim.de/rgw/Wettbewerbe/Apiel/Hauptapiel/ursprung_und_ziel_der_sprachpr%C3%BCf.htm)
Ich weiß nicht mehr, wo ich die Information zu der einjährigen Gültigkeit herhatte. Aber die Uni Hildesheim sollte eine vertrauenswürdige Quelle sein.
Zusammen mit ca. 25 anderen Mitleidenden saß ich Woche um Woche im Englisch-LK und quälte mich durch die ach so spannenden Themen, als eines Tages unsere Lehrerin ankam und fragte, wer Interesse hätte an APIEL teilzunehmen.
-= Was? =-
Bei APIEL (Advanced Placement International English Language Examination) handelt es sich um ein Sprachzertifikat für die englische Sprache, bei dem Hörverstehen (listening comprehension), Leseverstehen (reading comprehension), Schreiben (writing) und Sprechen (speaking) getestet werden.
Mittlerweile wird APIEL in Deutschland allerdings nicht mehr durchgeführt, sondern wurde von TOEFL (Test of English as a Foreign Language) abgelöst. Weil es dieses Zertifikat in den USA immer noch gibt und es dort von großer Bedeutung ist, möchte ich aber dennoch gerne davon berichten.
-= Warum? =-
Warum sollte man an APIEL teilnehmen? Viele amerikanische Universitäten verlangen von ausländischen Studenten ein Bestehen des APIEL, damit sie an der jeweiligen Universität studieren dürfen. Dieses Zertifikat ist international anerkannt und auch bei vielen (deutschen wie internationalen) Betrieben kann man natürlich Eindruck schinden, wenn man dieses Sprachzertifikat mit Qualifikation absolviert hat. Außerdem muss man auch an deutschen Universitäten, wenn man Anglistik/Amerikanistik studieren will (z.B. in Bielefeld), APIEL bzw. heute TOEFL absolvieren.
Meine Motivation war ein Gemisch aus Neugier, wie ich abschneiden würde, und der erwähnten Nützlichkeit dieses Sprachzertifikats. Es macht sich ja im Lebenslauf immer gut, wenn man möglichst viele Fremdsprachen gut beherrscht und ich hatte damals auch noch in Betracht gezogen, vielleicht im Studium in Richtung Anglistik/Amerikanistik zu gehen.
Die ganze Zeit über ermutigte uns unsere Lehrerin, dass sie diesen Test schon so oft durchgeführt hätte, wie leicht er wäre und dass wir alle locker bestehen würden…
Eine Übersicht darüber, welche amerikanischen und internationalen Universitäten welchen APIEL-Grade für ein Studium verlangen, findet er ihr auf der Seite:
http://www.collegeboard.com/ap/apiel/colleges/
-= Wann und wie? =-
Als ich an APIEL teilgenommen habe, war ich in der Jahrgangsstufe 12 und ziemlich genau ein Jahr vom Abitur entfernt. Anmelden musste man sich im Herbst 2001, der Test fand dann im Mai 2002 statt. Es gab eine Anmeldefrist, die meine ich im Januar lag. Bis dahin sollte man auch die Gebühren von 90€ überwiesen haben. Ganz billig ist dieser Test also nicht!
Für den Fall, dass man an dem für den Test gesetzten Termin krank oder sonst wie verhindert war, gab es dann noch ein oder zwei Nachholtermine an anderen Schulen, die diesen Test ebenfalls durchführten.
Wie gesagt lief der Test also bei uns über die Schule, das heißt, wir hatten auch nicht zu viele Umstände mit der Anmeldung und den ganzen Modalitäten. Dafür dass die Anmeldung korrekt und pünktlich erfolgte, sorgte unsere Lehrerin und auch sonst trafen wir uns ein paar Mal, um das ganze Prozedere durchzusprechen.
Teilnehmen an diesem Test kann jeder, es gibt keine Altersbeschränkung oder eine benötigte Qualifikation oder sonst etwas. Allerdings sollte man sich sicher sein, dass man diesen Test gebrauchen kann und dass die eigenen Englischkenntnisse gut genug sind, denn sonst ist es rausgeschmissenes Geld. Soweit ich weiß werden diese Tests auch außerhalb der Schulen regelmäßig angeboten und man kann sich einfach für einen Termin in seiner Nähe anmelden.
Da APIEL ja in Deutschland nicht mehr durchgeführt wird, informiert euch stattdessen über TOEFL auf der offiziellen Website: http://www.toefl.org
-= Aufbau und Anforderungen =-
Wie ich ja oben bereits geschildert habe, unterteilt sich das Zertifikat in folgende Gebiete:
Hörverstehen (listening comprehension)
Leseverstehen (reading comprehension)
Schreiben (writing)
Sprechen (speaking)
Weil der Test insgesamt über 3 Stunden dauern sollte, trafen wir uns nachmittags in der Schule um ihn zu machen. Trotz einer Mittelohrentzündung hab ich mich entschlossen, teilzunehmen, denn ich wollte ihn lieber mit meinen Freunden zusammen und in gewohnter Umgebung als in irgendeiner fremden Schule machen. Zunächst mussten noch ein paar Formalitäten geklärt werden, dann konnte es losgehen.
- Hörverstehen (listening comprehension) -
Dies war das erste Gebiet, in dem wir getestet wurden. Insgesamt dauerte dieser Teil, wenn ich mich nicht irre, 45 Minuten und es wurden uns einige (ca. 15) Dialoge, Erzählungen etc. vom Band vorgespielt, zu denen wir dann jeweils 8-10 Fragen beantworten mussten. Ich erinnere mich z.B. an eine Erzählung über das Verhalten von Katzen und wie sie auf Leute reagieren, die Angst vor ihnen haben. Die Hörsequenzen behandelten alltägliche Dinge und solche, die man auch vokabelmäßig gut verstehen konnte, waren also ziemlich auf das im Unterricht Erlernte abgestimmt. Soll heißen, wir wurden nicht mit wissenschaftlichen Themen oder so konfrontiert. Die Sprache war schon ein wenig umgangssprachlich, aber ganz sicher nicht aus dem täglichen Leben eines Engländers oder Amerikaners entnommen. Die Aussprache war ziemlich Oxford English und auch meistens sehr langsam.
Auf jede Sequenz folgten dann die jeweils 8-10 Fragen, die noch langsamer gesprochen und jeweils noch einmal wiederholt wurden. Es handelte sich hierbei um Multiple Choice-Aufgaben, d.h. dass wir zwischen 4 Antworten, die natürlich ebenfalls vom Band kamen, die richtige auswählen mussten. In dem dafür vorgesehenen APIEL-Heft musste man dann in einer Tabelle die richtigen Antworten ankreuzen (a, b, c oder d).
Dieser Teil erforderte natürlich schon eine gewisse Konzentration, denn man musste die einzelnen Hörsequenzen verstehen, den Inhalt im Kopf behalten, die Fragen verstehen und die richtige Antwort auswählen und dann noch aufpassen, dass man in der Tabelle nicht in der Zeile oder spalte verrutschte. Und das alles in der vorgegebenen Zeit. Man konnte nicht wirklich groß überlegen, denn nach einer kurzen Pause kam ja schon die nächste Frage.
Den Großteil der Fragen konnte ich sicher beantworten, bei manchen Fragen war ich mir nicht ganz sicher und hin und wieder hab ich auch einfach nur geraten, weil ich die entsprechende Stelle in der Sequenz nicht mehr im Kopf hatte oder nicht verstanden habe.
- Leseverstehen -
Dieser Teil dauerte ebenfalls 45 Minuten und hier wurden uns einige (ca. 10) kurze (ca. eine halbe DIN A4-Seite) schriftliche Texte präsentiert, die es zu lesen galt und dazu gab es dann wieder je 8-10 Multiple Choice-Aufgaben, deren Ergebnisse wir wieder in der Tabelle eintragen mussten. Auch hier galt wieder, dass die Texte nicht wissenschaftlich oder sprachlich hochgestochen waren. Aber sie waren natürlich schon etwas anspruchsvoller als die Hörsequenzen und die Fragen mit den zugehörigen möglichen Antworten lagen diesmal logischerweise schriftlich vor.
In einem Text machte sich der Autor z.B. über die Vielfältigkeit und Unregelmäßigkeit der englischen Aussprache lustig oder spielte etwas damit (tough und dough, (to) tear und tear etc.). Ich fand die Texte sehr einfach verständlich und die Fragen waren auch immer entlang des Textes gestellt, sodass die Beantwortung nun wirklich gar keine Schwierigkeit darstellte. Außerdem wurde hier nicht ganz so viel Konzentration gefordert, da man immer zwischen Fragen und Text hin und her springen konnte und die entsprechende Textstelle suchen konnte. Schnell musste man aber auch hier sein, denn nach 45 Minuten war die Zeit rum und es gab auch keinen Kompromiss, unsere Lehrerin zog das sehr streng durch.
Hier hatte ich beim Beantworten der Frage eigentlich gar keine Probleme, nur drei oder vier Mal habe ich etwas geschwankt.
- Schreiben (writing) -
Nach diesen ersten beiden Teilen legten wir eine kurze Pause ein, bevor es mit dem Schreiben weiterging. Wir hatten die Aufgabe, zu zwei vorgegebenen Themen Essays zu schreiben. Dafür wurden uns linierte Blätter zur Verfügung gestellt, die wir beschriften und nummerieren sollten und dann konnte es losgehen. Für jedes Essay hatten wir 45 Minuten Zeit, wenn ich mich nicht irre.
An die beiden Themen erinnere ich mich nicht mehr genau (ich habe meine Essays nicht wieder gekriegt), aber das eine Thema handelte von Medien (Fernsehen) und ihrer Wirkung bzw. ihrem Einfluss auf die Menschen und das zweite Thema hatte irgendetwas mit Politik zu tun. Auf jeden Fall waren beides Themen, zu denen ich viel schreiben konnte und ich denke, im Großen und Ganzen sind mir die Essays auch beide ganz gut gelungen, auch wenn mir nachher klar geworden ist, dass ich ein paar Fehler reingesetzt habe.
- Sprechen (speaking) -
Das war der Teil, vor dem ich mich die ganze Zeit schon am meisten gefürchtet habe. Ich konnte Fremdsprachen schon immer besser schreiben als sprechen und absolut widerstrebt hat es mir, mich mit einem Kassettenrekorder zu unterhalten. Ich fand die ganze Organisation nicht ganz glücklich. Wir saßen da mit 4 Leuten in einem Raum und jeder hat auf Band gesprochen.
Wir mussten insgesamt zu 5 oder sogar mehr Fragestellungen 90 Sekunden lang was erzählen. Eine Fragestellung war z.B., was die Vor- und Nachteile für einen Ort sind, in dem die Olympischen Spiele ausgetragen werden. Dann hatten wir eine Minute Zeit, um uns kurz Notizen zu machen und dann musste man erzählen. Ich kam mir völlig doof vor, konnte zu den meisten Themen überhaupt nichts sagen, weil mir dazu einfach nichts einfiel und von allen Seiten hörte ich das Gemurmel der anderen. Ich habe da nur vor mich hin gestottert, teilweise sekundenlang gar nichts gesagt und eine Struktur hatte mein Gelaber auch nicht.
Wer gut reden und ein bisschen schwafeln kann, kommt hier sicher gut klar. Ich bin so ziemlich gescheitert und das speaking hat auch ganz sicher meine Gesamtwertung runtergezogen…
Insgesamt muss ich sagen, waren die Anforderungen schon relativ hoch, denn es wurde Konzentration, sicheres Englisch und die Fähigkeit seine Gedanken zu strukturieren und auf den Punkt zu bringen gefordert. Vor allem dass Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen in diesem Test überprüft wurden, hat ihn komplex gemacht, zugleich aber auch alle Aspekte der Sprache berücksichtigt. Ich bin mir beim letzten Teil (speaking) nicht so ganz schlüssig, ob er wirklich aussagekräftig ist, denn ich hatte wirklich bei fast allen Fragen das Problem, dass mir dazu einfach nichts einfiel und ich dann panisch wurde und nur noch rumgestottert habe. Die eine Minute Vorbereitungszeit ist einfach zu wenig und allgemein muss ich schon sagen, dass ich meine Meinungen und Gedanken mündlich weit besser präsentieren kann als ich es in diesem Test gemacht habe.
Die Organisation war vom College Board, das APIEL veranstaltet hat, genau durchgeplant und unsere Lehrerin hielt sich sehr genau an alle (Zeit-)Vorschriften.
-= Bewertungen =-
Unsere APIEL-Unterlagen wurden an das College Board, eine freiwillige Organisation, die APIEL ins Leben gerufen hat, in New York geschickt und soweit ich weiß hat eine Gruppe von Universitätsprofessoren diese Unterlagen dann ausgewertet. Die Ergebnisse kamen ca. 3 Monate später per Post direkt zu uns nach Hause.
Die ersten beiden Teile (listening und reading comprehension) wurden sicherlich nach dem Prozentsatz der richtigen Antworten bewertet, genaue Angaben wurden dazu aber nicht gemacht. Für die Essays gab es eine Punkteskala von 1 bis 9 (höchstmögliche Punktzahl) und beim Speaking von 1 bis 5.
Insgesamt ergibt sich eine Note auf der Skala von 1 bis 5, wobei folgendes gilt:
5 Punkte: extremely well qualified (für ein Studium an einer amerikanischen Hochschule)
4 Punkte: well qualified (s.o.)
3 Punkte: qualified (s.o.)
2 Punkte: possibly qualified (s.o.)
1 Punkt: no recommendation (s.o.)
Bestanden hat man bei 3 (gute Beherrschung des Englischen), 4 (sehr gute Beherrschung des Englischen) und 5 (exzellente Beherrschung des Englischen) Punkten.
Ich habe 4 Punkte erhalten, genauso wie 4 andere Mädels aus dem Englisch-LK, die wie ich zwischen 1 und 2 standen. Außerdem hatten zwei andere aus dem Englisch-LK 3 und 2 Punkte und einer aus dem Englisch-GK 1 Punkt, ist also durchgefallen. So viel zum Versprechen unserer Lehrerin und der Behauptung, dieses Zertifikat wäre so einfach zu schaffen und wir würden alle locker bestehen.
Seltsam finde ich allerdings, dass in NRW knapp 25% in diesem Jahr den Test mit 5 Punkten und ca. 60% den Test mit 4 Punkten bestanden haben sollen. Das ist ja doch eine ziemlich positive Bilanz, vor allem die 25% mit 5 Punkten haben mich erstaunt.
-= Nachteile =-
Ein ziemlicher Nachteil dieses Tests, vor allem wenn man nicht besteht, ist die Gebühr von 90€, die man zahlen muss. Man sollte sich vorher wirklich gut überlegen, ob man dieses Zertifikat braucht und ob man gute Englischkenntnisse hat.
Außerdem hätte ich es besser gefunden, wenn dem Ergebnis und dem Zertifikat eine genaue Auflösung über die erreichten Punkte beigelegen hätte, zumindest für einen selber. Mich hätte es schon interessiert, ob meine Vermutung richtig war, dass mich das speaking in der Bewertung runtergezogen hat und wie meine Essays bewertet wurden.
-= Fazit =-
Das APIEL-Zertifikat an sich ist eine gute und nützliche Sache. Der Test ist sehr umfangreich und anspruchsvoll, weil alle 4 Gebiete einer Sprache abgefragt werden (Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen) und man schon eine Menge Konzentration aufbringen muss. Eine spezielle Vorbereitung auf den Test ist nicht notwendig, aber man sollte schon fit in der Sprache sein.
Der Preis ist mit 90€ natürlich sehr hoch und da sollte man schon zweimal nachdenken, ob es sich lohnt, dieses Zertifikat zu machen. Weil es aber unbeschränkt gültig ist, ist der Preis von 90€ dann doch wieder gerechtfertigt (vor allem wo TOEFL wirklich teurer ist - 110 US-$ habe ich erspäht).
Insgesamt vergebe ich eine Empfehlung und 5 Sterne.
Vielen Dank für’s Lesen, Bewerten und Kommentieren.
naranja