The Fall of the House of Asus ?
18.10.2006
Pro:
Solides Board mit guter Chipsatzkühlung, reichlich Anschlüsse und Onboardkomponenten, RAID 5 Option, e - SATA Port für schnelle externe Platten
Kontra:
Teilweise nutzlose Gimmicks, WLAN Chip fest aufgelötet und im BIOS nicht abschaltbar, schlechter Audiocontroller, wenig Übertaktungspotenzial
Empfehlenswert:
Ja
Details:
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 Strider
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Und schon wieder ein Mainboard Testbericht - diesmal aus einem eher traurigen Anlass. Mein brandneues und sündhaft teures Intel D975XBX "Bad Axe" Board war offenbar wirklich "Bad", denn nach wenigen Wochen hat es nach anfänglichen Aufhängern im BIOS endgültig den Geist aufgegeben. Beim Ausbau offenbarte sich denn auch warum: offenbar waren einige Bauteile erschreckend schlecht gelötet - trotz vorsichtigem Ausbau lagen auf einmal zwei SMD-Widerstände im Gehäuse ! Sowas ist mir bei immerhin 40 selbskonfigurierten System (etwa die Hälfte davon Eigenbedarf) noch nie vorgekommen. Da das Intel Board eine lange Kette (17 in Folge) von Asus basierten Rechnern unterbrochen hat, bin ich reumütig zu besagtem Hersteller zurückgekehrt, genauer gesagt zum Asus P5W DH DeLuxe, dem direkten Konkurrenten des Intel D975XBX. So wirklich angetan war ich von diesem Board ehrlich gesagt von Anfang an nicht - schon allein die verspielte Verpackung in pistaziengrün mit einem Sichtfenster für die Fernbedienung zum Ein/Ausschalten des Rechners und zur Bedienung des Mediaplayers nebst der externen Antenne für den zwangsverordneten (aufgelöteten) WLAN-Adapter, der netterweise auch noch einen USB-Port konsummiert, fand ich reichlich überflüssig.
Das Kürzel "DH" steht übrigens für "Digital Home", was Asus wohl als Alibi für besagte Gimmicks ansieht, die in ihrer Summe das Board bis auf den letzten Quadratzentimeter zupflastern. Das eigentlich für Asus untypische Farbenspektakel bei den Slots und Ports war auch nicht unbedingt mein Geschmack, aber es gab keine echte Alternative zu diesem Board - jedenfalls nicht für den Betrieb einer Intel Core2 Duo alias Conroe CPU, die derzeit absolut unschlagbar ist (solange Intels Quad Core Prozessor noch nicht verfügbar ist). Der läuft nämlich weiss Gott nicht auf allen Boards mit dem HighEnd Chipsatz Intel 975X, selbst wenn diese gerade erst auf den Markt gekommen sind.
Das P5W DH DeLuxe unterstützt die neuen Intel Prozessoren ab Werk und in allen Hardwarerevisionen, man kann also insofern damit nichts falsch machen. Installation und Inbetriebnahme funktionierten wie gewohnt einwandfrei, auch ohne Zuhilfenahme des exzellent gestalteten Handbuchs. Ein kleines Tool fand ich dabei sehr hilfreich: die "Q-Connectors". Das sind farbig markierte Stiftkontaktleisten, auf die man die Gehäuseanschlüsse für Power- / Resetswitch, Power LED, IDE LED, Systemlautsprecher usw. bequem ausserhalb des Gehäuses aufstecken kann ohne mit der Lupe die winzigen Beschriftungen der zugehörigen Pins auf dem Mainboard entziffern zu müssen. Die Stiftleiste ist so konstruiert, dass sie nur in der richtigen Position auf das Mainboard passt - aufstecken, fertig !
Spart jede Menge Fummelei und ist eine wirklich gute Idee. Entsprechende Stiftleisten für die zusätzlichen USB- und Firewire-Anschlüsse liegen ebenfalls bei, sehr löblich. Wer noch einen Parallelport benötigt, hat ebenso wie jemand, der einen zweiten seriellen Port will, leider gelitten: is nich ! Der entsprechende Platz auf der ATX-Blende fiel dem Anschluss für die externe WLAN-Antenne zum Opfer. Bleibt nur der Griff zur PCI Multi I/O-Karte...
Der Onboard WLAN Adapter ist wie gesagt fest aufgelötet und im BIOS auch nicht abschaltbar. Dafür kann man ihn auch im Standbymodus des Rechners als Access Point verwenden. Schön und gut - nur dummerweise geht der Rechner dann vom Sleepmodus in den S1 Modus, was bedeutet, dass die CPU weiterlaufen muss, um den Asus Access Point zu betreiben. Braucht um die 80 Watt. Zum Vergleich: ein "echter" Access Point benötigt gerade mal 4 bis 8 Watt. Teurer Spass aufs Jahr hochgerechnet... Ebenfalls Onboard ist der Audio Adapter mit Realtek CODEC - das verheisst schon nichts gutes. Und in der Tat hat diese Lösung in sämtlichen Tests, die ich bisher gelesen habe, grottenschlecht abgeschnitten, was die Signalqualität angeht. Für wenigstens annähernde HiFi-Qualität ist mithin wieder eine extra Soundkarte nötig, den Schrottadapter muss man aber natürlich trotzdem mitbezahlen.
Wenigstens gibt es einen optischen Digitalausgang, um das miese Audio Ausgangssignal nicht durch Störeinflüsse noch weiter zu verschlechtern... Was gibt es noch an Auffälligkeiten ?
Zum Beispiel das spektakuläre Heatpipe Kühlsystem für den Intel 975X Chipsatz. Dieses führt die Wärme sehr schnell vom Chipsatz weg zu den Kühllamellen an der Rückseite des Boards, wo sie im Idealfall vom System- bzw. Netzteillüfter aus dem Gehäuse befördert wird. Eine Heatpipe ist eine geschlossene Röhre, die mit einem speziellen Granulat befüllt ist. Bei Erwärmung wechselt dieses sehr schnell in den gasförmigen Zustand und kann so Wärme viel effektiver abführen, als ein klassischer Kühlkörper. Praktisch alle neuen CPU-Luftkühler verwenden diese Technik, die entfernt einer Zentralheizung ähnelt. Nachdem die Wärme über den "Radiator" (Kühlrippen) abgegeben wurde, kühlt das Wärmeleitmittel wieder ab, fällt zurück und wird neu erwärmt.
Damit das funktioniert, muss ein Luftstrom über die Kühlrippen gewährleistet sein, sonst ist der Kreislauf unterbrochen. Deshalb legt Asus einen aufsteckbaren Zusatzlüfter bei, der bei einem rein passiv oder mit Wasser gekühlten System auf die rückwärtigen Kühlrippen aufgesteckt werden muss. Das ist kein Schnickschnack, der 975X Chipsatz wird extrem heiss. Die Kühlelemente erstrecken sich übrigens auch auf die Spannungsregler, die bei erhöhter Belastung auch sehr heiss werden. Allerdings leider nicht auf alle. Das ist übel, denn es werden alle Spannungsregler gleich stark belastet.
Die Kühllösung ist also insoweit nicht wirklich durchdacht und zu einem gewissen Teil doch Effekthascherei. Immerhin hat Asus aber bei den Spannungsreglern zu einem 8 Phasen Design gegriffen, so dass die einzelnen Wandlerchips zumindest nicht extrem belastet werden. Ebenfalls auffällig ist der Kupferkühler auf der Southbridge mit dem Schriftzug "Asus Easy Backup". Dahinter verbirgt sich die Option, allein durch Setzen eines Jumpers und Anschluss zweier möglichst identischer Festplatten an die farblich markierten SATA-Ports unterhalb des Chips ohne Konfiguration im BIOS den Inhalt der einen Platte auf die andere spiegeln zu können. Wer´s braucht...
A propos SATA Ports: insgesamt hat man deren 6. Zwei durch den "Easy Backup" Chip, und weitere 4 durch den Intel Chipsatz. Davon sind aber nur 3 nutzbar - der vierte wird durch einen weiteren Chip geschleust und mutiert zu einem e-SATA Anschluss auf dem vollgepackten rückwärtigen Anschlussfeld. Nette Sache, wenn man eine externe Festplatte mit e-SATA Anschluss hat, denn dann kann man diese wie eine USB-Festplatte nutzen - nur ist sie mit bis zu 3 Gigabit viel schneller, als die theoretischen 480 Mbit, die ein USB2 Anschluss hat. Von denen bleiben bei einer USB-Platte durch die Umwandlung von EIDE bzw. SATA nach USB eh nur so um die 15 Mbit übrig - jämmerlich eigentlich... Man kann übrigens die SATA Ports beider Controller kombinieren und mit 4 Platten ein RAID 5 oder RAID 10 Array erstellen - nette Sache, wenn man das Board für einen Fileserver verwendet, wad aber der "Digital Home" Idee des Herstellers eher zuwiderläuft.
Ansonsten hat man noch zwei Firewire Anschlüsse, zwei Onboard Gigabit Ethernet Ports und insgesamt 10 USB-Anschlüsse, von denen einer für den doofen 54 Mbit WLAN-Chip draufgeht. Ein klassischer IDE-Port für 2 Platten ist auch noch vorhanden und sogar der Floppyanschluss wir einem noch nicht vorenthalten. Kommen wir zu den Erweiterungsslots.
WIchtigstes Feature für Gamer sind natürlich die beiden PCI Express x16 Slots, mit denen eine ATI Crossfire Masterkarte und eine Crossfire Slave Karte grafische Arbeitsteilung betreiben können. Das geht bei einem Intel System einzig und allein mit dem 975X Chipsatz, der neuere Intel 965 hat dieses Feature nicht (aber trotzdem zwei x16 Slots...) x16 steht übrigens für die Anzahl der PCI Express Lanes, die auf dem Port zusammengeschaltet werden können. Das ist in etwa mit Fahrspuren bei einer Autobahn vergleichbar, die je nach Bedarf freigegeben oder gesperrt werden können. Grafikkarten benötigen die meiste Bandbreite, deshalb bekommen sie von den insesamt 32 Lanes auch den grössten Anteil zugeschustert. Für andere Komponenten genügen weniger Lanes, darum gibt es neben x16 auch noch x4 und x1 Anschlüsse - gut erkennbar an der jeweiligen Länge.
Eine einzelne PCI Express Lane hat übrigens immerin schon eine Bandbreite von 256 MB/s, also doppelt soviel, wie der alte PCI-Bus für das ganze System zur Verfügung gestellt hat. Bei zwei Grafikkarten im Crossfire (SLI) Betrieb können diese beim Intel 975X Chipsatz nur jeweils 8 Lanes wirklich nutzen (reicht aber locker aus). Neben den beiden x16 Slots hat das P5W DH DeLuxe noch zwei x1 Slots und zwei klassische PCI Slots. Da eh schon fast alles auf dem Board drauf ist, sollte das dicke reichen. Sonst noch was ?
Ach ja: Finger weg vom "Chassis Intrusion" Jumper ! Das ist das PC Pendant zur Wegfahrsperre. Wenn man den umsteckt, weigert sich der PC nachher hochzufahren. Normalerweise wird dort ein Detektor angeschlossen, der ein Öffnen des Gehäuses registriert. Hat das DIng mal angeschlagen, muss man den CMOS Chip mit den BIOS Einstellungen löschen und -muss man erst mal drauf kommen- beim Starten die Space Taste drücken, sonst hängt der PC - selbst wenn man die CMOS Batterie ausbaut. Die ist übrigens selten dämlich so eingebaut, dass man die Grafikkarte ausbauen muss, wenn man dran will.
Das kommt immer dann vor, wenn man beim Übertakten so krasse Einstellungen gewählt hat, dass ein Kaltstart nicht mehr ausreicht, um in den SafeMode zu kommen. Womit wir wieder bei einem unangenehmen Thema wären. Übertaktbarkeit war immer eine Paradedisziplin bei Asus Boards. Nicht so beim P5W DH DeLuxe. Wo andere Boards mit bis zu 400 MHz FSB problemlos laufen, geht beim Asus Board bereits bei ca. 340 MHz rein gar nichts mehr. Es liegt nicht an der CPU, bei meinem Conroe ES kann ich den Multiplikator frei wählen. 6x 400 MHz wären genau die 2400 MHz, für die mein E6600 ES ausgelegt ist - no go ! Das Board startet erst wieder, nachdem man die Batterie ausgebaut hat...
Fazit: ein insgesamt gut verarbeitetes, aber irgendwie überladenes Board, das keine grossen Übertaktungsreserven hat. Kein grosser Wurf von Asus - bleibt zu hoffen, dass das nicht der Anfang vom Ende ist... In diesem Sinne !
Strider
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14.08.2009 16:41
HUHU , habe das Board auch und FSB 400 geht , evt ist dein Board defekt.
24.02.2007 20:35
Bin durch Stöbern auf Deinen Bericht gestoßen. Hut ab, für so viel Hintergrundwissen. Hatte mir eigentlich das Board in meine engere Wahl genommen. Nun weiß ich garnicht, ob es das richtige ist. *krübel*, Bh von mir, mfg Mike
25.10.2006 21:16
Ein klasse Bericht - sehr schön detailliert und zeugt von echter Fachkenntnis.