Allgemeines zum Nachfüllen von Patronen für (sw) Tintenstrahldrucker
30.06.2000
Pro:
viel billiger
Kontra:
Qualität nicht sicher gleichwertig, am Anfang etwas mühselig .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Zuverlässigkeit
Qualität:
Verarbeitung
mehr
 nightonearth
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:107
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 13 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Das ist eine preiswerte Alternative zu den sauteuren Neupatronen, wenn dabei einige Dinge beachtet werden. Wer es noch nicht ausprobiert hat, man braucht dafür: 1. Ein bißchen Ahnung, wie die für den eigenen Drucker passende Patrone aufgebaut ist, sprich entweder eine ausgediente zum Auseinanderbauen und studieren oder jemanden, der es einem anschaulich erklären kann. Verkäufer in kleinen PC- / Druckerfachgeschäften (eher unkonventionelle Beratung) erklären einem das u.U. auch (S.u.). 2. Druckertinte (z.B. 50ml, etwa 15-25 DM) die ausdrücklich für Deinen Tintenstrahldrucker geeignet ist. 3. Düsenreinigerflüssigkeit (z.B. 50ml, etwa 5 DM) 4. Spritze, am besten 5 oder 10ml 5. Ein kleiner Vorrat kleinlumiger Kanülen zum Aufsetzen, Größe 22G = Außendurchmesser 0,8mm, Innendurchmesser 0,6mm oder kleiner. "G"="Gauge": Die G-Ziffer wird kleiner bei Kanülen größeren Lumens, also z.B. sind 17G-Kanülen viel zu dick. >G-Zahl 22 oder größer. Ich benutze Kanülen 23G, die gehen gut. 6. Entweder Einmalhandschuhe oder einen Job, bei dem es nicht stört mit schwarzbefleckten Händen zur Arbeit zu kommen. Hat man sich eingesaut, hält das Zeug wie Teufel auf der Haut.
zu 2.-5. Dies habe ich ebenfalls in einem kleinen Druckerladen mit guter Beratung bekommen. Oder Ihr habt im Bekanntenkreis jemanden, der jobmäßig an so was rankommt, z.B. Krankenschwester, Hausl. Krankenpflege o.ä. Wo Ihr noch Tinte bekommt steht bei den Meinungen von "wwwhack" und "rettungsrambo" in der gleichen Rubrik. Aufbau der Druckerpatrone: Das Reservoir für die Tinte ist eine Art Schwamm. Dieses Reservoir braucht ein kleines Loch, durch das beim Drucken Luft angesaugt wird, das müßt Ihr finden (Durchmesser ca. 0,5mm). Zum Nachfüllen nehmt ihr dieses kleine Loch. Es ist meistens zu klein selbst für die dünnsten Kanülen (damit will der Hersteller gerade das Nachfüllen erschweren). Ihr erweitert dieses Loch mit einer heißen Kanüle gerade so weit, daß nur dieses kleine Stück Plastik erweitert wird, also die Kanüle nicht "bis zum Anschlag" rein, denn dann macht Ihr den Schwamm kaputt. Dazu eine Kanüle (die danach nicht mehr benutzt wird) mit einer Zange halten, die Spitze mit einem Feuerzeug glühendheiß erhitzen und das Ansaugloch vorsichtig erweitern. Dann Handschuhe an und mit einer Spritze mit neuer Kanüle etwa 5ml Tinte aufziehen. Die Kanüle so vorsichtig in das Ansaugloch einführen, daß Ihr an der Art des Widerstandes merkt, wenn sie in dieser Art Schwamm im Reservoir drin ist. Beim Einspritzen sollte die Patrone so gehalten werden, daß das Ansaugloch seitlich oben und der Druckkopf unten ist. Langsam die Tinte auffüllen (Riesensauerei wenn sie überfüllt wird), erst mal nicht mehr als 5ml. Die Spritze und Kanüle gleich danach mit Wasser durchspülen bis das Wasser nicht mehr gefärbt ist. Dann könnt Ihr die gleiche Kanüle oft wiederverwenden. Nach einigen Minuten einen Druckversuch machen, dabei nicht mehr als eine Viertel Seite Schrift ausdrucken. Die Patrone kann man sich nämlich dann versauen, wenn die Tinte sich nicht bis zum Druckkopf verteilt hat. Passiert dies, dann wurde unten am Druckkopf zuviel Luft angesaugt, der Kopf wird heiß und die winzige Düse vom Reservoir bis zum Kopf ist irreversibel kaputt. Ist die Patrone sicher leer, wenn das Schriftbild schwach ist? Ist eine ganze Seite gleichmäßig schwächer ausgedruckt, dann spricht das eher für einen zu reinigenden Druckkopf. > Automatische Selbstreinigung der Patrone (Druckerfunktion), 1-2x ausprobieren vorm Auffüllen. Eher für eine leere Patrone spricht ein kontinuierlich über eine Din A4 Seite schwächerer Ausdruck, aber sicher ist das alles nicht. Ergänzend ist es ratsam, vor Auffüllen den Druckkopf selbst zu reinigen, um eventuell eingetrocknete Tinte wieder aufzulösen. Dazu gerade soviel Düsenreinigerflüssigkeit auf eine Untertasse füllen, daß eine kleine "Pfütze" da ist, wo die Patrone genau mit dem Druckkopf (der nicht mit den Fingern berührt werden sollte) raufgestellt wird. So einweichen, 1-2 Viertelstunden lang. Danach vorsichtig mit Zellstoff trockentupfen.
Umgang, Lagerung und Entsorgung der Kanülen: Es mag allgemein bekannt sein, daß die Dinger saumäßig spitz sind. Möchte trotzdem nochmal betonen, daß sie z.B. für Kinder wesentlich gefährlicher sind als gewöhnliche Stecknadeln. Also bitte für die Kids unzugänglich lagern. Und bitte bitte nicht einfach in den Müll, auch nicht offen "mitten in die Mülltüte", sondern so entsorgen, daß sich keiner verletzen kann. Die Handschuhe, die ArbeiterInnen bei der Müllentsorgung tragen schützen nicht ausreichend vor Verletzungen. Am Sichersten ist es, alte Kanülen in einer Apotheke abzugeben. Als Normalmensch hat man schließlich gar keinen direkten Zugang zu Sondermüll für Spritzen, Kanülen oder ähnliches. Qualität, Erfolg: Dieses ganze Verfahren kann mit ein und derselben Patrone über mehrere Jahre gut gehen. Die Kosten sind natürlich minimal verglichen mit den sauteuren neuen Markenpatronen. Das Druckergebnis ist manchmal so gut wie bei Einsatz einer neuen Patrone, aber nicht verläßlich. Für den eigenen Hausgebrauch reicht die Qualität in der Regel dicke aus. Wenn 1a Qualität gebraucht wird, dann sollte man zur Kostenminderung eher versuchen, preiswertere Patronen anderer Hersteller zu finden. Auch hierfür ist es günstig, ein eher kleines Geschäft mit guter Beratung aufzutun.
Viel Erfolg! (Vergeßt die Einträge unter Service, Geschwindigkeit, Installation, Bedienungsanleitung, das mußte ich ausfüllen um die Meinung abschicken zu können.)
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30.08.2000 11:55
Zumindest bei HP sind die Zeiten, da es einen Schwamm gab, lange vorbei *seufz*