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1-6 von 174 Erfahrungsberichten    
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AWD - Bewerbungstest live
Erfahrungsbericht von fredbaer über AWD
17.07.2008


Produktbewertung des Autors:   


Pro: schneller Einstieg, auch branchenfremd, als selbständiger Handelsvertreter möglich
Kontra: In den ersten Monaten kein Einkommen, Stornohaftung

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

==AWD - Bewerbungstest live==

Einleitung

Aufgrund eines Projektes zur Förderung von Jobsuchenden einer regionalen Arbeitsagentur führte ich den Bewerbungstest bei der Fa. AWD durch.
Den Kontakt zur AWD erhielt ich über die Online-Jobbörse SIS der Bundes-Arbeitsagentur.
Dort kontaktierte ich speziell einige Unternehmen, welche die genaue Stellenbeschreibung im SIS unscharf, unkonkret, schwammig und undetailliert formulierten.

Kurz darauf erhielt ich neben einigen anderen Angeboten auch eine schriftliche Einladung zum Vorstellungsgespräch von der Fa. AWD.
Als Bewerberszenario wählte ich einen Selbständigen, dessen Geschäfte unterdurchnittliche Erträge lieferten und welcher sich deshalb beruflich verändern wollte.

Was ist der AWD

Der AWD (allgemeiner deutscher Wirtschaftsdienst) wurde 1988 von Carsten Maschmeyer gegründet. Herr Maschmaier war zu diesem Zeitpunkt Medizinstudent und auch für die OVB tätig. Er beschloss aus dem Strukturvertrieb der OVB (ehemals Objektive Vermögensberatung) auszusteigen und seinen eigenen Strukturvertrieb zu gründen. Unabhängig und eigenständig.

Der AWD ist ein Vermittlungsunternehmen für Finanzdienstleistungsprodukte. Hier kann man aus einem vorgegebenen Sortiment verschiedener Versicherungsgesellschaften, Bausparkassen, Fonds- und Leasinggesellschaften deren Finanzprodukte erwerben.

Die Rechtsform des Unternehmens ist die der AG. (Aktiengesellschaft)

Die Standorte befinden sich in Deutschland, Schweiz, Österreich, Grossbritannien und in einigen Ländern Osteuropas.

Die Mitarbeiteranzahl wird auf etwa 6000 geschätzt (der grösste Teil sind Handelsvertreter nach §84 HGB. Also selbstständige MA welche auf eigenes Risiko, aber in fremden Namen und auf fremde Rechnung arbeiten)

Die Mitarbeiter der vergangenen Jahre kamen aus allen Bereichen des Arbeitsmarktes. Vom Studenten, über Akademiker, Meister, Fach- und Hilfsarbeiter. So gab es auch vielfach Fälle wo z.B. einem Müllautofahrer nach einem Verkaufs-Crashkurs ein Schlips umgehangen wurde; fertig war der Finanzberater.

Mittlererweile müssen Finanzberater für ihre Beratungstätgkeit zertifiziert sein.

Der Jahresumsatz für 2007 wurde mit ca. 730 Mio. € angegeben.

Sondierung und erste Eindrücke

Die Geschäftsstelle der AWD befand sich mit weiteren Unternehmen in einem Geschäftshaus im Nordwesten Berlins.

Gegenüber diesem Geschäftshaus befand sich ein Parkhaus, aus dem sehr häufig Pkws der Marke "Smart" hinein- und herausfuhren. Da Auffällige an diesen Pkws war die großformatige AWG-Werbung auf den Fahrzeugen.
Ich betrat das Foyer des Geschäftshauses und schaute mich gelassen um. Da gab es einen Kopierer und einen Heißgetränkeautomaten.

Mein Blick viel auf Wand. Dort erblickte ich eine Reihe von "Urkunden" mit Wettkampfergebnissen. Ich fühlte mich die Schulsportfeste aus Kinder- und Jugendtagen erinnert.
Allerdings gab es hier keine Urkunden für Bestzeiten im 100 m -Sprint, sondern für "Bestpunkte" verkaufter Einheiten von Finanzdienstleistungsprodukten.

Ein Name im Mittelfeld fiel mir besonders auf. Es war der Name von Frau P., meiner Gesprächspartnerin, welcher auch auf meiner Einladung zum Vorstellungsgespräch zu finden war.

Dann betrat ich einen Flur, welcher zum eigentlichen Besucherempfang führte.

An mir schnaufte ein rundlicher Herr, Mitte 50, im Business-Dresscode, vorbei. Er schleppte eine Art Pilotenkoffer. Als er an einer Gabelung des Flures abbiegen wollte, öffnete sich eine Bürotür.
Zwei jüngere Männer versperrten ihm den Weg. "Und" sagte der eine "Wie war's? Haben Sie verkauft?" Der rundliche Herr lächelte und hob abwehrend die Arme. "In diesem Fall...ähm leider...nicht. Noch nicht" fügte er hinzu.
Die beiden Männer nickten sich zu.
"Hier hinein" sagte einer von beiden und wies gebieterisch mit dem Kopf auf die geöffnete Bürotür. Beide bugsierten den rundlichen Herrn in das Büro und schlossen die Tür.
Diesem erstarb das Lächeln auf den Lippen, er ließ mit sich geschehen.
Hinter der Tür hörte ich heftiges Stimmengewirr.

Mich beschlich ein ungutes Gefühl. Ich hatte das Empfinden, mich in den Kellern einer geheimen Organsisation zu befinden.

Der Empfang

Ich ging schnell weiter und gelangte zum Besucherempfang. Mittlererweile war es 11:48 Uhr geworden, der Gesprächstermin war um 12:00 geplant.

Ich stellte mich bei der Dame am Empfang, einer resolut wirkenden Mittfünfzigerin, vor.
Diese bat mich Platz zu nehmen.

Meine Gesprächspartnerin würde mich abholen und zu ihrem Büro begleiten.

Ich nahm in einer voluminösen Sitzgruppe Platz und schenkte mir vom nebenstehenden Servierwagen eine Tasse Kaffee ein. Weiterhin genoss ich noch ein Glas Apfelschorle.
Die dazugehörigen Kekse und Schokowaffeln rundeten wohlschmeckend meinen positiven Eindruck im Wartebereich ab.

Die resolut wirkende Dame schien mein Empfinden nicht zu teilen. Ab- und zu schleuderte sie giftig empfundene Blicke zu mir herüber.

Die Minuten verrannen.

Ich blätterte in einer AWG-Mitarbeiterzeitschrift. Dort las ich einen Artikel über die Vorteile der "unselbständigen" Selbständigkeit als Finanzdienstleistungsvermittler gegenüber einer Festanstellung z.B. im öffentlichen Dienst. Der öffentliche Dienst biete bei weitem nicht die Sicherheiten, Einkommen und Entwicklungsmöglichkeiten, wie oftmals angenommen.

Das sei ein Trugschluss. Ein selbstständiger Finanzdienst-leistungsvermittler sei da wesentlich besser gestellt.

Außerdem werde die Zahl der
Festangestellten in den nächsten Jahren dramatisch sinken. Selbständige und Freiberufler werden auf dem Arbeitsmarkt dominieren, so der Autor des Artikels.

Ich dachte mir meinen Teil und blätterte weiter.

Ein anderer Artikel beschäftigte sich mit der Büroarbeit der selbständigen Außendienstler im Finanzdienstleistungsbereich. Die Störungssuche und -behebung von Netzwerk- und PC-Problemen sei vergeudete Zeit. Dies sei Aufgabe von externem Dienstleistern. Was Höhe der Kosten für diese betrifft?
Da wusste der Autor nur eine Lösung: VERKAUFEN, VERKAUFEN und nochmals VERKAUFEN!
Das bringt Provisionen in satten Euros! Damit könne man externe Dienstleister bezahlen.

Inzwischen war der Uhrzeiger auf 12:13 Uhr vorgerückt.
Wir erinnern uns. Die Gesprächszeit war für 12:00 Uhr gebucht.

Ich begab mich zum Empfangstresen. Dort signalisierte ich, dass ich nicht länger warten wolle. Weitere Folgetermine verhinderten dies. Die resolute Dame setzte ihr strengstes Dienstgesicht auf und drückte einen verborgenen Knopf an der Seitenwand ihres Schreibtisches.

Ich sagte zu ihr "Es tut mir leid, dass meine Gesprächspartner für mich heute keine Zeit hatten. Ich melde mich noch einmal und vereinbare einen neuen Termin".

In diesem Moment öffnete sich die Tür, ein junger Mann kam auf mich zu, reichte mir die Hand und stellte sich vor. Gemeinsam fuhren wir mit dem Aufzug in eine der oberen Etagen.

Kurz darauf trafen wir im Büro auf meine geplante Gesprächspartnerin, welche mich schon erwartete. Frau P. schätzte ich auf Ende 20, eine attraktive und sportliche Frau. Mein Begleiter warf ihr über meinen Kopf die Bemerkung zu:"Da ist er, er wurde schon ganz unruhig".

Beide tauschten über meinem Kopf Blicke und Zeichen aus.

Dann verschwand der junge Mann und schloss von außen die Tür.

Ich schaute mich im Büro um. An einer Pinwand hing ein A4-Blatt, auf welchen "Kopfprämien" für das "Einfangen" neuer Mitarbeiter ausgeschrieben wurden. An die genaue Höhe des Betrages erinnere ich mich nicht mehr. Es war aber ein dreistelliger Eurobetrag.

Der Dialog

Nach dem einleitenden Smalltalk über begann mir meine Gesprächspartnerin den Verlauf zum Finanzberater zu mündlich zu skizzieren.

Als erstes solle ich, mehrmals wöchentlich, Schulungen besuchen.
Dort würden mir die Beratergrundlagen vermittelt.
Von mir wurde erwartet, nahezu täglich in der Geschäftsstelle zu erscheinen.

Ich fragte nach dem Einkommen als Finanzberatungsexperten-Anwärter.

"Oh" entgegnete Frau P. "In den ersten Monaten gibt es gar kein Einkommen". "Das sei einkommenstechnisch aber sehr, sehr schlecht" erwiderte ich. "Was ist denn die Ursache für das fehlende Einkommen?" fügte ich fragend hinzu. "Zu Beginn Ihrer Tätigkeit erhalten Sie noch keine Provisionen, da Sie ja noch nichts verkaufen" erklärte mir Frau P. "Wie lange dauert es, bis ich eine Provision erhalte" bohrte ich weiter.

"Wenn Sie am Monatsanfang einen Vertrag schreiben, beginnt dieser Vertrag in der Regel am Ersten des Folgemonats. Dann beginnt der Kunde mit der Beitragszahlung. Ein bis zwei Monate dauert das Abrechnungsprozedere. Erst dann erhalten wir" Frau P. beschrieb mit den Armen einen weiten Kreis "und auch Sie ihren Anteil".

Ich ächzte: "Das dauert ja bis zu 4 Monaten bis ich hier ein Einkommen erhalte. Eine Musteranleitung für die Privatinsolvenz." Ich fügte die Frage hinzu: "Wie bestreiten denn die anderen neuen Mitarbeiter, vier Monate ihr Auskommen ohne Einkommen?"

"Vom Arbeitslosengeld" antwortete Frau P. "Deswegen stellen wir nur Arbeitslose ein. Die verkaufen dann Versicherungen, etc. und stocken sich damit die Arbeitslosenbezüge auf." ergänzte sie.

Ich war sprachlos.

"Ist das nicht Sozialbetrug?" wollte ich daraufhin von ihr wissen.
"Nein, Nein" antwortete Frau P. "Das sind ja alles Selbstständige und somit sind sie steuer- und sozialrechtlich alle für sich selbst verantwortlich. Jeder muss selber wissen was er macht. Aber wie sieht es denn nun mit Ihnen aus?"

Frau P. strahlte mich wie ein Honigkuchenpferd an.

"Schlecht" erwiderte ich. "Ich kann mir den Job nicht leisten, kein Geld" ergänzte ich. "Aber sie erhalten doch Geld von der Arbeitsagentur oder Hartz IV. Das geht auch noch".
lockte Frau P.

"Das ist ja gerade mein Problem". Ich setzte ihr das in der Einleitung genannte Szenario des Selbstständigen entgegen.

"Hm" Frau P. stutzte.

Ich fuhr weiter fort "Vier Monate ohne Einkommen, das halte ich nicht durch. Meine monatlichen fixen Kosten kann ich damit nicht decken. Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch wäre die Folge. Hilfe! Hier werden ja marktwirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten ausgehebelt. Arbeiten ohne Einkommen. Da ging es ja den antiken Sklaven besser. Die bekamen wenigstens noch etwas zu essen".

Meine Gesprächspartnerin nickte. "Kann ich verstehen".

Hierbei fiel mir noch ein Gespräch mit einem jungen Mann, einige Jahre vor diesem Bewerbungstest ein. Dieser junge Mann wollte mich auch für den AWD werben. Er schwärmte vom grossen Geld und einem tollen Team. Als ich ihn danach fragte, wieviel Euro er beim AWD bisher verdient hat, nannte er mir nach einigen Überlegen die Antwort: "NICHTS".

Mich interessierte noch der Arbeits- und Zeitaufwand im Verhältnis zur Provision für die Vermittlung von Finanzprodukten.

Frau P. winkte ab. "Das kann man mit Worten nicht beschreiben, mit Geld nicht bezahlen und in Zeit nicht messen. Der Aufwand ist unglaublich" so die Worte von Frau P.

Zum Abschluss berichtete sie mir, dass der AWD u.a. Sportvereine mit selbstständigen Vermittlern infiltriere um dort über die "Kumpelmasche" Finanzdienstleistungsprodukte zu verkaufen.

Ich gab Frau P. zu verstehen, dass ich nicht für den AWD tätig sein wollte. Ausschlaggebend sei die lange, einkommenslose Vorlaufzeit.

Meine Zeit war nun abgelaufen.

Ich verabschiedete mich von Frau P. welche mir noch schnell ihre Visitenkarte zusteckte. Für alle Fälle, wie sie meinte.

Der junge Mann tauchte wieder auf, um mich zum Ausgang zu begleiten.

Der Bewerbungstest war nun beendet.

Fazit

Gut:

Gut fand ich die offene Kommunikation von Frau P., welche sie ohne suggestive, lügnerische und neurolinguistisch-manipulative Elemente gestaltete.

Weniger gut:

Aufgrund der langen Vorlaufzeit (etwa vier Monate) bis zur ersten Provisionsauszahlung, ist diese Tätigkeit für die Gewinnung eines exisistenzsichernden Einkommens NICHT zu empfehlen.

Weiterhin unterliegen ALLE Provisionen aus der Vermittlung von Finananzdienstleistungsprodukten einer Stornohaftung.
Darunter verbirgt sich folgendes:

Storniert der Kunde das abgeschlossene Produkt (Kündigung eines Bausparvertrages, Kapitallebensversicherung, etc.) muss der selbstständige Handelsvertreter seine bereits erhaltene und verzehrte Provision zurückzahlen.

In einem "normalen" Verkaufs-Unternehmen wie z.B. Karstadt, Edeka, OBI, etc. muss der Verkäufer ja auch nicht einen Teil seines Gehaltes zurückzahlen, wenn es sich der Kunde anders überlegt hat und die Ware gegen Geld umtauscht.

Beispiel Buchladen.

Ein Kunde kauft ein Heimwerkerbuch für 20,00 €. Mit Benutzung des Buches verursacht er fürchterliche Zerstörungen und Verwüstungen in seiner Wohnung mit den in diesem Buch empfohlenen Werkzeugen. Außerdem verletzt er sich selber dabei. Mit verbundenen Händen und stark frustriert bringt er das Buch zurück und tauscht es gegen ein Kochbuch für 10,00 € und eine Gutschrift von 10,00 € um.

Beim Nachkochen der Rezepte aus dem neu erworbenen Kochbuch verursacht er eine Explosion in seiner Küche. Seine Speisen sind so mißraten, dass er selber und seine Gäste mit Blaulicht in das Krankenhaus gefahren (oder geflogen) werden müssen.

Auch dieses Buch bringt der Kunde enttäuscht in die Buchhandlung zurück und lässt sich die 10,00 € auszahlen. Der Verkäufer behält sein Gehalt trotzdem, ungeachtet seines eigenen Arbeitsaufwandes bei der Beratung und der Umtausch-/Rückgabeaktion des ungeschickten Kunden.
Was kann er denn dafür, dass der Kunde so ungeschickt war!

Aus diesem Grund halte ich einen derartigen Einkommenserwerb (Einkommenserwerb mit Rückforderung) äußerst bedenklich und besonders existenzgefährdend.

Weiterhin gefiel mir der Umgang mit den Mitarbeitern nicht. Das Bild des rundlichen Mannes, welcher abgeführt wurde, weil er keinen Verkaufsabschlussabschluss erzielte, blieb mir in unangenehmer Erinnerung.

Auch die Unpünktlichkeit meiner Gesprächspartnerin zu Beginn, sowie die Blickwechsel und Zeichen über meinen Kopf hinweg, konnten mich nicht begeistern.

Wertschätzung von Mensch zu Mensch konnte ich hier nicht entdecken.

Nachwort:

Dieser Bewerbungstest beinhaltet nur den ersten Eindruck vom beschriebenen Unternehmen. Allerdings auch den wichtigsten und entscheidensten. Stimmen hier die Parameter nicht überein, kommt es zu keiner Zusammenarbeit.

Natürlich habe ich in diesem Unternehmen nie gearbeitet.

Aber dieser erste und entscheidende Eindruck haben mir ein gutes, wenn auch oberflächliches Bild, des beschriebenen Unternehmen geliefert. Dieser war für die Entscheidungsfindung, Einstieg oder Nichteinstieg, äußerst wertvoll   
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