A 2 Kreuz Oberhausen - Dreieck Werder

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Von der Autobahn A2

4  28.10.2003

Pro:
gut ausgebaut, nette und gemütliche Raststätten

Kontra:
gefährlich, teilweise unsaubere Parkplätze

Empfehlenswert: Ja 

Elchkopf

Über sich:

Mitglied seit:16.05.2001

Erfahrungsberichte:341

Vertrauende:161

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 137 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Meine Freundin Stephi und ich haben uns vor über sechseinhalb Jahren kennen gelernt. Damals machte ich meinen Zivildienst in Eberswalde (Brandenburg) und sie wohnte in Radevormwald (NRW). Wir führten also eine klassische Fernbeziehung – Billigflieger wie heutzutage HLX gab es noch nicht und selbst mit der guten alten Bahncard war diese Art der Fortbewegung einfach viel zu teuer. Was blieb war also nur der PKW, damals mein roter Seat Ibiza. Und um zu meiner Liebsten zu kommen musste ich quer durch Deutschland reisen, den Großteil auf der A2 – jene Autobahn, die ich Euch heute einmal vorstellen möchte bzw. von der ich Euch ein paar Eindrücke erzählen werde.

••• Infos •••

Die Autobahn A2 beginnt auf der einen Seite am Dreieck Werder [Brandenburg], das liegt bei Potsdam (meinem Wohnort) und endet am Kreuz Oberhausen [Nordrhein-Westfalen]. Man durchquert auf Ihr neben den genannten Bundesländern auch Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die Länge der am häufigsten befahrenen Autobahn Deutschlands beträgt 486 Kilometer und sie ist fast vollständig 3-spurig-ausgebaut (lediglich drei Steckenabschnitte fehlen noch). Normalerweise gebe ich an dieser Stelle auch immer Kontaktdaten an, dies erscheint bei einer Autobahn allerdings doch etwas schwierig. Dennoch habe ich einen kleinen Tipp für alle Vielfahrer und Autobahn-Interessierten: unter www.autobahn-online.de findet man zahlreiche Infos rund um die Geschichte der Autobahnen, Planungen für zukünftige Strecken oder aktuelle Baustellen deutschlandweit.

Der bisher schlimmste Unfall ereignete sich vor einigen Jahren bei Hämelerwald. Zu Ostern krachte ein PKW-Fahrer in einer Baustelle bei Tempo 120 gegen die Leitplanke und wurde in den Gegenverkehr geschleudert. Zahlreiche Autos wurden aufgeschlitzt und es starben insgesamt 7 Menschen. Der Unfallverursacher überlebte…

Die meisten Unfälle passieren bei Irxleben (nahe Magdeburg). Nahezu täglich gibt es dort einen Crash mit Schwerverletzten oder Toten. Man kann eigentlich darauf warten – und es passiert wirklich jedes Mal, wenn wir unterwegs sind: entweder auf unserer Seite oder gegenüber. Man hat sich auch schon mal wissenschaftlich mit diesem Phänomen beschäftigt…eine Erklärung gibt es allerdings nicht. Es werden Erdstrahlen oder Wasseradern vermuten, die hierfür verantwortlich sind. Ich halte das für Quatsch, aber merkwürdig ist es dennoch: ein gut ausgebautes Stück Autobahn, völlig geradlinig und ohne große Herausforderungen. Auf jeden Fall mein Tipp: fahrt dort besonders vorsichtig!

••• Erlebnisse / Geschichten •••

Wenn man so oft und so lange unterwegs auf der Autobahn ist wie ich, dann erlebt man die tollsten Sachen. Teils lustig, teils gefährlich – es ist eigentlich jede Gefühlslage vertreten. Ich möchte Euch heute einfach mal ein paar kurze Anekdoten erzählen…schließlich soll es ja ein Erfahrungsbericht werden.

 Stau

Staus gehören in den Zeiten des heutzutage wahnsinnig hohen Verkehrsaufkommens zur Normalität. Nicht vergessen werde ich aber jene, die mich mehrere Stunden auf der A2 festgehalten haben. 1998 verbrachte ich fast 8 Stunden um vielleicht 50 m vorwärts zu kommen: es hatte sich ein schwerer Unfall mit Toten ereignet (bei Irxleben/Magdeburg) und nichts ging mehr. Dummerweise war ich nur wenige Minuten entfernt – zehn Minuten früher und ich wäre vorbei gewesen. Naja, nun stand ich da und wartete. Todmüde nach dem geleisteten Zivildienst und noch immer stundenlange Autofahrt auch nach dem Stau vor mir… Nach 5 Stunden ging es endlich weiter. Aber halt, was war das? Vielleicht 200 Meter fuhr es stockend und dann stand wieder alles. „???“ ging es mir durch den Kopf – und wenige Augenblicke später kamen Rettungswagen, Polizei, Feuerwehr und THW. Richtig, es hatte wieder gekracht – bei der Stauauflösung…nun verbrachte ich auch die restlichen 3 Stunden mit Stehen und gute Mine zum bösen Spiel machend. Losgefahren bin ich an diesem Tag um 14.30 Uhr, geschafft hatte ich 600 Kilometer dann um 03.46 Uhr nachts, denn auch in der Folgezeit waren kleinere Staus mein Schicksal.

Das war der schlimmste Stau, aber auch andere waren sehr anstrengend: nach der Loveparade (wir waren nicht dort) saß ich bei Brandenburg mit Stephi und 30° Außentemperatur auf der A2 fest, während die rückreisenden Raver ihren Techno-Murks bis zum Anschlag aufdrehten und mit Trillerpfeifen weiter feierten. Nun ja, das war doch arg belastend. Schuld war ein LKW mit Marmelade, die sich auf der Autobahn verteilte und sofort festklebte…bei den Temperaturen kein Wunder.

Schlimmer Unfall - und jetzt auch letzte Geschichte dazu – dann vor anderthalb Jahren in Hannover: Vater und 2-jähriges-Kind von der Fahrbahn abgekommen und beide tot. Wir standen wieder stundenlang auf dem Weg zu Stephis Eltern und ich hielt es einfach nicht mehr aus – wollte ich doch kurz vorher auf die Toilette gegangen sein…und jetzt nur noch bis zum nächsten Parkplatz fahren. Nun ja, lange Rede kurzer Sinn: ich missbrauchte bzw. zweckentfremdete eine 1.5 Liter Coca Cola-Flasche, irgendwie ziemlich eklig und peinlich; noch heute werde ich damit aufgezogen – aber was will man machen, es ging einfach nicht anders. Im Radio wurde der Stau übrigens nicht angesagt…

 Das Leben zieht vorbei

Man selbst fährt ja auch nicht perfekt – und viele meinen: auf der Autobahn zu fahren ist das leichteste was es gibt. Dem widerspreche ich vehement und sage – es ist wohl am meisten anstrengend und gefährlich. Die hohen Geschwindigkeiten erfordern die volle Konzentration und die meist drei Spuren haben es wirklich in sich. Nicht selten habe ich erlebt, dass ich einen LKW überhole, mich wieder rechts einordnen will und auf einmal kommt jemand, der den LKW rechts überholte und will in die Mittelspur einscheren…Glück, wenn dann noch Platz ist zum Ausweichen.

Gefährliche Situationen hatte ich auf der A2 bisher zahlreich: allen voran die Drängler. Ja, ich fahre nur 120 km/h – höchstens mal beim Überholen schneller. Um Sprit zu sparen und der Sicherheit wegen… Aber wenn mich dann jemand von der Mittelspur drängeln will, obwohl links alles frei ist, dann platzt mir doch der Kragen. Lichthupe, Hupe oder Vogel-Zeigen gehören da noch zu den harmloseren Geschichten. Motorradfahrer sind auch immer wieder für Überraschungen gut, wenn sie mit 250 km/h aus dem Nichts von hinten auftauchen und dann nachts auch noch unbeleuchtet: ich bin wirklich froh, dass hier noch nichts passiert ist. Unbeleuchtete Fahrzeuge sind übrigens auch was feines, wenn sie abends vor einem wie eine Wand aufkreuzen…

 Fernfahrer

Sie sind mir die liebsten – interessanter Fahrstil, die BILD-Zeitung auf dem Lenkrad ausgebreitet und denken sie wären 18-Tonner-Schumis, wenn sie die linke Fahrspur blockieren. Damit eins klar ist: das sind keine Vorurteile, nach –zigtausend Autobahnkilometern kann ich wirklich sagen, dass diese Spezies am schlimmsten ist. Wenn man sich dann auch noch Reportagen im Fernsehen anschaut, in denen Trucker Interviews geben und Sachen sagen wie „Ich sterbe irgendwann auf der Autobahn…“, „Mir doch egal – wenn jemand drängelt, dann lass ich es drauf ankommen und schiebe ihn zur Seite; mein LKW ist eh viel stärker“ dann kriegt man doch wirklich Angst. Natürlich sind nicht alle so – und es gibt auch wirklich nette Fahrer, die mitdenken und verantwortungsbewusst ihre „Waffe“ lenken. Respekt habe ich und mulmig wird mir, wenn ich in einen Stau gerate und hinter mir ein LKW fährt…man liest in letzter Zeit ja viel über diese Art von schweren Unfällen.

 Parkplätze

Hin und wieder kommt es auf einer so langen Fahrt vor, dass man mal auf die Toilette muss. Um nicht unbedingt an eine Raststätte zu müssen, weicht man eben auf die Parkplätze aus. Meist stehen dort nur stinkige Dixi-Klo’s oder aber neuerdings immer mehr feste Häuschen. Nun kann man nicht pauschalisieren: natürlich gibt es solche und solche, aber auf der A2 sind sehr viele dieser Häuschen verdreckt. Trotz größter Vorsicht muss man höllisch aufpassen, nicht in einen „Haufen“ zu treten. Man fragt sich wirklich, ob diese Leute die dermaßen rumsauen, den Namen Mensch verdienen… Während dann bei den Frauen zumindest die Wände sauber sind, erscheinen bei den Männer dort die diversesten ‚Kunstwerke’ – von altbekannten Reimen wie „In diesem Klo da wohnt ein Geist…“ bis hin zu Telefonnummern von homosexuellen Truckerfahrern (hunderte!) ist wirklich alles dabei. Wäre es nicht so traurig, man müsste über viele Sprüche wirklich lachen.

 Geisterfahrer

Richtig mit der Angst zu tun bekam ich es im Jahr 2000, als im Radio ein Geisterfahrer angekündigt wurde – und dann auch noch auf dem Streckenabschnitt, auf dem ich unterwegs war: zwischen den beiden genannten Ausfahrten bewegte ich mich. Tausend Gedanken schießen einem in diesem Moment in den Kopf: ganz rechts auf die Standspur und anhalten? Aber was, wenn der Kaputte dann dort fährt um sich selbst zu schützen? Was, wenn er direkt auf einen zusteuert? Ausweichen und die Leute hinter mit im PKW opfern, weil diese ihn dann erst zu spät erkennen? Letztendlich schraubte ich meine Geschwindigkeit herunter und hielt mich ganz rechts…wie (fast) alle anderen auch. Die Gefahr war sehr schnell vorüber – ich habe ihn Gott-sei-Dank nicht getroffen, vielleicht war es ja auch nur eine Fehlinformation. Dennoch werde ich diesen Moment nie vergessen, das war ein echter Schock…erlebt auf der A2.

 Nicht zu fassen

Unvergessen dann noch der Tag, an welchem ich in Braunschweig in einer Baustelle (2m-Spur) in einen Stau geriet: nach zehn Minuten nämlich und dem Reißverschlussverfahren bei welchem alle von links auf die rechte Spur mussten, sah man den Grund des Staus: ein älteres Ehepaar hatte auf der linken Spur geparkt und der Fahrer (Opi) hatte in aller Seelenruhe nichts besseres zu tun, als die Straßenkarte zu wälzen. Man fasst es nicht, oder? So debil kann man doch gar nicht sein… Überhaupt bin ich der Überzeugung, dass Senioren auf ihre Fahrtauglichkeit hin überprüft werden müssen, aber das ist ein anderes Thema. Nur noch soviel, damit mich keiner falsch versteht: dasselbe fordere ich auch für Führerscheinneulinge (PS-Begrenzung in den ersten Jahren auf 45, zweite Prüfung nach Ablauf der Probezeit).

••• Fazit •••

Weit mehr als 70.000 Kilometer dürfte ich mittlerweile auf der Autobahn 2 in meinen 8 Jahren als Autofahrer zugebracht haben. Die Erinnerungen gehen dabei über gefährliche Situationen mit anderen Fahrern bis hin zur Vorfreude auf das, was mich am Ziel erwartete. Insgesamt ist die A2 eine wichtige und gute Strecke, die man bei Bedarf nicht meiden sollte – es macht Spaß auf ihr zu fahren. In diesem Sinne,

Tschüss, Elchkopf
28-10-2003

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
andreasloy

andreasloy

30.10.2003 13:44

Aus dem Leben eines Autofahrers ;-) - ich habe bisher nur die A8 einmal kurz als Beifahrer erlebt. Super umfangreich der Bericht, da fehlt wirklich nix :-)

lascivious_cat

lascivious_cat

29.10.2003 20:02

Der Bericht ist gut. Sehr lang - viel Zeit genommen. Unterhaltsam das ganze. Mein Ding ist: Du hast oft von Sachen wie Unfälle und Staus geschrieben die schon eine ganze Weile her sind... Sehr interessiert hat mich der Abschnitt mit den Unfällen in Nähe Magdeburg.

Violinchen28

Violinchen28

29.10.2003 16:30

Ein sehr ausführlicher und kompetenter Bericht kann dir in allen Punkten voll zustimmen. Übrigens ich fahre auch in Remscheid ab und bewege mich in Richtung Hückeswagen/ Radevormwald/ Wipperfürth biege aber dann auf der Geraden nach Rade ab da ich bis Wipperfürth muß um meine Familie und Freunde zu besuchen. Ich habe von Pi aus etwa die Strecke von 420 Km vor mir um dort hin zu gelanegen. Könnte hier wohl auch einen eigenen Bericht schreiben.*gg* Gruß Violinchen

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