Ä / Max Goldt

Ä / Max Goldt

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Äh, ja und? – Ungefähr das habe ich gedacht, als ich auf einen Zug wartend mal wieder in einer Bahnhofsbuchhandlung umherstöberte und auf das Buch "Ä" von Max Goldt stieß. Bei dem blöden Titel muss es einem ja gleich ins Auge springen... ;-) Ein aussagekräftiger Buchtitel, nicht wahr? Es heißt ... Bericht lesen





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1-6 von 7 Erfahrungsberichten    
> Alle 7 Ä / Max Goldt Erfahrungsberichte anzeigen
Ä – Äh, ja und?
Erfahrungsbericht von Espionne über Ä / Max Goldt
13.12.2002


Produktbewertung des Autors:   


Pro: messerscharfe Satire / sprachlich geschliffene Formulierungen
Kontra: Nicht alle Kolumnen können das hohe Niveau und den hohen Unterhaltungswert mancher Texte halten

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Äh, ja und? – Ungefähr das habe ich gedacht, als ich auf einen Zug wartend mal wieder in einer Bahnhofsbuchhandlung umherstöberte und auf das Buch "Ä" von Max Goldt stieß. Bei dem blöden Titel muss es einem ja gleich ins Auge springen... ;-) Ein aussagekräftiger Buchtitel, nicht wahr? Es heißt wirklich einfach nur "Ä", ob man’s glauben mag oder nicht.

Meine Neugier war auf jeden Fall geweckt und das Buch nach kurzem Durchblättern und zaghaftem Anlesen wenige Augenblicke später gekauft. € 7,95 sind ja auch nicht die Welt. Und bereut habe ich diese Investition schon gar nicht...


[ Ä ]

Autor des merkwürdigen Buches mit dem merkwürdigen Titel ist Max Goldt. "Max Goldt – ein Name wie ein Peitschenhieb" schreibt der Autor so schön in seinem Vorwort, aber wer ist dieser Kerl, der sich für einen Peitschenhieb hält? Max Goldt zeichnete sich lange Jahre für die Kolumne im Satiremagazin Titanic verantwortlich. Der Peitschenhieb kommt also nicht von ungefähr...

Sammlungen dieser Kolumnen sind nach und nach auch in Buchform erschienen. "Ä" ist eines dieser Bücher und enthält 24 Kolumnen aus den Jahren 95 und 96. Für das Buch wurden sie teilweise noch einmal überarbeitet oder "aufgemotzt", wie der Autor es ausdrückt. Die eigentlichen Kolumnen nehmen jeweils nicht mehr als 10 Seiten ein. Man kann das Buch also recht gut immer mal wieder zur Hand nehmen und einfach Draufloslesen.

Beim ersten Durchblättern blieb ich gleich auf einer der Fotoseiten hängen. Hier werden ein paar Fotos gezeigt, die teilweise gar nicht komisch sind, es aber spätestens durch den bissigen Untertitel des Autors werden. Als Beispiel sei hier auf ein Foto verwiesen, das eine übermäßig aufgebrezelte Tunte mit einer riesigen Federboa zeigt. Darunter ist zu lesen: "Sie denkt: Was glotzen Sie denn so? Wenn der Bundespräsident zur Gartenparty in den Schlosspark Bellevue einlädt, kann man ja schließlich nicht in vollgekackten Jeans antanzen."

Auch eine Handvoll ausgewählter Cartoons findet man im Buch. Max Goldt bringt nämlich zusammen mit Stephan Katz Comics heraus, so dass es nicht verwundert, dass ein paar dieser Werke auch ihren Weg in dieses Buch fanden.

Bleibt man beim ersten Durchblättern mal auf einer der Bildseiten hängen, offenbart sich gleich der etwas skurrile Witz, der die Bücher von Max Goldt ausmacht. Sein Humor ist schon etwas eigenwillig, aber auch liebenswürdig. Kleinode der Schreibkunst findet man in diesem Buch und es ist wirklich ein Genuss sie zu lesen...


[ EIN KRITISCHER BLICK IN DIE KOLUMNEN ]

Doch wie sind sie denn so, die Kolumnen von Max Goldt? Witzig und satirisch, so viel sollte schon von vorneherein klar sein, wenn man bedenkt, dass der Autor die Texte für Titanic geschrieben hat. Die Titel der einzelnen Kolumnen muten schon etwas komisch an. Was soll man denn von Texten erwarten, die mit "Zur Herzverpflanzung fährt man nicht mit dem Bus" oder mit "Veränderungen des Neigungswinkels von Hutablagen sind keine Hausmädchenarbeit" oder auch mit "Hamburger können keine Schleife" betitelt sind?

Thematisch reißen die Kolumnen die unterschiedlichsten Themen / Szenen einer Gesellschaft an. Goldt springt von einem Thema zu nächsten. Ging es gerade noch um die Absurdität der In & Out-Liste der Bild-Zeitung, so geht's im nächsten Absatz auf einmal um Liveübertragungen von Herzverpflanzungen im Fernsehen. Man findet also im Grunde keinen roten Faden. Goldt greift unterschiedlichste Beobachtungen, die er gemacht hat auf und sobald ihm zu irgendeinem Stichwort etwas anderes einfällt, wechselt er das Thema. Das heißt aber nicht, dass die Texte chaotisch und nicht nachvollziehbar sind. Man kann als Leser jederzeit gut folgen.

Im Wesentlichen geht es in den Texten um ganz alltägliche Beobachtungen aus unserer Gesellschaft. Spitzfindig weist Goldt auf kurioses und banales hin und stellt den Sinn von Dingen in Frage, über die man sich zuvor eigentlich nie Gedanken gemacht hat. Themen sind beispielsweise: Fotomotive, deutsche Altstädte, Hotelalltag, die nicht jugendfreie Ecke des Internets, Hindernisse beim Plattenkauf, Reisen, bedruckte T-Shirts, Städte und ihr Ruf und noch so viel mehr, dass es den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde alles aufzuzählen. Klingen die Themen in dieser stupiden Auflistung betrachtet noch etwas langweilig und banal, so merkt man bereits nach kurzem Lesen, dass sie es dank der unterhaltsamen Betrachtungsweise des Autors absolut nicht sind.

Mit viel Sprachwitz und einer genauen Beobachtungsgabe und nicht zuletzt auch mit einem Sinn für das Skurrile nähert Goldt sich den Themen an und entwickelt dabei messerscharfe Satire, die in der Tat wie ein Peitschenhieb daher kommt. Seine Texte sind bissig, auch wenn sie auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Dabei macht er auch vor den skurrilsten Themen nicht halt: Samenschluckereien, Klofußumpuschelungen, Knallfluchttourismus oder Finanztantenhappen.

Hä? Merkwürdige Wortkreationen, denkt ihr? Ja, davon gibt's in diesem Buch eine ganze Menge. Denn das besondere an Goldt's Kolumnen sind nicht nur die etwas ungewöhnlichen, obwohl banalen Themen und die etwas merkwürdigen Betrachtungsweisen, auch sprachlich fallen die Texte aus dem Rahmen. Goldt versteht sich wunderbar auf wohlklingende, intellektuell anmutende, aber irgendwie auch skurrile Formulierungen. Die Texte sind schon sehr eigenwillig geschrieben, die Sätze oft verschachtelt. Manchmal drückt er sich etwas umständlich und geschwollen aus, trifft ironischerweise dadurch aber genau ins Schwarze.

Oft wirkt Goldt's Betrachtungsweise irgendwie naiv, wodurch er es aber schafft, auch das abwegigste Thema satirisch aufzubereiten. Mit Blick auf den oft unterschwelligen Humor entfaltet der Sprachwitz seine volle Wirkung. Auch nach dem Lesen erinnere ich mich immer wieder gerne an die Goldtschen Wortkreationen und die paar, die ich mir nach dem ersten Lesen gemerkt habe, gebe ich dann gerne mal bei passender Gelegenheit zum besten.

Humor ist dann auch das richtige Stichwort: Mir ging es beim Lesen oft so, dass ich ganz unverhofft plötzlich laut loslachen musste. Als ich das Buch dann mal während einer Bahnfahrt gelesen habe, wurden mir mein ständiges Grinsen und meine krampfhaften Versuche schallendes Gelächter zu unterdrücken irgendwann zu peinlich. Manch einer im Abteil guckte schon etwas irritiert rüber, so dass ich nicht anders konnte, als das Buch nach einer Weile wieder wegzustecken. Also, wer sich in der Öffentlichkeit nicht zum Horst machen will, sollte das Buch besser im stillen Kämmerlein lesen... ;-)

Schön finde ich auch, dass man das Buch immer wieder mal zur Hand nehmen und häppchenweise darin lesen kann. Und wenn man sich an eine Szene erinnert, die man inhaltlich nicht mehr einordnen kann, schlägt man einfach im Register nach. Ist schon etwas ungewöhnlich, dass so eine Kolumnensammlung ein Register hat, aber es erfüllt, wenn auch nur bedingt, seinen Zweck und lädt schon beim bloßen Querlesen zum Schmunzeln ein, wenn einem Begriffe wie "Pyramiden, muffige", "Jahrtausendwenden-Nörgler" oder "Edel-Bio-Türke" ins Auge springen.

Im Großen und Ganzen kann ich nur sagen, dass mir die Kolumnen sehr gut gefallen haben. "Ä" ist vielleicht nicht das letzte Buch von Max Goldt, das ich mir gegönnt habe. Rückblickend betrachtet gefielen mir zwar nicht alle Kolumnen gleich gut, schlecht fand ich aber auch keine. Goldt schafft es nicht ganz, das hohe Niveau und den hohen Unterhaltungswert mancher Texte durchgängig zu halten. Trotzdem macht das Buch sehr viel Spaß und ich bin froh es gekauft zu haben.

Den Sprachwitz und auch den etwas ungewöhnlichen Humor, den Goldt an den Tag legt, muss man schon mögen. Jedermanns Sache ist das Buch sicherlich nicht, daher würde ich dem potentiell Interessierten, den Tipp geben, einfach im Buchladen einen Blick in das Buch zu wagen und hier und da ein paar Stellen anzulesen. Ich für meinen Teil fand die Lektüre sehr unterhaltsam. Irgendwie mag ich diese skurrile Art von Humor und diese bissige Satire einfach.


[ APPETITHÄPPCHEN ]

Damit ihr eine etwas bessere Vorstellung von Max Goldt's Humor bekommt, gebe ich hier einfach mal ein paar lesenswerte Passagen zum besten:

"Mit dem HEMP-Hut wirbt man für die Freigabe des Hanfanbaus in Deutschland. Das mag als politische Aktion gedeutet werden. Trägt man jedoch einen Pulli mit dem eingestrickten Wort WOLLE, ist das nicht politisch, denn Wolle wird ja bereits angebaut, und zwar auf dem Rücken unschuldiger Schafe. Auf dem Rücken von Pferden baut man keine Wolle an, weil man sich dann zum Pflücken auf einen Stuhl stellen müsste, und das sähe doof aus." (Finanztantenhappen in Freiheit heißen Hering)

"Eine Klodeckelbespannung aus altrosa oder türkisem Frottee mit passender Badezimmermatte und Klofußumpuschelung lässt weder humanistische Bildung noch Adel erahnen. Doch muss man differenzieren: Die vor der Wanne liegende Matte mindert das Risiko feuchtfüßigen Ausgleitens, des leidigen "Pardauz, Tatü-Tata, Friedhof". Aber warum müssen Toiletten umpuschelt werden?" (Die Mitgeschleppten im Badezimmer)


[ BUCHDATEN ]

Max Goldt – Ä
Erstmals erschienen 1997
Taschenbuch erschien im Heyne Verlag
204 Seiten
€ 7,95
ISBN 3-453-13715-9


[ FAZIT ]

Für Freunde satirischer Lektüre oder auch für Freunde der Popliteratur à la Benjamin von Stuckrad-Barre ist "Ä" sicherlich ein lohnenswerter Lesegenuss. Ich kann das Buch im Grunde nur empfehlen, wenn auch nicht uneingeschränkt für jedermann. Wer den skurrilen Humor und Sprachwitz des Autors nicht nachvollziehen kann, der wird an den Kolumnen wahrscheinlich nicht so viel Freude haben.

Als abschließende Beurteilung gibt's von mir 4 Sterne. Mich haben einfach nicht alle Texte gleichermaßen begeistert. Man darf sich gerne im fahlen Schein der Mondsichel versammeln und mir einen Galgen zimmern wenn ich irre, aber hier und da hatte ich schon den Eindruck, dass einzelne Kolumnen etwas schwächer sind (...um auch in diesem Bericht gleich mal einen "Goldtismus" zum besten zu geben *g*).

So oder so, von Humor und Schreibstil des Autors bin ich auf jeden Fall begeistert, so dass insgesamt ein sehr positiver Gesamteindruck zurückbleibt. War bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich das Buch gelesen habe...


Goldtige Grüße,
Meike

   

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05.03.2002
(20.10.2003)
Elegante Konversation im Philharmonic Dining Room
Bewertung für Ä / Max Goldt von BillMaplewood

Pro: amüsanter ironischer Schreibstil, locker zu lesen, witzig
Kontra: kleine Niveuschwankungen

Max Goldt - ein Name wie ein Peitschenhieb. So stellt sich in der Autor Max Goldt in der ersten Zeile im „unseriösen Vorwort voller Produktwerbung“ seines Buches „Ä“ selbst vor! Dieses Buch mit dem denkbar einfachen Titel „Ä“ möchte ich heute vorstellen. ... Bericht lesen

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26.02.2003
Wortspieler und (Un)Sinnsucher
Bewertung für Ä / Max Goldt von adwatcher

Pro: Worte die die Welt bewegen =)
Kontra: nix

...Max Goldt... So lang ist es nicht her, daß ich ihm verfiel - und natürlich nachdem ich "Ä" gelesen hab. Ä besteht aus einer ganzen Anzahl von Wörtern - wunderbaren Wörtern. Was mir gleich zu Begin auffiel, war die geistreiche Idee, dieses Buch mit eine ... Bericht lesen

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20.06.2001
DAS IDEALE GESCHENK !
Bewertung für Ä / Max Goldt von Leitung

Pro: Für beinahe jedermann geeignet und doch nicht platt.
Kontra: Macht süchtig.

Seit ungefähr 10 Jahren kenne ich jetzt Max Goldt. Angefangen hat das mit seinen Kolumnen in der Titanic, die immer populärer wurden , bis es sie eines Tages auch gesammelt als Bücher gab. Das erste war , glaube ich , "Quitten für die Menschen zwischen E ... Bericht lesen

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sehr hilfreich

16.07.2001
Schreiben ist Goldt
Bewertung für Ä / Max Goldt von deepsleeper44

Pro: unglaubliche Wortschöpfungen und Satzkonstruktionen
Kontra: man muss sehen, ob man's mag

Aberwitzige Formulierungen: Das ist Max Goldt. Feinsinniger Beobachter: Das ist Max Goldt. Philosoph? Vielleicht ist Max Goldt auch das. Auf jeden Fall schreibt er für das Satiremagazin "Titanic" und er schreibt sehr gut. In dem Buch "Ä" sind 24 seiner Ko ... Bericht lesen

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sehr hilfreich

23.09.2000

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Ä ist besser
Bewertung für Die Radiotrinkerin / Max Goldt von  krueschan

Pro: witzig
Kontra:

...Nachdem ich von Ä von Max Goldt derart begeistert war (s. meinen Meinung dort), habe ich mir mein zweites Max Goldt-Buch gekauft, eben die Radiotrinkerin. Ich muss sagen, dass die Radiotrinkerin zwar auch ein super Buch ist, ich jedoch, durch "Ä" verwöhnt, etwas enttäuscht war. Am besten gefällt mir in der Radiotrinkerin die Kolumne "10 hoch 58" obwohl es auch eine andere Zahl gewesen sein kann. Man kann also sagen, dass Max Goldt mit der Zeit noch besser geworden zu sein scheint (die Radiotrinkerin umfasst Kolumnen aus den 80er Jahren, während in "Ä" die 90er bedient werden).... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als weniger hilfreich

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01.01.1970


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