Ein neues Abenteuer für die Mini-Schotten
03.09.2006
Pro:
humorvoll, spannend, gut geschrieben
Kontra:
erfordert gute Englisch - Kenntnisse (was eigentlich kein Kontra ist)
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 Lorin76
Über sich:
Nein, ich habe keine Lust auf Leserunden. Ich hoffe, dass meine Berichte aus Interesse gelesen und n...
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Der August war ja recht verregnet und kalt. Was kann man tun, um nicht depressiv zu werden? Zum Beispiel ein erwachsenentaugliches Märchen lesen. Wie das zweite Abenteuer der inzwischen 11-jährigen Nachwuchshexe Tiffany Aching... Zum Autor: Der englische Schriftsteller Terry Pratchett hat inzwischen eine riesige Fangemeinde, auch in Deutschland, die alle seine Scheibenweltromane lieben. Es gibt inzwischen um die 30 Romane von ihm, die alle auf der Scheibenwelt spielen. Terry Pratchett wurde unter anderem mit der Carnegie-Medal ausgezeichnet. Die Scheibenwelt ist, wie der Name schon sagt, eine Scheibe, die auf den Rücken von vier gigantischen Elefanten steht. Diese Elefanten werden wiederum von einer unglaublich großen Schildkröte durchs Universum getragen. Auf besagter Scheibenwelt leben Menschen, Trolle, Zwerge, Golems, Werwölfe, Vampire, Zauberer, Hexen und alle anderen Gestalten, die man auch aus anderen Fantasyromanen kennt. Sehr viele der Scheibenweltromane spielen im maroden Stadtstaat Ankh-Morporkh (dieser allerdings nicht):***Das Buch: Was ungewöhnlich für einen Pratchett-Roman ist, er hat ein Vorwort, in dem die Feegles vorgestellt werden. („The Nag Mag Feegles are the most dangerous of the fairy races, particularly when drunk. They love drinking, fighting and stealing, and will in fact steal anything that is not nailed down...“) Es gibt auch noch ein kurzes Nachwort. Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Bildchen, da aber das Papier so grau und billig ist, sind die Bilder nicht besonders scharf. Schade, denn sie sind recht gelungen. ISBN: 0-552-55264-x, kostet ca 10 €.***Zum Inhalt: Bisher lebte Tiffany immer mit ihren Eltern in den Bergen, in einem Dorf, das hauptsächlich von Schafhirten bewohnt wird. Weil aber in ihrem ersten Abenteuer, „The Wee Free Man“ klar wurde, dass sie außer der Fähigkeit, köstlichen Käse herzustellen auch ein großes Talent zur Hexe besitzt, wurde beschlossen (unter anderem von der mächtigen Hexe Oma Wetterwachs) dass Tiffany im Haushalt einer Hexe das Hexenhandwerk erlernen soll. Tiffanys Eltern denken allerdings, dass Tiffany dort als Dienstmädchen arbeiten wird. Auch ein geheimnisvolles Wesen, das schon auf der Welt war, bevor irgendein Lebewesen entstand, spürt Tiffanys Macht: Es handelt sich um einen „Hiver“, ein gefährliches Etwas, das keinen Körper hat und eigentlich auch nicht lebt, sondern nur existiert. Ein Hiver versucht immer wieder, den Körper eines mächtigen, ehrgeizigen Tieres oder Menschen zu übernehmen. Er bringt allen seinen „Wirtskörpern“ den Größenwahn und schließlich den Tod. Tiffany schwebt also in großer Gefahr, aber sie ist nicht allein. Ihre Verbündeten, die Pictsies oder auch Feegles (kampf- und trinkfreudige Minischotten) bemerken den Hiver und werden Tiffany auch in diesem Abenteuer zur Seite stehen. Übrigens hat sich auch bei den Feegles einiges geändert: Rob Anybody hat die hübsche Jeannie geheiratet, die somit die neue Kelda (Königin der Feegles und Mutter aller neuen Feegles) wird. Jeannie zwingt die Feegles, allen voran ihren Ehemann, lesen und schreiben zu lernen. Oh waily, waily! (Ausdruck großer Verzweiflung.) In ihrem neuen Zuhause lernt Tiffany auch andere Teenager-Hexen kennen. Weil sie in diesem Hexenzirkel von der arroganten Anagramma bloßgestellt wird, lässt sie sich verleiten, wieder einmal ihren Körper zu verlassen. Eine großartige Chance für den Hiver... ***Zum Stil des Romans: Das Buch ist größtenteils in einem guten, modernen Englisch geschrieben. Es ist sehr humorvoll, wobei bei Terry Pratchett auch immer Wortspiele und lustige Redewendungen eine große Rolle spielen. Die größte Schwierigkeit an „A Hatfull of Sky“ ist der Dialekt, den die Feegles sprechen. Dies ist ein vom Autor erfundener Dialekt, der vor allem aus dem Schottischen stammt. Da die Feegles keine besonders tiefschürfenden Gespräche führen, ist das kein großes Hindernis, falls man gut Englisch kann. Es gibt allerdings auch ein kleines Glossar mit den wichtigen Feegle-Begriffen.**Leseprobe (aus einem Gespräch zwischen Rob Anybody und seiner Frau Jeannie): „This not like ye to let someone creep up on ye, Rob Anybody“, said Jeannie, sitting down beside him. Rob Anybody sighed. „Daft Wullie was telling me ye havenae been eatin’ your meals“, said Jeannie, carefully. Rob Anybody sighed. „And Big Yan said when ye wuz out huntin’ today ye let a fox go past wi’out gieing it a good kickin’?“ Rob Anybody sighed again. There was a faint pop followed by a glugging noise. Jeannie held out a tiny wooden cup. In her other hand was a small leather bottle. Fumes from the cup wavered in the air. „This is the last o’ the Special Sheep Liniment your big wee hag gave us at our wedding“, said Jeannie. „I put it safely by for emergencies.“ „She’s no’ my big wee hag, Jeannie“, said Rob, without looking at the cup. „She’s oor big wee hag. An’ I’ll tell ye, Jeannie, she has it in her tae be the hag o’ hags. There’s power in her she doesnae dream of. But the hiver smells it.“***Warum auf Englisch lesen? Ich lese diese Romane so gern auf Englisch, weil sich viele Späße nicht besonders gut übersetzen lassen und die Übersetzung somit immer etwas verliert. Außerdem benutzt Terry Pratchett einen sehr großen Wortschatz, man hat also eine gute Übung. ***Meine Meinung: Mir hat dieses Buch wieder ausgezeichnet gefallen. Tiffany wird älter und der Roman wirkt für mich auch erwachsener als Tiffanys erstes Abenteuer, das noch ziemlich nah am klassischen Märchen war. Tiffanys Kampf gegen den Hiver ist auch spannender und deutlich gruseliger als das erste Abenteuer, das sich um die Rettung ihres kleinen Bruder drehte.Ich mag ja die Nag Mac Feegles besonders gern, weil sie einfach nicht dem gängigen Klischee der Elfen entsprechen. Sie sind nicht besonders hübsch (außer man steht auf kleine, blaue, tätowierte Männer mit roten Haaren und gebrochenen Nasen). Sie sind einfach handfeste Typen, die gern stehlen und trinken, aber auch tapfer und loyal sind. Die Feegles sind so lustig, weil die gängigen Anstandsregeln für sie einfach nicht existieren. Mir hat auch gefallen, wie unterschiedlich die jungen Hexen sind. Eine wichtige Rolle spielt die dominante und arrogante Anagramma, die allerdings auch noch ihr Fett abbekommt. (Das ist in Romanen immer sehr befriedigend.) Sehr originell war auch Tiffanys neue Lehrerin, die eine ungewöhnliche Besonderheit aufweise. Sie hat mehr von einer Sache als alle anderen Menschen. (Was wird hier nicht verraten.) Mir gefällt Terry Pratchetts Ideenreichtum sehr gut. Wenn man bedenkt, wie viele Scheibenweltromane es inzwischen gibt, ist es schon erstaunlich, dass ihm immer wieder etwas neues einfällt. Seit seinen ersten Romanen ist er deutlich besser geworden. Früher bestand sein Humor vor allem aus Klamauk und ulkigen Fußnoten, heute ist er auch noch sarkastisch und sozialkritisch. Was gibt es negatives zu diesem Buch zu sagen? Höchstens, dass das Ende vielleicht ein bisschen lang gezogen ist. Das hat mich aber kaum gestört, es gefällt mir so immer noch besser, als wenn ein Buch zu abrupt endet.Ich empfehle das Buch allen, die gern humorvolle Fantasy lesen. Allerdings sollte man schon den ersten Roman, „The Wee Free Men“ gelesen haben, da dieser Roman doch stark auf dem ersten Abenteuer von Tiffany aufbaut. Aber man muss nicht die anderen Scheibenweltromane kennen, da die Romane um Tiffany nicht so viel mit Ankh-Morporkh etc. zu tun haben.
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01.08.2007 13:58
habe bis jetzt nur vom hörensagen von terry pratchett gehört. dein bericht macht aber durchaus lust aufs lesen. :) grüße, till
03.11.2006 19:33
Hört sich interessant an, jedenfalls der Textausschnitt lässt sehr gutes erhoffen! Toller Bericht und danke für deinen Kommentar; Grüße Superkeks
04.09.2006 19:53
Hab noch genug andere ungelese Pratchetts hier rumstehen ...