Große Namen...
10.10.2004
Pro:
Durchschnittskrimi, also lesbar
Kontra:
Detailverliebtheit und zähe Handlung
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Stil
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 mary-p
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:501
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 67 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Als begeisterte Leserin von englischen Büchern ließ ich es mir nicht nehmen, mir einen Krimi von Donna Leon aufs Glupscherchen drücken zu lassen – hatte ich doch ein großes Gefühl bei diesem Namen im Hinterkopf. Doch große Gefühle können auch täuschen, wie ich bei der Lektüre von „A sea of troubles“ feststellen musste. Der Krimi um den venezianischen Commissario Guido Brunetti besticht hauptsächlich durch übertriebene Detailgenauigkeit und zähe Langeweile.Dabei fängt die Geschichte gar nicht mal so unvielversprechend an. Die kleine Insel Pellestrina, in der Nähe von Venedig, wird eines Nachts aus ihrem Schlaf gerissen, als im Hafen ein Fischerboot explodiert. An Bord sind die Besitzer des schwimmenden Fahrzeugs: Der alte, unbeliebte, griesgrämige Mario Bottin und sein junger, beliebter Sohn Marco. Als Brunetti auf die Insel geschickt wird, um die Sache aufzuklären, stößt er auf eine Mauer des Schweigens in dem kleinen Fischerdorf. Nur Signora Follini, eine ehemalige Drogensüchtige und Prostituierte, die sich nach einigen Schönheitsoperationen einem normalen Leben gewidmet hat, gibt ein paar Details preis – unwillig. Alles, was er herausfindet, ist, dass Bottin vor kurzem einen Streit mit einem anderen Fischer hatte, doch diese Spur verläuft im Sand. Obwohl es ihm nicht gefällt, hängt nun vieles von Signora Elettra ab, die Sekretärin von Brunetti, die, wie jeden Sommer, zu ihrer Verwandschaft nach Pellestrina fährt – nur diesmal mit einer sich selbst auferlegten Aufgabe. Doch auch sie kann nicht wirklich etwas herausfinden und verliebt sich stattdessen in Carlo Targhetta, der sie schnell mit seinem Charme um den Finger gewickelt hat. Mehr aus dezenter Eifersucht forscht Brunetti nach diesem jungen Mann und auf einmal ergeben sich Parallelen zum zweiten Mordfall, der während Signora Elettras Aufenthalt passiert. Signora Follini wird ertränkt im Hafen gefunden... Doch bis es zu diesem zweiten Mordfall kommt, vergeht eine Menge Zeit, aber wie sagt man doch so schön? Alle Wege führen nach Rom! Es führen auch alle Wege zum Ende dieses Buch, aber sie sind lang und von vielen Hängern geprägt. Nachdem der erste Mord passiert ist, folgt eine lange Durststrecke, auf der die Ermittlungen nur stockend vorangehen und stattdessen teils unnötige Dinge über das Leben von Brunetti erzählt werden. Sollte dies die Nerven des Lesers noch mehr anfixen, ist das leider etwas in die Hose gegangen. Es zermürbt sie eher vor Langeweile und das ist wohl nicht Sinn der Sache. Doch auch das countdownartige Ende kann nichts reißen. Dafür war es vorher zu unspannend und dann gefällt mir auch die gesamte Auflösung nicht so ganz. Ein bisschen schwach, wie ich finde, und irgendwie auch undurchsichtig.Die Person des Guido Brunetti ist mir dagegen durchaus sympathisch, auch wenn einige der Gedankenstrecken und Gesprächen mit seiner Frau Paola nicht hätten sein müssen, weil sie unwichtig sind und dadurch nur noch mehr strecken. Guido Brunetti erreicht in meinen Augen zwar nicht die Tiefe eines Kurt Wallander – dafür ist er vermutlich nicht depressiv genug – erweist sich aber trotzdem als durchdachter und authentischer Charakter. Die Nebenfiguren bleiben zumeist im Hintergrund und besonders Arbeitskollegen im Präsidium wirken farblos und schwammig, was man Donna Leon aber nicht vorhalten kann. Schließlich haben diese Nebennebencharaktere keine wirkliche Funktion und kommen nur am Rande vor. Die Sprache ist klar und einfach, in simple Satzkonstruktionen gepackt und in gehobenem Englisch geschrieben. So lässt sich das Buch flüßig lesen und verstehen, auch wenn einige der Begriffe, die für die bereits erwähnten detaillierten Beschreibungen gebraucht werden, nicht geläufig sind. Negativ fällt allerdings die übertriebene Benutzung italienischer Vokabeln auf, für die teilweise eigentlich ein Glossar gebraucht würde. Nicht notwendig ist das beim ständig vorkommenden Wort »telefonino«, aber warum man hier nicht einfach die englische Entsprechung benutzt, ist mir schleierhaft...Wir resümieren also, dass das Buch trotz gehobenerem Vokabular leicht und flüßig zu lesen ist, aber durch seine übertrieben durchgestylte Art, die nichts dem Zufall überlassen möchte, die Nerven des Lesers durchaus strapaziert. Die Handlung ist auch nicht gerade für einen gewagten Luftsprung gut, da sie sich zäh wie Kaugummi vorwärtswälzt und einen beinahe obligatorisch passierenden Countdown besitzt. Donna Leon mag vielleicht einen großen Namen haben, aber das heißt noch lange nicht, dass sie mit diesem Namen auch groß in mein Herz kommen kann. »A sea of troubles« ist in marys Augen nicht mehr als ein Durchschnittskrimi und vermutlich auch nicht weniger und deshalb gibt es drei Sterne dafür und eine Empfehlung an Freunde der Detailverliebtheit. DAS BUCH hat 335 Seiten und erschien 2001 zum ersten Mal. Ich halte die 2002-Taschenbuchausgabe von Arrow Books in den Händen, die bei Amazon 11,50 Euros löhnt.DIE AUTORIN lebte lange in Venedig und hausiert heutzutage in der Schweiz, Iran, Saudi Arabien und China. Weitere Bücher von ihr sind: -Deatj at La Fenice -Death in a Strange Country -The Anonymous Venetian -A Venetian Reckoning -Acqua Alta -The Death of Faith -A Noble Radiance -Fatal Remedies -Friends in High Places
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A Sea of Troubles, Donna Leon
2002, 335 Seiten, Maße: 11,1 x 17,8 cm, Kartoniert (TB), EnglischNow in mass ...
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A Sea of Troubles - Leon, Donna
Taschenbuch, 319 S., Erschienen: 2009
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06.12.2004 18:17
Donna Leon klingt für mich irgendwie abschreckend...weiß auch nicht warum.. *mfg*
10.10.2004 11:00
Ich hab mal irgendwann eine TV-Verfilmung eines ihrer Bücher gesehen, das hat mich auch schon "nicht neugierig" auf sie gemacht...LG! Ilka
10.10.2004 03:44
Habe von der Dame nur mal ein Teil gelesen - und nicht bis zum Ende. Sterbenslangweilig, hölzerne Sprache, überflüssiges Venedig-Geblabber, wenig glaubhafte Figuren, gräßlich. Kann wirklich nicht verstehen, warum sich dieser anstrengende Mist so gut verkauft...