Publizistik in Wien: Katastrophe oder Chance???
20.11.2001
Pro:
Interessantes, abwechslungsreiches Studium
Kontra:
Überfüllte Hörsäle, lange Wartezeiten
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Gesamteindruck der Schule:
Lehrniveau:
Qualität der Lehrkräfte:
Betreuung durch Lehrstühle:
Betreuung der Auslandsstudenten:
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 michou
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Ich befinde mich in der Endphase meines Studiums, Anfang Dezember ist es hoffentlich vollbracht. Ich möchte auch aus aktuellen Anlaß Informationen über das Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Wien bieten: "Zur Lage des Institutes"
Gerade in der letzten Wochen und Monaten gab und gibt es einige Diskussionen über den Zustand des Institutes für Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Aufgrund der Studiengebühren sorgte der besorgniserregende Zustand des Institutes für Aufregung: Überfüllte Hörsäle, monatelange Wartezeiten auf Zeugnisse oder Prüfungstermine, viel zu wenig Personal, über 5.000 Studierende um nur einige Minuspunkte zu nennen. Im Juni 2001 sprach sich Institutsvorstand Univ. Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher in der Zeit im Bild 3 (Nachrichtensendung im ORF) gegen eine Einführung der Studiengebühren für das Studium der PKW in Wien aufgrund der katastrophalen Zustände am Instituts aus, außerdem drohte er mit Aufnahmestop von neuen Studenten. Ich möchte hier einige Aussagen von Univ. Prof. Dr. Langenbucher aufführen (Quelle: www.univie.ca.at/Publizistik/ZurLagedesInstituts.htm): "Die prekäre Situation am Institut resultiert aus einer jahrelang versäumten Anpassung der Ausstattung des Institutes an die ständig steigenden Studierendenzahlen..... Das Mißverhältnis von Studierendenzahlen und zur Verfügung stehenden Ressourcen (Lehrenden, aber auch Hörsäle und Seminarräume) an diesem Institut hat sich seit über einem Jahrzehnt entwickelt. Das Institut wies ständig auf diese Entwicklung hin. Das für diese Entwicklung verantwortliche Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung reagierte darauf nicht und ergriff keine Maßnahmen....Die Universität Wien weist darauf hin, daß unter der gegebenen Budgetknappheit nicht alle Probleme des Instituts unmittelbar lösbar sind.....Um die Mittel für ein mindestens 5-jähriges Überlastprogramm für das Institut werden wir verhandeln - und notfalls kämpfen... Alle Lehrveranstaltungen für Erstsemester werden wie in den früheren Studienjahren aufgenommen...." (Wien, 28. 8. 2001 Wolfgang R.Langenbucher) Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten: ich habe manchmal Semesterlang auf Zeugnisse gewartet, Prüfungstermine waren sehr schwer zu bekommen. Für Seminare mußte man sich anmelden, einen Platz bekam man aber nur sehr schwer oder durch kämpfen vor der Anmeldeliste. Deswegen war es mir manchmal nicht möglich, bestimmte (für mich interesante) Seminare zu besuchen, da diese hoffnungslos überfüllt waren.
Eine kleine Information (wieder aus dem internet): "ACHTUNG - ab diesem Semester keine Anmeldelisten mehr! Aufgrund der bisherigen negativen Erfahrungen bezügl. des nun schon fast lebensgefährlich (!!!) gewordenen Andrangs seitens der Studierenden am Aushängetag gibt es im kommenden Wintersemester (2001/02) keine Anmeldung mehr im herkömmlichen Sinn." Nähere Informationen finden ihr auf der Hompage des Institutes: www.univie.ac.at/Publizistik
Zur geographischen Lages des Institutes: Schopenhauerstraße 32, 1180 Wien. Erreichbar mit der Straßenbahnlinie 41 oder 42 von der Hauptuni oder mit der U Bahn Linie U 6 bis Währingerstraße dann umsteigen in die Linie 41 oder 42, an der nächsten Station aussteigen, ihr überquert die Straße, geht über den Markt hinauf, die zweite Straße rechts abbiegen, und ihr befindet euch in der Schopenhauerstraße, nur noch wenige Meter trennen euch von dem Institut.
Allgemeine Informationen: Tel. Nr. des Institutes: +431/ 4277-0
Öffnungszeiten des Institutes: Mo - Fr 8.00 - 20.00 Öffnungszeiten der Bibliothek: Mo 09.00 - 12.00 Di 09.00 - 19.00 Mi 10.00 - 16.00 Do 10.00 - 19.00 Fr 09.00 - 15.00 Öffnungszeiten der Institutskanzlei: Mo, Di, Mi: 10.00 - 12.00 Do: 12.00 - 15.00
Nun zum Studium selbst: Achtung es soll bald einen neuen Studienplan geben (spätestens ab 2002/03) informiert euch bitte gegebenenfalls zu diesem Zeitpunkt nochmals. Derzeit gültiger Studienplan Publizistik (Mag. Studium):
Erster Abschnitt: 8 Semester Wochenstunden (kurz SWS)Kommunikationswissenschaftliche Einführung 2 SWS Einführung in die Medien und Kommunikationsgeschichte 4 SWS Druckmedien 4 SWS Elektronische Medien 4 SWS Wahlfächer: zum Beispiel: Film, Öffentlichkeitsarbeit, Markt- und Meinungsforschung, Information und Dokumentation, Druckmedien, Elektronische Medien um nur einige zu nennen. 2 SWS Rechtsfach weiters müßt ihr ein weiteres Wahlfach nehmen (das kann auch eine sonstige Lehrveranstaltung einer anderen Sudienrichtung sein, die das Studium in fachlicher Hinsicht ergänzt). Zweiter Abschnitt: 8 SWS Theorien und Methoden der PKW (Vorlesung, Übung, 2 Seminare) 6 SWS Praxisfeld der gesellschaftlichen Kommunikation (Vorlesung, Übung und Seminar) du kannst wählen zwischen folgenden 5: Praxisfeld Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, Medienpolitik und Medienpädagogik, Medienforschung oder Medienökonomie
10 SWS Wahlfächer 4 SWS Vorprüfungsfächer
Hast du diese Hürden absolviert, so suchst du dir einen Professor, der dir dein Diplomarbeitsthema betreut, schreibst so ca. 100 Seiten, verbesserst die Arbeit und gibts ab, falls dein Professor dir seine Zustimmung gibt. Dann wartest du auf den hoffentlich positiven Bescheid und kannst dich dann zur Diplomprüfung anmelden. Für diese mußt du noch einen zweiten Prüfer wählen. Das klingt jetzt alles einfach, doch Vorsicht: erstens mußt du jedes Semester einen irrsinnigen Verwaltungsaufwand hinter dich bringen, der wahnsinnig an den Nerven zehrt und dich ca. 100 Mal zum Aufgeben zwingen will..... Aber nur die Harten kommen durch. Mein Fazit:
Solltest du einen Beruf in den Sparten Journalismus, PR oder Werbung suchen, dann ist das Studium sicher ein guter Einstieg. Allerdings garantiert ein positiver Abschluß noch keinen Job, du solltest also während des Studiums Praktika absolvieren oder als freier Mitarbeiter bei Zeitungen oder Projekten arbeiten. Zähigkeit zahlt sich sicher aus. Auch wenn ich persönlich das Studium schon 100 Mal aufgeben wollte, bin ich nun froh, es durchgezogen zu haben. Die Berufschancen sind durch die Entwicklung der Neuen Medien sicher nicht schlecht, außerdem kann man auch bei größeren oder mittleren Firmen einen Job finden. Zum Zustand des Institutes möchte ich nur so viel sagen: trotz aller Probleme sind die Professoren, Assistenten, Sekretärinnen und das sonstige Institutspersonal hilfsbereit und freundlich. Man muß ihre manchmaligen Launen (besonders der Sekretärinnen) einfach entschuldigen, wenn man aber selbst freundlich und höflich bleibt, klappt alles, irgendwann. Das Studium liefert eine gute Vorbildung, du solltest dich in dem Bereich, der dich interessiert allerdings stets weiterbilden. Der erste Studienabschnitt ist sehr theoretisch, kämpf dich durch, im zweiten wird es besser und praxisorientierter. Ich möchte besonders folgende Professoren nicht unerwähnt lassen, so als meine Empfehlung (das ist aber meine persönliche Meinung, es muß sich jeder selbst ein Bild machen): Univ. Prof. Dr. Thomas A. Bauer Univ. Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher Ao. Prof. Univ. Doz. Dr. Hannes Haas Univ. Ass. Mag. Dr. Klaus Lojka Univ. Doz. Dr. Roman Hummel Univ. Doz. Dr. Wolfgang Duchkowitsch Ao. Prof. Univ. Doz. Dr. Roland Burkart Univ. Ass. Mag. Astin Malschinger
So das wärs, ich hoffe, ich konnte euch etwas weiterhelfen, besonders Studienanfängern. Noch eine Interentadresse für Hilfesuchende (Studienrichtungsvertretung): www.univie.ac.at/STRV-Publizistik/
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03.02.2003 22:33
Wenn man ein Fach irgendwo anders studieren kann, sollte man Wien meiden. Alleine was ich von der Rewi-Fakultät höre, da bin ich ja richtig froh, in Linz gelandet zu sein...
10.02.2002 16:49
Sehr guter, informativer Bericht von Dir! Gruß roadhawk
06.02.2002 13:12
Hi, ich habe Publizistik für 100 Jahren (na, ganz so lange ist es noch nicht her, aber fast *ggg*) in Salzburg studiert, und die vielen Studenten, die vom Wiener Institut ins Salzburger gewechselt haben, haben damals schon all das bekrittelt, was offensichtlich immer noch nicht geändert wurde. Dafür sind unsere Studenten jetzt gezwungen, Studiengebühren zu zahlen. Es ist eine Schande für das österreichische Bildungssystem. Gruß Alexandra