Hinter den Kulissen britischer Verbrecher
19.10.2009
Pro:
gibt einen sehr authentischen Blick hinter die Kulissen,,
Kontra:
nichts gravierendes,
Empfehlenswert:
Ja
 atrachte
Über sich:
...
Mitglied seit:09.04.2004
Erfahrungsberichte:808
Vertrauende:114
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 164 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Gangsterfilme, vor allem jene aus der Traumfabrik Hollywood, neigen in der Regel sehr dazu das Bild des Verbrechers arg zu romantisieren, was dem Medium nicht weiter weh tut, der Thematik aber oftmals ein bisschen Glaubwürdigkeit entzieht. Mit einem solchen Problem hat der Dokumentarfilm „A Very British Gangster“ des irischen Journalisten Donal MacIntyre wohl kaum zu kämpfen, gewährt er doch einen ungeschönten Einblick hinter die Kulissen einer britischen Gangsterfamilie und ihrem Leben. Protagonist dieser, auf der britischen Insel heiß diskutierten und bereits vielfach ausgezeichneten Dokumentation, ist der aus Manchester stammende Syndikat-Boss Dominic Noonan, den das Team um MacIntyre ganze drei Jahre lang mit der Kamera begleitet hat. Noonan gewährte den Filmemachern über diesen Zeitraum eine überraschend intensive Sicht in seine Welt, die auf den ersten Blick bekannte Filmklischees zu bestätigen scheint. Wie Marlon Brando in „Der Pate“ ist auch Noonan in seiner Nachbarschaft eine Art „Sozialarbeiter“, wie er selber sagt, der sich um die Angelegenheiten kümmert, die man der Polizei nicht anvertrauen will, fährt eine gepanzerte Limousine und hat stets eine in Schwarz gekleidete Gefolgschaft um sich. Doch wird das Bild vom glamourösen Lifestyle des Gangster-Bosses spätestens dann gebrochen, wenn die Kamera die glanzlos einfachen Lebensbedingungen von Noonan und seiner Familie einfängt sowie deren ganz gewöhnliche Probleme.
Die große Stärke von „A Very British Gangster“ ist in erster Linie die Tatsache, das Donal MacIntyre die Möglichkeit bekommen hat seinen Protagonisten in wirklich jeder Lebenslage zu begleiten und so einen sehr menschlichen, da sehr authentischen Blick in das Leben von Dominic Noonan und seiner Welt zu erlangen. Egal ob es die „geschäftlichen“ Probleme sind, die Noonan im Kopf Sorge bereiten, seine Konfrontationen mit dem Gesetzt oder seine Rolle als Vater eines elf-jährigen Jungen, der seinen Vater aufgrund dessen Gefängnis Aufenthalte kaum kennt – die Kamera ist in so ziemlich jeder intimen Lage hautnah dabei und zeichnet dadurch ein sehr universelles Bild des Geschehens, wobei es MacIntyre über weite Teile sehr gut gelungen ist weder die Taten seiner dokumentierten Personen zu verharmlosen, noch allzu intensiv mit dem erhobenen Zeigefinger vor zu gehen. Trotzdem stellt der Ire teils auch unangenehme Fragen in den Gesprächen mit Noonan, forscht in seiner Vergangenheit und erkundet, warum sein Gegenüber gerade diesen Weg eingeschlagen hat. Dieser präsentiert sich in den Interviews überraschend offen und weiß sehr gut überlegte Antworten von sich zu geben, lässt sich stellenweise gar zu poetischen Gedankengängen hinreißen. Dabei wirkt der Brite, der auf den ersten Blick jedem gängigen Kinoklischee erhaben zu sein scheint, schnell sehr charismatisch, ja geradezu sympathisch und beweist mit der Zeit, das er mit einem Filmcharakter, wie ihn Al Pacino oder Robert DeNiro spielen würden, doch nur sehr wenig gemein hat, nicht zuletzt wohl da er sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Inszenatorisch schwimmt der Regisseur dabei entgegen den Trend ähnlicher Dokumentationen der letzten Zeit, wie „Cocaine Cowboys“, welche in der Regel recht fetzig aufgemacht sind. Die Bilder von MacIntyre sind trostlos, es gibt kaum schnelle Schnitte oder andere populistisch aufgemachte Stilmittel. Dies trägt schließlich zu der doch recht nüchternen Stimmung bei, die allerdings exzellent die Realität um Noonan und seinem Milieu wiederspiegelt. Ein echtes Highlight verbirgt sich hingegen hinter dem Soundtrack, welcher mit gut sortierter Musik aller Genres aufwartet (Oasis, Nina Simone, Alabama 3, Dario Marianelli um nur einige zu nennen).
\\\\ Daten zum Film //// Original Filmtitel: A Very British Gangster
Länge des Filmes: Ca. 97 Minuten Darsteller: Dominic Noonan...Himself Donal MacIntyre ...Himself/Reporter ...
Regisseur: Donal MacIntyre FSK: Ab 16 Jahren
\\\\ Fazit //// „A Very British Gangster“ ist für Interessierte eine in weiten Teilen sehr spannende und authentische Dokumentation geworden, die einen ungewohnt offenherzigen Blick in die Welt der britischen Verbrecherorganisationen gewährt und nicht nur ihre Strukturen und Vorgehensweisen offen legt, sondern auch zeigt das die Beteiligten letzten Endes immer noch Menschen mit ganz alltäglichen Problemen und Ängsten sind. Gerade dieser Aspekt macht die Dokumentation zu einem doch sehr interessanten Zeugnis der britischen Verhältnisse und ist deshalb für Genre Fans auf jeden Fall einen Blick wert. 7/10 Punkte für den Film "A Very British Gangster" und somit vier Sterne als Wertung.
Bilder von A Very British Gangster (2007)
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Verwandte Tags für A Very British Gangster (2007)
|
|
11.11.2009 13:03
Das wäre eher nicht so meins :(
22.10.2009 22:59
Den Inhalt hast du sehr gut vermittelt und ich denke, das ist ein interessantes Thema. VLG - Olaf
22.10.2009 07:06
mein Interesse ist geweckt