Großartiges Drama !
01.03.2002
Pro:
Drama, wie es sein soll, hervorragende Besetzung, Kino zum Anfassen
Kontra:
Nicht ersichtlich
Empfehlenswert:
Ja
 Posdole
Über sich:
"Gier!" Mein neuer Kriminalroman, Books on Demand
ISBN 978-3-8448-1556-6, Paperback, 312 ...
Mitglied seit:26.09.2000
Erfahrungsberichte:1275
Vertrauende:320
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 55 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ron Howard (»Backdraft«, 1992; »Kopfgeld«, 1996; »The Grinch«, 2000) drehte die Geschichte des amerikanischen Mathematikers John Nash (heute 73) um dessen Kampf gegen die Schizophrenie mit exzellenten Hauptdarstellern, Russell Crowe (»L.A. Confidential«, 1997; »Gladiator«, 2000), Jennifer Connelly und Ed Harris (»Absolute Power«, 1997; »Die Truman Show«, 1998). I N H A L T
John Forbes Nash (Russell Crowe) ist auf den ersten Blick das, was man einen hochintelligenten, in sich gekehrten und ausschließlich seiner Wissenschaft, der Mathematik, zugewandten Menschen nennen würde. 1947 kommt er mit einem Stipendium an die Princeton University. Nash bleibt für seine Kollegen ein Outsider, den das gesellschaftliche Leben nicht interessiert. Er ist von sich überzeugt und nimmt auf seine äußerst eigene Art den Konkurrenzkampf mit seinen Kommilitonen auf, die ihn gerne scheitern sehen würden. Selbst Frauen scheinen Nash nur zu interessieren, wenn er daraus Kapital für seine mathematischen Spekulationen und Theorien entwickeln kann. Als Nash mit einigen seiner Mitstudenten in einer Kneipe einer Blondine begegnet, ist dies – bzw. das Verhalten der Männer gegenüber der jungen Dame – für ihn Anlass, die von Adam Smith, dem Vater der Marktwirtschaft, entworfenen Theorien über Konkurrenz über den Haufen zu werfen. Er entwickelt eine Forschungsarbeit über das »Gleichgewicht in der Spiel- und Entscheidungstheorie«, die bahnbrechende Neuerungen in den Wirtschaftswissenschaften, aber auch in anderen Bereichen mit sich bringen wird (für diese Arbeiten erhielt Nash 1994 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften).
Seine Arbeit verschafft Nash Zugang zum Massachusetts Institute of Technology (MIT). Und alle seine Träume scheinen wahr zu werden, als er nicht nur den Militärs bei der Dechiffrierung sowjetischer Geheimpläne helfen kann, sondern auch auf den Geheimdienstmann William Parcher (Ed Harris) trifft, der ihn für entsprechende künftige Tätigkeiten anwirbt. Als Dozent am MIT lernt Nash die bezaubernde Alicia Larde (Jennifer Connelly) kennen und lieben. Das Glück scheint perfekt. Doch dann eröffnet der Psychiater Dr. Rosen (Christopher Plummer) Nash, dass er an paranoider Schizophrenie leide ...
I N S Z E N I E R U N G Da ist es wieder, das große Drama im Film, das wir doch letztlich alle so schätzen, oder? Ron Howard hat dieses Drama anhand der Lebensgeschichte des Mathematikers John Nash inszeniert – mit der ganzen Kraft seiner Hauptdarsteller, ungeschminkt offen, leidenschaftlich, pathetisch schön, auch ab und an theatralisch, und trotzdem nicht in den Bahnen des Rührseligen. So wie Nash sein Leben lang (wahrscheinlich bis heute) versucht, gegen seine Krankheit anzukämpfen, indem er immer wieder, ja kontinuierlich versucht, versuchen muss, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren, Realität und krankhafte und krankmachende Phantasie auseinander zu halten, inszeniert Howard die Lebensgeschichte des Wissenschaftlers: Die Dramatik, das Pathetische, das Leidenschaftliche sind in diesem Film keine sich verselbständigenden Zutaten, die die Oberhand gewinnen, sondern eingebunden in die wirkliche Dramatik eines wirklichen Lebens. »A Beautiful Mind« ist kein »Herz-Schmerz-und-dies-und-das«-Streifen, dem die Tränendrüsen wichtig sind und die wirklichen Menschen nur Beigabe.
Im Zentrum des Films steht nicht die Krankheit Schizophrenie, sondern der unermüdliche, leidensvolle und leidenschaftliche Kampf eines Menschen und seiner Frau, die trotz anfänglicher Zweifel, trotz Verzweiflung, einen Weg finden, um mit dieser furchtbaren Krankheit zu leben. Nash sieht Personen, die er für völlig real hält, die es aber nicht gibt. Es ist mehr als nur beeindruckend, wie er diesen Weg findet, wie er aus seiner Außenseiterposition gleichzeitig die Kraft nimmt, die nicht-mathematischen »Variablen« seines Lebens für diesen Kampf einzusetzen. Dabei erscheint Nash als introvertierter, gesellschaftsscheuer, kontaktarmer Mensch. Doch das ist er bei näherer Betrachtung gar nicht. Er muss – parallel zum Kampf gegen bzw. mit der Schizophrenie – nur den Weg finden, seine Eigenart auch als eine Spielart des sozialen Lebens zu dokumentieren, zu meistern.
S C H A U S P I E L E R Genau diese Rolle spielt Russell Crowe exzellent – die Rolle eines Mannes mit manchmal beißendem Humor und einem guten Schuss Selbstironie, der weiß, dass sein Ehrgeiz und seine Überzeugung von sich selbst auch kritikwürdig sind, zwei Seiten haben; eines Menschen, der auch in den schwierigsten Situationen diesen Humor kaum verliert; eines Mannes, der in praktischen Dingen des Lebens oder wenn er als Dozent vor seinen Studenten steht, so unbeholfen wirkt wie ein scheues Kind, doch gleichzeitig eine Aura um sich aufbaut, die andere magisch anzieht. Sehenswert ist z.B., wie er, als er Alicia kennen lernt, mit ihr »in mathematischen Bahnen« in Kontakt tritt, flirtet und ihr seine Zuneigung gesteht.
Crowe konnte sich kaum eine bessere Partnerin vorstellen als Jennifer Connelly. Sie ist von der eigenartigen Atmosphäre, die den Wissenschaftler umgibt, nicht nur angezogen, sondern sie lernt seine Eigenheit zu lieben und zu schätzen. Jennifer Connelly spielt dabei nicht die »nur liebende« Frau; sie kann überzeugend ihre Zweifel, ihre Verzweiflung, nicht nur angesichts der Krankheit Nashs, sondern auch ihrer Beziehung zu diesem Mann vermitteln: Liebe nicht als Romantizismus, sondern als reales Gefühl, das durchaus auch von Ambivalenzen begleitet ist, Liebe aber auch als Zuneigung, die sie bedingungslos geben kann. Die Connelly geht in dieser Rolle auf. Hervorragend. Mit Ed Harris und Christopher Plummer, aber auch Paul Bettany, Adam Goldberg und Josh Lucas und anderen sind die Nebenrollen gut besetzt worden.
F A Z I T Endlich wieder ein großes Drama aus den Filmschmieden hinter dem großen Teich – packend, spannend, gefühlvoll und dabei doch realistisch, auf wirkliches Mitgefühl und Verständnis angelegt, auf Mit-Gehen, Mit-Sehen, Mit-Leben, auf ehrliche Sympathie. Kein oberflächliches Tränendrüsen-Kino, sondern ein Bühnendrama im Film – Kino, wie es sein sollte.
Volle Punktzahl. A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn (A Beautiful Mind) USA 2001, 134 Minuten Regie: Ron Howard Hauptdarsteller: Russell Crowe (John Nash), Ed Harris (William Parcher), Jennifer Connelly (Alicia Nash), Christopher Plummer (Dr. Rosen), Paul Bettany (Charles), Adam Goldberg (Sol), Josh Lucas (Hansen), Vivien Cardone (Marcee), Anthony Rapp (Bender), Jason Gray-Stanford (Ainsley), Judd Hirsch (Helinger), Austin Pendleton (Thomas King), Victor Steinbach (Professor Horner)
© Ulrich Behrens 2002
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für A beautiful mind - Genie und Wahnsinn
|
|
21.03.2003 16:11
Zu meiner Schande muss ich gestehen, den Film erst heute gesehen zu haben. Aber er wirkt immer noch. Ich bin absolut begeistert. Ich war regelrecht fasziniert, wie gut Russel Crowe diesen genialen Mathematiker verkörpert hat. Und es ist so, wie du schreibst, diese Aura, die Crowe als Nash verbreitet wird durch die Aura seiner Partnerin ergänzt und verstärkt. Für mich bilden die beiden ein regelrechtes Dreamteam... ;o). Ich würde jetzt noch so viel darüber schreiben können, aber erstens befürchte ich, solange die Eindrücke vom Film bei mir noch nicht weiter gesackt sind, würde das wohl ziemlich konfus klingen und zweitens würde es wohl den Rahmen der Kommentarspalte sprengen... ;o) Liebe Grüße, Maria
17.03.2002 02:22
Findest du nicht das der Film zu sehr Hollywood-Like daherkommt? Meinst du nicht das eine deutsche oder europäische Produktion sich diesem Thema mit mehr Ernsthaftigkeit, ohne Phatos und inszenierter Heldengeschichte angenommen hätte? Wüßte gerne ob du Das weisse rauschen gesehen hast.
03.03.2002 21:35
bin schon sehr gespannt auf diesen Film, wird bestimmt eins der Highlights 2002...