Erfahrungsbericht über

A prayer for owen meany / John Irving

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung A prayer for owen meany / John Irving

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Ein Held der ungewöhnlichen Art

5  20.04.2007

Pro:
witzig, ernsthaft, tiefgründig

Kontra:
stellenweise langatmig

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Lorin76

Über sich: Nein, ich habe keine Lust auf Leserunden. Ich hoffe, dass meine Berichte aus Interesse gelesen und n...

Mitglied seit:21.04.2000

Erfahrungsberichte:405

Vertrauende:83

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 98 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nachdem hier wieder der Bücherfrühling angefangen hat, möchte ich auch einen Buchbericht beisteuern. Es handelt sich um das erste Buch, das ich von John Irving gelesen habe (nachdem ich schon verschiedene Verfilmungen seiner Bücher gesehen habe).

***Kurzbeschreibung:
Es handelt sich um einen 600-Seiten-starken Roman über das Erwachsenwerden und die Freundschaft zwischen Johnny Wheelwright und seinen in vieler Hinsicht außergewöhnlichen Freund Owen Meany. Ausgerechnet der winzige Owen Meany hat den Baseball geschlagen, der Johnnys Mutter am Kopf trifft und dadurch tötet. Bei Nachforschungen, bei denen es vor allem darum geht, Johnnys unbekannten Vater zu entdecken, stellen die Freunde fest, dass Johnnys Mutter ein Doppelleben geführt hat...

***Der Autor:
John Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire geboren. Sein Geburtsname war John Wallace Blunt Jr, im Alter von sechs Jahren wurde sein Name geändert, nachdem er von seinem Stiefvater adoptiert wurde. Mit 14 begann John Irving zu ringen und zu schreiben, aber aufgrund seiner Legasthenie hatte er große Schwierigkeiten in der Schule.

John Irving studierte ab 1961 an der Universität von Pittsburg englische Literatur. Danach verbrachte er zwei Semester in Wien, wo er auch die Idee für seinen ersten Roman hatte. Inspiriert von Günter Grass´ "Blechtrommel" schrieb er seinen ersten Roman "Lasst die Bären los!" ("Setting free the bears", 1968)
Auf der Universität von New Hampshire schloss er 1965 das Studium mit dem Bachelor ab. In Iowa schloss er 1967 mit dem Master of Fine Arts ab. Danach trat er eine Dozentenstelle an einem College in Vermont an. Zu seinem Buch "Gottes Werk und Teufels Beitrag" hat er sogar selber das Drehbuch geschrieben.
"A Prayer for Owen Meany" ist John Irvings 7. Roman.

***Einige Werke:
- The World according to Garp (Garp und wie er die Welt sah)
- The Cider House Rules
- The Hotel New Hampshire
- The Water Method Man

Bekanntes Zitat: "Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner." (gefunden bei Wikipedia)


***Handlung:
Die Geschichte spielt in New Hampshire, in den 50er Jahren und schildert, wie die ungleichen

Bilder von A prayer for owen meany / John Irving
A prayer for owen meany / John Irving Bild 46852300 tb
Mein Exemplar hat ein schöneres Cover, die Qualität des Papiers ist allerdings eher schlecht
Freunde Johnny Wheelwright und Owen Meany aufwachsen.
Johnny, der Ich-Erzähler, stammt aus einer alteingesessenen, angesehenen Familie. Geleitet wird der Familienclan von der dominanten Großmutter von Johnny, Harriet Wheelwright. Johnnys Mutter ist die wunderschöne Tabita "Tabby" Wheelwright. Einmal wöchentlich fährt Tabby in die Großstadt zu ihrer Gesangsstunde und bei dieser Gelegenheit hatte sie eine kleine Affäre mit einem unbekannten Mann, wodurch Johnny gezeugt wurde. Ein entscheidender Teil der Handlung dreht sich um die Suche nach Johnnys leiblichem Vater.

Owen Meany ist ein höchst ungewöhnlicher Junge. Er ist extrem klein und zart, so dass ihn seine Mitschüler problemlos über ihre Köpfe heben und herumreichen können. Außerdem zeichnet er sich durch eine durchdringende schrille Stimme aus, die er sein Leben lang behält. Was er sagt, meint er meistens todernst. Seine Eltern sind Außenseiter, sein Vater hat ein eigenes Unternehmen und stellt hauptsächlich Grabsteine aus Granit her.

Die Geschichte handelt vom Erwachsenwerden der beiden Jungen. Johnny bleibt immer durchschnittlich, aber Owen fällt in vieler Hinsicht auf. Im Studium gewinnt er eine Art Anführerrolle, durch seine treffenden und bissigen Kolumnen in der Schülerzeitung.

Auch wenn es Johnny nicht verstehen kann, fühlt sich Owen als das Werkzeug Gottes: Er war das Werkzeug Gottes, als durch seinen Baseball Tabby Wheelwright getötet wurde und Owen ist überzeugt davon, dass Gott noch mehr mit ihm vorhat. Bei einer Laienaufführung von Dickens´ Weihnachtsgeschichte sieht Owen sein Todesdatum auf einem Grabstein, das sich bewahrheiten soll, außerdem hat er einen wiederkehrenden Traum, der ihm zeigt, wie er sterben wird...

***Die Personen:
Die Geschichte ist reich bevölkert mit originellen und skurrilen Figuren. Da sind z.B. Johnnys Cousins und Cousine, die sehr athletisch sind und sich vor allem für ziemlich raue Späße und brutales Kräftemessen begeistern können, aber trotzdem in ihrem Inneren nette Kerle sind. Wichtig ist auch Johnnys Stiefvater Dan Needham, der ein besonderes Geschick für die beiden Jungen hat.
Dann spielen auch noch Schulkameraden und zwei Pfarrer, jeweils mit ihren Ehefrauen, eine wichtige Rolle. Natürlich muss Owen Meany auch einen Feind haben, es handelt sich dabei um den unsympathischen, sich selbst überschätzenden High-School-Rektor Randolph White, der eigentlich mit Pädagogik nicht viel zu tun hat. Schützenhilfe erhält Randy White durch die überspannte, alternde Schönheit Mitzy Lish, die die Mutter eines Schülers ist, und bei dem Versuch, Owen zu blamieren, selber ordentlich blamiert wird.

Owen hat auch eine große Liebe und das ist Johnnys Cousine Hester, die wie ihre Brüder auch groß und athletisch ist und einen Hang zum Rüpelhaften hat. Von ihren Brüdern wird sie nur "Hester the Molester" genannt.

Zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil gerade das Entdecken der vielen interessanten Figuren sehr viel Freunde macht.

***Der Aufbau der Geschichte:
Wie schon erwähnt, handelt es sich um eine Ich-Erzählung aus der Sicht von Johnny Wheelwright. Die Hauptperson bleibt aber ganz klar Owen Meany, weil er in seiner ganzen Exzentrik alle anderen überstrahlt. Die Geschichte wird von dem erwachsenen Johnny immer wieder in Rückblenden erzählt. Die Rückblenden bleiben in chronologischer Abfolge und sind somit leicht nach zu verfolgen. Dazwischen sind immer kurze Passagen aus dem gegenwärtigen Leben von Johnny in Kanada. Als Erwachsener ist er Dozent und ärgert sich oft über die Amerikaner, bzw. die amerikanischen Politiker.

***Meine Meinung:
Es ist ja nicht leicht, die Leserschaft auf über 600 Seiten bei Laune zu halten. Teilweise ist der Roman daher auch etwas langatmig. Allerdings gelingt es John Irving immer wieder, neue Spannung in das Geschehen zu bringen. Immer wieder kommen extrem witzige Szenen oder einfach nur bewegende Passagen. Besonders nett zu lesen ist natürlich die Kindheit, in der Johnny seinen Freund Owen auf verschiedene Weise erschreckt, um dessen schrille Stimme in ganzer Pracht zum Klingen zu bringen ("THIS IS NOT FUNNY!") Überhaupt wird im ganzen Buch Owens Stimme nur in Großbuchstaben gedruckt. In Buchform ist das recht witzig, allerdings will ich mir das gar nicht als Hörbuch vorstellen.
In der Geschichte tauchen immer wieder neue Handlungsstränge und Geheimnisse auf, die zuletzt zusammengeführt werden.
Die Personen werden sehr einfallsreich geschildert. Mir hat z.B. gut gefallen, wie die anscheinend so einfach gestrickte Mutter von Johnny durch ihr geheim gehaltenes Doppelleben wieder interessant wird. Das Buch lebt von witzigen und bewegenden Szenen und ich habe beim Lesen oft gelacht. Allerdings ist das ganze Buch nicht einfach ein Klamauk, sondern hat eine gut konstruierte Handlung. Es regt somit auch zum Nachdenken an.

Was mir sehr gefallen hat, war wie bestimmte Gegenstände schon eher am Anfang des Buches auftauchen und eine besondere Bedeutung bekommen. Das ist eine wirklich spannende Idee, sozusagen das Gefüge des Romans durch das Wiederkehren bestimmter Gegenstände zusammen zu halten.

Eine Stärke des Autors ist, dass er selbst Nebenfiguren, die eine geringe Rolle im Gesamtwerk spielen, sehr farbig und lebendig schildern kann.

Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die Schilderungen über das Leben des erwachsenen Johnny. Es sind zwar sehr treffende Gedankengänge dabei (gerade die Kritik an der Mentalität des Durchschnittsamerikaners) aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass sie das Buch unnötig in die Länge ziehen. Teilweise habe ich den Roman als langatmig empfunden. Aber ich hatte trotzdem immer wieder das Bedürfnis, weiter zu lesen, zu erfahren, wie es mit bestimmten Personen oder Handlungssträngen weitergeht.

Wie man an meiner Beschreibung schon erkennen kann, spielt der Tod in diesem Buch eine wichtige Rolle. Tabby Wheelwright stirbt jung und man erkennt bald, dass auch Owen Meany jung sterben wird. Ist das Buch deshalb brutal? Ich finde nicht. Es ist stellenweise etwas traurig, so wie auch das wahre Leben manchmal traurig ist. Aber Owens Tod ist ja nicht sinnlos. Er selbst ist ja überzeugt, dass Gott für alles, was ihm, Owen, passiert, einen Grund hat. Und Johnny selbst sagt, dass Owen der Grund ist, dass er zum Glauben gefunden hat. Trotzdem ist das Buch keineswegs ein Werk, mit dem der Autor die Leser zum christlichen Glauben missionieren will! Im Grunde ist es einfach nur ein sehr gelungener, interessanter Roman über zwei Freunde, die miteinander aufwachsen.

Soll man das Buch auf Englisch lesen? Eigentlich ist es immer ein Gewinn, wenn man ein Buch in der Originalsprache lesen kann, weil es einfach immer Wortspiele und Formulierungen gibt, die man nicht übersetzen kann. Ich finde allerdings, dass dieses Buch schon recht anspruchsvoll zu lesen ist und empfehle es daher nur Leuten, die wirklich geübt in der englischen Sprache sind. John Irving hat nämlich einen sehr großen, anspruchsvollen Wortschatz. Wenn man bereits gut Englisch kann, erschließen sich natürlich bestimmte neue Wörter aus dem Zusammenhang, aber für nicht so geübte Leser wird die Lektüre schnell frustrierend. Die Satzkonstruktionen von John Irving sind auch nicht immer einfach.

Insgesamt finde ich das Buch sehr empfehlenswert.

ISBN: 0-552-13539-9, Preis: knapp 7 €


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
jansdarling2002

jansdarling2002

09.10.2007 19:30

Von dem Autor habe ich noch nichts gehört, allerdings habe ich auch so Probleme mit meinem arg eingerosteten Englisch,...lg Chrissy

Shelagh

Shelagh

29.07.2007 19:33

Ich mag John Irving auch sehr, - habe dieses Buch aber noch nicht gelesen, obwohl mir der Titel durchaus etwas sagt. Gruss, Chris

TumblingDice

TumblingDice

21.07.2007 16:33

GROßBUCHSTABEN haben sich bei Hörbüchern wohl noch nicht so durchsetzen können...alea iacta

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