Das Abenteuer Geburt

5  16.10.2000

Pro:
Herrlich gelegen, freiberufliche Hebamme kann mitgebracht werden, Rooming - in, u . v . m .

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

denkmann

Über sich: Das Lesen und Schreiben von elektronischen Beiträgen hat lange Zeit meinen Alltag bestimmt. Als ehem...

Mitglied seit:16.05.2000

Erfahrungsberichte:78

Vertrauende:32

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 23 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Erst dachte ich, ich schreib's nur kurz in mein Profil... dann fand ich bei ciao tatsächlich eine Rubrik passend zu meinem Anliegen.

Meine Tochter Lea ist am Morgen des 14.10.2000 um 2:58 Uhr zur Welt gekommen... na - wenn das kein Grund ist, eine Meinung zu diesem Thema zu schreiben!

Als Einleitung, so habe ich mich entschieden, soll ein kleines Protokoll dienen, welches die Nacht der Nächte beschreibt.

Die Geburt meines Sohnes Niklas vor ca. zwei Jahren - ebenfalls in der Itertalklinik - war keine leichte Sache. Meine Frau lag bereits ab der 6. Woche wegen vorzeitiger Wehen im Bett. Niklas kam dann vier Wochen vor dem errechneten Termin als Frühchen zur Welt, die Geburt war alles andere als einfach. Mit dieser Erfahrung starteten wir um ca. 1 Uhr in unser Abenteuer, nichtsahnend, wie es tatsächlich kommen sollte.

01:00 Uhr
Ich werde wach. Meine Frau Sylvia sitzt am Bettrand und atmet, wie wir es vor 2 Jahren im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatten. Es klingt ähnlich wie eine schnaufende Lokomotive. Ich messe die Abstände zwischen den Wehen mit meinem Wecker: Es sind weniger als 2 Minuten. Ich überlege: Sollte man nicht schon bei 5 Minuten loslegen?

02:00 Uhr
Ich rufe unsere Hebamme an. Sie meint, 2 Minuten seien wirklich knapp! Wir vereinbaren, uns in der Klinik zu treffen.

02:05 Uhr
Ich rufe zum Nachbarn rüber, dessen Fenster noch offen sind und dessen Fernseher noch durch die Vorhänge flimmert... wir hatten vereinbart, dass wir uns per Rufzeichen bemerkbar machen, weil Haustürklingel überhört werden könnte. Wir wollen das Babyphon beim Nachbarn abgeben, doch der Nachbar hört mich nicht.

02:10 Uhr
Ich rufe meine Schwägerin an, die morgens um 7 Uhr kommen sollte, da zu dieser Zeit immer unser Sohn wach wird.

02:15 Uhr
Ich gehe rüber zum Nachbarn und klingele an der Haustür. Es tut sich nichts. In diesem Moment trudeln unsere anderen Nachbarn ein. Sie kamen von einer Geburtstagsfeier und sahen Licht bei uns. Ich gebe den beiden das Babyphon.... und da öffnet der Nachbar mit verschlafenen Augen die Haustür. :-)

02.20 Uhr
Mit quietschenden Reifen starten wir mit dem Fiesta in Richtung Walheim, einem nahegelegenen Ort bei Aachen, in dem sich unsere Klink befindet. Jedes Schlagloch lässt Sylvia aufschreien... ich habe das Gefühl, dass sie sogar ein Fünfmarkstück auf dem Boden spüren würde.

02:30 Uhr
Sylvias Wehen werden immer heftiger. Sie krallt sich am Haltegriff über dem Beifahrersitz fest. Ich glaube nicht, dass er noch lange halten wird.

02:35 Uhr
Kurz vor dem Ortsschild Walheim platzt die Fruchtblase. Sylvia ruft, dass sie das Kind schon spüren würde. Schlagartig kommen mir alle Kinofilme in Erinnerung, wo der Taxifahrer beim Weg zum Krankenhaus die Entbindung übernehmen musste. Ich bin froh, kein Taxifahrer zu sein.

02:38 Uhr
Wir passieren den Ortseingang. Mit ca. 90 Sachen (die Polizei möge mir verzeihen) überfahre ich einen fest installierten Blitzer. Ich lächele etwas verbissen, damit's wenigstens ein schönes Foto wird. Doch nichts passiert, der Blitzer war nicht geladen.

02:45 Uhr
Wir kommen am Noteingang der Klinik an. Unsere Hebamme, eine Schwester und ein Arzt empfangen uns. Sylvia glaubt, dass sie nicht mehr aus dem Wagen kommen werde. Doch die Hebamme kann sie motivieren und begleitet sie in den Kreißsaal.

02:50 Uhr
Ein Geburtshocker - so eine Art Melkschemel für gebärende Mütter - ist für Sylvia die erste Anlaufstelle. Die Hebamme untersucht sie und meint, das Baby würde jetzt kommen.

02.58 Uhr
Lea kommt zur Welt.

03:30 Uhr
Wir verhandeln mit dem Arzt über den Zeitpunkt der Entlassung. Sylvia ist fest entschlossen, so schnell wie möglich die Klinik zu verlassen und hat ihre Hebamme schon vor Wochen auf das Plädoyer eingestimmt. Die Hebamme feilscht mit dem Arzt. Er ist der Meinung, dass Frauen nach der Geburt mindestens 3 Stunden bleiben müssen. Die Hebamme diskutiert hartnäckig und kämpft um jede Minute, bis der Arzt sich geschlagen gibt, abwinkt und lächelnd den Raum verlässt.

05:10 Uhr
Draußen ist es kalt. Ich drehe eine Runde mit dem Wagen, damit's innen schön warm wird. Ich kann immer noch nicht so richtig fassen, was gerade in den letzten Stunden passiert ist.

05:20 Uhr
Wir packen unsere sieben Sachen und fahren gemeinsam wieder nach Hause.

07:10 Uhr
Unser Sohn wird wach... ich höre "Paaaaaapaaaa" durch's Babyphon rufen. Unten in seinem Zimmer mache ich Licht und sage ihm, ich hätte eine tolle Überraschung für ihn. Er darauf spontan: "Auto? Lastwagen? Feuerwehrauto??" "Nein...", antworte ich, "Deine Schwester ist da!"

Die Itertalklinik, eine Privatklinik (nicht nur für Privatpatienten!), liegt herrlich gelegen bei einem Waldstück in Aachen-Walheim, ein ideales Örtchen, um auch nach der Geburt ein wenig auszuspannen. Es gibt 3 Kreißsäle und die Möglichkeit für eine Wassergeburt. Auf der Wochenstation stehen 23 Betten in 1-3 Bett-Zimmern (mit Dusche/ WC) und 15 Neugeborenenbetten zur Verfügung. Sehr angenehm ist der 24 Std. Rooming-in Service (Nein, das ist kein Pizza-Service! Die Babys können während des Aufenthaltes bei der Mutter bleiben). Die Itertalklinik bietet Homöopathische Mittel (natürliche, vorwiegend pflanzliche Mittel, die nur geringe Nebenwirkungen haben und weniger den natürlichen Ablauf der Geburt stören als herkömmliche Medikamente), Schmerzmittel und krampflösende Medikamente sowie Akupunktur. Für uns ein Riesenvorteil: Eine freiberufliche Hebamme kann mitgebracht werden. So haben wir die gleiche Hebamme wie bei der ersten Geburt dabei gehabt, was für meine Frau eine gewaltige Erleichterung darstellte. Es gibt ein Notfall-OP, jedoch keine Neugeborenen-Intensivstation. Die nächste Kinderklinik wäre für uns das Bethlehem Krankenhaus in Stolberg City gewesen, doch glücklicherweise ist alles problemlos verlaufen.

Wer Kontakt zur Itertalklinik sucht... Zentrale, Infos und Kurse: 02408 / 9770

© 2000 E. Denkmann




Diese Seite zu den Lesezeichen hinzufügen delicious.com www.mister-wong.de www.google.com

Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Chrissie19

Chrissie19

09.01.2001 15:05

Ich bin zwar noch zu jung, als das ich schon darüber nachdenken würde, ein Kind zu bekommen. Ich denke vielleicht mal in 4-5 Jahren darüber nach, wenn ich 24 oder 25 bin. Ich denke mit 20 ist es noch zu früh, übers Kinder kriegen zu reden. Trotzdem kann ich mir vorstellen, was für ein unbeschreiblich schönes Gefühl es sein muss, bei der Geburt seines eigenem Kind dabei zu sein.

brixi

brixi

27.10.2000 04:32

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Kleinen. Bei all dem Streß stellt sich die Frage ob die Kleine nicht auch zuhause unter weniger Streß für alle Beteiligten das Licht der Welt erblickt hätte. Es soll ja noch Hebammen und Ärzte geben, die dabei helfen.

Piri

Piri

22.10.2000 20:09

Glühstrumpf an den Pappa, die Mammi, des Brüderchen und dem Baby! Piri

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2944 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. Sonja_Kunze
  2. Chrissie19
  3. cries
und weiteren 20 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.