Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
weil man es braucht, geringe Kosten |
| Kontra: |
Kosten, Zeitaufwand |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Ich bilde mich weiter, kurz ich mach mein Abitur am Abendgymnasium um zu Studieren. Auf Grund der frühen Auswahl nach der Grundschule bin ich zum Realschüler geworden und die Noten spiegeln auch die damalige Motivation wieder. Durchwachsen ohne Highlights nach oben oder unten. Jetzt muss also das Abi her, um es mir selbst zu beweisen und natürlich um auch zu Studieren.
=>>>Der Weg <<<=
Der Weg zum Abi geht hier zuerst über eine Einführungsphase, das Einführungsjahr. Der große Vorteil ist, dass alle Teilnehmer mit der Leistung angeglichen werden sollen und auf die eigentliche Kursphase (11te und 12te Klasse) vorbereitet werden. Man muss auch erstmal wieder das lernen lernen, falls man es überhaupt jemals konnte. Auch kann hier jeder seine Fähigkeiten austesten und schauen, ob er es schafft am Ball zu bleiben und es in seinen Tagesablauf ein bauen. Denn in der Kursphase später kann man hier nicht mehr groß Experimentieren, dort wird es dann ernst.
Die Kursphase beginnt im 2ten Jahr. Hierfür wählt man Leistungskurse und Grundkurse. Diese sollten man nach den eigenen Fähigkeiten wählen. Ideal sind GK, bei denen man bereits etwas Fit ist und man sich beim lernen auf die beiden LK konzentrieren kann. Als LK nimmt man jene Fächer, die man zb für ein späteres Studium benötigt. Deshalb sollte man sich bereits zu Beginn damit auseinandersetzen, was man nach dem Abi machen will. Auch wenn es sich nicht immer alles Planen lässt.
Als Leistungskurse stehen Physik, Mathe, Chemie und Englisch zur Verfügung. Biologie gibt es nicht mehr als LK, weil das Land Sachsen beschlossen hat, dass das Fach nicht mehr so wichtig ist.
=>>>Zielgruppe:<<<=
Das Abendgymnasium ist Ideal für alle, die noch kein Abitur haben es aber für den weiteren Beruflichen Weg zb. für ein Studium benötigen. Dabei ist es egal, ob man schon mal an einem Gymnasium war und dort vorzeitig ausgestiegen ist oder ob man von einer Realschule kommt und erst einen normalen Beruf gelernt hat. Auch Arbeitslose können sich hier noch mal beweisen.
Vom Alter gibt es kaum Einschränkungen, ob gerade 20 oder bereits auf die 40 zugehend. Wichtig ist nur, man darf nicht bereits 2x durch die Abiturprüfung gefallen sein.
=>>>Anmeldung / Bewerbung:<<<=
Hat man den Entschluss gefasst, empfiehlt es sich ein Beratungsgespräch zu vereinbaren oder bei einem "Tag der offenen Tür" teil zu nehmen. So kann man einige Punkte nochmals abklären und prüfen, was man noch alles erledigen muss. Die Bewerbungsphase beginnt im Frühjahr. Je früher man sich bewirbt, desto gesicherter ist auch eine Teilnahme. Sind die Kurse voll, muss man auf eine Warteliste.
Die Bewerbungsmappe ist etwas von Bürokratie geprägt. Die Kopien sollen alle beglaubigt sein. Dies kann man bei einer offiziellen Behörde machen lassen oder auch im Sekretariat erledigen. Dazu gehören Geburtsurkunde, Realschulzeugniss, Nachweis aktueller Tätigkeit. Eventuell auch noch andere Zeugnisse. Dazu kommt der Lebenslauf und ein Anschreiben. Weiterhin muss ein Anmeldeformular ausgefüllt werden auf das ein Foto geklebt wird.
Anschließend heißt es warten. Ende Juni/ Anfang Juli kommt die Bestätigung, ob man dabei ist. Wer zuerst kommt, bekommt auch einen Platzt. Erst am Ende, wenn nur noch wenige Plätze zur Verfügung stehen, wird nach den Zeugnissen geschaut. Wer nicht gleich am Anfang dabei ist, hat noch die Chance als Nachrücker von einer Warteliste aufgenommen zu werden. Wenn einzelne Teilnehmer gleich am Anfang abbrechen, wegen Zeitmangel, oder weil sie es sich doch nicht zutrauen oder aus anderen beruflichen oder privaten Gründen. Bis zum Anfang der Herbstferien kann man nach rücken.
Aber Nachrücker haben es noch schwerer, sie müssen den neuen Stoff lernen, ohne die Grundlagen aus den vorhergehenden Einheiten bereits zu haben. Zusätzlich muss man die nachholen. Bereits gelaufene Klausuren müssen nach geholt werden.
=>>>Zeiten:<<<=
Für die E-Phase gibt es 3 Möglichkeiten
14:30 - 19:20
Für Berufstätige relativ Zeitig. Für Arbeitslose, Halbtagsjobber oder Hausfrauen und Männer wohl ganz interessant. Geht nicht zu sehr in den Abend hinein.
16:10 - 21:05
Der wohl angenehmste Zeitraum, einzigster negativer Punkt wäre, dass dies in die Abendbrotzeit hinen geht.
In der 11 und 12 mit der Kursphase sind die Zeiten ebenfalls in dem Bereich.
17:50 - 21:50
Für einige Berufsbedingt wohl die günstigste Zeit. Für mich ist das nichts, weil ich noch ein halbes bis ganzes Stündchen (je nach Verkehr) nach Hause fahren muss. Und so erst zu Mitternacht zuhause aufschlagen würde. Da fällt man KO ins Bett, wenn man nicht vorher schon einschläft.
=>>> Kosten <<<=
Wer den Schritt zum Abendgymnasium geht sollte die Kosten nicht vernachlässigen, sondern gleich mit einplanen. Leider wurde dies erst nach Beginn bekannt. Vorher hiess es nur, dass es kostenlos sei und es eine Lehrmittelfreiheit gäbe.
Kostenlos ist es aber nur zum Teil. Es fallen keine Schulgebühren an. was bei privaten Anbietern in einige Hundert Euro im Monat geht.
Was man aber benötigt:
- grafischen Taschenrechner ca. 80-100 Euro
- Schulbücher für zu hause
Es gibt in fast keinem Fach Bücher von der Schule. Es existieren zwar teilweise Klassensätze, die werden jedoch nur bei Bedarf ausgeteilt. Sogar Pflichtlektüre für Deutsch muss man sich kaufen.
Wer zu hause zusätzlich lernen will und etwas zum Nachschlagen benötigt, der muss sich diese selbst beschaffen. Hier sollte auch das Land Sachsen etwas mehr Geld in die Hand nehmen, damit die Abendgymnasien ausreichend Lehrmittel zur Verfügung haben.
Weiterhin muss man Fahrtkosten einplanen. Städter können sich zum Teil Fahrgemeinschaften organisieren, wenn sie nicht mit Bus oder Straßenbahn fahren wollen.
Wer von Außerhalb kommt ist da etwas aufgeschmissen. Da können schon 20 bis 50 Euro in der Woche entstehen.
Auch wenn die Kosten abschrecken mögen, wer nicht stehen bleiben und sich einige bessere Optionen für die Zukunft sichern will, muss auch etwas investieren.
Zur Entspannung kann man noch sagen, wer das erste Jahr übersteht, der kann im zweiten BaFöG beantragen, welches auch nicht zurück gezahlt werden muss.
=>>>der Alltag:<<<=
Der Alltag ist relativ hart.
Man hat jeden Tag 4 bis 6 Stunden Unterricht in der E-Phase. Hier gilt es immer am Ball zu bleiben.Abends muss man den Input verdauen, möglichst noch mal für den nächsten Tag vorbereiten. Hin und wieder gibt es auch ein paar Hausaufgaben. Die meisten Lehrer haben auch Verständnis, dass in der Woche wegen Beruf die Möglichkeiten zum lernen eingeschränkt sind. Am Wochenende sollte somit fest lernen eingeplant werden, denn das wird erwartet. Wer sich hier anmeldet, will das Abitur machen entsprechend muss er auch dafür etwas Zeit einplanen wollen. Wer das nicht will oder kann, der ist hier falsch.
Wichtig ist das Umfeld mit einbeziehen vom Arbeitgeber bis zur Familie und Freunden. Große Feten sind für die nächsten 3 Jahre wohl erst mal vorbei.
Wer mit dem Auto anreist muss sich im Umfeld der Schule auch einen Parkplatz suchen, die sind etwas rar gesät. Auf dem Parkplatz im Schulgelände dürfen nur die Lehrer parken.
=>>>Abbrecher:<<<=
Auch hier gibt es viele, die bereits nach kurzer Zeit wieder ab brechen. Die Gründe sind verschieden.
So kommt es vor, dass der Arbeitgeber nicht mit zieht. Dann sollte man sich aber Fragen, ob es der Arbeitgeber wert ist auf das Abitur und einem folgendem Studium zu verzichten.
Tragisch ist es, wenn man durch die familiäre Situation nicht weiter machen kann, zBsp durch Kinder.
Es gibt auch welche, die Abbrechen, weil es ihnen zu langwierig, zu langweilig oder auch zu schwer ist.
=>>>die Lehrer:<<<=
Mit den Lehrern kann man ganz gut umgehen. Einige sind auch an normalen Gymnasien tätig. Bei denen ist es zum Teil etwas schwieriger. Zum einen erwarten sie mitunter Wissen voraus, was am normalen Gymnasium vorhanden sein muss. Aber bei Abendschülern zum Teil in Vergessenheit oder gar nie behandelt wurde. Zum anderen wird denen schwerer Bewusst, dass sie keine 15 Jährigen Chaoten, sondern bereits Erwachsene vor sich haben.
=>>>die Schüler:<<<=
Den Begriff Schüler finde ich für Erwachsene, die auf ein Abendgymnasium gehen etwas fehl. Man kann uns Abendgymnasiasten wohl auf unterschiedliche Arten einteilen. Zum Einen von der Beruflichen Herkunft.
Da gibt es Handwerker, Beamte, Arbeitslose, Schüler bis zum Selbständigen alle Schichten. Das Leistungsniveau ist ähnlich breit.
Schüler, die direkt von anderen Schulen kommen sind zumindest in der Anfangsphase etwas unterfordert und mitunter gelangweilt. Wer aus einem Beruf kommt, hat es in den fachnahen Stoffgebieten einfacher. Ist man etwas länger raus, muss man etwas mehr Zeit investieren und sollte zumindest bei den ersten Tests nicht all zu gute Noten erwarten.
=>>>Alternativen<<<=
Zum Abendgymnasium gibt es noch ein paar weitere Alternativen, wenn man mal den normalen Weg ab sieht.
Kolleg - ähnlich wie in einem Abendgymnasium, mit dem Unterschied, dass die Unterrichtszeiten wie bei einer normalen Schule am Vormittag sind.
Externenprüfung - Hier legt man ebenfalls die Prüfung zum Abitur ab, lernt dabei aber nicht an einer konventionellen Schule. Man organisiert sich sein lernen selbst, meist in Verbindung eines privaten Bildungsträgers wie einem Fernlehrgang. Meist ist dies sehr teuer, dafür ist man Zeitlich flexsiber muss seinen eigenen Schweinehund überwinden, eine Lernkontrolle ist schwieriger. Und das größte Problem, der Arbeitgeber muss mit ziehen. Das ist bei einem Fernstudium nicht einfach, weil es keine richtigen Unterrichtszeiten gibt.
Fachabi oder Blitzabi - läuft manchmal 2 Jahren mit Einführungsjahr oder auch in 1 Jahr. Wird nicht an allen normalen Unis anerkannt, wenn doch, dann nur mit besonders guten Ergebnissen und vorheriger Prüfung. Es ist eben nur die Fachhochschulreife. Studieren kann man nur im jeweiligen Fachbereich, für welchen das Abi ausgelegt ist. Wer schon weiß, was er genau studieren will und dem ein Studium an einer Berufsakademie oder einer Fachhochschule reicht, der kann leichter und schneller zum Ziel kommen.
=>>>Fazit<<<=
In der heutigen Zeit ist Abitur fast eine Grundvoraussetzung, wenn man noch halbwegs einen ordentlichen Job bekommen will. Das Abendgymnasium ist eine gute Möglichkeit dieses nach zu holen. Egal ob man es sich nur Beweisen will, dass man es kann oder weil man ein Studium ins Visier nimmt.Der Vorteil ist, man wird gezielt auf das Abitur vorbereitet, durch das Einführungsjahr wird das Wissen aufgefrischt und auf ein notwendiges Niveau gehoben. Als Abschluss hat man ein vollwertiges Abitur in der Hand. Die Zeit am Abendgymnasium wird sogar beim Studium als Wartezeit angerechnet. Bei stark gefragen Studiengängen müssen normale Abiturienten oft eine Wartezeit von einem Jahr oder mehr überbrücken, wenn die Noten nicht 100% Top sind.
Einen Punkt muss ich leider Abziehen.
Zum einen, weil es keine Bücher gibt und man sich alles zusätzliche extra kaufen muss. Nicht mal Pflichtliteratur wird gestellt.
Auch dass einige wenige Lehrer ein relativ hohes Grundwissen voraussetzen, was man nur wissen kann, wenn man gerade von einem anderen Gymnasium kommt trübt etwas die Stimmung..