Abendschulen/-kollegs

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Meinen besten Freund kenne ich nun seit über 30 Jahren, gemeinsamer Kindergarten und Grundschule und beide waren wir auf weiterführenden Schulen einfach nur schlecht...grins...so durfte der liebe Ralf auch Erfahrungen im Sitzenbleiben machen und nachdem er dann doch die 10. Klasse des Gymnasiums ... Bericht lesen





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1-6 von 35 Erfahrungsberichten    
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Alter Mann drückt Schulbank
Erfahrungsbericht von familienduell über Abendschulen/-kollegs
14.07.2002


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Lernen neu erlernen
Kontra: zeitintensiv

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Meinen besten Freund kenne ich nun seit über 30 Jahren, gemeinsamer Kindergarten und Grundschule und beide waren wir auf weiterführenden Schulen einfach nur schlecht...grins...so durfte der liebe Ralf auch Erfahrungen im Sitzenbleiben machen und nachdem er dann doch die 10. Klasse des Gymnasiums beim zweiten Anlauf geschafft hatte, rieten die Lehrer mir für die Oberstufe ab. Und sie hatten mehr als Recht...

...1991 entschieden Peter ( bester Freund ) und ich uns dafür, dass wir aus dem Berufsleben aussteigen möchten um uns doch noch am Abi zu versuchen - nicht so einfach, da wir beide gut verdient haben und auch nicht wussten, ob es der richtige Schritt sei, einfach wieder die Schulbank zu drücken und vor allem wie, wo und wer finanziert uns das???

So machten wir uns schlau und blieben in Köln beim Köln-Kolleg hängen. Die Erfahrungen die wir hier gemacht haben, waren einfach nur gut und ganz wichtig für uns persönlich.

Das Köln-Kolleg:

Äußerlich sieht es aus wie eine ganz normale Schule, auf mehreren Etagen, Klassenzimmer, Sekretariat, Lehrerzimmer, Aula und Pausenhof - kein Unterschied zu herkömmlichen Schulen. Und hier saßen wir nun in einem Klassenzimmer zusammen und hatten zusätzlich Glück, dass wir in die gleiche Klasse kamen. Die einzelnen Klassen waren voll und in unserer waren 29 Leute, was auffiel, sie waren alle schon in die Jahre gekommen. Der Jüngste war 21 und wollte mal Pilot werden, die älteste über 30. Wir waren beide 26 und saßen da nun vor unserem Pult, sahen auf eine Tafel und frugen uns schon, was wir hier eigentlich machen.

Der erste Kontakt zu den "Mitschülern" war äußerst positiv, wir kamen schnell ins Gespräch und erzählten uns von unseren Werdegängen. Wir lernten unsere Lehrer kennen und stellten schnell fest, dass diese Ahnung haben und unheimlich menschlich rüberkamen. Es gab ganz viel Freiwiligkeit, da die Betreiber davon ausgehen, man besuche die Schule freiwillig und möchte für sich etwas erreichen. Kein Druck mehr dahinter, dass man zur Schule gehen muss. Allerdings gibts hier genauso die Regelungen, dass man sich entschuldigen muss mit ärztlichem Attest wenn man fehlt, man musste Hausaufgaben machen, wir schrieben die üblichen Klausuren, wir wählten Grund -und Leistungskurse - genau wie in der normalen Oberstufe und wir waren an die regionalen Ferienzeiten angeschlossen.

Die Schüler entwickelten schnell eine Art Netzwerk, man traf sich privat in kleinen Lerngruppen und unterstützte sich gegenseitig. Auch die Lehrkräfte waren stets eine große Hilfe und immer ansprechbar.

Das für mich wichtigste und schwerste anfänglich war die Tatsache, dass ich das Lernen ansich neu erlernen musste, zulange war ich aus der Schule heraus. Und hier kommt das interessante, die meisten dort unterrichtenden Lehrer haben selber ihr Abi auf dem 2. Bildungsweg gemacht und waren somit mit den aufkommenden Problemen vertraut und konnte sich sehr gut in uns reinversetzten. Genauso wussten sie, wie schwer es ist weniger Geld zu haben, nachmittags oder abends arbeiten zu müssen um nebenbei Geld zu verdienen und morgen mal nicht pünktlich zu sein oder einfach nur müde.

Wir haben nach den ersten beiden Semestern ( entspricht der 11. Klasse ) dann die Grund und Leistungskurse gewählt. Französisch und Philosophie als Leistungsfächer und Mathe als drittes Fach sowie Deutsch als mündliches Abifach. Es gab nun viel kleinere Kurse und somit konnte man sehr gut lernen und sich vorbereiten. Es gab normale Zeugnisse, die bundesweit anerkannt wurden. Nach der 12. Klasse - 4.Semester entschied Peter die Schule zu verlassen, es hatte große Probleme mit dem Stoff - ich machte weiter und privat unterstützte er mich weiterhin. Nun kam die Abiphase und Ralf wurde nervöser und hektischer, es ging dem Ende entgegen und ich wollte nun auch fertig werden, nebenher habe ich gekellnert und in einem Jeansladen gejobbt.

Um es kurz zu machen, in den Leistungskursen habe ich gute Abiklausuren hingelegt, Mathe war fast ein Chaos....trotz eines genialen Professors, der sich meiner annahm und immer sagte, er verstünde nicht, warum Mathe so schwer für mich sei, vor allen bei den Klausuren. Er bot mir jede erdenkliche Hilfe an und so schaffte ich selbst Mathe so gerade.....logisches und räumliches Denken ist nicht mein Gebiet und in der Abiklausur, stellte ich einfach zum Thema Kurvendiskussion fest, dass ich die Kurve gut finde und für mich gabs da nichts zu diskutieren....leider war das dann auch gleich ne 6 - ich konnte aber die Note etwas verbessern durch meine Vornoten. In Deutsch war ich dann wieder gut sowie auch in den beiden Leistungskursen. Und es kam der Tag, da hatte ich mein Abi und der mittlerweile 28 jährige Ralf wurde zum glücklichsten Menschen in Köln - jedenfalls für den Moment. Es gab ne große Abitfeier in der Schule, die Zeugnisse wurden feierlich und amüsant übergeben und ich ging mal wieder - stolz wie Oskar durch die Stadt und machte noch ne eigene Party...grins...Selbst die Oma war begeistert.

Noch heute bestehen gute Kontakte zu Ehemaligen.
Auch ist mir noch gut in Erinnerung, dass die jeweiligen neuen Semester von den etablierten mit einem rauschenden Fest empfangen wurden.


Voraussetzungen für das Kolleg:

- Man ist mindestens 19 Jahre alt.

- Man hat die Fachoberschulreife oder einen gleichwertigen Schulabschluss.

- Man hat eine Berufsausbildung, oder war mindestens 3 Jahre berufstätig - angerechnet werden auch Zeiten des Wehr- oder Ersatzdienstes sowie Zeiten der Arbeitslosigkeit.

- Und: Man will das Abitur oder die Fachhochschulreife erwerben


Schülerbafög beantragen:

Ganz wichtig, man kann Schülerbafög beantragen und das erleichtert einem ein bisschen die Entscheidung, aber wie schon gesagt, man muss nebenher jobben. Wichtig ist, dass das Bafög elternunabhängig ist und NICHT zurückgezahlt werden muss.

Es gibt die Förderung nach dem Bundes-Ausbildungsförderungs-Gesetz BAFöG.

Voraussetzung:

- Wenn man seine Ausbildung am Köln-Kolleg vor Vollendung des 30. Lebensjahres beginnt, erhält man im Normalfall eine elternunabhängige, nicht rückzahlbare BAFöG-Förderung durch das
Amt für Ausbildungsförderung der Stadt Köln.

Anschrift um Bafög in Köln zu beantragen:

Johannishaus
Johannisstr. 66 - 80
50668 Köln

Persönliche Sprechzeiten des BAFöG-Amtes:

Dienstags und Donnerstags 8.00 bis 12.00 Uhr.


Was bietet das Köln-Kolleg noch:

Das Köln-Kolleg bietet die Möglichkeit, die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben:

- in drei Jahren (6 Semestern),
- bei 30 Unterrichtsstunden pro Woche,
- in Tagesform von montags bis freitags, ab 8.00 Uhr
- mit den allgemeinen Schulferien in NRW,
- mit elternunabhängiger und nichtrückzahlungspflichtiger Förderung
nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAFöG),

Das Kolleg bietet folgendes Fächerangebot:


Deutsch, Englisch, Französisch, Latein,
Philosophie, Geschichte, Soziologie,Volkswirtschaftslehre, Religion,
Mathematik, Biologie, Chemie, Physik,
mit lokalem Computernetz und Zugang zum Internet,


und wenn man Hunger hat kann man kostengünstig in der hausinternen Mensa ganz gut futtern.

Zusätzlich:

Mit dem gleichen Ausbildungsgang kann man in 2 Jahren (4 Semestern) die Fachhochschulreife erwerben.

Und das Köln-Kolleg bietet auch Hausfrauen und Müttern Möglichkeiten an - da erkundigt Ihr Euch bitte persönlich.

Wenn Ihr nun sagt, ich möchte den Versuch machen dann solltet Ihr Euch vorab persönlich beraten lassen, bevor Ihr Euch anmeldet. Das könnt Ihr machen unter:


Köln-Kolleg
Judenkirchhofsweg 6 - Raum 017
50679 Köln (Deutz)
Telefon: 0221-88 15 82
Telefax: 0221-88 00 378

immer montags von 15.30 - 18.30 Uhr - nicht in den Schulferien.

Dazu bringt Ihr bitte Zeugnisse und Berufsausbildungs-oder Tätigkeitsnachweise mit!

Für eine Anmeldung sind folgende Unterlagen erforderlich:

- Lebenslauf

- 2 Lichtbilder


Ich kann nur für mich sprechen. Es haben damals bis auf insgesamt 2 Leute das Abi bestanden und es hat sich gelohnt.Ich habe das Lernen neu gelernt, habe viele nette Menschen in ähnlicher Situation kennen gelernt. Allerdings seit Euch bitte darüber im Klaren, man muss zu Hause lernen, Hausaufgaben machen und sehr intensiv für Klausuren üben. Wer es nur als lockeren Zeitvertreib sieht, wird verlieren.
Noch mal möchte ich erwähnen, dass man von den Lehrkräften ernst genommen wird, einfach weil sie mit den Problematiken vertraut sind und unterstützend helfen können. Wenn Köln nicht in Frage kommt, informiert Euch bitte telefonisch beim Kolleg, welche weiteren Kollegs es anderswo gibt.

Und dann auf ins Unbekannte und es lohnt sich.....
...ich habe den Schritt nie bereut....und noch ganz viel dazu gelernt...

Danke für Eure sonntägliche Zeit und einen wunderschönen Tag....

   
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