Abgeltungssteuer

Abgeltungssteuer

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...Juli 2007 steht es fest: Die Abgeltungssteuer kommt. Was viele Privatanleger noch kaum registriert haben, sorgt in der Finanzbranche für helle Aufregung. Und das ist in diesem Fall sogar positiv gemeint. Denn mit der Abgeltungssteuer kommen trotz vieler Nachteile auch einige Vorteile für ... Bericht lesen





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Fluch oder Segen
Erfahrungsbericht von yesup über Abgeltungssteuer
16.10.2007


Produktbewertung des Autors:   


Pro: einfachere und transparentere Steuererklärung
Kontra: die Reichen werden mal wieder zuerst begünstigt

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Seit dem 06.Juli 2007 steht es fest: Die Abgeltungssteuer kommt. Was viele Privatanleger noch kaum registriert haben, sorgt in der Finanzbranche für helle Aufregung.

Und das ist in diesem Fall sogar positiv gemeint. Denn mit der Abgeltungssteuer kommen trotz vieler Nachteile auch einige Vorteile für Banken aber auch für Privatanleger zum Vorschein.

Von diesen Dingen soll der Bericht hier sein.


Was ist die Abgeltungssteuer?
========================

(Ich versuche jetzt nicht arg theoretisch zu werden, sondern einen einfach zu lesenden Bericht zu schreiben, der einfach zu verstehen ist und der sicherlich über 90% der Bevölkerung treffen wird. Explizit werde ich nicht auf die Feinheiten im Detail eingehen).

Zuallererst ersetzt die Abgeltungssteuer die bisherige Kapitalertragsteuer. Im Unterschied zur Kapitalertragsteuer ist die Abgeltungssteuer eine Quellensteuer. Das heißt sie wird direkt erhoben und damit gilt die Steuerlast als abgegolten.

Da die Sparerfreibeträge gleich bleiben ergibt sich für den Sparer folgende einfache Rechnung:

Alt: Kapitalertragsteuer = 30% (auf Zinserträge), zuzüglich werden noch bis 31.12.08 dann 5,5% Solidaritätszuschlag abgezogen. Macht bei 1000 Euro Zinsen über den Freibetrag 300 Euro Kapitalertragsteuer und davon dann nochmal 5,5% Soli (=16,50 Euro) eine Steuerbelastung von 316,50 Euro (=31,65%) für den Anleger.

Neu: Abgeltungssteuer = 25% (generell!) zuzüglich 5,5% Soli und Kirchensteuer (neu!). Macht dann im gleichen Beispiel bei 1000 Euro Zinsen über de Freibetrag = 250 Euro Abgeltungssteuer, davon 5,5% Soli (=13,75 Euro) und 10% (einfach gerechnet) Kirchensteuer 25 Euro eine Steuerbelastung von 288,75 Euro (=28,9%) für den Anleger.
-sollte jemand nicht in der Kirche sein, spart er sich natürlich diesen Abzug!-

Unter dem Strich also eine Vergünstigung für die meisten.

Und jetzt der Clou: Mußte man früher die Zinsen separat erklären und konnte man somit Zinsen zurückerhalten (sofern der Steuersatz unter 30% lag), oder man mußte Zinsen nachzahlen (sofern der Steuersatz über 30% lag), gilt nun mit dem 25% Abzug die Steuer als abgeglichen. Ergo: Es muß keine Steuererklärung für die Zinsen gemacht werden.

Kunden die einen persönlichen Steuersatz von unter 25% haben, sollten allerdings eine machen, da sie ja dann von den abgezogenen Zinsen einiges zurück bekommen. Allerdings wer einen Steuersatz von unter 25% hat, wird sicherlich eine NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen können, was dann sicherlich eleganter ist als eine Steuererklärung!


Ein weitere wesentliche Änderung: Es werden alle Ertäge steuerlich erfaßt, d.h. sogenannte Kursgewinne durch Aktien oder Rentengeschäfte unterliegen zukünftig ebenfalls dem 25%igen Abzug. Beispiel: Ich kaufe jetzt für meine Tochter 25 Solarworld Aktien zu 45 Euro, macht das 1000 Euro bei Erwerb. Nun ist die gute erst 6 Jahre alt und soll die Aktien von mir zur Rentenaufbesserung behalten. Gehen wir mal davon aus das meine Tochter die Aktien in der Tat 60 Jahre lang hält und aus den 1000 Euro wären über die Jahre 6000 Euro geworden. Macht dann bei Verkauf im Jahr 2067: 5000 Euro Kursgewinn, davon gehen dann pauschal 25% (also 1250 Euro zuzüglich Soli und Kirchensteuer) an das Finanzamt ab. Klasse Geschichte wa?

Somit ist das Thema: Spekulationsfrist und steuerfreie Kursgewinne pase.

Ausnahmen:
==========

Offene Immobilienfonds, Dachfonds und Lebnesversicherungen werden von der Neuregelung (noch) nicht betroffen.

Ebenso die staatlich geförderten Riester- und Rürup Verträge.


Bestandsschutz:
=============

Alle Anlagen die vor dem 31.12.2008 getätigt werden, genießen Bestandsschutz. Und da kommen jetzt die Finanzdienstleister groß ins rotieren. Ebenfalls die Investment- und Zertifikatebranche, die noch schnell "Geschäft" machen wollen und wenn es nach mir geht auch sollen - es bahnt sich eine sogenannte Win-Win Situation an.

Einfaches Beispiel: Aktien, Fonds oder Rentenpapiere die vor dem 31.12.2008 erworben werden, genießen einen lebenslangen Bestandsschutz nach der hiesigen Steuerregelung.


Was sollte man tun?:
=================

Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Einfach jedoch gerechnet, wer mehr als 15000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, hat einen höheren Steuersatz als 25% und profitiert somit automatisch vom neuen Steuerrecht. Ebenfalls wer als Alleinstehender mehr als 20000 Euro an Geldanalgen hat, wird auch von der neuen Steuergesetzgebung profitieren. Bei 4% Durchschnittszins hat er aktuell den Freistellungsauftrag ausgeschöpft und würde bei jedem Euro drüber aktuell um 31,5% zahlen und nach dem neuen Recht sind es etwas unter 29% und er erspart sich die mühselige Steuererklärung.

Was noch zu tun ist? Da rede ich als Vermögensberater mir schon seit Jahren den Mund fusselig: Das Vermögen strukturieren! Der Deutsche an und für sich liebt sein Sparkonto und seinen Bundesschatzbrief. Zieht man von den dort zu erzieleenden Zinsen die Inflation (ca.2% p.A.) und die Steuer ab, so vernichtet man effektiv Jahr für Jahr Geld; in dem man es einfach nur "anlegt". Hey, Leute, dann bitte investieren und konsumieren, davon habt ihr was - denn ihr gönnt Euch ja was - und die Wirtschaft wird angekurbelt.

Vermögensstrukturierung heißt schlicht und einfach nicht alle Gelder auf eine Karte setzen. Nur Sparkonto, oder nur Lebensversicherung, oder nur Aktien(-fonds)anlagen.


Auch sehr beliebt: Findige Steuersparer übertragen ja gerne Vermögen auf Kinder oder Großeltern da diese auch einen Freibetrag haben und in der Regel sogar eine Nichtveranlagungsbescheinigung haben. Beides würde ich allerdings nicht empfehlen. Nicht nur das es im engsten Sinne Steuerhinterziehung ist, vielmehr entstehen die Probleme, sobald sich an der persönlichen Situation der Kinder oder Eltern was ändern sollte. Auf einmal ist nicht nur der ersparte Zins, sondern auch das Kapital weg!

Praktisches Beispiel: Wie gesagt meine Tochter ist 6 Jahre alt. In der Regel habe ich in der Vergangenheit -egal ob für Kunden oder meine Familie- zugesehen, das die Gelder für die Kinder tendentiell auf das 18te Lebensjahr ausgerichtet waren, bzw bei den Erwachsenen mit Teilen des "Vermögens" Chancen an den internationalen Kapitalmärkten wahrzunehmen. (Warum soll ich von der Globalisierung nicht auch profitieren, wenn schon der vorhandene Wohlstand künftig breiter in die Welt verbreitet wird?).

Künftig werde ich die generelle Anlagestrategie nicht ändern, für Kinder bis 18 und für Erwachsene ausgewogene Kapitalanlagen. Jedoch durch die lebenslange Steuerfreiheit werde ich mir dieses und allerspätestens nächstes Jahr überlegen, welche Prozente der Vermögen nicht wirklich langfristig angelegt werden können und somit ein lebenlang steuerfrei bleiben!

Konkret heißt dies folgendes: Ich werde für meine Familie und meinen persönlichen Freundeskreis einen Prozentsatz des Geldvermögens in ausgewählte Aktien(-und fonds) investieren, welche wirklich langfristig nicht benötigt werden um die Steuerfreiheit zu behalten.

Dann werden Gelder -also nicht meine, da ich ja nur wenig habe, seufz- die mittelfristig, sprich die nächsten 3-5 Jahre nicht benötigt werden in steueroptimierten Anleihen (oder steueroptimierte Rentenfonds) investiert um dort nur die niedrigen Zinsen zu versteuern und bei Fälligkeit dann die Kursgewinne der Renten steuerfrei noch zu kassieren. Dann fällige Gelder können dann wie bisher in höherverzinslichen Anleihen (mit Beimischung Emerging Markets) investiert werden, da nach dem Abzug der 25% Abgeltungssteuer ja immer noch schön was übrig bleibt.

Abgerundet sollte so eine Struktur mit einem Anteil an offenen Immobilienbeteiligungen werden, da man dort auch künftig sicherlich um die 5% verdienen kann und die Hälfte der Erträge steuerfrei bleibt. Da in dieser Anlagegattung sich jedoch 2009 nichts ändert, werde ich zuerst für die konservativen und somit sicherheitsbewußten Anleger empfehlen ihre Gelder in 3-5 jährige Renten (und/oder steueroptimierte Rentenfonds) anzulegen.


Tips&Tricks:
==========

Und jetzt doch ein wenig zu den Feinheiten.

Bislang wurden Veräußerungsgewinne und Zinsen/Dividenden separat betrachtet. Künftig fallen die alle in einen Topf (Eine extra Regelung gilt für Aktien, aber da ich die breite Masse ansprechen möchte, lasse ich diese Regelung außen vor).

Das bedeutet folgendes: In Jahren mit geringen Zinserträgen und Platz im Freistellungsauftrag können Kursgewinne aus Renten oder Aktienfonds mitgenommen werden und somit durch den Freistellungsauftrag abgedeckt werden! Das ist neu.

Umgekehrt gilt also folgendes: Sofern man auf einem Aktienfonds oder einem Rentenfonds mit Verlusten sitzt und eigentlich da raus will (oder muß), kann man diesen Verlust realisieren (sprich die Anlage verkaufen). Dieser Verkauf erhöht meinen Freistellungsauftrag (!) und somit kann ich in diesem Jahr mehr steuerfreie Zinsen als 801/1602 Euro erzielen.

Durch gezielte Realisierung von Kursgewinnen bzw Kursverlusten kann man zukünftig seine Zinserträge steuern. In abgewandelter Form mit dem Stückzinstopf ging das bereits heute, doch das wurde kaum genutzt.

Fazit
====

Das muß jetzt jeder für sich entscheiden. Bleibe ich in meiner -in der Regel- klassisch konservativen Anlagestrategie und gebe dem Kaiser was des Kaiser ist, wie letztens ein älterer Herr zu mir sagte, und damit die Steuern meinte, oder versuche ich doch noch Steuern zu sparen und meine Rendite zu optimieren.

Was natürlich nicht der Fall sein darf und sicherlich nicht sein wird, alles Geld jetzt in die Aktien- und Immobilien- oder Lebensversicherungen zu stecken nur um Steuern zu sparen.

Aber ich halte es für absolut sinnvoll seine Geldanlagen jetzt kritisch auf den Kopf zu stellen, sich zu überlegen, welche Geldanlagen will ich wirklich langfristig haben (ich denke da an etliche T-Aktien, Infineon Aktien oder Neue Markt Fonds die noch in Depots schlummern,...) und welche jetzt nochmal neu auf den Prüfstand gestellt werden sollten.

Jeder Mensch ist individuell, aber eines ist uns allen gemein: Wir wollen ALLE:

- eine hohe Rendite erzielen
- die absolute Sicherheit in der Anlage haben
- jederzeit verfügbar sein und wenn es geht
- Steuern sparen

Das dies alles nicht gleichzeitig geht, es sogenannte Zielkonflikte gibt es ebenso klar.

Ganz ehrlich und das ist mein tiefstes Anliegen an jeden Geldanleger Deutschlands: Strukturiert Euer Geld!

Beispiel: Wenn ein 40 jähriger Mensch, einen Job hat, ca 40 000 Euro gespart hat, kann er durchaus 5 000 - 10 000 Euro auch heute noch in Aktien- oder Aktienfonds anlegen, dazu noch mal 5 - 10 000 Euro in einen offenen Immobilienfonds. Den Rest kann der konservative Kunde sicherlich noch kurz- bis mittelfristig anlegen.

Dazu noch ein Riestervertrag (ebenso von der Abgeltungssteuer wie Rürup befreit), denn dieser unterliegt in der Laufzeit nicht der Abgeltungssteuer (nachgelagerte Besteuerung).

Steuern sparen und Erträge erzielen kann so einfach sein. Ich bin mir recht sicher, das durch die Abgeltungssteuer der eine oder andere etwas an seiner Vermögenstruktur ändern wird. Was vermutlich aber dann doch der Großteil der Bevölkerung tun wird: Jammern über die neue Steuern.

Und das ist wirklich schade, da diese neue Steuer den meisten Anlegern Vorteile bringt (ich finde es persönlich bedauerlich das die Veräußerungsgewinne ebenfalls besteuert werden). Diese Steuerform wird in den angelsächsichen Ländern bereits seit Jahren genutzt und ist sehr transparent.

Unterm Strich gibt es deutliche Vorteile für diese neue Steuer und ich vergebe ihr daher 5 von 5 Sternen. Der größte Nachteil ist für mich, das die Hauptprofiteure dieser Steuer die Superreichen mal wieder sind, da bei Geldanlagen nicht der persönliche Spitzensteuersatz von 42% zum tragen kommt, der neue Satz von 25% pauschal.

(Die Produktdetails passen nicht zum Bericht!)   


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