Abschied

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Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr. Das, was ich für dich war, bin ich immer noch. Gib mir den Namen, den du mir immer gegeben hast. Sprich mit mir, wie du es immer getan hast. Gebrauche nicht eine andere Lebensweise. Sei nicht feierlich oder traurig. Lache ... Bericht lesen





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°° IM HERZEN °°
Erfahrungsbericht von leuchtturmwaechterin über Abschied
22.09.2009


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Kompletter Erfahrungsbericht

Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für dich war, bin ich immer noch.
Gib mir den Namen, den du mir immer gegeben hast.
Sprich mit mir, wie du es immer getan hast.
Gebrauche nicht eine andere Lebensweise.
Sei nicht feierlich oder traurig.
Lache weiterhin über das,
worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Ich bin nicht weit weg,
ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.
(Fritz Reuter, 1810-1874)

Bericht 1.500

25. April 2009
Es ist ein Freitag, 2 Tage vor meinem Geburtstag. Den ganzen Nachmittag saß ich an einer Anklage. Ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen. Endlich fertig mit dem Käse, Ordner zu, Drucker aus und erstmal die Kaffeemaschine angeschmissen. Ciao angemeldet. Es ist ca. 17:30 Uhr, mein Handy klingelt. „A...“ lese ich da,meine Ma, schön, sie ruft bestimmt wegen Geburtstagsplanung an. Ich hatte vor, am Geburtstag selbst bei meinen Eltern zu feiern, war ja ein Sonntag...
„Hi, ich hätte dich jetzt auch angerufen“, melde ich mich. Mein Mutter war unglaublich still. Meine Eltern waren an diesem Freitag aus dem Skiurlaub gekommen. Schon bei dem letzten Telefonat vor dem Skiurlaub überbrachte sie mir eine Hiobs-Botschaft. Da war mein Meerschweinchen Frodo im Alter von stolzen 10 Jahren gestorben, das Lieblings-Meerschweinchen meines Opas...
Daran wie sich unser Gespräch weiter gestaltete kann ich mich nicht erinnern. Meine Ma meinte nur: „Anna, A... hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das sieht nicht aus. Ich weiß es seit Dienstag. Hab es auf der Skipiste erfahren.“ Ich war nicht schockiert, ich war verwirrt. Bidde was? Mein Opa und Krebs? Ich wusste gar nicht dass so etwas, nun wie soll ich sagen, „zur Debatte stand“. Wie sich später herausstellen sollte, wurden bei einer ganz normalen Ultraschalluntersuchung des Magens wegen Unregelmäßigkeiten festgestellt, die man als Anlass nahm, weitergehende Untersuchungen zu machen.
Mein Opa hatte aber de facto bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Probleme. Im Gegenteil.
Meine Großeltern sind noch sehr jung. 70 bzw. 71 Jahre, wohnen in nem riesigen Haus und haben nen noch viel riesigeren Garten. Und weil ihnen das nicht reicht haben sie noch weitere Gärten und Obstbäume gepachtet. Mein Opa ist bis zuletzt auf seinem Hausdach herumgekrakselt, wenn das Solar mal wieder nicht so wollte, hat mein Auto repariert, ist mit mir gejoggt und erst im März war er 1 Woche Skifahren. Meine Großeltern haben für dieses Jahr noch 3 Aktivurlaube geplant.
„Hallo?“ „Ja, ich bin noch dran, du ich melde mich morgen, ich muss los.“
Ich musste nicht los aber ich war sehr verwirrt. Bauchspeicheldrüsenkrebs, damit hatte ich mich noch nie auseinander gesetzt, so nach dem Motto: wo ist überhaupt die Bauchspiecheldrüse?
Und wieder klingelte das Telefon.
„Anna, alles klar?“
„Jep, ich ruf gleich mal an.“
„Nein, das lässt du, die sind fix und fertig.“
„Warum?“
„Hast du verstanden was ich gesagt habe?“
„Ja!“
„Ich darf es dir eigentlich gar nicht sagen, deine Cousins wissen es nicht. Deine Großeltern wollen nicht dass die Enkel das erfahren, aber ich hab gleich gesagt dass ich meine Kinder nicht anlüge.“
„Jo, ist okay-dann ruf ich morgen an...wegen meinem Geburtstag am Sonntag...“

Ich glaube zu diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich nicht begriffen was los war.
An diesem Abend gab es ein furchtbares Gewitter, schon um 19 Uhr war es stockdunkel und es schüttete aus allen Registern. Eigentlich hätte ich jetzt 100 Kerzen angezündet, ich liebe Kerzenlicht und hab davon tausende in der Wohnung,mir war nicht danach. Ich war nicht bei Ciao.
Ich wollte mich auch nicht auf die Couch oder ins Bett legen, ich hing im Schreibtischstuhl, später saß ich auf meiner Eckbank, ich hab an gar nichts gedacht. Irgendwann kamen mal Tränen - ich hab noch immer an nichts gedacht - in 2 Tagen hatte ich Geburtstag - eigentlich wollten meine Großeltern (sie sind aus Hessen) an diesem Tag anreisen. Ich hatte sie zuletzt am 14.12.2008 gesehen. Da war Weihnachtsmarkt in besagtem Dörfchen in Hessen. Da hat mein Opa als Mitorganisator noch die schweren Holzstände aufgebaut und mit mir bis zum späten Abend heißen Apfelwein getrunken - bis wir beide nicht mehr gerade gehen konnten, naja wir fandens witzig ;-) ...wir haben uns über die roten, verfrorenen Ohren meiner Tante kaputt gelacht...bis sie richtig sauer wurde und fragte, ob wir uns nicht beherrschen könnten - wir haben nur noch lauter gebrüllt. Mit meinen Eltern und meinem Bruder im Gepäck bin ich gegen 23 Uhr zurück gen Baden Württemberg gestartet; hätte mir da jemand gesagt, dass ich meinen Opa soeben das letzte Mal gesehen habe, ich hätte nur mit dem Finger an die Stirn getippt...

gegen 21 Uhr
Das Telefon klingelt...schon wieder meine Mutter...“Anna wie gehts? Willst du vorbei kommen?“
„Nein“
„Sicher?“
„Ja“
„Anna man muss jetzt halt abwarten, Opa hat nächsten Montag gleich einen Termin in der Spezialklinik.“
„Aha, dann kommen sie also nicht zu meinem Geburtstag?“
„Nein, du die sind total durch den Wind.“
„Muss er operiert werden?“
„Naja, kommt drauf an ob die Ärzte sagen dass man noch was machen kann oder nicht. Bislang hat noch kein Facharzt über die Bilder gesehen. Der Hausarzt meinte da seien recht viele Metastasen, die Leber sei schon befallen und dass er noch 1 Monat oder auch 3 leben könnte.“
„Natürlich kann man da noch was machen!“ Ich wurde richtig aggressiv...
„Oh das andere Telefon klingelt, also wenn du magst komm vorbei. Trinken wir ein Glas Wein und spielen was, das beruhigt erst mal.“

Ich wollte nicht! Ich wollte gar nichts! Ich wollte nichts trinken, nichts essen, nichts spielen, keine Kerze, keine Musik, nein, es kamen auch keine Tränen! Da war gar nichts! Ich war total überzeugt, dass nächste Woche die Welt schon wieder anders ausschauen würde. Mein Opa war ja so fit, so fit wie mein Vater. Wenn ich mit ihm unterwegs war dachte jeder das sei mein Vater.
Nichts im Vergleich zu meinem anderen Opa, der 88 ist und 24 h Pflege tagtäglich benötigt. Kein Vergleich! Man könnte meinen, da liegen 50 Jahre dazwischen, nein nein nein!
Ich wollte an was anderes denken, aber ich habe trotzdem an meinen Opa gedacht. Zu meinem Opa hatte ich eine sehr gute Beziehung, ich habe 5 Jahre meines Lebens bei meinen Großeltern gewohnt. Ich habe mit ihnen zig Reisen unternommen (6 Wochen Florida z.B., jedes Jahr Skifahren) - meine Großeltern haben noch nicht mal graue Haare - meine Oma ist genau so ein Fashion-Victim wie ich - und sie ist praktischerweise noch Schneiderin. Sie ist meine beste Mode-Beraterin, wir shoppen in den selben Läden, sie trägt Jeans und Poloshirts wie ich und du. Wir haben so viel Scheiß miteinander gemacht. Nun, mit meiner Oma mach ich das noch jetzt, wenn sie mal für ein paar Minuten vergessen kann, was dieses Jahr passiert ist...
Mein Opa hat mir immer beigebracht, dass ich das machen soll, was ich für richtig halte. Und da war er der Einzige! Er hat alles unterstützt was ich gemacht habe! Er hat mich während der stressigen Examens-Phase tagtäglich aufgebaut wenn alle anderen aus der Familie mit sinnlosen Fragen genervt haben - er wusste einfach wie man mit mir umgeht - und wie man mich motiviert und wieder auf den Boden der Tatsachen zurückführt.
Er war der Einzige, der 20 Jahre lang meinen Reitsport unterstützt hat, der immer dahinter stand, auch als meine Eltern nach einem Schädel-Basis-Bruch nicht mehr wollten dass ich aufs Pferd steige. Tja, auf den Mann konnte man sich einfach 1000%ig verlassen - und das sage ich bis zu diesem Moment über keine einzige weitere Person. Nie vergessen werde ich, als er 2 Std zu mir auf die Autobahn gefahren ist, wo mein Auto auf einem WC-Parkplatz einfach net mehr anspringen wollte. Er hat mich dann abgeschleppt ;-)

Nun denn, all diese Gedanken gingen mir an dem Abend durch den Kopf. Gegen 2 Uhr morgens bin ich ins Bett. Doch ich konnte nicht schlafen. Ich hatte 4 Std einen leeren Kopf.


26. April 2009
Am nächsten morgen, Samstag den 26.4.2009 bin ich schon sehr früh zu meinen Eltern und hab sie mit frischen Brötchen geweckt. Mein Opa war an diesem Tag nicht ein einziges Mal Gesprächsthema, wir waren für meinen Geburtstag einkaufen, meine Eltern haben ihren Sport gemacht, ich meinen, alles war wie immer...
Am Abend haben meine Ma und ich gebacken und uns über den Sommerurlaub unterhalten...


27.April 2009
Mein 25. Geburtstag! Ich feierte wie gesagt bei meinen Eltern. Mein (Ex-) Freund musste an diesem Tag vollzeit arbeiten. Wir wollten mit Freunden nachfeiern. Der 27. sollte eben der Familien-Geburtstag werden. Meine anderen Großeltern kamen, meine Tante und Onkel und sonstige Bekannte. Es war ein ganz normaler Geburtstag. Gegen 18 Uhr klingelte das Telefon. Es war mein Opa! „Hallo Annika, ich wünsch dir alles gute zum Geburtstag! Mensch, jetzt bisch au schoh 25, wie gehts? Wie ist das Wetter? Was gabs für Kuchen? Wo hast du nächste Woche Sitzung?“ ...der übliche Small Talk, den wir mind. 1 x die Woche führten. Doch irgendwie war seine Stimme sehr bedrückt. Irgendwann meinte er: „also dann geb ich dir jetzt Oma, feier noch schön“...und da hatte ich auch schon meine Oma am Telefon: „Hallo Annika, jetzert, ich wünsch dir alles gute zum Geburtstag, was gibts zu essen?“ Ich erzählte und erzählte, merkte aber das sie gar nicht bei der Sache ist, ich fragte daher „wie gehts dir?“ ...ohne auch nur irgend etwas anzusprechen. Da brach sie auch schon in Tränen aus: „ach Annika, hoffentlich lebt er nächstes Jahr an deinem Geburtstag noch...“
Mit so etwas hatte ich wieder gar nicht gerechnet und das das machte mich schon wieder aggressiv: „jetzt hör aber auf, warum denn nicht?“ Das Telefonat war dann beendet und ich habe meinen Geburtstag zu Ende gefeiert.


28.4.2009
Mein Opa hatte an diesem Tag einen Termin in der Spezialklinik. Ich wusste dass er schon sehr früh dort hin musste und voraussichtlich schon um 12 Uhr wieder daheim war. Doch ich traute mich nicht anzurufen. Meine Mutter arbeitete bis 18 Uhr. Ich hab sie um 18:30 Uhr angerufen, da musste sie ja wohl Bescheid wissen. Sie wusste Bescheid. Aber einen solchen Bescheid wollte ich nicht. Es war also mehr amtlich: mein Opa hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs- und zwar im Endstadion. Die Leber war bereits stark befallen. Nächste Woche ging es schon mit der Chemo los...


Die nächsten Wochen waren schrecklich, wenngleich eigentlich keiner aus meiner Familie das Thema mir gegenüber angesprochen hab. Ich weiß nicht ob sie untereinander darüber gesprochen haben, ich denke schon...
Jeder weiß, dass ich sehr emotional und manchmal nicht sonderlich belastbar bin.
Mein Opa hat ganz „normal“ seine Chemo gemacht. Ich saß permanent am Telefon und hab irgendwelche Freunde kontaktiert, wo ich wusste, dass es in der Familie bereits einen Krebsfall gab. Ich hab Erfahrungen gesammelt, Kliniken angerufen, alles nicht sehr ergiebig. Sobald ich erzählt habe um welche Krebsart es sich handelt, sah man mich mitleidig an...
Nach ca. 11/2 Wochen hab ich von meiner Oma erfahren, dass man bei meinem Opa auch keine Chemo aus Heilzwecken macht, sondern lediglich eine Chemo zur Schmerztherapie. Er bekam auch sehr schnell Morphiumpflaster. Hatte dennoch starke Schmerzen und besonders nach der musste er sich stundenlang übergeben.

Meine Großeltern wohnen ja wie gesagt in Hessen, der Rest der Familie hier in Baden-Württemberg. Daher ging die nächsten Tage der „Kampf“ los, wer wann zu meinen Großeltern fahren darf. Ich fand das nicht gut denn das konnte für meinen Opa nur Stress sein, wenn ihn auf einmal alle 2 Tage jemand anders besucht und dann vor allem Familienmitglieder, die ihn schon seit Urzeiten nicht mehr besucht hatten. Schrecklich fand ich insbesondere wenn so Äußerungen kamen wie: „aber ich will ihn auch NOCH mal sehen“. Noch mal sehen, hallo? Das war ja wie in einem sauschlechten Kinofilmmm...Ich hatte ihn noch lange nicht abgeschrieben, daher hatte ich es auch mit einem Besuch nicht eilig und hab erst mal den Irren den Vortritt gelassen.
Auch mein Opa, so sagte es mir meine Mutter, hatte die Hoffnung nicht aufgegeben und alle Hoffnung in seine Chemo gesetzt. Er wusste auch nicht dass bei ihm nur eine passive Chemo zur Schmerzlinderung durchgeführt wird, er hat den Schrieb nie in die Hände bekommen - meine Oma hat diese Last all die Tage alleine mit sich rumgeschleppt...

Dann waren meine Eltern „an der Reihe“ und haben meine Großeltern besucht. Als sie wieder da waren hat meine Mutter nur noch geheult. Sie meinte „Anna, wenn du ihn NOCHMAL sehen willst, dann fahr schnell hoch. Er ist total abgemagert, ganz gelb und hat einen ganz starren, toten Blick. Außerdem hat er fürchterliche Schmerzen und liegt fast den ganzen Tag auf dem Sofa. Aber er hat gesagt er würde sich freuen wenn du bald mal kommst.“ Ich war schockiert, an diesem Abend hab ich noch mit meiner Oma telefoniert. Mein Opa schlief. Mit meiner Oma vereinbarte ich, dass ich an Christi Himmelfahrt kommen sollte. Wir sprachen wieder nicht über das Thema Krebs. Ich hatte wie üblich einen meiner Besuche angekündigt und wir haben wie üblich darüber geredet was wir dann machen, ob ich irgend welche Klamotten abzuändern hätte und was wir kochen/ backen. Das war ungefähr 1 Woche vor seinem Tod...

Ich hab gegenüber meinem Opa das Thema Krebs übrigens auch nie angesprochen. Er hat es auch nie angesprochen. Wir haben quasi nie über seine Krankheit gesprochen. Dabei haben wir eigentlich immer über alles gesprochen. Ein einziges Mal meinte er auf meine Frage, wie es ihm gehe, dass er etwas Probleme mit dem Magen wegen der Chemo hätte. Ich hab sofort das Thema gewechselt und ihm von meinen 2 Tagen bei der Polizei erzählt. Wir haben uns wie immer unterhalten. Es war natürlich gefühlsmäßig nicht wie immer. Aber wir haben so getan als ob nichts wäre -bis ich das letzte Mal mit ihm telefonieren sollte...


25.5.2009
gegen 21 Uhr
Ich wusste nun definitiv, dass ich Christi Himmelfahrt zu meinen Großeltern fahren kann. Ich war schon voller Vorfreude, obwohl ich auf der anderen Seite auch etwas Bammel hatte wegen der Worte meiner Mutter; die schwirrten mir die Tage quasi nonstop im Kopf herum: „Anna, das ist nicht mehr dein Opa wie du ihn kennst, er ist ganz gelb im Gesicht und hat einen toten, starren Blick.“ Ich stellte es mir nicht so schlimm vor, ich hatte ihn total anders in Erinnerung.
Ich rief also an diesem Abend gegen 21 Uhr bei meinen Großeltern an. Mein Opa ging ans Telefon. Ich war super überrascht. Seit seiner Krankheit ging er nie ans Telefon, immer meine Oma.
„Hallo, da ist die Annika. Also, pack schon mal die Karten raus, Christi Himmelfahrt komm ich!“
„Prima, freut mich, C...hast du gehört, die Annika kommt über Christi Himmelfahrt.“
Wir haben noch ein bisschen geschwätzt, er klang verhältnismäßig gut, eigentlich wie früher. Ich dachte jetzt geht’s wahrscheinlich aufwärts nachdem die Chemo nun schon ein paar Mal stattgefunden hat. Dann hab ich aufgelegt und war bei Ciao unterwegs. War sehr froh dass er ganz prima klang, voller guten Dinge und hab mich wirklich super auf Christi Himmelfahrt gefreut. War quasi wie die Tage vor Weihnachten. Schon so lange hatte ich sie ja nicht mehr gesehen. Mit meinem Opa Karten spielen, mich mit meiner Oma betrinken und Klamotten austesten ;-) Freude :)


26.5.2009
0:10 Uhr
Gerade war ich in die Küche gelaufen um noch eine Wasserflasche ins Schlafzimmer zu holen. *ringring* Welcher fucking Vollidiot ruft mich zu der Zeit an. Mir war kalt, hatte nur Unterwäsche an. Total angenervt hab ich meinen Namen in den Hörer gesprochen. Es war meine Ma, sie hatte eine sehr trockene Stimme: „Anna, der Opa ist vor ner halben Stunde gestorben.“ Irgendwie bin ich in meinen Schreibtischstuhl gefallen. Ich hab nichts gesagt. Meine Mutter hat mir erklärt, dass sie gegen 6 Uhr mit ihrer Schwester nach Hessen fährt. So war es dann auch.
Ich kam mit meinem Vater und meinem Bruder 3 Tage später nach. In Hessen gab es eine Trauerfeier. Der ganze Friedhof war voll. Es war schrecklich. Mein Opa wurde einen Monat später in Baden Württemberg beerdigt. Das war noch schlimmer.

Die Welt ist ungerecht. Das alles ging so schnell, mir ging es zu schnell. Ich konnte erst Wochen nach seinem Tod richtig weinen. Vorher konnte ich das nicht begreifen. Zwischen Diagnose Krebs und Tod lag exakt 1 Monat. Wie muss das sein wenn man die Todesdiagnose bekommt? Gerade bei einem lebenslustigen Menschen wie meinem Opa? Wie ist es für den Partner wenn man weiß, mir bleibt nur noch eine sehr kurze Zeit, mit ihm zu verbringen.
Es ist ungerecht. Mein anderer Opa, der 88 ist und stark an Parkinson erkrankt ist, zu 100 % Pflegefall ist, will seit Jahren sterben. Jedes Mal wenn ich ihn besuche fragt er mich:“warum holen sie mich nicht endlich?“ Nicht falsch verstehen, ich liebe meinen zweiten Opa nicht minder, wenn ich mit ihm auch nicht so viel zu tun hatte.

Verdammt, ich kann gar nicht beschreiben wie es in mir aussieht. Klar, ich bin jetzt nicht depressiv, gehe meinen üblichen Aktivitäten wie früher nach. Aber da ist diese tiefer Kloß in meinem Hals, diese unendliche Trauer, dieses neu erweckte Bewusstsein, dass das Leben so schnell vorbei sein kann, diese Angst, dass sowas nochmal passieren könnte...
...ich habe den liebsten Menschen dieses Planeten verloren...
...aber das Leben geht weiter...   

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