Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Wir waren danach im Burger King was essen |
| Kontra: |
Krise macht sich bemerkbar, keine ausreichende Beratung, schlechtes Preis - /Job - Verhältnis |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Die Wirtschaftskrise bekommen die Hochschulabsolventen im Moment kräftig zu spüren. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage stimmt nicht mehr überein. Wurde man im Frühjahr `08 noch mit Jobs bombardiert, so kann man mittlerweile froh darüber sein, überhaupt eine Stelle zu bekommen, auch wenn sich das Gehalt dann meist in einem lächerlichen Bereich befindet.
Die Absolventenmesse in Leipzig sollte aber Mut machen. In meiner Tagszeitung stand an diesem Tag noch, dass die Unternehmen 5000 Jobs (!) zu vergeben haben, 1000 davon in Mitteldeutschland (!!!). Und das bei einer Anzahl von 47 Ständen (angekündigt waren 52). Wenn man davon ausgeht, dass zirka 500 Bewerber die Jobmesse besuchen, dann müsste ja jeder mit zwei Jobs in der Tasche heimgehen (vorausgesetzt man verkauft sich gut und die Leistungen stimmen). Der Eintritt lag bei 10 beziehungsweise 5 Euro für Arbeitslose und Studenten. Das Verhältnis von 5/10 Euro zu 47 Ständen war aber nicht so pralle. Ich war mit zwei Freundinnen auf dieser Messe, Hochschulabsolventinnen, jedoch hatten wir allesamt eine unterschiedliche Studienrichtung.
Es hatten Firmen ihre Stände errichtet, die in der Region Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen beheimatet sind. Das betraf Unternehmen, die direkt in Mitteldeutschland ihren Hauptsitz haben, aber auch überregionale wie internationale Unternehmen, die hier eine Niederlassung oder Zweigstelle besitzen. Eine Übersicht der Unternehmen gibt es auf der Homepage zur Absolventenmesse. Es fiel aber schnell auf, dass sich scheinbar zahlreiche Unternehmen aus dem Bereich Beratung, wie beispielsweise Finanzberatung, dort eingenistet haben. Bevor wir uns den Ständen widmen konnten, wurden wir zu einer kurzen Umfrage eingeladen. Die ersten Fragen waren noch okay: „Haben Sie Probleme bei einem Vorstellungsgespräch, wenn man nach Ihren Stärken und Schwächen fragt?“ oder „Probleme beim Erstellen des CV?“, es folgten dann konkretere Fragen wie: „Kennen sie sich mit Versicherungen nach dem Studium aus?“ oder „Kennen sie weitere „Subventionen“ für Studenten, ähnlich wie Bafög?“. Schnell war klar, dass wir hier von einer dieser Finanzberatungen befragt wurden und hier potentielle Kunden beziehungsweise Berater an Land geangelt werden sollten. Es ist klar, dass einige Menschen eine solche Finanzberatung wollen und brauchen, trotzdem sind das keine Unternehmen, die an einer solchen Messe teilnehmen sollten, da man für einen solchen Job nicht Hochschulabsolvent sein muss, sondern einfach nur das Talent besitzen muss, andere Leute beschwatzen zu können. Klingt hart, ist aber so, das ist ein Job, den Abiturienten oder Hochschulabbrecher machen, ansonsten wäre das verschwendetes Potential, aber in Zeiten der Krise sehen genau diese Unternehmen ihre Chance, schnell an qualifiziertes Personal zu kommen. Zirka 10 bis 15 % der Stände bestanden dann aus genau diesen Unternehmen. Ein weiterer beliebter Magnet war die Suche nach Vertriebsleuten, aber auch hierfür brauch man (meist) keinen Hochschulabschluss. Im Grunde die Jobs, die in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs niemand machen will, wurden hier als die Quelle des Erfolges angepriesen. Auch die Anforderungen wurden hinaufgeschraubt, für die Arbeit im Vertrieb war bisher (meist) nur eine kaufmännische Ausbildung notwendig, so wird mittlerweile ein Hochschulabschluss verlangt.
Ein Stand eines bekannten Unternehmens aus der IT-Branche, hatte sage und schreibe zwei Stellenausschreibungen bereitgelegt. Dabei war eine davon ein Praktikum, wobei ein Mitarbeiter dazu gesagt hat, dass diese Stelle sowieso bald vergeben ist und es keinen Sinn mehr mache, sich darauf zu bewerben (aber der Wille zählt). Somit hat ein Unternehmen seinen Stand für Eine(!) konkrete Stellenausschreibung aufgebaut. Es hat sich herausgestellt, dass es sich hierbei aber nicht um das einzige Unternehmen dieser Art gehandelt hat. Ein Stand eines der weltweit bekanntesten E-Business-Unternehmen hat die Absolventen und Studenten abgefertigt, wie an einer Supermarkt-Kasse. Eine Frage wurde gestellt, diese wurde mit „Nein!“ beantwortet und in dem gleichen Tempo ging es mit den folgenden Nachfragern weiter. Die Messe begann um 10 Uhr, es war zum Zeitpunkt, als ich selbst an diesem Stand war (ca 13 Uhr) auch zu erkennen, dass einige Personaler (oder Praktikanten) bereits genervt von den immer gleichen Fragen der Studenten und Absolventen waren. Das Personal an den jeweiligen Ständen war so aufgebaut: ein Mitarbeiter aus dem Personalbereich, bei kleineren Unternehmen sogar manchmal der regionale Geschäftsführer und dann meist noch ein bis zwei Praktikanten, die scheinbar einen Tag zuvor einen A4-Text bekommen haben, den sie dann zur Absolventenmesse 1:1 wiedergegeben haben. Bei spezielleren Fragen konnten diese dann auch meist nicht weiterhelfen und haben eben auf die nächst Höhere Instanz verwiesen.
Klar war, dass größere Konzerne, die von der Krise sehr stark betroffen sind, erst gar keinen Stand aufgebaut haben, dies betraf auf alle Fälle die Automobilkonzerne in und um Leipzig. Ansonsten gab es Unternehmen, die scheinbar nur aufgrund der Präsenzmöglichkeit erschienen sind. Und es gab Unternehmen, die eine geringe Anzahl an Ausschreibungen parat hatten, die man aber auch auf einschlägigen Jobbörsen im Netz, wie monster.de oder stepstone.de finden kann. Dazu muss ich nicht nach Leipzig kommen, insbesondere, wenn dann Personen an den jeweiligen Ständen stehen, die keinen großen Einfluss auf meine Bewerbung haben, oder besser gesagt kaum Personen in Führungspositionen anwesend sind, die man vor Ort mit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen überzeugen könnte.
Schnell war uns klar, dass es hier nicht um das geht, was uns suggeriert wurde. 1000 beziehungsweise 5000 Jobs gab es nicht. Getränke und Speisen gab es, zwar zu überteuerten Preisen, aber man ist ja nicht gezwungen dort etwas zu kaufen.
Fazit
Die Zeit hätte man besser nutzen können, darüber waren wir Drei uns am Ende des Tages einig. Und mit dieser Meinung waren wir sicher nicht die Einzigen. Die Weltwirtschaftskrise bekommen alle zu spüren, logisch, dass es dadurch nicht so viele Jobs gibt. Aber meine Erwartungen waren höher, insbesondere, wenn man liest, dass 1000 Arbeitskräfte in Mitteldeutschland gesucht werden. Nur die komplette Anreise, Kosten und den Stress hätte ich mir sparen können, da es rein gar nichts einbrachte.
P.S.: Drei Tage später bekam ich einen Anruf. Dort wurde mir gesagt, ob ich mir eine Karriere als Finanzberater vorstellen könnte…