Schwangerschaftsabbruch und der §218

2  29.10.2007

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Natze

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Einleitung
"Soll der Embryo geschützt werden?" Dies ist die simple Frage, die schon seit Jahrhunderten diskutiert wird, und in immer neuen Gesetzen festgehalten wird. Ich möchte nun die Entwicklung der Antwort auf diese Frage aufzeigen.
Religiöser Standpunkt
Allgemein
In den asiatischen Religionen galt Abtreibung als legal, bis man das Kind spürte. Dies ist darin begründet, dass der Fötus seine Seele erst bekommt, wenn er sich selbstständig bewegt, also ungefähr im 5. Schwangerschaftsmonat.
Im Islam wird der Fötus besonders nach dem 120. Schwangerschaftstag schützenswert. Hier wird ihm, von einem Engel, die Seele eingehaucht. In manchen Regionen ist eine Abtreibung generell strafbar.
In der katholischen Kirche
Die meisten wissen nicht, dass die katholische Kirche nicht immer so streng gegen Abtreibung war. Bis 1869 galt die Abtreibung eines Fötus bis zum 40.Tag zwar als Sünde, wurde jedoch nicht, wie heute mit Exkommunikation bestraft. Ab dem 80.Tag konnte auf Abtreibung sogar die Todesstrafe stehen. Denn am 80.tag wird, nach früherer Sicht, dem Fötus die Seele eingehaucht.
In der Neuzeit änderte sich diese "liberale" Einstellung. Ärzte hatten die Erkenntnis dass bereits bei der Befruchtung die Seele einverleibt wird. Diese Ansicht übernahm Papst Pius IX 1871 und stellte Abtreibung ab dem ersten Tag unter Exkommunikation.
Nimmt ein Katholik heute eine Abtreibung vor, oder ist an ihr beteiligt ist er automatisch exkommuniziert. (vergleiche Codex des Kanonischen Rechts 1398)
Zwar gab es katholische Abtreibungsberatungsstellen, die auch einen Schein zum straffreien Abbruch ausstellten, doch schrieb Johannes Paul II: "[…]somit in den katholischen Beratungsstellen keine Scheine mehr ausgestellt werden, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen."


Rechtliche Grundlagen vor 1970

Schon im Mittelalter wurde die Tötung eines Kindes im Mutterleib unter Geldstrafe gestellt.
In der Neuzeit wurden die Strafen für Abtreibung schärfer. Der Begriff Abtreibung taucht zum ersten Mal 1523 in der Peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karl V auf.
Ab dem 18. Jahrhundert steht keine Todesstrafe mehr auf die Abtreibung.
Das Strafgesetzbuch legt 1871 fest, das Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig ist und mit bis zu 5 Jahren Zuchthaus belegt ist.
In der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts wurden mehrere Versuche unternommen den §218 abzuschaffen oder die Strafe zu mildern. Dies gelang in den Jahren 1926/27, als der Schwangerschaftsabbruch vom Verbrechen zum Vergehen herabgestuft wurde. Außerdem wurde erlaubt ein Kind abzutreiben, wenn das Leben der Mutter bedroht ist.
Im Nationalsozialismus hing das legale abtreiben von vielen Indikatoren ab. So durfte zum Beispiel eine deutsche Frau nicht abtreiben, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung von westlichen Alliierten wurde. Wurde sie allerdings von einem Sowjet vergewaltigt war die Abtreibung rechtschaffen.

Reformbewegung
Die Ausführung der Abtreibung war schon im Nachkriegsdeutschland gängige Praxis. Kurpfuscher machten sich ans Werk, Frauen mit Geld ließen die Abtreibung im Ausland durchführen. Kam es zu einer Anklage wegen Abtreibung fielen die Strafen minimal aus. 1955 wurden noch 1033 Frauen verurteilt, 10Jahre später 802, und 1969 schrumpfte die Zahl auf 276 Frauen.
"Mein Bauch gehört mir"; "Ob Kinder oder Keine, bestimmen wir alleine!" Das waren
Die gängigen Parolen der Protestierenden Frauen in Deutschland. Am 6. Juni 1971 bekundeten 374 Frauen im Stern "Wir haben abgetrieben". Importiert wurde die Idee von Alice Schwarzer die sie sich aus Frankreich abgekupfert hatte.
Die Frauen forderten die bedingungslose Streichung des §218, Fremdabtreibung durch Laien soll weiterhin strafbar bleiben.
Sie sind der Ansicht, dass eine zeitliche Beschränkung sinnlos ist, da keine Frau später als dem 3. Monat abtreiben würde.
Außerdem sind sie gegen die Beratung vor einer Kommission oder ähnlichem, die dann einen Schein zum straflosen abtreiben ausstellt, da sie sich Fragen, nach welchen Kriterien diese Kommission entscheiden würde, und Kraft welcher Kompetenz? Sie sehen diesen Lösungsvorschlag nur als weitere durch nichts zu rechtfertigende Bevormundung der Frauen.
Alice Schwarzer veröffentlicht im Zuge dieser Proteste ein Buch "Frauen gegen den §218", indem Sie 18 Frauen zu Wort kommen lässt, die abgetrieben haben.
Statistiken und Rechtslage in der Bundesrepublik heute
Die Bundesrepublik änderte ihr Gesetz am 21.Juni 1974. Nun ist Abtreibung bis zur 12.Woche Straffrei, wenn davor eine Schwangerschaftskonfliktberatung stattgefunden hat, die Mutter einwilligt und der Abbruch durch einen Arzt vorgenommen wird. Das Gesetz regelt jedoch nicht, wer diese Beratung durchführen darf. Es gibt jedoch staatliche Einrichtungen die diese Aufgabe übernehmen. Weiterhin kann ein Arzt, der die Abtreibung nicht selbst durchführt (er könnte sich finanziell bereichern wollen) den Schein ausstellen. Es gilt außerdem, dass die Abtreibung auch nach der 12.Woche gestattet ist, wenn eine Lebensgefahr der Mutter besteht.


Man hat für den Schwangerschaftsabbruch drei Indikatoren festgelegt.
1.) Medizinische Indikation: Das Kind hat eine bestimmte Behinderung (zum Beispiel Down-Syndrom) oder das Leben der Mutter ist bedroht.
2.) Kriminologische Indikation: Die Schwangerschaft der Mutter wurde gewalttätig herbeigeführt.
3.) Beratungsregelung: Die Mutter hat sich beraten lassen, und ist zu dem Schluss gekommen, dass sie in Ihrer jetzigen Situation kein Kind versorgen kann. (Zum Beispiel weil sie zu jung ist, drogenabhängig, sich ein weiteres Kind nicht leisten kann,…).
Die Statistik zeigt deutlich dass die meisten Schwangerschaftsabbrüche vor der 13. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden. Leider verschweigt sie uns die Begründungen für die Schwangerschaftsabbrüche nach der 13. Woche. Ich vermute dass die Gründe nach der 13.Woche medizinischer Natur sind.

Ich hoffe ich konnt euch einen kurzen EInblick in die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs geben.
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KruegerChristine

KruegerChristine

13.09.2008 10:42

Eigentlich kann man sich das von Dir vorgetragene auch selbst im Internet zusammengoogeln. Es wäre sicherlich von hohem Interesse wie Deine Meinung zu dieser Angelegenheit ist und warum? Beispiel für meine Meinung: Obwohl ich Kirchensteuer zahle, wäre es mir persönlich "scheissegal" ob ich in einen solchen Fall von der Kirche exkommuniziert werde oder nicht. Im Falle des Ablebens entscheidet sowieso kein Verein über mein künftiges Seelenheil! LG Günter

princesse

princesse

01.11.2007 17:20

auf der einen seite ein sehr guter ansatz, und dann bricht der beitrag da ab wo es interessant wird, nämlich was der/die autor/in dazu zu sagen hat. hier sollte es entweder um eigenen erfahrungen gehen (hast du schon einmal abgetrieben?) oder wenigstens um eine eigene fundierte meinung. so ist es nur ein zusammentragen von fakten, die ohnehin im netz stehen, wikipedia?

Claudscha86

Claudscha86

30.10.2007 09:34

Das muss jeder selbst entscheiden & mit "Mord" (siehe unten) würde ich es nicht vergleichen... warum kann man den im Normalfall nur bis zum 3. Monat die Entscheidung treffen? Weil da noch kein "fertiges" Lebewesen entstanden ist! Bericht gefällt mir, obwohl die eigene Meinung & Erfahrung fehlt! Trotzdem SH für die Aufklärung!

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