Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Lecker, lecker, lecker |
| Kontra: |
Nichts |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Ich koche wirklich gerne und glaube ich auch ganz gut. Über die Jahre bin ich von dem, was ich zuhause gelernt habe (viel und möglichst billig) weggekommen und gebe mittlerweile auch gerne mal mehr Geld aus, wenn ich dafür ein hochwertiges Produkt bekomme. Dabei geht es mir nicht um den Namen des Produkts oder des Herstellers sondern um die reine Qualität. Und deshalb möchte ich heute auch gerne meinen Lieblingsbalsamico vorstellen. Den setze ich allerdings wirklich sparsam und sehr bewusst ein.
Hersteller:
Az. Agricola Leonardi Giovanni
Via Mazzacavallo, 62
41043 - Magreta di Formigine (MODENA)
Italienhttp://www.acetaialeonardi.it
Preis:
Hust. Also das ist so ähnlich wie mit dem Alter von Frauen. Da redet man ja nicht gerne drüber. Aber gut... für 250 ml bezahle ich im Geschäft meines Vertrauens in der Frankfurter Innenstadt um die Euro 25,00.
Und eh hier jetzt so Kommentare kommen wie "zu teuer" oder "würde ich nie kaufen" - ist ja okay. Es muss ja keiner echten Balsamico kaufen. Die Billig-Teile in den Supermärkten, die man für wenige Euro bekommt sind allerdings schlicht kein echter Balsamico. Und den Unterschied schmeckt man. Der ist nämlich gewaltig. So wie der Unterschied zwischen Plastik-Mozarelle und frischem Büffel-Mozarella *g*
Man bekommt übrigens auch 100 Jahre alten Balsamico - der kostet aber auch entsprechend viel - und ist selbst mir zu teuer. Wobei geschenkt tät ich denn gerne nehmen *g*
Acetaia Leonardi:
Die Acetaia Leonardi zählt zu den etwas grösseren in der Region Modena. Acetaia nennt man die Essigfabriken in Italien. Sie stellen besten Aceto Balsamico Tradizionale di Modena her. Gegründet wurde die Acetaia Leonardi 1871 und in den letzten Jahren permanent erweitert. Heute fasst die Acetaia mehr als 3000 Fässer.
Geführt wird der Betrieb heute in der vierten Generation von Francesco Leonardi.
Der Most kocht lange über offenem Feuer und wird anschließend nach altbewährter Tradition in den ersten Monaten des Jahres in Holzfässern eingelagert. Die ganze Herstellungsweise des ABTM (so die offizielle Abkürzung des echten Balsamico) erinnert schon sehr an die Herstellung von gutem Wein. Der Balsamico reift in Holzwässern und es hängt auch von der Holzart des Fasses ab, welchen Geschmack der Essig bekommt.
Was ist drin:
Vergorener Traubenmost.
Ja, mehr ist da tatsächlich nicht drin. Und deswegen schmeckt der so wahnsinnig gut. Und nur, wenn nicht mehr drin ist, dann ist es echter Balsamico. Sobald Weinessig als Inhaltsstoff auftaucht, ist - was auch immer man kauft - kein Balsamico, sondern Weinessig mit zusätzlichen Inhaltsstoffen.
Worum geht es genau?
Es geht um einen traditionell hergestellten Balsamessig. Gekochter Most und natürliche Essigsäuregärung sind die wichtigsten Attribute seiner Entstehung. Serie 5 steht für eine Reifezeit von mindestens fünf Jahren.
Meine Meinung:
Vor langen, langen Jahren - als ich noch jung, äh, jünger war hatte ich mal eine Freundin, die leidenschaftlich gerne Tomaten mit Mozarello und Balsamic drüber gegessen hat. Ich hab das ehrlich nie verstanden. Das war aber auch nur zu der Zeit, als man Mozarella eigentlich nur in Plastik eingepackt und mit völlig neutralem Geschmack bekam. Und über die Qualität des Balsamico wollen wir gar nicht reden. Ober über das Olivenöl.Mittlerweile esse ich diese Kombination Tomaten, Mozarella mit Balsamico selber ganz oft. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass ich die Möglichkeit habe in Frankfurt frischen Büffelmozarella zu kaufen (irre lecker), herausragendes Olivenöl und unglaublich leckeren Balsamico. Und um den Balsamico geht es mir heute.
Hätte mir vor Jahren mal einer gesagt, dass ich über 20,00 Euro für 250 ml Balsamico ausgeben würde, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Ich bin so erzogen worden (typisch deutsch), dass das geilste Essen aus einer möglichst großen Menge möglichst billiger Nahrungsmittel besteht. So nach dem Motto 5,00 Euro all you can eat. Oder das Angebot einer Supermarktkette: 1 Kilo Sauberbraten für Euro 3,90. So koche und esse ich mittlerweile nicht mehr. Ein schöner Nebeneffekt dieser veränderten Ernährung ist, dass ich in den letzten ca. 10 Jahren ohne Diät über 13 Kilo abgenommen habe. Allein das Geld, dass ich mir durch meine Nicht-Besuche bei Weight Watchers gespart habe....
Aber ich schweife ab. Zurück zum Balsamico. Warum gebe ich jetzt so viel Geld aus für blöden Essig? Weil er unglaublich gut schmeckt. Vor meinem ersten Kauf hat man mir einen Kaffeelöffel voll des Balsamico zum probieren angeboten. Ich habe dankend abgelehnt. Bis dato kannte ich nur den billigen Balsamico aus dem Supermarkt. Und davon hätte mir ein Kaffeelöffel die Magenwände weggeätzt. Gut, ich habe einen empfindlichen Magen - aber dieser Billigbalsamico aus dem Supermarkt wird aus Weinessig mit etwas Most, mit geräuntem Zucker für die Farbe und weiteren qualitativ niedrigen Inhaltsstoffen hergestellt. Das ist schlicht kein Balsamico. Das ist Kundenverarsche. Man bezahlt hier für minderwertigste Inhaltsstoffe, die einem vorgaugeln sollen was ganz tolles zu kaufen. Jeder Balsamico, der erste Zutat Weinessig hat, und als 2. dann Traubenmostkonzentrat ist kein Balsamico sondern Weinessig.
Woran erkennt man nun guten Balsamico: Guten „Aceto Balsamico“ erkennt man an seinem satten Schwarz. Er sollte angenehm durchdringend und intensiv aromatisch schmecken. Wenn er in einem Glas geschwenkt wird, überzieht er die Innenseite des Glases wie Sirup.
Ich habe mich dann in dem Geschäft doch überreden lassen zumindest mal an dem Kaffeelöffel zu nippen. Und konnte das gar nicht glauben. Der Balsamico, den sie mich kosten ließen, war süß und unglaublich lecker. So etwas hatte ich vorher noch nie probiert. Also habe ich eine Flasche von dem mindestens fünf Jahre alten Balsamico gekauft. Nach oben ist der Preis offen, wenn man Balsamico kauft, der noch länger gegärt hat. Ich durfte einen der teureren probieren und muss ehrlich sagen, dass der noch leckerer war. Aber bei Euro 30,00 ist dann bei mir auch Schluss - schenken lasse ich mir den älteren Balsamico zum Geburtstag oder zu Weihnachten aber sehr gerne.
Meistens benutze ich Balsamico im Sommer mit Tomaten und Büffelmozarella. Mittlerweile koche ich aber auch öfter damit. Gerade für Soßen bei Fleischgerichten oder auch bei Gemüsegerichten verfeinert dieser gute Balsamico das Gericht doch ungemein. Letztes Jahr war ich mal ganz mutig und habe den Balsamico über Erdbeeren gemacht. Das ist allerdings nicht so mein Ding - zu Erdbeeren gehört Vanilleeis *g*
Die 250 ml halten über den Sommer meistens vier - sechs Wochen und über den Winter auch gerne mal drei bis vier Monate. Ich gehe sehr bewusst mit dem Balsamico um und habe schnell gemerkt, dass man ihn nicht literweise über Sachen drübergießen muss. Von daher tut der Preis letztlich gar nicht mehr so weh.
Fazit:
Für einen relativ humanen Preis bekommt man hier einen unglaublich leckeren Balsamico mit natürlichsten Inhaltsstoffen. Ich kann ihn nur empfehlen. Wer ihn einmal probiert hat will den billigen Schmodder aus dem Supermarkt nicht mehr kaufen. Fünf Sterne - keine Frage.
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